Das Meisterstück des "Veteranen"

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Maresch: "Langfristig ist die ACB das Ziel"

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Anton Maresch wagte im September 2011 den Sprung von den Xion Dukes Klosterneuburg ins ferne Andorra. Dort geht der 20-Jährige seither auf Korbjagd für B.C. River.

Mit dem Klub aus dem Klein-Staat in den Pyrenäen fixierte der Steirer bereits zwei Spieltage vor Schluss den Meistertitel in der LEB Silver, der dritten spanischen Basketball-Liga. Ein Riesenerfolg für Maresch, der sich im Laufe der Saison zum Leistungsträger mauserte.

Im LAOLA1-Interview spricht der Nationalspieler über seine persönliche Saison, den Verein und das Leben in Andorra.

LAOLA1: Anton, Gratulation zur Meisterschaft. Gegen Las Rozas konntet ihr mit einem Sieg den Meistertitel perfekt machen, du hast in dieser Partie 18 Punkte geworfen, wie war das Gefühl danach?

Maresch: Es war sehr befreiend. Vor allem, dass wir es aus eigener Kraft geschafft haben und nicht durch die Niederlage eines Konkurrenten Meister wurden, war sehr schön. Der ganze Verein, vom Präsidenten über den General Manager, alle waren beim Auswärtsspiel dabei. Und natürlich haben wir dann auch anständig gefeiert.

LAOLA1: Auf der Vereinshomepage stand zu lesen, dass du auf der Busfahrt nach Hause, gemeinsam mit einem Mannschafts-Kollegen deine Sangeskünste unter Beweis gestellt hast …

Maresch: Ja, das ist richtig. Da habe ich Anton aus Tirol angestimmt.

LAOLA1: Anton aus der Steiermark singt Anton aus Tirol …

Maresch: Ja, leider hat sich der DJ Ötzi gedacht er macht lieber einen Song über Anton aus Tirol statt über Anton aus der Steiermark.

LAOLA1: Und konnten die Kollegen einstimmen?

Maresch: Da ich einer der Jüngsten bin, musste ich singen. Nachdem wir das Video im Bus zum Laufen gebracht haben, sind zwar alle mitgegangen, sie haben aber eher belustigt zugehört als mitzusingen. Wir hatten großen Spaß.

LAOLA1: Nach einer Serie von 13 Siegen in Folge gab es dann zwei Niederlagen, bevor der Meistertitel endgültig fixiert wurde. War da schon ein bisschen Torschlusspanik dabei?

Maresch: Die erste Niederlage gab es gegen Ourense, ein sehr starkes Team. Sie waren zu Saisonbeginn ein Meisterschaftskandidat. Nach unserem ersten Duell, in dem wir sie überraschend aus der Halle geschossen haben, gab es einen Trainerwechsel und viele neue Spieler wurden verpflichtet. Zum Ende dieser Partie ist es bei uns gar nicht gelaufen. Vier Minuten vor Schluss führte Ourense +2 und wir haben einfach nichts mehr getroffen. Auch beim darauffolgenden Spiel gegen Lan Mobel wussten wir, dass es nicht leicht wird. Durch einen Dreier 0,8 Sekunden vor Schluss haben wir die Partie verloren, da war schon auch ein bisschen Pech dabei. Aber ich glaube, dass wir die richtige Antwort gefunden haben. Sicher denkt man an den Titel und dass man nur noch einmal gewinnen muss. Davor haben wir genau solche Spiele eben für uns entschieden, aber man kann nicht jedes Spiel gewinnen. Die Liga ist insgesamt sehr ausgeglichen.

LAOLA1: Wie hoch ist der Stellenwert dieser Meisterschaft in Andorra?

Maresch: Es ist jetzt nicht so, dass wir auf den Hauptplatz gehen und es eine riesige Meisterfeier gibt. Nach dem letzten Heimspiel gab es aber eine größere Party, gemeinsam mit der Jubiläumsfeier des Vereins. Vor zwanzig Jahren war River Andorra in der ACB und das wurde entsprechend zelebriert.

Maresch ist mit Andorra vorerst am Gipfel angekommen

LAOLA1: Wie groß ist das Interesse für Basketball, wie berühmt bist du in Andorra?

Maresch: Also berühmt bin ich nicht. Es ist ja schon noch die dritte Liga. Das Medieninteresse am Basketball ist aber da. Jedes Spiel wird von allen Zeitungen kommentiert und es gibt immer Vorberichterstattung. Auch das Fernsehen war jetzt immer dabei. Es kann natürlich auch sein, dass das am aktuellen Erfolg liegt. Ich weiß nicht, wie es in den letzten Jahren war, aber in dieser Saison gab es schon größeres Medieninteresse als in Österreich.

LAOLA1: Wie sieht es mit dem Zuschauerinteresse aus?

Maresch: Es sind jetzt nicht so viele, aber über 500 Leute sind es sicher immer. Insgesamt ist es vergleichbar mit den Top-Clubs in Österreich.

