"War immer überzeugt, dass ich gut genug bin"

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Seit Sommer hat Österreichs Basketball mit Thomas Schreiner einen neuen Legionär.

Der 25-jährige Guard wurde Teamkollege von Anton Maresch und unterschrieb bei River Andorra.

Gelungener hätte der Start in das Auslandsabenteuer für den Kapitän des ÖBV-Nationalteams kaum laufen können: Der Aufsteiger in die renommierte zweite spanische Liga gewann die ersten sieben Saisonspiele.

Und Schreiner trägt - wie Maresch - einen großen Teil dazu bei: Der St. Pöltner kommt von der Bank, spielt jedoch starke 24,5 Minuten pro Partie.

In den Kategorien Assists, Steals und Freiwurf-Prozentsatz liegt Schreiner in den Top acht der Adecco Oro (mehr Details im Legionärs-Check).

Laut Effizienzstatistik gehört er unter die besten 30 Spieler der 14 Teams starken Liga.

Im LAOLA1-Interview spricht Schreiner, der für das achte Saisonspiel am Freitag gegen Plasencia wegen eines Eisenbahners fraglich ist, über den traumhaften Beginn in der führenden Basketball-Nation Europas.

LAOLA1: Gratulation zum sensationellen Saisonstart! Gerade zu Beginn habt ihr durchwegs knappe Spiele für euch entschieden. War das eurer Nervenstärke geschuldet?

Thomas Schreiner: In dieser Liga ist fast jedes Spiel eng, da sie sehr ausgeglichen ist. Wir haben die knappen Partien gewonnen, weil wir bis zum Schluss hart verteidigt, Nervenstärke bewiesen und gut als Team zusammengespielt haben.

LAOLA1: Gibt es Teams, die vom Personal her deutlich über euch zu stellen sind oder kann mit etwas Glück auch am Ende der erste Platz dastehen?

Schreiner: Die Topfavoriten auf den Aufstieg waren vor der Saison Alicante, Burgos und Breogan Lugo. Das ist noch immer so, weil sie einfach die namhaftesten Spieler und am Papier die stärksten Kader haben.

LAOLA1: Trotzdem wird die Liga nicht von Stars dominiert. Auch bei den Individualstatistiken zeigt sich ein sehr ausgeglichenes Feld.

Schreiner: Die meisten Mannschaften besitzen sehr ausgeglichene Kader, alle spielen mit einer Neun- oder Zehn-Mann-Rotation. Hier wird sehr teamorientierter Basketball gespielt. Es wird nicht auf individuelle Spieler aufgebaut, sondern auf mehr auf das Team, wo jeder seine Optionen und Möglichkeiten zu scoren hat.

LAOLA1: Das kommt dir als intelligenter Spieler, der seine Mitspieler gut einsetzen kann, wahrscheinlich zugute.

Schreiner: Das glaube ich schon, ja. Diese Art von Basketball kommt mir mehr entgegen, als amerikanischer 1-gegen-1-Streetball-Stil.

LAOLA1: Wir haben schon im Sommer darüber gesprochen: Es gibt wohl einige Legionäre in der ABL, die in der zweiten spanischen Liga gute Figur machen würden. Trotzdem dürften die Mannschaften in der Adecco Oro deutlich stärker sein als die österreichischen. Kannst du diese Einschätzung bestätigen?

Schreiner: Ja, absolut. Aber nicht nur Legionäre, auch ein Davor Lamesic oder so manch anderer Österreicher wäre auch hier ein guter Spieler. Der größte Unterschied ist, dass in Spanien die Rotation größer ist, dass alle Spieler Profis sind und alle Spieler gute Qualität besitzen. Es wird über 40 Minuten sehr intensiv gespielt, kaum ein Spieler spielt mehr als 30 Minuten. Es gibt wenige Amerikaner, wodurch die Spielkultur eine viel höhere und teamorientiertere ist.

LAOLA1: Wie würdest du deine Rolle im Vergleich zu der in Kapfenberg charakterisieren?

Schreiner: Sie ist sehr ähnlich. Auch hier spiele ich sowohl Point, als auch Shooting Guard und versuche auf jeden Fall, das Spiel zu organisieren. Das fällt mir hier auf Grund der Mitspieler etwas leichter. Ich versuche, ein Führungsspieler zu sein.

Als Führungsspieler geholt: Schreiner

LAOLA1: Du bekommst die drittmeiste Spielzeit im Team. Hast du mit so einer großen Rolle vor Saisonbeginn gerechnet?

