Druck? Pöltl: "Mache mir nicht allzu viele Gedanken"

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Jakob Pöltl steuert auf seine zweite Saison in der US-amerikanischen Basketball-College-Liga zu.

Vor einem Jahr für die Amerikaner noch ein unbeschriebenes Blatt, geht der 20-jährige Wiener mit deutlich höherem Bekanntheitsgrad und mehr Verantwortung in das neue Spieljahr.

Pöltl gilt als möglicher Top-Ten-Pick im kommenden NBA-Draft, wird zu den zehn besten College-Spielern und den zwei besten Centern gezählt.

Im Vorjahr mit 9,1 Punkten bei traumhafter Trefferquote, 6,8 Rebounds und 1,9 Blocks pro Spiel voll eingeschlagen, sind die Erwartungen für 2015/16 hoch. Bislang wird der Center diesen gerecht: In einem nicht öffentlichen Test gegen Texas A&M war er Top-Performer seines Teams, wie Coach Larry Krystkowiak erzählt.

So richtig los geht es in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, wenn eine Exhibition gegen das Division-II-Team Cal State Monterey Bay auf dem Programm steht. Am 13. November steigt das erste Saisonspiel gegen Southern Utah.

Pöltl steht vor dem Saisonstart Rede und Antwort, spricht über Neuigkeiten am Campus, Druck und das ÖFB-Team.


Frage: Jakob, wie geht es dir? Du warst durch eine Blessur am rechten Daumen etwas beeinträchtigt?

Jakob Pöltl: Vor rund drei Wochen habe ich das Gelenk etwas beleidigt, das zog sich dahin, aber es war nicht ganz so schlimm. Sonst geht es mir sehr gut.

Frage: Wie ist die Vorbereitung gelaufen, was waren die Schwerpunkte?

Pöltl: Zu Beginn hatten wir - in Kleingruppen aufgeteilt - Individualtraining, weil wir noch nicht als ganzes Team trainieren durften. Wir haben da schon begonnen, die Konzepte, die wir später als Team in der Offense verfolgen, positionsspezifisch durchzulaufen. Wir haben einiges abgedeckt, uns aber nicht auf eine spezielle Sache konzentriert.

Frage: Wahrscheinlich habt ihr viel Krafttraining gemacht.

Pöltl: Ja, vor allem als ich zurückgekommen bin, war es mit vier Einheiten pro Woche ein Schwerpunkt. Seit das Teamtraining begonnen hat, haben wir zweimal pro Woche Krafttraining. Kürzer, dafür aber sehr intensiv.

 

Schön langsam wird es ernst. Wie im Vorjahr haben wir ein Trainingsprogramm mit den Navy Seals absolviert. Am Foto sieht...

Posted by Jakob Poeltl on Saturday, October 17, 2015

Frage: Ihr habt auch in Sachen Infrastruktur zugelegt, was ist neu?

Pöltl: Im Prinzip ist bis auf die Spielhalle, in der wir nur mehr vereinzelt vor den Spielen trainieren, alles neu. Unsere alte Trainingshalle, die wir mit allen anderen Teams teilen mussten, verwenden wir nicht mehr. Wir haben jetzt ein großes Feld und zwei Querfelder mit vielen Körben zur Verfügung. Zudem gibt es einen Lounge-Bereich inklusive Billard-Tisch, einen neuen Video-Raum mit top-moderner Ausstattung und im Obergeschoss neue Trainer-Büros. Die Spielhalle können wir von der Trainingshalle direkt durch einen unterirdischen Gang erreichen.

Frage: Hat sich im Teamtraining gegenüber letzter Saison etwas geändert?

Pöltl: Man merkt schon, dass ein größerer Fokus darauf liegt, den Ball Inside zu bringen. Die Grundbewegungen in unserem Spiel haben sich gegenüber dem Vorjahr etwas geändert. Der größte Unterschied ist, dass die Trainer mehr darauf Wert legen, dass der Ball unter den Korb gepasst wird.

Frage: Es ist also schon deutlich spürbar, dass du eine größere Rolle in der Offense haben wirst?

Pöltl: Ja, absolut.

Frage: Der Großteil des Teams ist gleich geblieben, einige neue Spieler gibt es aber. Was sind deine Eindrücke?

Pöltl: Lorenzo Bonam und alle Neuen haben sich in den letzten Wochen stark verbessert, müssen sich aber noch immer an unsere Spielweise gewöhnen, vor allem in der Defense. Es schaut bislang aber wirklich gut aus. Vor allem Lorenzo und Gabe Bealer werden uns im Außenspiel sicher helfen können, bis zu einem gewissen Grad auch der Freshman-Center Makol Mawien. Zusammen mit den verbliebenen Routiniers haben wir sicher eine sehr gute Truppe, auch wenn wir mit Delon Wright einen starken Spieler in die NBA verloren haben. Da zudem zwei Center wegfallen, sind wir heuer etwas kleiner, was aber kein Nachteil sein muss.

