Menschlich und sportlich die richtige Entscheidung

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„I’m coming home.“

Mit diesen Worten stellte LeBron James die NBA im Sommer einmal mehr gehörig auf den Kopf.

Der beste Basketballer der Gegenwart gab im Juli bekannt, nach vier Jahren in Miami zu den Cleveland Cavaliers zurückzukehren – seinem Heimatteam, das ihn 2003 an erster Stelle gedraftet hatte.

In der Nacht auf Freitag empfängt er mit den Cavs die New York Knicks.

„Meine Beziehung zu Nordost-Ohio ist größer als Basketball“

Anders als 2010, als James in einer landesweit übertragenen Fernseh-Sondersendung seinen Wechsel zu den Miami Heat verkündet und damit viele Cavs-Fans und -Verantwortliche gewaltig vor den Kopf gestoßen hatte, verzichtete der vierfache Liga-MVP diesmal auf Glamour und Präpotenz.

Stattdessen erklärte der bald 30-Jährige seine Entscheidung in einem pathetischen Brief und gewann so mit einem Schlag die Gunst der Menschen in Cleveland zurück. Jene Fans, die vor vier Jahren noch mit Steinen auf das riesige Banner des Superstars geworfen und öffentlich seine Trikots verbrannt hatten, feierten die Rückkehr des verlorenen Sohnes. 30.000 kamen, um den Heimkehrer willkommen zu heißen.

Es wäre einfach gewesen, den enttäuschten Anhängern in Ohio für immer den Rücken zu kehren, doch „King James“ hatte andere Pläne. „Meine Beziehung zu Nordost-Ohio ist größer als Basketball. Das erkannte ich vor vier Jahren nicht – heute schon“, meinte James im ersten Absatz seiner schriftlichen Erklärung.

Ziel ist der NBA-Titel

Und so entschied sich der zweifache NBA-Champion und Finals-MVP nach einer Aussprache mit Cavs-Besitzer Dan Gilbert, der James nach dessen Abgang 2010 scharf kritisiert hatte, nach Cleveland zurückzukehren.

„Es geht nicht um den Kader oder die Organisation. Das geht über Basketball hinaus. Ich habe eine breitere Verantwortung, die ich sehr ernst nehme“, heißt es gegen Ende des Briefes. Es geht James, der in Akron nur wenige Kilometer von Cleveland entfernt aufwuchs, darum, seiner Heimatregion etwas zurückzugeben –  im Idealfall einen NBA-Titel.

Wenig überraschend geht es also doch auch um Basketball. „Als ich Cleveland verließ, hatte ich eine Mission. Ich wollte Titel gewinnen – und gewann zwei. Doch Miami kannte dieses Gefühl schon. Unsere Stadt hatte das Gefühl für lange, lange, lange Zeit nicht mehr. Mein Ziel ist es noch immer, so viele Titel wie möglich zu gewinnen, keine Frage. Aber das Wichtigste für mich ist, die Trophy nach Nordost-Ohio zu bringen.“

James bittet um Zeit

Der Druck, der auf dem 29-Jährigen lastet, ist enorm. Seit 1964 wartet Cleveland auf den Gewinn einer Meisterschaft im Profisport. Damals konnten die Browns die Super Bowl für sich entscheiden. Die Cavaliers konnten noch keine NBA-Championship gewinnen, am nächsten waren sie 2007 dran, als James und Co. den San Antonio Spurs in den Finals mit 0:4 unterlagen.

Entsprechend dämpft auch der vermeintliche Heilsbringer die Erwartungen: „Ich verspreche keinen Titel. Ich weiß, wie schwer es ist, dieses Versprechen zu halten. Wir sind noch nicht bereit. Natürlich will ich nächstes Jahr gewinnen, aber ich bin realistisch. Es wird ein langer Prozess – viel länger als 2010.“

Was James zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wusste, ist, dass die Verantwortlichen in Cleveland schon diesen Sommer alle Hebel in Bewegung setzen würden, um dem alten und neuen Superstar des Teams eine schlagkräftige Truppe zur Seite zu stellen.

Aufrüsten im Sommer

Und das mit Erfolg: Ende August wurde Kevin Love per Trade von den Minnesota Timberwolves weggelotst. Zudem konnten Shawn Marion, Mike Miller und James Jones geholt werden – allesamt mehr als solide Rollenspieler mit massenhaft Playoff-Erfahrung.

Plötzlich wirkt LeBrons Rückkehr nicht mehr nur menschlich, sondern auch basketballerisch sinnvoll. Mit Love und Youngster Kyrie Irving stehen zwei aufstrebende All Stars bereit, um „King James“ einige Last von den Schultern zu nehmen. Auch vom 22-jährigen Dion Waiters erwartet man sich in Cleveland jede Menge.

Während viele der Leistungsträger bei den Heat langsam in die Jahre kamen, haben Irving, Waiters und Love ihre besten Jahre noch vor sich. „Ich sehe mich als Mentor und freue mich darauf, diese talentierten jungen Leute anzuführen“, stellt James klar.

Schon heuer Titelkandidat?

Mittelfristig sind die Titelchancen von „The Chosen One“ in Cleveland wohl deutlich besser, als sie in den nächsten Jahren in Miami gewesen wären. Viele Experten zählen James und Co. auch diese Saison schon zu den absoluten Topfavoriten.

Und noch etwas spricht für die Gefährlichkeit der Cavs: LeBron James nahm in der Offseason acht Kilogramm ab. „Ich habe 67 Tage lang keine Kohlenhydrate, keinen Zucker und keine Milchprodukte zu mir genommen. Ich habe nur Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse gegessen“, erklärt der Heimkehrer und fügt hinzu: „Ich bin leichter und schneller. Und das ist keine gute Nachricht für meine Gegner.“

 

Manuel Preusser

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