Schreiner: Ein Mitgrund, mich für einen Wechsel zu Andorra zu entscheiden, war, dass sie mir viel Spielzeit versprochen und mich als wichtigen Spieler in ihrem Konzept gesehen haben. Bis jetzt hat sich das auch so bewahrheitet.

LAOLA1: Wie siehst du die Rolle von Anton Maresch? Er scheint sich in Andorra leichter zu tun, als zuletzt im Nationalteam.

Schreiner: Anton spielt sehr gut und auch eine wichtige Rolle. Er spielt hier mit sehr viel Selbstvertrauen, welches er beim Nationalteam nach ein paar nicht so guten Spielen verloren hat. Ich glaube aber, dass Anton in Zukunft auch im Nationalteam ein sehr wichtiger Spieler sein kann und sein wird.

LAOLA1: Darf er seinem Typ entsprechend mehr auf das 1-gegen-1 setzen?

Schreiner: Ja. Unser Trainer versucht, die Qualitäten jedes Spielers in unser Team-Spiel einzubringen. Daher gibt es Optionen, wo Anton seine 1-gegen-1-Qualitäten ausnützen kann. Das nützt er bis jetzt auch sehr gut.

LAOLA1: Wie schwer oder leicht ist dir der Einstieg in das Legionärsleben gefallen?

Schreiner: Natürlich war es eine Umstellung, in ein Land zu kommen, dessen Sprache man nicht beherrscht und wo auch der Trainer nicht gut Englisch spricht. Aber vor allem durch Anton war die Umstellung sicher leichter, ich hatte keine Probleme. Spielerisch war es überhaupt kein Problem, da war die Umgewöhnung von St. Pölten ohne Amerikaner nach Kapfenberg mit Amerikanern schwieriger.

LAOLA1: Bleibt das Ziel Mittelfeld bzw. Playoffs? Inwieweit ist es realistisch, dass ihr euch an der Spitze festsetzt oder in den Playoffs weit kommt?

Schreiner: Wir schauen wirklich von Spiel zu Spiel. Wir genießen natürlich den Start und dass wir den Rekord eines Aufsteigers mit sieben Siegen in Folge eingestellt haben, aber wir wissen auch, dass das nur sieben Spiele waren. In dieser Liga kann man wirklich gegen jeden verlieren. Jedes Spiel ist sehr schwer, alle 14 Mannschaften sind stark und ausgeglichen. Es kann schnell gehen, man kann innerhalb weniger Runden in der Tabelle hinunter rutschen. Daher muss man realistisch bleiben. Das offizielle Ziel des Vereins sind die Playoffs und das war und bleibt auch meines.

LAOLA1: In letzter Zeit gehen viele Österreicher sehr jung in das Ausland. Bei dir hat es etwas länger - bis zum Alter von 25 - gedauert. Dieser Sprung wurde dir auch nicht von allen Seiten zugetraut: Du hast als Spieler gegolten, der zwar intelligent und technisch sehr stark, aber athletisch nicht unbedingt prädestiniert sei, um auf höherem Level zu reüssieren. Hast du selbst je daran gezweifelt, den Schritt ins Ausland zu schaffen?

Schreiner: In jungen Jahren wurde mir von einigen Trainern in Österreich gesagt, dass ich es mit meiner Athletik schwer haben werde. Interessanter Weise bin ich hier in Spanien noch nie auf meine schlechte Athletik angesprochen worden bzw. war das auch nie ein Problem. Natürlich habe ich jeden Sommer wie am Basketball auch an der Athletik trainiert und mich sicher etwas verbessert. Ich glaube aber, dass in Österreich von manchen Coaches zu sehr auf die Athletik und zu wenig auf die basketballerischen Fähigkeiten und das Spielverständnis geachtet wird. Sicher sind auch Sprungkraft und Schnelligkeit sehr wichtig, aber das Basketballerische ist im Basketball auch nicht ganz unwichtig.

Gezweifelt daran, dass ich den Sprung schaffen werde, habe ich nicht. Es gehört immer ein bisschen Glück dazu, man muss zum richtigen Augenblick am richtigen Ort sein. Ich war immer davon überzeugt, dass ich gut genug bin, um in anderen Ligen bestehen zu können und habe auch hart dafür gearbeitet. Wenn ich nicht daran geglaubt hätte, hätte ich nicht jeden Sommer so hart trainiert.

LAOLA1: Mit welchen persönlichen Zielen bist du nach Spanien gegangen?

Schreiner: Mir einen Namen machen, gut spielen, aber das Spielen auch genießen. Das gelingt mir bis jetzt ganz gut.


Das Gespräch führte Hubert Schmidt

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