Das Ende einer Ära

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Zwei Celtics-Legenden verabschieden sich

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Sie kamen, sie sahen, sie siegten, sie blieben sechs Jahre lang.

Als Kevin Garnett und Ray Allen im Sommer 2007 zu Paul Pierce stießen, waren die Boston Celtics am Boden.

Praktisch über Nacht wurden die Prügelknaben durch die Neuzugänge zu einem alljährlichen Titelkandidaten. Ein Modell, das Schule gemacht hat.

Nun ist das Ende der „Big Three“ gekommen - ein Stück in zwei Akten, dessen erster schon vor einem Jahr aufgeführt wurde. Nach Allens Abschied Richtung Miami im vergangenen Sommer verlassen nun auch „KG“ und „PP“ ihre Wahlheimat Boston.

Im Zuge eines Monster-Trades (Hier die Übersicht) wechselt das Duo mitsamt Jason Terry zu den Brooklyn Nets und startet dort einen letzten Anlauf auf den Titel, während ihr Ex-Team mit dem Neuaufbau beginnt.

Gute Basis 2006

Im Jahr 2006 sah die damalige Gegenwart und Zukunft der Traditionsfranchise nicht schlecht aus. Im dritten Jahr unter Head Coach Doc Rivers verfügte man über zahlreiche junge Spieler, darunter ein gewisser frisch gedrafteter Rajon Rondo.

Paul Pierce hatte sich als Anführer der Mannschaft etabliert und die Celtics aus einem tiefen Loch der Erfolglosigkeit in den Jahren 2002-2005 vier Mal in Serie in die Playoffs geführt.

Nach einer verlorenen Saison 2005-06, in der das Team durch unzählige Trades, Umstellungen und Rotationen nie in einen Rhythmus kam, sollte es in der Folgesaison wieder bergauf gehen.

Mit den damals 21-jährigen Big Men Kendrick Perkins und Al Jefferson schien der Frontcourt der Zukunft zu stehen, Forward Wally Szczerbiak und Pierce brachten die nötige Erfahrung ins Team.

„Boston hat das Talent, den Schritt nach vorne zu machen und es in die Playoffs zu schaffen“, hieß es in der offiziellen Saisonvorschau der NBA.

Die Katastrophensaison

Die Spielzeit stand aber von Beginn an unter keinem guten Stern: Vier Tage vor dem ersten Spiel starb mit Red Auerbach die abseits des Courts wohl größte Celtics-Legende aller Zeiten.

Der Saisonstart verlief etwas holprig, nach 24 Spielen hielt das Team aus Beantown bei 10 Siegen und 14 Niederlagen. Alles noch aufholbar, am 20. Dezember brach sich Pierce aber den Fuß, die Mannschaft war ohne ihren Anführer aufgeschmissen.

Von den nächsten 31 Spielen gewannen Sebastian Telfair und Co. nur drei, die Saison war verloren – nicht zuletzt, da sich der aufstrebende Tony Allen im Januar Kreuzband und Innenband riss und Pierce auch nach seinem Comeback immer wieder angeschlagen war.

Pech in der Lottery

Mit 24 Siegen und 58 Niederlagen verzeichnete man die schlechteste Saison in der langen Celtics-Geschichte, auch aus der erhofften Entschädigung wurde nichts.

Mit der zweitschlechtesten Liga-Bilanz standen die Chancen in der Draft-Lottery gut, einen der zwei besten Picks zu ergattern. Mit Greg Oden und Kevin Durant standen zwei vermeintliche Superstars zur Wahl – die den Celtics beide verwehrt blieben.

Die Lotterie brachte mit dem fünften Pick das schlechteste mögliche Resultat und zwang GM Danny Ainge so, einen anderen Weg einzuschlagen.

Die zwei Trades

Am Zuge des Drafts holte sich der damals 48-Jährige den sechsfachen All-Star Ray Allen von den Seattle SuperSonics, dafür wechselten Jeff Green, Szczerbiak und Delonte West in den Nordwesten. Etwa einen Monat später stellte Ainge den zweiten, ungleich größeren Trade auf die Beine. Ziel seiner Aktion war der in Minnesota unzufriedene Kevin Garnett, seines Zeichens MVP von 2004.

Lag einer seiner Teamkollegen am Boden, half KG ihm auf

Eine bis dato ungebrochene Serie an Playoff-Einzügen und ein denkwürdiges Finale gegen die Lakers 2010 (3:4) machen sich aber auch gut in der Vita, neben den Spurs und Lakers waren die Celtics in Summe eine der erfolgreichsten Franchises des letzten Jahrzehnts.

