Schwechat kann Cordoba werden

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"... dann kann Schwechat Cordoba werden"

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1977, also zehn Jahre vor der Geburt des aktuell ältesten Nationalspielers, nahmen Österreichs Basketball-Herren zum letzten Mal an einer Europameisterschafts-Endrunde teil.

Ab Sonntag kämpft das ÖBV-Team - zunächst in drei Heimspielen in Schwechat in Serie - gegen Luxemburg, Deutschland und Polen um einen der verbleibenden 13 Plätze (alle Heimspiele live auf LAOLA1.tv).

Zur Eurobasket 2015 fahren die sieben Gruppensieger sowie die sechs besten Zweiten.

Thomas Schreiner ist Kapitän und heuer mit 27 Jahren auch "Oldie" der rot-weiß-roten Truppe.

Im LAOLA1-Interview spricht der 1,96 m große Guard über die Entwicklung des Teams, die Chancen, die Gegner und seinen Weg in die erste spanische Liga.

Einen besonderen Appell richtet er an die Fans.

LAOLA1: Ihr habt aus Estland einen Sieg gegen die Gastgeber und eine Niederlage gegen eine US-College-Auswahl mitgebracht. Was waren die Erkenntnisse?

Thomas Schreiner: Es war ein letzter Test, der aufschlussreich war. Wir wissen, wo wir uns noch verbessern müssen. Gegenüber dem Turnier in Oberwart haben wir einen Schritt nach vorne gemacht. Um in der Qualifikation bestehen zu können, müssen wir uns aber noch deutlich steigern.

LAOLA1: In welchen Bereichen besteht besonderer Verbesserungsbedarf?

Schreiner: Sicherlich am Rebound, besonders am Defensivrebound, da wir gegen physisch starke Gegner spielen werden. Dazu beim Exekutieren unserer Offenses - vor allem in den entscheidenden Phasen.

LAOLA1: Wie würdest du die heurige Mannschaft charakterisieren? Gegenüber letztem Jahr hat sie sich doch ein bisschen verändert.

Schreiner: Wir sind noch jünger bzw. auf jeden Fall unerfahrener. Die Chemie ist wie immer sehr gut. Wir sind sicherlich nicht die körperlich Stärksten, haben aber eine werferisch sehr gute Mannschaft mit einem dominanten Innenspieler. Wenn wir bestehen wollen, müssen wir mit Einsatz und Disziplin überzeugen.

LAOLA1: Du bist mittlerweile fast der einzig verbliebene richtige Routinier. Bist du sozusagen "noch mehr" Kapitän als bisher?

Schreiner: Ich versuche, in jeder Mannschaft das zu bringen, was das Team gerade braucht, und meine Stärken einzubringen. Heuer ist dies sicherlich auch die Erfahrung, mit der ich versuche, den Jungen und Neulingen zu helfen. Wir haben zwar viele junge Spieler, die aber doch schon Erfahrung mitbringen, wie zum Beispiel Rasid Mahalbasic.

LAOLA1: Beim ÖBV-Team fehlen einige Spieler, aber auch bei praktischen allen anderen Nationen. Wie beurteilst du das als einer, der bislang immer dabei war?

Schreiner: Mir macht es irrsinnig Spaß, im Nationalteam zu spielen, und ich freue mich jedes Jahr darauf. So wie der Kalender der FIBA derzeit aussieht, ist es aber logisch, dass man als Spieler, der in der Meisterschaft bis Mitte Juni spielt und vielleicht Verletzungen mitschleppt, im Sommer seine Pausen braucht. Dafür habe ich vollstes Verständnis. Aber natürlich ist es für den Basketballsport schade: Es wäre wichtig, dass in allen Ländern die Besten spielen.

Top-Shooter: Thomas Schreiner

LAOLA1: Wie schätzt du die Chancen, die Qualifikation zu schaffen, ein?

Schreiner: Mich hat ein Reporter unlängst gefragt, ob eine EM-Teilnahme eine Überraschung wäre. Ich habe geantwortet: "Eine Überraschung wäre es nicht, sondern eine Sensation." So sieht das zumindest der Basketball-Experte aus Europa. Aber man fängt bei Null an, und ich glaube dass wir, wenn wir unseren besten Basketball abrufen können und uns die Zuschauer bestmöglich unterstützen, durchaus Chancen haben, uns zu qualifizieren.

