Mit der "Goldenen Generation" zur EM 2015?

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Erstmals seit 1977 will sich Österreichs Basketball-Nationalteam heuer für eine EM qualifizieren.

Ab Donnerstag geht es für das Team von Neo-Teamchef Werner Sallomon im Multiversum Schwechat ans Eingemachte.

Möglich machen soll den historischen Erfolg vor allem die „Goldene Generation“.

Fünf Spieler des U20-B-Europameisterteams von 2010 stehen im A-Kader und sind in diesem teils unverzichtbare Stützen: Rasid Mahalbasic, Momo Lanegger, Thomas Klepeisz, Anton Maresch und Romed Vieider.

„Es war ein guter Jahrgang, fast jedes Jahr eine Topmannschaft“, erinnert sich Sallomon, der die U20 bei ihrem größten Triumph vor drei Jahren coachte.

Goldene Generation und machbare Gruppe

Lanegger weiß, warum gerade diese Jahrgänge (1990 und 1991) so erfolgreich sind: „Wir sind einer der ersten Jahrgänge, die seit der U14 miteinander spielen. Wir haben uns immer gegenseitig gepusht, es war immer eine gute Competition.“

Nun sollen die „jungen Wilden“ endlich die lange herbeigesehnte EM-Teilnahme ermöglichen. „Wir haben eine lösbare Gruppe erwischt“, schätzt ÖBV-Verbandspräsident Karl Thaller die Chancen, sich gegen die Schweiz, Dänemark und Luxemburg durchzusetzen, gut ein.

„Die Teams sind auf Augenhöhe – das sehen auch sie so“, stellt Sallomon klar, um nachzusetzen: „Wer im Fußball vor den Färöer zittert, darf auch im Basketball sagen, dass andere Mannschaften gute Leistungen bringen können.“

Schweiz härtester Gegner?

Der auf dem Papier härteste Gegner der Gruppenphase? „Vermutlich die Schweiz, aber es kommt immer darauf an, wer spielt“, meinen der Teamchef und Kapitän Thomas Schreiner unisono.

Der große Star der Eidgenossen kommt nicht: Thabo Sefolosha, Guard der Oklahoma City Thunder, lässt sich aus „persönlichen und familiären Gründen“ entschuldigen.

Für Schreiner schade: „Gegen Leute wie Sefolosha zu spielen, ist eine super Erfahrung und macht Spaß. Es wäre mir lieber, wenn die Top-Leute überall dabei sind.“

Ein Quartett stand im Grand Hotel Rede und Antwort

Sallomon, der die derartige Ankündigung des Schweizer Verbands Mitte Juni ohnehin mit einem Körnchen Zweifel aufnahm ("Es ist allgemein üblich, Spielchen zu spielen - ich halte nichts davon"), sieht die Abwesenheit des NBA-Stars nicht zwangsläufig als Vorteil.

„Wenn sie mit Sefolosha spielen, haben sie einen Riesen-Druck, da jeder erwartet, dass er alles niederreißt. So kann es sein, dass die Mannschaft ohne ihn besser funktioniert.“

Gruppenphase als erste Hürde

Auch wenn „man niemanden unterschätzen darf“, macht ÖBV-Guard Lanegger im Gespräch mit LAOLA1 unmissverständlich klar: „Wir wollen bei der EM dabei sein, und da müssen wir solche Gegner schlagen – da können wir drumherumreden, soviel wir wollen.“

Auch Thaller ist sich der Wichtigkeit der „Erst-Qualifikation“ (die 13 Teams, die nicht bei der EM 2013 dabei sind, spielen sich einen Startplatz bei der EM 2015 untereinander aus) bewusst: „Nächstes Jahr wird es schwieriger, da wir es wohl wieder nicht in Topf eins oder zwei schaffen werden.“

Thaller blickt in die Zukunft

Neben dem logischen Ziel der „Mission 2015“ hat der „Big Boss“ des ÖBV auch eine langfristigere Leistungssteigerung im Blickfeld.