LAOLA1:  Du warst bisher von Klosterneuburg ausgeliehen, wie wirkt sich der Meistertitel auf deine Vertragssituation aus?

Maresch: Mein Vertrag war so geregelt, dass er sich im Falle des Meistertitels um ein Jahr verlängert. Das Einzige was es noch zu klären gilt, ist die Restsumme, die Andorra an Klosterneuburg überweisen muss.

LAOLA1:  Wie ist es überhaupt zum Wechsel nach Andorra gekommen?

Maresch: Es ist eigentlich schwierig zu sagen wie das genau zustande gekommen ist. Grundsätzlich lief das Ganze über meinen Manager. Ich denke, ein Grund war auch, dass mein jetziger Coach (Anm.: Joan Penarroya) der Assistant Coach der spanischen U20 war, gegen die wir bei der EM in Bilbao gespielt haben. Da hat er mich das erste Mal gesehen und anscheinend hat ihm gefallen, was ich dort gemacht habe. Mein Manager hat sich grundsätzlich in der dritten spanischen Liga umgehört und so hat es sich dann ergeben.

LAOLA1:  Gab es noch andere Angebote oder war Andorra die einzige Option für einen Wechsel?

Maresch: Es gab davor mehrere Kontakte aber im Endeffekt war das das einzige konkrete Angebot. Es war eine Entscheidung zwischen Andorra und einem Verbleib in Klosterneuburg.

LAOLA1: Wie leicht ist dir die Entscheidung gefallen, nach Andorra auszuwandern?

Maresch: Natürlich informiert man sich erst einmal über den Verein und redet mit der Familie. Aber es war immer mein Ziel, ins Ausland zu wechseln, daher war es letztlich keine wirklich schwere Entscheidung.

LAOLA1: Du bist alleine nach Andorra gekommen, wer hat sich zu Beginn um dich gekümmert?

Maresch: Da muss ich sagen, hatte ich schon Glück, alle hier sind super nett. Ich habe eine große Wohnung gemeinsam  mit einem jungen Team-Kollegen und unserem Physiotherapeuten. Letzterer spricht gutes Englisch, er hat mir anfangs sehr geholfen, da ich kein Wort Spanisch konnte. Aber das gesamte Team war unglaublich, das sind alles super Typen. Immer wenn ich etwas gebraucht habe, haben sie mir geholfen. Da gab es nie Probleme.

LAOLA1:  Wie gut ist dein Spanisch mittlerweile?


Maresch: Jetzt ist es eigentlich schon recht gut. Ich habe keine Probleme mehr, mich zu unterhalten. Wenn ich über Politik reden müsste, würde es wahrscheinlich schwierig werden, aber für Smalltalk und Basketballgespräche reicht es aus.

Die Meistermannschaft des B.C. River Andorra

LAOLA1: Wie läuft die Kommunikation innerhalb des Teams ab, auf Englisch oder auf Spanisch?

Maresch: Im Team wird Spanisch gesprochen. Anfangs wurde mir alles vom Assistant Coach übersetzt. Aber mittlerweile ist das nicht mehr nötig. Einige Anweisungen werden mir aber weiterhin übesetzt, um sicher zu gehen, dass ich alles genau verstehe.

LAOLA1: Wie sieht der Tagesablauf eines Basketball-Profis in Andorra aus?

Maresch: Für gewöhnlich starte ich um 10:00 Uhr mit dem Individualtraining unter dem Assistant Coach, gemeinsam mit zwei weiteren jungen Spielern. Um 10:30 beginnt das Teamtraining, das dauert bis 11:30 oder 12:00 Uhr. Teilweise kommen noch Einheiten in der Kraftkammer dazu. Zu Beginn habe ich sehr viele Extraeinheiten eingelegt und oft bis 13:00 Uhr trainiert. Abends gibt es dann noch eine Einheit von 18:30 bis 20:30. Da die Halle nur fünf Geh-Minuten von unserer Wohnung entfernt liegt, sind die Wege dazwischen glücklicherweise aber kurz gehalten.

LAOLA1:  … im Gegensatz zu den langen Busfahrten bei Auswärtsspielen?

LAOLA1: Als Österreicher im spanischen Basketball bist du eher ein Exot. Hat man dir schon einen Spitznamen verpasst?

Maresch: Ja, mannschaftsintern bin ich der „Veterano“. Montags gibt es vor dem Training immer ein Einlaufen. Einmal habe ich gemeinsam mit unserem Amerikaner (Anm.: Edward Cage, 34) ein sehr gemütliches Tempo angeschlagen, wir waren abgeschlagen Letzte. Da haben die anderen gemeint, das machen eigentlich nur die arrivierten, erfahrenen Spieler. Die Jungen laufen eigentlich immer vorne. Seither bin ich der "Veterano".

LAOLA1: In der zweiten Liga wird es – vorausgesetzt er bleibt bei Lleida – zu einem Österreicher-Duell mit Jason Detrick kommen. Habt ihr Kontakt in Spanien?