Eine neue Mentalität

Die Verpflichtung von Garnett brachte nicht nur den damals dominantesten Big Man der Liga nach Boston, sondern auch eine neue Mentalität. „Als Kevin hierher kam, hat er unsere Kultur verändert – vom Training bis auf dem Court, die ganze Disziplin. Jeder musste Verantwortung übernehmen, vom Balljungen bis zum Piloten. Es war großartig, ihn im Team zu haben“, erinnert sich Pierce zurück.

„Jeder Coach sollte einmal die Chance haben, ihn zu trainieren. Ehrlich, ich glaube, dass er der für das Team beste Superstar aller Zeiten ist. Er ist so teamorientiert in allem was er sagt und tut“, huldigte Neo-Clippers-Coach Doc Rivers dem mittlerweile 37-Jährigen noch im April.

Auch auf dem Court war die neue Linie nicht zu übersehen. Garnett führte die Defense von Tag eins nach seiner Ankunft mit lauter Stimme an, auch als Individualverteidiger ragte der in Boston meist als Center eingesetzte Big Man stets heraus. Harte Arbeit war das neue Motto, das auch perfekt in das Konzept von Defensiv-Spezialist Rivers passte.

„Ich blute grün und werde das auch weiterhin tun. Wenn es nach mir geht, werde ich als Celtic in den Ruhestand gehen“, stellte der 15-fache All-Star im Februar noch klar.

Doch nicht als Celtic in die Pension

Warum es nun doch anders kommt, ist schnell erklärt: Die Celtics sahen keine echte Chance mehr, mit dem derzeitigen Kern um einen Titel mitzuspielen. So entschied man sich für den Reset-Knopf, der aber nicht so einfach zu betätigen war. Erst musste ein zufriedenstellender Trade gefunden werden – sowohl für die Franchise, als auch für die zwei Legenden mit den Nummern 34 und 5.

Mit den Brooklyn Nets als Partner wurde dieser gefunden. Das mittlerweile unzertrennliche Duo kann noch einmal seinem zweiten Titel nachjagen, während die Celtics mit Unmengen an Draftpicks und viel Gehaltsspielraum für die Zukunft ausgezeichnet aufgestellt sind.

Offen bleibt noch, ob sie auch Rondo loswerden und damit den „Angriff“ auf den besten Pick im kommenden, enorm vielversprechenden Draft starten, oder ob sie den Point Guard als Kernstück für die kommenden Jahre sehen.

Der Schlussstrich unter der letzten Ära ist aber schon mal gezogen.

Die sechsjährige Zeit der „Big Three“, die Boston einen Titel, vor allem aber eine neue Identität brachte, ist endgültig vorüber.

Martin Schauhuber

Ganze sieben Spieler (u.a. Al Jefferson) wechselten für das „Big Ticket“ zu den Timberwolves, die Celtics-Führungsriege setzte also alles auf eine oder vielmehr drei Karten – die „Big Three“ sollten den Erfolg lang vergangener Zeiten zurückbringen. Die zur Kader-Auffüllung verpflichteten Free Agents waren keine großen Namen, eine Reaktivierung des zwei Jahre im Ruhestand befindlichen Reggie Miller scheiterte nur knapp.

Zusammen mit Rondo und Perkins brachte das Trio aber ausreichend Feuerkraft mit. Sie sicherten sich die mit Abstand besten Regular-Season-Bilanz der Liga (66-16), 42 Siege mehr als im Vorjahr sind bis heute die größte Verbesserung der Geschichte.

Der Titel

In den ersten Runden der Playoffs hatten die Celtics mehr Schwierigkeiten als erwartet: Sowohl die Atlanta Hawks, als auch die Cleveland Cavaliers rund um einen gewissen LeBron James erzwangen ein Spiel sieben, in dem Pierce die Serie mit 41 Zählern entschied.

Nach einem 4:2 über Detroit stand das Traumfinale fest. Celtics gegen Lakers – eine legendäre Rivalität bekam neues Feuer.

In einer abwechslungsreichen Finalserie setzten sich Pierce, Garnett und Allen die Krone auf. Starke Leistungen des Trios (Pierce wurde Finals-MVP) sorgten für einen 4:2-Sieg und einen Eintrag in die dicken Geschichtsbücher der Franchise.

Garnetts überschwänglicher „Alles ist möglich!“-Schrei nach Spiel sechs mitsamt anschließendem Tränenausbruch wird nicht nur Sportfans aus Boston noch in bester Erinnerung sein. In nur einem Jahr im grünen Dress hatten sich auch die zwei Neuzugänge unsterblich gemacht, Pierce sowieso.

Mit den zwei mutigen Trades im Sommer 2007 war eine Ära des Erfolgs angebrochen – der heiß ersehnte zweite Triumph blieb nach der Premierensaison aber aus.

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