„Es sollte uns langfristig möglich sein, uns eine Kategorie höher zu positionieren und künftig bei jeder EM-Qualifikation eine berechtigte Chance zu haben. Es sollte keine Überraschung, sondern Standard sein.“

Um das zu ermöglichen, muss sich nicht zuletzt die „Goldene Generation“ gut entwickeln.

„Die physische Seite gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das ist der Punkt, woran die Spieler am meisten arbeiten müssen. Die Belastung ist sehr hart, man muss diesem Ziel alles unterstellen. Es geht nur mehr auf reiner Profi-Basis, alles andere ist äußerst schwierig“, weiß Sallomon, der nachsetzt: „Diese Voraussetzungen haben wir derzeit nur in vereinzelten Fällen. Das ist der Grund, warum bei uns nichts weiter geht.“

Team soll zusammenbleiben

Auf den Weg ins Ausland als Patentlösung will sich der Teamchef jedoch nicht versteifen: „Es können nicht alle ins Ausland gehen, da sind ja ungefähr eine Million Ex-Jugoslawische Spieler und zwei Millionen Amerikaner auf dem Markt.“

Die Spieler sollen sich trotzdem weiterentwickeln, die aktuelle Gruppe nach Möglichkeit zusammenbleiben. „Die Burschen haben einen guten Zusammenhalt, was man auch an dem „Call Me Maybe“-Video letztes Jahr sah. Das sind nicht Spieler, die stumpfsinnig ihre Trainings herunterreißen. Es sind kreative Leute, die ihr kreatives Potenzial ausschöpfen sollen. Dieser Gruppe traue ich das zu“, so der 53-Jährige.

Schreiner schlägt in dieselbe Kerbe: „Wir sind eine junge, homogene Truppe, in der die Stimmung sehr gut ist.“

Thaller sieht gute Chancen, dass diese Truppe weiterhin zusammen bleibt: „Wir müssen in den nächsten Jahren nur wenige Spieler altersbedingt austauschen.“

In der Tat: Mit Jason Detrick (32) und Davor Lamesic (29) zählen nur zwei Akteure im aktuellen Kader über 27 Lenze – und zumindest Lamesic hat wohl noch das eine oder andere Jahr im Tank.

Ein alter Bekannter als neuer Teamchef

Mit Werner Sallomon entschied man sich bei der Trainersuche für denjenigen Ausbildner, der Mahalbasic und Co. schon 2010 zum Erfolg führte.

„Werner mag es nicht, wenn man unkonzentriert oder lasch trainiert. Er versteht Spieler, geht auf sie ein und redet viel mit ihnen“, charakterisiert Lanegger, der sich in den zwei vergangenen Jahren bei den Klosterneuburg Dukes unter Sallomons Fittichen befand, seinen neuen alten Coach.

Ob die gemeinsame Vergangenheit für den Guard ein Vorteil war? „Ja, denn ich weiß, was er verlangt und worauf er Wert legt“, gesteht der Österreich-Finalist des „King of the Rock 2012“, der sich in diesem nur seinem Bruder Alexander geschlagen geben musste.

Allzu groß schätzt "Momo" seinen persönlichen Vorsprung aber nicht ein: „Werner ist in Österreich kein Unbekannter. Die meisten Spieler haben schon gegen ihn oder sogar unter ihm gespielt.“

Thaller voll des Lobes

Der für die Bestellung verantwortliche Thaller war mit selbiger naturgemäß hochzufrieden: „Es war sehr positiv, mit Sallomon einen Österreicher an der Angel zu haben. Er hat im Hintergrund schon die längste Zeit sehr gute Dienste geleistet – als Trainer der Nachwuchs-Nationalteams und in der Trainer-Kommission.“

Und auch diesmal hängt wieder viel an Mahalbasic, der zuletzt ins Summer-Camp der NBA eingeladen war.

