Renaissance der Prügelknaben

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Die Renaissance der einstigen Prügelknaben

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Besser als die Boston Celtics, die Denver Nuggets oder gar die Los Angeles Lakers.

Das hätte sich bei den Charlotte Bobcats vor knapp sieben Monaten wohl niemand erträumt.

Am 26. April dieses Jahres schrieb das Team von Besitzer Michael Jordan Geschichte. Aber nicht im Stil des legendären Shooting Guards, sondern im negativen Sinn.

Mit sieben Siegen aus 66 Spielen (einer Quote von 10,6 Prozent) machten sich die Rotluchse als schlechtestes Team aller Zeiten unsterblich.

Head Coach Paul Silas war seinen Job folgerichtig los, für einen Komplett-Umbruch fehlten aber die Möglichkeiten.

Keine namhafte Verpflichtung

Im Bereich dieser wurde das Personal trotzdem verändert. Man verabschiedete sich von Akteuren wie Corey Maggette und D.J. Augustin und verpflichtete stattdessen einige zuverlässige Spieler, die nicht zu viel Platz unter dem Salary Cap verbrauchen.

Wichtigster Neuzugang war Rookie Michael Kidd-Gilchrist, den die Bobcats an zweiter Stelle im Draft zogen. Den Posten des Cheftrainers übernahm Mike Dunlap, der vom College kam, noch über kaum Erfahrung in der Königsliga verfügte und deshalb durchaus umstritten war.

Wegen der marginalen Veränderungen konnte man eigentlich keine großen Sprünge von der Franchise aus North Carolina erwarten.

Weit gefehlt – nach zehn Spielen haben die Bobcats bereits sechs Siege auf dem Konto. Nur einen weniger, als sie im Laufe der ganzen – vom Lockout verkürzten – Spielzeit 2011/12 schafften.

Viel Glück dabei

Diese Siege gelangen - mit Ausnahme der Auftaktpartie gegen Indiana - gegen enttäuschende oder von Verletzungen geschwächte Teams, nichtsdestoweniger hätten Gerald Henderson und Co. diese Spiele noch vor einem halben Jahr gewiss größtenteils verloren.

Ein Detail sticht sofort ins Auge: Fünf der sechs Siege wurden mit vier oder weniger Punkten Vorsprung eingefahren, während die Niederlagen allesamt deutlicher ausfielen. Manchmal war eine hervorragende Performance in den entscheidenden Sekunden der Schlüssel, manchmal aber auch – wie immer bei derartig knappen Partien – einfach Glück.

Das Pendel dieser Herzschlag-Finishes wird im Laufe der Saison wohl auch das eine oder andere Mal in die andere Richtung ausschlagen, aber die leidgeprüften Fans der Bobcats wissen, dass das ungewohnte Gefühl der Siegesfreude trotzdem weiterhin ein Wegbegleiter sein wird.

Deutliche Verbesserung

Das liegt an dem Gesamtbild, das die Mannschaft abgibt. Es krankt zwar nach wie vor hier und da, aber im Vergleich zu dem „kopflosen Hühnerhaufen“ der vergangenen Saison spielen die einstigen Prügelknaben wie ein All-Star-Team.

Kidd-Gilchrist hält alles, was er vor dem Draft versprochen hat. Seine Mitspieler haben sich ein Beispiel an seinem unbändigen Einsatz genommen, Kemba Walker lässt immer öfter enormes Scorer-Potenzial aufblitzen.

Für einen ernstzunehmenden Angriff auf die Playoffs wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht reichen, das war aber auch nicht das Saisonziel.

Dieses war lediglich eine Verbesserung gegenüber der letzten Spielzeit. Und das könnte schon sehr bald gelingen.

Martin Schauhuber

Gegner Ergebnis
Indiana W 90–89
Dallas L 99–126
Phoenix L 110–117
New Orleans L 99–107
Dallas W 101–97
Washington W 92–76
Minnesota W 89–87
Memphis L 87–94
Milwaukee W 102–98
Toronto W 98–97
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