Frage: Die Medien schätzen euch trotz des Abgangs von Wright teilweise noch stärker ein als vor der letzten Saison, in der AP-Umfrage liegt ihr auf Rang 16. Wie weit könnt ihr deiner Ansicht nach kommen?

Pöltl: Wir haben auf jeden Fall das Potenzial dazu, noch besser als im letzten Jahr zu sein. Wie wir es im Match umsetzen, werden wir erst sehen. Am Anfang wird es wahrscheinlich schwieriger, aber wir werden uns mit der Zeit verbessern. Wir sind auf einem guten Weg, ich bin wirklich optimistisch.

Frage: Die Konkurrenz innerhalb der Pac-12 Conference dürfte wieder stark sein, wie lautet da deine Einschätzung?

Pöltl: Die meisten Teams der Conference sind sicher nicht schlechter geworden. Arizona hat zwar einige Leute verloren, aber sie haben noch immer richtig gute Spieler. Auf jeden Fall sehr talentiert ist California. Oregon State ist auch sehr stark zu erwarten, da sie keinen einzigen Spieler verloren haben.

Frage: Dass du persönlich eine deutlich größere Rolle im Team haben wirst, war auch deine Forderung. Die Erwartungshaltung an dich und die Mannschaft ist jedenfalls groß, du wirst zu den absolut besten College-Spielern gezählt und als Top-10-NBA-Draft-Pick gehandelt. Wie gehst du mit den diesen Erwartungen um?

Pöltl: Ich glaube, ich bin in der Vergangenheit recht gut mit Drucksituationen umgegangen und mache mir diesbezüglich nicht allzu viele Gedanken. Wir haben im Vorjahr gezeigt, dass wir ganz oben mitspielen können, das erwartet man von uns auch heuer, das ist definitiv besser als umgekehrt.

Frage: Der Spielplan bis Jahresende ähnelt dem des letzten Jahres: Einige „Aufwärm-Gegner“, aber auch schon früh Top-Konkurrenten. Auf welche Begegnungen freust du dich besonders?

Pöltl: Mit Duke, Wichita State und San Diego State warten drei richtig starke Teams vor den Conference-Spielen auf uns. Auch das Turnier in Puerto Rico im November ist sehr gut besetzt. Ein Highlight ist immer das „Derby“ gegen BYU.

Frage: Die NBA-Saison begann vor Kurzem. Wer sind deine Favoriten, wer könnte überraschen?

Pöltl: Die Favoriten sind glaube ich relativ eindeutig. Die Finalisten Cleveland und Golden State gehören dazu und auf jeden Fall auch San Antonio, das mit LaMarcus Aldridge einen weiteren starken Spieler dazubekommen hat. Was die Überraschungsteams betrifft, glaube ich, dass Toronto wieder eine gute Saison hinlegen wird. Als Celtics-Fan hoffe natürlich, dass Boston vielleicht noch stärker spielen wird als letztes Jahr. Die Celtics sind tief besetzt, haben einen guten Coach und viele Spieler, die zum Gesamten beitragen – ähnlich wie bei uns. Die Jazz könnten auch einen Schritt nach vorne machen. Obwohl ihre Halle keine halbe Stunde von uns entfernt ist, bin ich bis jetzt noch nicht dazu gekommen, ein Spiel von ihnen zu besuchen. Mal sehen, ob es sich in dieser Saison ergibt.

Frage: Wirst du die NBA heuer noch interessierter als zuletzt verfolgen, zumal ja einige Spieler in der Liga sind, die du aus der College-Saison gut kennst?

Pöltl: Auf jeden Fall! Logischerweise werde ich Toronto besonders genau verfolgen, da Delon Wright jetzt dort spielt.

Frage: Du bist auch Fußball-Fan, warst früher auch mal bei Nationalteam-Spielen im Stadion. Was sagst du zu den Leistungen des ÖFB-Teams?

Pöltl: Ich habe die Spiele der EM-Qualifikation nicht live gesehen, aber meist den Live-Ticker verfolgt und die Highlights angesehen. Ich habe immer mitgefiebert und freue mich sehr: Eine Quali-Gruppe ungeschlagen zu beenden, ist eine super Leistung.

Frage: Du hast wahrscheinlich auch andere Sport-Nachrichten aus Österreich mitbekommen. Wie nimmst du News wie die schwere Verletzung von Anna Fenninger auf?

Pöltl: Ich habe es auf Facebook gesehen. Es ist natürlich eine sehr zache Geschichte. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was ich machen würde, wenn ich eine ganze Saison aussetzen müsste. Noch dazu nach so einer Saison, wie sie letztes Jahr eine hatte. Ich wünsche ihr nur das Beste.


Hubert Schmidt

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