DBB-Leistung treibt "Buschi" auf die Palme

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Am Ende war niemand glücklich.

Weder das ÖBV-Team, das beim EM-Qualifikations-Heimspiel gegen Deutschland den Sieg aus der Hand gab, noch die DBB-Truppe, die die Partie am Mittwoch in Schwechat nach einem 21:0-Run doch noch 77:64 gewann.

Während man im österreichischen Lager enttäuscht war und Selbstkritik übte (LAOLA1-Nachbericht aus rot-weiß-roter Sicht), zeigte man sich im Umfeld der Deutschen geradezu entsetzt über die Leistung in den ersten 35 Minuten.

Kommentator-Legende Frank Buschmann wartete mit einem äußerst kritischen Facebook-Posting auf, was gar zu einem öffentlichtlichen Schlagabtausch mit einem deutschen Nationalspieler führte.

Zunächst enttäuschend, am Ende top

Das ÖBV-Team hatte sich die zwischenzeitlich zweistellige Führung mit einer starken Leistung verdient, musste dafür aber nicht übermäßig brillieren. Eine höhere Führung wäre denkbar gewesen.

Denn die Darbietung der Gäste war lange Zeit tatsächlich erschreckend.

Center Maik Zirbes zeigte einige schöne Low-Post-Moves, Altanta-Hawks-Point-Guard Dennis Schröder ließ seine NBA-Klasse ab und zu aufblitzen und ACB-Power-Forward Maxi Kleber zeigte sein riesiges Talent durchgehend.

Doch in Sachen Einsatz und Zusammenspiel konnten die Deutschen überhaupt nicht überzeugen. Auf ganze zwei Assists kamen die Mannen aus dem Land eines Dirk Nowitzki bis zur Halbzeit.

Erst in den letzten Minuten beeindruckte der Favorit: Österreich brach völlig ein und die Deutschen schlossen ihre letzten zehn Offenses erfolgreich ab.


 

"Überraschend kam das nicht"

Emir "Mucki" Mutapcic wollte nichts schönreden.

"Heute waren wir nur im letzten Viertel gut. Die ersten 30 Minuten waren wir weit weg von unserer normalen Form. Wir müssen uns alle fragen, warum wir Deutschland heute so repräsentiert haben. Erst am Ende waren wir konzentriert und die Einstellung gut", war der Teamchef enttäuscht.

Auch sein "Co" Arne Woltmann, Ex-Kollege des Mistelbachers Stefan Weissenböck in Bamberg, wirkte frustriert: "Wie schon in Polen haben wir wirklich schlecht gespielt. Überraschend kam das nach dem Training am Vortag allerdings nicht."

Im Pick-and-Roll düpiert

"Wir waren lange unkonzentriert und in der Defense ganz schwach", meinte Schröder. Murati konnte nicht kontrolliert werden und im Pick-and-Roll kassierten die Deutschen einen Lay-up nach dem anderen.

"Heute haben uns die Bankspieler das Spiel gerettet. Deutschland hat gewonnen. Letztendlich zählt nur das", war Schröder erleichtert, dass nach der 67:68-Auftaktniederlage in Polen zumindest der erste Sieg eingefahren wurde.

"Konnten sie einfach nicht stoppen"

Karsten Tadda, der all seine acht Punkte beim 21:0-Run erzielte und damit neben Kleber Matchwinner war, meinte gegenüber LAOLA1:

"Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen, wir haben Österreich zu leichte Körbe gelassen. Wir wussten um ihre Stärken, konnten sie aber am Anfang einfach nicht stoppen."

"Wir konnten erst im letzten Viertel zeigen, wie wir Basketball spielen können. Wir haben weiter hart verteidigt und ich denke am Ende einfach mehr Luft, wichtige Würfe getroffen und konnten uns absetzen", atmete der Defense-Spezialist durch.

Buschmann entsetzt

Sehr harte Worte fand Reporter Frank Buschmann, der in seinem Urlaub in Griechenland das Spiel verfolgte.

Unter anderem twitterte er: "Der Weltstar Murati macht uns frisch. Da wirst du doch bekloppt!"

Auf Facebook wurde er noch deutlicher:

Der Beitrag schlug hohe Wellen, wurde vielfach kommentiert und geteilt.

Während sich die deutschen Fans fast ausnahmslos der Meinung "Buschis" anschlossen, war zumindest ein Teil der Nationalspieler weniger "amused".

So konterte Guard Bastian Doreth, der gegen Österreich nicht zum Einsatz kam, via Twitter:

Das wiederum veranlasste Buschmann gar dazu, sich selbst auf einem Boot im Meer vor Chalkidiki zu filmen und eine fünfminütige Video-Botschaft an Basketball-Deutschland zu schicken.

Er habe bewusst keinen Spieler persönlich angegriffen: "Sollen sich ruhig über mich ärgern und Quali schaffen", twitterte er zudem.

Die Leistung hätte ihn frustriert, weil ihm die Sportart seit 20 Jahren am Herzen liege. Mit Selbstdarstellung hätte das rein gar nichts zu tun.

Chance auf Revanche

Schwechat ist nicht Cordoba geworden, wie von Österreichs Nationalspielern erhofft.

Für Aufruhr hat das Spiel dennoch gesorgt. Deutschlands Team ist ohne Dirk Nowitzki meilenweit von der europäischen Spitze entfernt und hat trotz des Sieges keine Trendumkehr geschafft.

Wurde das enttäuschende Auftreten bei der EM 2013 dem damaligen Teamchef Frank Menz in die Schuhe geschoben, ist auch heuer bislang kein Schritt nach vorne zu sehen.

Am 24. August bekommt das ÖBV-Team im Rückspiel in Hagen noch einmal die Chance, den großen Nachbarn zu ärgern oder gar zu besiegen.

Interessante Voraussetzungen sind garantiert.


Hubert Schmidt

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