...und dann war alles anders

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King James der große Sieger, Rockets als Nullnummer

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Das größte Chaos ist vorbei.

Die Free Agency der NBA ebbt nach einer Vertrags-Flut langsam ab, die Kader der kommenden Saison nehmen Gestalt an.

Noch sind einige interessante Namen am Markt, dennoch ist es höchste Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen.

Das sind die Sieger und Verlierer der Free Agency:

DIE SIEGER:

„I’m coming home“ – LeBron James kehrt zurück zu den Cleveland Cavaliers. Die Geschichten von der Rückkehr des verlorenen Sohnes schrieben sich praktisch von selbst, James‘ Essay für „Sports Illustrated“ war im Vergleich zur gut gemeinten „Decision“ 2010 ein PR-technisches Meisterwerk.

Zudem war es ein klares Signal an die Teambesitzer: Die Zeit des Verzichtens ist vorbei. Anders als vor vier Jahren bestand der beste Spieler der Welt diesmal auf das ihm zustehende Maximalgehalt. Im Vorfeld drohender Kollektiv-Vertragsverhandlungen im Sommer 2017 etablierte sich LeBron damit als Führungsperson in den Reihen der Spieler – etwas, das 2011 schmerzlich vermisst wurde. LBJ unterschrieb wohlgemerkt nur für zwei Jahre – sein nächster Vertrag sollte aufgrund eines neuen TV-Deals dann deutlich über den aktuellen Werten ansetzen. Ein Sieg auf ganzer Linie eben.

Wer in der ersten Playoff-Runde mit 1:4 an den Washington Wizards scheitert, darf in der kommenden Saison eigentlich nicht mit dem Conference Championship rechnen. Genau darauf sind die Chicago Bulls nun aber der Favorit, wie Magic Johnson bestätigt:

 

Der Grund? Die Indiana Pacers erleben eine Free Agency zum Vergessen, die Miami Heat müssen mit LeBrons Abgang die größtmögliche Schwächung verkraften. Die Cleveland Cavaliers sind ebenfalls ein heißer Anwärter, der derzeitige Kader könnte aber noch Zeit brauchen. Der Plan A der Bulls ging nicht auf, Carmelo Anthony entschied sich für einen Verbleib in New York. Plan B kann sich aber sehen lassen.

Pau Gasol unterschrieb für drei Jahre, Power Forward Nikola Mirotic tat es ihm gleich, nachdem ihn die Bulls aus seinem Vertrag bei Real Madrid heraus kauften. Rookie-Punktemaschine Doug McDermott zeigt in der Summer League bereits kräftig auf und könnte gemeinsam mit dem hervorragenden Werfer Mirotic sowie dem (mal wieder) fitten Derrick Rose für die bisher so schmerzlich vermissten Punkte sorgen. Zu guter Letzt konnte sich Teambesitzer Jerry Reinsdorf dazu durchringen, Carlos Boozer via Amnesty-Provision zu verabschieden.

Die Spitzenteams der Western Conference gewannen entweder den Titel (San Antonio) oder waren denkbar nah dran (Oklahoma City, L.A. Clippers). Dementsprechend bestand auch kaum Handlungsbedarf. Die Spurs verlängerten mit Boris Diaw, Matt Bonner und Patty Mills – jeweils zu für das Team günstigen bis vertretbaren Konditionen. Der große Wurf gelang auf der Bank: Coach-Legende Gregg Popovich verlängerte seinen Vertrag, ihm leistet Ettore Messina künftig als Assistenztrainer Gesellschaft.

Oklahoma City ersetzte Thabo Sefolosha und den vergreisten Guard Derek Fisher durch Dreier-Kanone Anthony Morrow und Sebastian Telfair. Die Clippers stopften ihrerseits das größte Loch im Kader, Spencer Hawes schafft etwas Tiefe im Frontcourt. Jordan Farmar sollte Darren Collisons Abgang gen Sacramento einigermaßen kompensieren können. Von der Oberklasse der Western Conference blieb einzig ein Team zurück, zur Strafe führt dieses die Kategorie der Verlierer an.

