Aus dem Knast in Buddhas Arme

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Wer hat als Kind nicht davon geträumt sich selbst einen eigenen Namen zu geben. Frei von der Leber weg und komplett fantastisch, nach einem großen Sportler, einem Superhelden im meist-gelesenen Comic oder einen Charakter aus der Lieblings-Fernsehserie.

Doch darauf angesprochen, wurden einem von den bösen Eltern Knüppel zwischen die Beine geworfen und klargemacht, dass dies nicht so einfach geht. Man musste wohl oder übel weiterhin ein Dasein als Christoph, Markus, Peter oder Sebastian fristen. Auch der Nachname war nicht verhandelbar.

Aus der Traum von Captain Universe Ben Hur.

So dachte man zumindest.

Vor gar nicht allzu langer Zeit bewies nämlich endlich eine Person des öffentlichen Lebens, dass eine vollkommen willkürliche Namensänderung doch keine so große Hürde zu sein scheint.

Buddha als Inspiration

Ronald William Artest jun., Forward bei den Los Angeles Lakers, beantragte im April 2011 eine solche. Sein neuer Name: Metta World Peace. Ja genau, richtig gehört. Der Abwehr-Spezialist, der 2003/04 zum „Defensive Player of the Year“ gewählt wurde, heißt nun mit Nachnamen Weltfrieden.

Am 16. September wurde die Änderung bestätigt und aus Ron wurde Metta. Metta, für all jene, die es nicht wissen sollten, ist eines der 40 vom historischen Buddha Siddharta Gautama gelehrten Meditationsobjekte.

Frei übersetzt heißt es so viel wie Freundlichkeit, aktives Interesse an anderen, Liebe, Freundschaft oder Sympathie. Was für ein Name also: Freundlichkeit Weltfrieden!

Mehr Harmonie kann wohl kein Name versprühen. Da kann unter anderem Vagner Love, ehemaliger Stürmer von ZSKA Moskau, getrost einpacken. Mehr Liebe, als „der neue Ron“ versprüht, geht nicht.

Metta trägt den Weltfrieden auf dem Rücken

Zehn Tage Haft

Dabei ist der Herr World Peace gar nicht so ein freundlicher Kerl, wie sein Name eigentlich vermuten ließe. Im März 2007 wurde der damals noch Artest heißende 201-cm-Riese wegen des Verdachts der häuslichen Gewalt gegen seine Ehefrau auf seinem Anwesen in Loomis festgenommen und im Mai zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt, von welchen er die Hälfte absitzen musste. Der Weltfrieden scheint für die eigenen vier Wände nicht zu gelten. Weiter gab er zu, in seiner Zeit bei den Chicago Bulls in der Halbzeit Alkohol getrunken zu haben und bei den Indiana Pacers verprügelte er einst einen Zuschauer.

Nun lässt sich natürlich entgegnen, dass bereits einige Jahre ins Land gezogen sind. Zwischen dem Vorfall, als Ron seine Frau unsanft angefasst hat, und der Wandlung zu Metta liegen immerhin 49 Monate. Jeder kann sich ändern und wir wollen das auch gerne glauben.

Der NBA-Star hat offensichtlich mit seiner Namensänderung die Metamorphose zum Gutmenschen abgeschlossen.

„Er wollte den Nachnamen schon lange ändern, es dauerte jedoch einige Jahre der Recherche und Selbstfindung, um einen Vornamen zu finden, der sowohl für ihn persönlich bedeutsam, als auch inspirierend auf andere wirken soll“, erklärt sein Publizist nach der Bekanntmachung der Umbenennung.

Ron oder Metta?

Allerdings haben noch nicht alle den Wechsel von Ron zu Metta vollzogen. So nennen den Lakers-Star ältere und arrivierte Spieler weiterhin Ron, die jüngeren Akteure aber bereits Metta. Was Mr. World Peace nun lieber ist, beantwortet er in einem Interview der „Los Angeles Times“ wie folgt.

„Ich bin nur glücklich, dass Jesus Christus mich meine Zähne behalten ließ, als ich 20 Jahre alt war. Ich habe mich oft gewundert, was wäre, wenn ich meine Babyzähne behalten hätte und mit 20 dann verloren hätte? Das würde ziemlich schlimm aussehen und daher denke ich, es ist ziemlich brillant, dass man bereits als Baby die Zähne verliert“, so der in New York geborene Sportler, der auch nebenher eine Karriere als Rapper anstrebt.

Die Tatsache, dass die Antwort nichts mit der Frage zu tun hat, wird World Peace zwar bewusst, scheint ihn aber nicht sonderlich aus der Ruhe zu bringen. Viel mehr macht er sich im weiteren Interview-Verlauf Sorgen um die Ästhetik seines Mundinneren.

„Was wäre, wenn ich heute mit 32 meine Zähne verlieren würde und meine neuen erst jetzt nachwachsen würden. Darüber habe ich nachgedacht und kam zu dem Schluss, dass es ziemlich brillant ist. Er (Gott oder Jesus, man weiß es nicht genau. Anm.) hat sich über das Image der Menschen Gedanken gemacht, denn man wäre sehr hässlich mit 20 und ohne Zähne. Nicht nur, dass er die Welt in sieben Tagen und Nächten erschaffen hat, sorgte er auch dafür, dass die Menschen ihre Zähne besser früh als spät verlieren.“

Er lebt den Traum: Sportler und fiktiver Name

Realitätsverlust oder tiefgründig?

Man merkt schon, Mr. World Peace sieht hinter die Kulissen und nimmt auch das von Natur aus Gegebene nicht als selbstverständlich hin. Böse Zungen würden wohl behaupten, der Mann hätte ein bisschen den Hang zur Realität verloren, was natürlich auch seinen Namen erklären würde.

Doch sein soziales Engagement, für welches er mit dem „J. Walter Kennedy Citizenship Award“ ausgezeichnet wurde, spricht gegen diese Theorie.

Außerdem ist Metta nicht der einzige Sportler, der seinen Namen ändern ließ. Meist sind religiöse Gründe wie zum Beispiel bei Muhammad Ali, der vor seiner Konversion zum Islam noch Cassius Marcellus Clay Jr. hieß, ausschlaggebend für den Wandel. Doch es gibt auch ähnliche Fälle wie bei World Peace. So änderte NBA-Spieler Lloyd Bernard Free in den Achtzigern seinen Namen in World B. Free.

Nun kann man zu diesen Männern stehen wie man will, aber eines ist jedoch sicher: Sowohl die sportliche Karrieren als auch die Willkür der Namensänderungen vermitteln zumindest den Kindern dieser Welt, das nichts unmöglich ist und lässt vielleicht so manchen von einer Zukunft als Sport-Ikone namens He-Man Friendship Easter-Bunny träumen.

Sebastian Rauch

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