LAOLA1: Wie geht ihr in das Luxemburg-Spiel?

Schreiner: Es ist zunächst einmal das wichtigste Spiel, weil es das erste ist. Ein Sieg ist Grundvoraussetzung, um überhaupt ein Wörtchen um die Qualifikation mitreden zu können. Luxemburg ist ein gefährlicher Gegner, aber wir haben diesen in den letzten Jahren immer geschlagen und wollen das natürlich auch heuer schaffen. Die Höhe des Sieges ist prinzipiell egal, da die Spiele gegen den Gruppen-Vierten für die Berechnung der besten Gruppen-Zweiten nicht herangezogen werden.

LAOLA1: Wie schätzt du unsere Nachbarn ein? Kribbelt es in Hinblick auf dieses Spiel besonders?

Schreiner: Deutschland ist wahrscheinlich der Gruppen-Favorit und eine physisch und werferisch sehr starke Mannschaft, die sehr viel Potenzial hat. Ein Spiel gegen Deutschland ist für einen Österreicher in jeder Sportart ein besonderes Spiel. Der Fokus liegt wie gesagt zunächst auf Luxemburg, aber natürlich weckt das Deutschland-Spiel auch deutlich mehr Zuschauer-Interesse.

LAOLA1: Ihr Spieler habt mit dem Hashtag #schwechatwirdcordoba ja schon die Marschroute vorgegeben.

Schreiner: Ich setze sehr auf unsere Fans und sage: "Wenn das Multiversum brennt, kann Schwechat Cordoba werden!"

LAOLA1: Seht ihr Polen als direkten Gegner um die Qualifikation?

Schreiner: Von vornherein würde man objektiv sicher die Reihung Deutschland, Polen, Österreich, Luxemburg vornehmen. Aber man muss schauen, jedes Spiel hat seine eigene Geschichte. Polen und Deutschland treffen ja gleich zu Beginn aufeinander. Was ich bislang auf Videos gesehen habe, spielt Polen sehr schnell und druckvoll. Die Polen sind sicher ein schwerer Gegner, aber wir werden unser Bestes versuchen.

LAOLA1: Du persönlich hast ja mit Andorra eine recht ereignisreiche Saison hinter dir. Zuerst eine langwierige Verletzung, dann der Meistertitel und schließlich die Vertragsverlängerung und damit ein Platz in der ACB.

Schreiner: Meine alte Verletzung ist schon länger komplett ausgeheilt, ich bin seit April voll im Training und bis auf eine kleinere Verletzung wieder bei 100 Prozent. Ich hatte die Saison sehr gut begonnen, die Verletzung war ein sehr schwerer Moment in meiner Karriere. Ich habe versucht, das Positive zu sehen und stärker zurückzukommen.

LAOLA1: Welchen Stellenwert hat die Unterzeichnung eines ACB-Vertrages für dich?

Schreiner: Ich freue mich, zumindest eine dritte Saison in Andorra anhängen zu können, weil es mir dort sehr gut gefällt und es sportlich sehr gut läuft. Und ich freue mich auf die neue Herausforderung, in einer neuen Liga, der vermeintlich stärksten in Europa, zu spielen.

LAOLA1: Das klingt nicht sehr enthusiastisch. Ist es nicht eine Art Traumerfüllung, in einer Liga mit Real Madrid und dem FC Barcelona zu spielen?

Schreiner: Natürlich ist es so! Es hätten mir wahrscheinlich nicht viele zugetraut, dass ich jemals einen Vertrag in der ersten spanischen Liga unterschreiben würde. Umso schöner ist es. Ich hoffe, dass ich nicht der letzte gebürtige Österreicher in der ACB bleibe.

LAOLA1: Inwieweit hat dir das Nationalteam geholfen, so weit zu kommen?

Schreiner: Natürlich hatte ich durch das Nationalteam immer wieder Spiele gegen sehr starke Gegner, durch die ich mich verbessert habe. Das hat mir ebenso in meiner Karriere geholfen wie die Arbeit mit den verschiedenen Teamchefs. Michi Schrittwieser hat mich schon mit 18 ins Nationalteam berufen - das hat mir sehr viel gebracht und ich habe seither sehr viel Erfahrung sammeln können.


Das Gespräch führte Hubert Schmidt

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