Lakers-Hoffnung auf die Playoffs schwindet

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Nach dem bescheidenen Saisonstart hatte man bei den Lakers noch beschwichtigt.

Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis sich die vier künftigen Hall of Famer Kobe Bryant, Dwight Howard, Pau Gasol und Steve Nash finden und schließlich wie allgemein erwartet um die Meisterschaft mitspielen würden.

Doch mit jeder Niederlage schwand die Zuversicht, der Druck zu gewinnen stieg. Auch ein Coach-Wechsel von Mike Brown zu Mike D'Antoni brachte nicht den gewünschten Effekt.

Verletzungen von Steve Nash, Pau Gasol und Dwight Howard sowie von Steve Blake und Jordan Hill erschwer(t)en es den Mannen in Lila und Gold, in Tritt zu kommen.

Nobodies Sacre und Clark als Starter

Wäre es angesichts der aktuellen körperlichen Form von Nash, Gasol und Howard auch in kompletter Aufstellung nicht einfach, schnell einen gemeinsamen Rhythmus zu finden, so stehen nun Spieler wie Robert Sacre und Earl Clark in der Starting Five.

Akteure, die wohl auch bei Teams mit weit weniger hohen Ansprüchen "kein Leiberl" hätten.

Kein Wunder, dass sich ein Desaster anbahnt: Mit dem Ziel NBA-Titel in die Saison gestartet, stehen die Chancen der Lakers auf einen Playoff-Einzug mittlerweile schlecht.

Playoffs stark in Gefahr

Die 101:116-Schlappe gegen Oklahoma City in der Nacht auf Samstag bedeutete die sechste Niederlage in Folge - die längste Pleitenserie seit sechs Jahren.

Selbst der längste Negativ-Streak mit zehn "L"s en suite aus dem Jahre 1994 scheint in Gefahr.

15:21 lautet die derzeitige Bilanz. Auf Platz acht im Westen, den Portland mit 20:16 einnimmt, fehlen schon fünf Siege.

Bedenkt man, dass in der Western Conference in den letzten fünf Jahren kein Team mit einem schlechteren Sieg-Prozentsatz als 54,5 die Postseason erreichte, erscheint die Mission Playoffs für die Lakers sogar unrealistisch.

Gerade einmal sieben Partien gegen Teams, die derzeit auf einem Playoff-Platz liegen, wurden gewonnen.

Keine Hinweise auf Turnaround

Um die magische Marke von 45 Siegen zu erreichen, müssten Kobe Bryant und Co. ab nun einen 30:16-Record hinlegen, also über 65 Prozent der verbleibenden Spiele gewinnen.

Für eine Lakers-Equipe im Prinzip kein außergewöhnlicher Wert, nur: Bei einer bisherigen Erfolgsquote von 41,7 Prozent, den Verletzungsproblemen und der Tatsache, dass bislang rein gar nichts auf einen Turnaround hingewiesen hat, glauben selbst eingefleischte Lakers-Fans nicht mehr so richtig an das Wunder.

Ikone Magic Johnson meinte kürzlich gar, Portlands LaMarcus Aldridge oder Houstons James Harden müssten sich verletzen, um es den Lakers zu erlauben, eine der beiden Mannschaften zu überholen.

In der Halbzeit des Thunder-Spiels schrieb er die Playoffs gleich ganz ab, auch Langzeit-Fan Jack Nicholson verlor die Geduld und sah sich die zweite Hälfte nicht mehr an.

Mit Utah und Minnesota liegen noch zwei weitere Teams vor L.A.

Bryant: "Brauchen große Veränderungen"

"Wir sind einfach sehr frustriert und verärgert darüber, was wir gerade durchmachen und wie wir spielen", sagte Bryant am Freitag gegenüber der Presse.

"Wir müssen große Änderungen vornehmen, wenn wir erfolgreich sein wollen. Wir haben heute fast 120 Punkte zugelassen, und viele davon waren Layups und leichte Würfe in Korbnähe."

Saison

S

N

Prozent

Playoffs

2003/04

56

26

68,3

Vizemeister

2004/05

34

48

41,5


2005/06

45

37

54,9

Aus in Runde 1

2006/07

42

40

51,2

Aus in Runde 1

2007/08

57

25

69,5

Vizemeister

2008/09

65

17

79,3

NBA-Champion

2009/10

57

25

69,5

NBA-Champion

2010/11

57

25

69,5

Aus in Runde 2

2011/12*

41

25

62,1

Aus in Runde 2

2012/13

15

21

41,7

???

Bryant allein kann's nicht richten

Die Lakers haben viele Baustellen, doch die Defense der Guards ist wohl die größte: Praktisch in jedem Spiel kommt der beste Außenspieler des Gegners auf deutlich bessere Stats als in seinem Saison-Durchschnitt.

Die Frage ist nur, ob L.A. überhaupt das Personal dazu hat, um außen besser zu verteidigen: Nash ist nicht gerade für seine Defense bekannt, Howard ist derzeit nicht fit genug, um die Fehler seiner kleineren Mitspieler auszubessern und Bryant ist im Angriff so gefordert, dass er sich hinten praktisch schonen muss.

D'Antoni: "Keine Fehltritte mehr"

Zumindest offensiv kann sich Kobe kaum einen Vorwurf machen: Der 34-Jährige erzielt 30,0 Punkte pro Spiel, und das bei einer hervorragenden Feldwurf-Quote von 47,2 Prozent. Er muss 39 Minuten pro Partie auf das Parkett - so lange wie vor zuletzt fünf Jahren.

Auch Coach D'Antoni ist sich der Brisanz der Lage bewusst. Für sein Team müsse die Saison mit dem nächsten Spiel am Sonntag beginnen.

"Wir müssen einen Run hinlegen. Von jetzt an können wir uns keine Fehltritte mehr erlauben."

Buss bleibt Optimist

Heimspiele gegen Cleveland und Milwaukee scheinen geeignet, um einen solchen Lauf zu starten. Doch komplett werden die Lakers da noch nicht sein.

Howard fällt wegen seiner lädierten Schulter noch mindestens eine Woche aus, für Hill ist die Saison wegen einer Hüftverletzung wahrscheinlich vorbei.

Dafür könnte Gasol nach seiner Gehirnerschütterung in Kürze wieder auflaufen, auch Blake steht vor einem Comeback.

Strohhalme, an die sich auch der geschäftsführende Vizepräsident Jim Buss klammert.

Der Sohn von Eigentümer Jerry Buss versprüht Optimismus: "Wie kann man nicht an dieses Team glauben? Dieses Team wurde zusammengestellt, um zu gewinnen und es ist ein sehr, sehr solides Team."

Den Glauben an die Playoffs nimmt man Buss ja ab - aber selbst bei einem Erreichen der Postseason: Vom eigentlichen Ziel Meisterschaft wagt in L.A. derzeit keiner zu sprechen - außer im Lager des Stadtrivalen Clippers ...


Hubert Schmidt

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