"Big Three" haben Erfolg - haben sie auch Zukunft?

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Vor zwei Jahren begann das aufsehenerregendste Basketball-Experiment dieses Jahrtausends.

Die Shooting-Stars LeBron James und Chris Bosh wurden zu den Miami Heat um Dwyane Wade gelotst, die „Big Three“ waren geboren.

Eine Star-Power, mit der nur wenige Teams in der Geschichte der NBA aufwarten konnten. Die einzige Frage schien, wie viele Championships das talentierte Triumvirat erringen würde.

LeBron James kündigte bei der Präsentation der „Heatles“ vollmundig an, „mehrere“ Titel nach Florida holen zu wollen.

Zweifel nach erster Saison

Doch im ersten Jahr scheiterten sie im Finale. Manch einer bescheinigte dem Traum-Trio – dabei vor allem James – mangelnde Clutch-Qualitäten, selbsternannte Experten prophezeiten der Franchise aus Miami Jahre von Playoff-Niederlagen.

Auch in der Spielzeit 2011/2012 schienen den Heat die Postseason-Felle wieder davonzuschwimmen.

Nach drei Spielen gegen die in der Abwesenheit eines echten Stars gemeinhin unterschätzten Indiana Pacers lagen die Mannen vom South Beach mit 1:2 zurück. Kritiker sahen sich bestätigt, das Ausscheiden der Heat schien nach der katastrophalen Leistung in Spiel drei schon fixiert.

180-Grad-Drehung

Doch „King James“ wollte noch nicht in den Urlaub.

40 Punkte und 18 Rebounds in Spiel vier bescherten den Ausgleich, mit 30 Punkten, zehn Rebounds und acht Assists im fünften Aufeinandertreffen besorgte der Forward seinem Team zwei Matchbälle.

Der Star beim Aufstieg in das Conference Final war aber ein anderer. Einer, der zu Beginn der Serie einen rabenschwarzen Tag erwischte (fünf Punkte in Spiel zwei) und daraufhin sowohl an den Pranger als auch in Frage gestellt wurde: Dwyane Wade.

Der Guard marschierte mit 41 Punkten und zehn Rebounds über die Herausforderer aus Indiana hinweg. Pacers-Coach Frank Vogel meinte schon damals: „Sie spielen auf einem so hohen Niveau, ich weiß nicht, ob sie überhaupt jemand schlagen kann.“

Rückfall gegen Celtics

In den ersten zwei Partien des Halbfinales gegen die Boston Celtics ging es wie gewohnt weiter. Zwei Top-Performances von James (32 Punkte, 10 Rebounds bzw. 34 Punkte, 10 Rebounds) sorgten für eine 2:0-Führung.

Gegen Boston waren die Heat anfangs obenauf

Schon schwang das instabile US-amerikanische Medien-Barometer um. Die Heat wären reif für den Titel, hieß es.

Doch dann kam der Rückfall – der eigentlich viel mehr eine starke Phase der Celtics war, die die Abwesenheit des verletzten Chris Bosh ausnutzten.

Drei starke Celtics-Spiele beleben Zweifler

Zuerst eine überzeugende Partie von Bostons neuen „Big Three“, Kevin Garnett, Paul Pierce und Rajon Rondo, dann ein Overtime-Krimi im TD Garden zu Boston, der mit einem Punkt zugunsten der Heimmannschaft ausfiel.

Zu guter Letzt folgte beim Comeback von Chris Bosh noch ein Celtics-Auswärtssieg. Bei diesen drei Niederlagen lieferte James hervorragende und Wade - meistens - gute Leistungen ab. Trotzdem wurde sofort wieder an ihnen gezweifelt. Doch wieder hatte ein Superstar etwas dagegen.

45 Punkte – eine Demonstration

Am Rande des Scheiterns stehend wurde der „Chosen One“ zu „Super-James“. Mit unglaublichen 45 Punkten erzwang der polarisierende Star ein finales  Spiel sieben.

In diesem demonstrierten die „Big Three“, warum sie diesen Titel verdienen. 31 Zähler von James, 23 von Wade und 19 von Bosh sicherten der Franchise aus Florida einen 101:88-Sieg und den Einzug in das Finale.

Der Rest ist Geschichte. Die „Big Three“ führten die Franchise aus Miami unter tatkräftiger Mithilfe von Rollenspielern wie Shane Battier und Mario Chalmers zum ersten Titel seit 2006.

Miami feiert – ein wenig

Für die Anhänger der Heat schien der Titel überfällig, wurden doch vor zwei Jahren gleich mehrere davon angekündigt. Die als Schönwetter-Fans bekannten Einwohner Miamis jubeln zwar kurz, schon bald wird die Zufriedenheit aber dem Hunger nach weiteren Titeln weichen.

Weitere Titel, die auch die „Big Three“ von sich selbst erwarten. Manch ein Experte spricht schon vom Entstehen einer Dynastie á la Michael Jordans Bulls, Larry Birds Celtics oder Magic Johnsons Lakers.

Doch das ist ungewiss. In nur zwei Jahren können alle Mitglieder des Star-Trios ihre Verträge beenden. Die ohnehin schon hoch dotierten Kontrakte werden von Jahr zu Jahr automatisch voluminöser und stellen Heat-GM Pat Riley vor grobe Salary-Cap-Probleme.

„Big Three“ verdienen enorm viel

Neben den drei Stars, die zusammen in der Saison 2013/14 56 Millionen US-Dollar verdienen werden, bleibt kaum Platz für besser bezahlte Akteure. Zum Vergleich: In der abgelaufenen Saison betrug das Salary Cap (Die Grenze, unter der die Gesamtgehälter aller Spieler liegen müssen, um eine Strafe zu vermeiden) 58 Millionen Dollar.

2013/14 kommt eine neue Regeländerung hinzu. Die sogenannte Luxury Tax, die Teams bezahlen müssen, die über dem Cap liegen, wird für „Wiederholungstäter“ wie die Heat kräftig angehoben. Da jeder Dollar, den die NBA durch diese Sondersteuer einnimmt, direkt an die Teams geht, die sich innerhalb des Salary Caps bewegen, ist das doppelt bitter für die Übeltäter.

Es muss sich also etwas ändern, will sich Besitzer Micky Arison nicht ruinieren. Die Alternative wäre natürlich, mit billigen Unterstützungskräften auf Titeljagd zu gehen – was wohl nicht von Erfolg gekrönt wäre.

Schwache Bank, starke Gegner

Schon heuer bewegte sich die Bank-Qualität der Heat eher im unteren Bereich, zum Glück für die Fans in Florida hatten viele Ersatz-Spieler in den Finals ihre besten Auftritte der Saison.

Gleichzeitig werden es den frischgebackenen Titelverteidigern im Kampf um den Championship viele Konkurrenten, die mit einer besseren Gehalts-Situation arbeiten können, enorm schwer machen.

Ein Chicago um einen gesunden Derrick Rose, die Stehaufmännchen aus San Antonio, ein nächstes Jahr wohl noch stärkeres Oklahoma City und viele andere Teams – die Gegner sind zahlreich und stark.

All diese Umstände werden es den „Big Three“ nicht leicht machen, eine Dynastie zu gründen. Doch den ersten Schritt haben sie mit dem diesjährigen Triumph bereits getan.

 

Martin Schauhuber

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