„Wir sind nicht zum Spaß hier“, sagt der ÖBV-Legionär im Gespräch mit LAOLA1 und betont dabei vor allem das „Wir“, denn: „Basketball ist ein Teamsport, alleine kann ich die EM-Qualifikation nicht schaffen.“

Aber natürlich sieht auch er es als Vorteil, dass sich die "Goldene Generation" nicht nur kennt, sondern auch schon gemeinsam erfolgreich war.

„Wir haben uns gesucht und gefunden, das hat den Umbruch im Nationalteam einfacher gemacht. Jetzt hoffen wir alle, dass die Arbeit der letzten Jahre in dieser EM-Qualifikation Früchte trägt.“

Ortner fehlt

Neben Mahalbasic gäbe es noch einen weiteren herausragenden Center mit rot-weiß-rotem Pass. Dieser hört auf den Namen Benjamin Ortner, hat aber seit geraumer Zeit kein Spiel mehr für den ÖBV absolviert und seine Teamkarriere nun endgültig beendet.

Auch zu diesem leidigen Thema nahm Teamchef Sallomon gegenüber LAOLA1 klar und unmissverständlich Stellung: „Er ist weder ein Vaterlandsverräter noch sonst irgendwas, diese Schwachsinnigkeiten kann ich nicht hören. Er hat Nein gesagt, das respektiere ich.“

Erfolglose Motivationsversuche

Der Meistertrainer von 2012 habe anfangs noch versucht, den Serie-A-Legionär umzustimmen, dessen Entscheidung dann aber nachvollzogen und akzeptiert.

„Natürlich habe ich versucht, Benjamin nochmal zu motivieren. Ich habe viele und gute Gespräche mit ihm geführt, wir haben viel telefoniert. Es war keine ungute Situation, er hat mir gesagt, was in den Jahren zuvor gelaufen ist – da musste ich sagen: Benni, das tut mir leid, ich war nicht dabei.“

Ins Detail gehen wollte der vierfache Vater nicht: „Er hat Gründe, die für diese Absage sprechen, diese werde ich nicht kommentieren. Ich denke nicht, dass er sich das aus den Fingern saugt.“

Doch auch ohne den frischgebackenen italienischen Meister sollte die EM-Qualifikation möglich sein.

Im Fokus steht ohnehin die „Goldene Generation“, die nach 2010 wieder etwas Zählbares produzieren soll.

Heute hat sie ab 20:20 Uhr die Gelegenheit, den Grundstein dazu zu legen, wenn Luxemburg im Schwechater Multiversum gastiert.


Martin Schauhuber

„Ihn als Head Coach für das Nationalteam zu bekommen, war für mich und den österreichischen Basketball ein Glücksfall. Er wird allen Nachwuchs-Trainern das ganze Jahr als Ratgeber zur Seite stehen und versuchen, die Trainingsmöglichkeiten zu verbessern“, so der Ex-Kapfenberg-Präsident weiter.

Seinen größten Erfolg mit einem Nationalteam feierte Sallomon ja bekanntlich bei einer B-EM – in einem dualen System, dem Lanegger nur wenig abgewinnen konnte: „Früher hast du im B-Pool herumgewurstelt und versucht, aufzusteigen, um vielleicht einmal bei einer EM dabei zu sein. Ich finde das neue System super. Jetzt hast du eine ganz andere Motivation, du weißt: Wenn ich gewinne, spiele ich bei der EM.“

Bessere Motivation im neuen Modus

„Es ist eine andere Herangehensweise. Die Vorqualifikation hat schon ein bisschen Endrundencharakter, vor allem Halbfinale und Finale. Es ist do-or-die, du musst gewinnen – sonst ist es vorbei und du hast im Endeffekt gar nichts erreicht“, zeigt sich Lanegger begeistert. Nachsatz: „Ich freue mich darauf.“

Wie berechtigt diese Vorfreude ist, wird wohl in erster Linie der Kampf unter dem Korb entscheiden. Dort, wo in der Vorjahres-Qualifikation oft Spiele verloren gingen. War Rasid Mahalbasic einmal auf der Bank oder erschöpft, zerbrach das ÖBV-Team zu oft an dominanten Big Men der Gegner.

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