In Russland der Heimat näher

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Mahalbasic in Russland: "Der Heimat wieder näher"

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Die Schlagzeilen im österreichischen Basketball gehören in letzter Zeit häufig Jakob Pöltl.

Zu sehr lechzen Fans und Medien danach, endlich mit einem rot-weiß-roten NBA-Spieler mitfiebern und über ihn berichten zu können.

Während der Jungspund noch einige große Schritte in seiner Entwicklung vor sich hat, kann sich Rasid Mahalbasic längst zur europäischen Spitze zählen.

Der 24-jährige Kärntner war in den letzten Jahren Dreh- und Angelpunkt des Nationalteams.

Im Klub-Alltag hat es der 2,10-Meter-Mann in jeder Runde mit internationalen Stars zu tun. In der finanzkräftigen osteuropäischen VTB United League wurde er im April sogar zum MVP des Monats gekürt und kam über die Saison hinweg auf 14,6 Punkte pro Spiel.

Mahalbasic hat dennoch eine harte Saison hinter sich, schließlich spielte er für den nicht gerade zentral gelegenen BC Astana in Kasachstan.

Sein Wechsel zum russischen Spitzenklub Nizhny Novgorod mag in Sachen Location nicht nach einer großen Verbesserung klingen, ist es aber doch.

Die Luftlinien-Entfernung zu seiner Heimatstadt Klagenfurt verringert sich von 4.100 km nach Astana auf einen Schlag auf 2.300 km nach Nizhny Novgorod.

Im Gespräch mit LAOLA1 gibt Mahalbasic Einblick in seine Entscheidungen.

LAOLA1: Du hast die vergangene Saison in Astana gespielt. Kasachstan ist ein eher ungewöhnlicher Arbeitsort - wie kam es zu diesem Engagement?

Rasid Mahalbasic: Hauptsächlich dadurch, dass ich zur Agentur BeoBasket gewechselt bin, der größten in Europa. Kasachstan war der erste Schritt. Ausschlaggebend waren die Teilnahme an der VTB League und das Finanzielle, das leider Gottes im Hintergrund immer eine Rolle spielt. Alles in allem war es eine gute Entscheidung, dorthin zu gehen. Das Leben hat sich zwar mehr im Flieger und in Hotels abgespielt, aber sonst hat es sich am Ende des Jahres gesehen ausgezahlt.

LAOLA1: Astana muss wahrscheinlich schon aufgrund der geografischen Lage deutlich mehr zahlen als andere Klubs.

Mahalbasic: Genau. Die Strapazen sind größer, die Entfernung zur Heimat und zu den Spielen ist weiter. Daher sind auch die Gehälter höher als normal.

19,2 Punkte in der letzten EM-Quali: Mahalbasic

LAOLA1: Kasachstan ist als autoritärer Staat bekannt. Wie war das Alltagsleben für dich?

Mahalbasic: Man kann nicht von einer klassischen Demokratie sprechen. Für mein Leben hatte das aber keine Konsequenzen. In der Hauptstadt Astana läuft es ganz normal wie in jeder europäischen Stadt, vom Einkaufen bis zum Nachtleben. Außerhalb Astanas spürt man schon noch den Kommunismus, dort führen die Leute auch einen anderen Lebensstil.

LAOLA1: Nizhny Novgorod ist sportlich eine etwas größere Nummer, spielte im Vorjahr noch in der Euroleague und stand im VTB-League-Halbfinale. War es dein Wunsch, in der Liga zu bleiben oder einfach nur ein logischer Schritt?

Mahalbasic: Es war nach dieser Saison eine logische Schlussfolgerung, dass ich eine Station in Russland anhänge. Ich wollte eigentlich in ein wärmeres Land ziehen, aber das Angebot von Nizhny Novgorod konnte ich nicht ausschlagen. Es ist die dritte Saison in Folge in der VTB League, mein sechstes Auslandsjahr. Ich werde wieder im Eurocup spielen und freue mich sehr, dass ich der Heimat wieder näher sein werde.

LAOLA1: In der Saison 2012/13 hast du im Dress des polnischen Klubs Gdynia in der Euroleague sehr gute Figur gemacht. War es einfach für dich, diesen Schritt wieder aus der Euroleague weg nach Nymburk und schließlich Astana zu machen?

Mahalbasic: Durch meine bereits längere Karriere im Ausland habe ich gesehen, dass es mehr als die Euroleague gibt. Dort spielen zwar die absoluten Spitzen-Teams wie Real Madrid oder Olympiakos und ZSKA, aber dahinter gibt es zahlreiche Euroleague-Klubs wie früher Gdynia, deren Budget um ein Vielfaches kleiner als zum Beispiel das von Astana ist. Natürlich würde auch gern wieder einmal in der Euroleague spielen, wenn die Situation passt.

LAOLA1: Für dich ist der Nationalteam-Sommer heuer kurz, du bist nur gegen Japan dabei. Warum?

Mahalbasic: Ich nütze diesen Sommer wie einige andere Spieler verstärkt zu individuellem Training, da keine Bewerbsspiele auf dem Programm stehen. Da ich im Training stehe und ganz gut in Form bin, war es aber möglich, für ein paar Trainings und das einzige Heimspiel zum Nationalteam zu stoßen.

LAOLA1: Was nehmt ihr euch für das Japan-Spiel vor?

Mahalbasic: Ich freue mich, Teil der Geschichte des ÖBV zu sein und bei diesem ersten Länderspiel gegen Japan dabei zu sein. Ich hoffe auf viele Fans. Wir wollen einen positiven Eindruck hinterlassen und diesen in das nächste Jahr mitnehmen, in dem wir dann alles geben werden, um uns für die EM 2017 zu qualifizieren. Ich bin der Meinung, dass das Team heuer sehr talentiert ist und die Zukunft gut aussieht. Ich setze auch große Hoffnungen in Jakob Pöltl und glaube, dass er dem Team sehr helfen wird.


Das Gespräch führte Hubert Schmidt

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