Der große Gewinner der Offseason sind die Fans. LeBron James‘ Wechsel ist nicht nur eine tolle Geschichte, er beendet auch die Heat-Dominanz im Osten. Vier Mal in Serie gewannen sie die Eastern Conference, nun dürfen sich hinter den Bulls und Cavaliers mit den Wizards, Hornets, Heat, Hawks, Pacers und Raptors noch fünf weitere Teams Außenseiterchancen auf ein Finals-Gastspiel ausrechnen. Zudem beschert ein hochinteressanter Rookie-Jahrgang auch Fans der Keller-Teams einen Grund, in die Hallen zu gehen.

DIE VERLIERER:

GM Daryl Morey war nur eine Unterschrift von seinem lang erträumten Superteam entfernt. Bei einem Abschied von LeBron James galt es als beschlossene Sache, dass Chris Bosh der dritte Star der Houston Rockets wird. Nach seiner Verpflichtung planten diese, mit dem 45-Millionen-Offer-Sheet der Dallas Mavericks für Chandler Parsons mitzuziehen und den jungen Forward damit zu halten.

Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Bosh konnte dem fünften Jahr im Vertrag (dieses konnte ihm nur Miami anbieten) und der Lebensqualität in South Beach nicht widerstehen und behielt seinen Arbeitgeber. Damit stand Houston vor den Scherben seiner Planungen: Die wichtigen Stützen Ömer Asik und Jeremy Lin wurden getradet, um Gehaltsspielraum für Bosh zu schaffen. Mit Trevor Ariza konnte der Vierte der Western Conference immerhin einen ordentlichen Ersatz für Parsons beschaffen.

Die Ausgangslage der Los Angeles Lakers war freilich nicht besonders gut, das Endergebnis angesichts der großen Erwartungshaltung in Hollywood aber schlicht ungenügend. Carmelo Anthony gab dem Big Apple (und einem deutlich höher dotierten Vertrag) den Vorzug, Pau Gasol waren die ihm angebotenen 20 Millionen für zwei Jahre nicht genug, bei Chicago sah er verständlicherweise größere Erfolgschancen. Warum zwei Saisonen von Jordan Hill danach 18 Millionen wert waren, weiß wohl nur GM Mitch Kupchak.

Der wahre Grund, warum die Lakers hier als Verlierer stehen, heißt aber Kevin Love. Bei einem Auslaufen seines Vertrags im kommenden Sommer wären die Lakers der klare Favorit auf eine Verpflichtung des Star-Forwards. Nun sieht es aber danach aus, als würde er zu einem Titelkandidaten (Cleveland, Golden State) getradet werden – was nur passiert, wenn er seinen Kontrakt dort verlängern würde. So dürften die Lakers schon heuer ohne ihr Zutun um die Königsverpflichtung von 2015 gebracht werden.

Immerhin konnte die legendäre Franchise drei menschgewordene Trostpflaster an Land ziehen: Jeremy Lin bringt Fans, Nick „Swaggy P“ Young Unterhaltung und Ed Davis solides Spiel.

Vor nicht allzu langer Zeit war noch von einer Langzeit-Fehde zwischen den Indiana Pacers und Miami Heat die Rede, in der Eastern Conference schien sie auf Dauer niemand gefährden zu können. Nun wurden beide Teams zurück auf den Boden geholt: Die Heat brachten zwar einige gute und teilweise auch kostengünstige Verpflichtungen wie Luol Deng oder Josh McRoberts unter Dach und Fach, der Verlust von LeBron James ist aber nicht zu kompensieren.

Die Pacers mussten indes Lance Stephenson ziehen lassen - neben Paul George der einzige Akteur, der offensiv etwas Explosivität mitbrachte. Das 44-Millionen-Angebot über fünf Jahre war dem 23-Jährigen zu wenig, die Charlotte Hornets entlohnen ihn nun über drei Jahre mit 27 Millionen.

 

Martin Schauhuber

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