Maresch: Eigentlich hatten wir noch keinen Kontakt. Wir kennen uns ja nur von ein paar Wochen im Nationalteam letztes Jahr. Es wäre aber natürlich auf jeden Fall eine tolle Geschichte, wenn zwei Österreicher in der spanischen Liga gegeneinander spielen würden.

LAOLA1: Was kann man für die nächste Saison erwarten, werdet ihr euch in der zweiten Liga etablieren können?

Maresch: Die Zielsetzung des Vereins ist langfristig wieder zurück in die ACB zu kommen. Früher war River Andorra ein sehr starker Verein und hat auch international gespielt. Nach finanziellen Problemen, Insolvenz etc. mussten sie aber in der letzten Liga neu starten. Ich denke nicht, dass wir gleich um den Titel mitspielen werden, das wäre doch eine sehr große Überraschung. Aber das Ziel ist zumindest im Mittelfeld zu landen - und dann schauen wir wie, weit es nach oben geht.

LAOLA1: Wie geht es bei dir nach dem Ende der Saison weiter, ist jetzt einmal Urlaub angesagt?

Maresch: Noch nicht ganz. Der Verein hat mir nahegelegt, noch bis Mitte Mai in Andorra zu bleiben. Ich werde dann mit zwei weiteren jungen Spielern unter dem Assistant Coach weiter trainieren. Und danach geht es zurück nach Österreich.

 

Das Gespräch  führte Christoph Kristandl

Maresch: Das stimmt, die längste Fahrt dauerte zwölf Stunden. Aber zum Glück haben wir einen komfortablen Bus. Die Sitzabstände sind erweitert und wir 14 Leute haben den ganzen Bus für uns, daher ist es nicht so schlimm. Man spielt irgendwelche Spiele mit den Kollegen oder sieht sich Filme auf dem Laptop an. Anfangs war es schon eine Umstellung, aber mittlerweile ist es kein Problem mehr.

LAOLA1:  Ist die Infrastruktur des Vereines mit jener bei österreichischen Klubs vergleichbar?

Maresch: Ich kann das natürlich nur mit den Vereinen in Österreich vergleichen, bei denen ich gespielt habe. Aber ich würde schon sagen, dass es gerade bei unserem Klub sehr professionell zugeht. Es ist immer ein Physiotherapeut dabei und wir haben  einen eigenen Delegierten, der sich um die Belange der Mannschaft kümmert.

LAOLA1: Wie würdest du das Niveau der LEB Silver im Vergleich mit jenem der ABL sehen?

Maresch: Ich würde sagen, dass unser Team in Österreich sicher um den Meistertitel mitspielen würde. Die Top-Teams der LEB Silver schätze ich etwas stärker ein als die ABL-Klubs. Die letzten vier sind aber sicher nicht besser als die österreichischen Vereine.

LAOLA1: Könnt ihr mit dem aktuellen Team eine Liga höher bestehen oder wird es Verstärkungen geben müssen?

Maresch: Auf jeden Fall wird es Verstärkungen brauchen. Die zweite Liga ist eine der fünf Top-Ligen Europas, sagt man. Ich weiß bisher nur von einem Spieler, dass er sicher bei Andorra bleibt. Es werden einige gehen und Neue kommen. Aber wenn wir oben mitspielen wollen, brauchen wir sicher Verstärkungen.

LAOLA1:  Konzentrierst du dich voll und ganz auf Basketball oder verfolgst du auch eine Ausbildung abseits vom Profi-Basketball?

Maresch: Hier in Andorra ist mein Leben voll und ganz auf den Profi-Betrieb ausgerichtet. Wenn ich im Mai wieder in Graz bin, möchte ich aber in meinem Sportstudium ein wenig weiterkommen.

LAOLA1:  Wie verbringt man in Andorra seine Freizeit?

Maresch: Man kennt  ja nicht viele Leute, mit denen man sich auf einen Kaffee treffen könnte oder ähnliches und so viel Zeit hast du zwischen den Trainings auch nicht. Andorra lebt aber quasi vom Einkaufstourismus. Es gibt jeden Designer-Shop, den man sich vorstellen kann. Hauptsächlich gehst du dann eben mit Team-Kollegen in die Stadt und schaust dir an, was es Neues gibt. Wenn man am Wochenende frei hat, kann man nach Barcelona fahren, das sind zwei Stunden mit dem Bus. Aber Andorra selbst ist jetzt nicht das große Erlebnis.

LAOLA1: Wie bist du mit deiner persönlichen Leistung in dieser Saison zufrieden?

Maresch: Ich habe eigentlich gut begonnen, aber dann hatte ich einen ziemlichen Hänger. Da ist mir nicht viel gelungen, ich habe schlecht gespielt, nichts getroffen und das Selbstvertrauen ist runter gegangen. Aber gegen Ende habe ich mich wieder gefangen und gute Spiele abgeliefert. Insgesamt bin ich zufrieden, ich habe sehr, sehr viel gelernt. Es war auf jeden Fall der richtige Schritt, da bin ich mir zu 100% sicher.

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