Pechvögel und souveräne Favoriten

Aufmacherbild
 

Wer kann die USA besiegen?

Diese Frage stellt sich regelmäßig bei Basketball-WM und Olympischen Sommerspielen.

Beim laufenden FIBA World Cup in Spanien ist diese Frage leicht zu beantworten: Der Gastgeber ist der größte Herausforderer des Titelverteidigers.

Diese Einschätzung hat sich in der am Donnerstag zu Ende gegangenen Vorrunde bestätigt.

Doch nicht nur die beiden Top-Teams standen im Fokus. Von acht - teilweise begeisternden - Mannschaften mussten sich die Fans schon verabschieden.

LAOLA1 blickt auf die ersten sechs Spieltage zurück und auf die Playoffs voraus.

Tolles Turnier: Gorgui Dieng (Senegal)

ÜBERRASCHUNGSTEAMS

Dass man in einer Gruppe mit Puerto Rico und den Philippinen Chancen auf das Weiterkommen hat, ist nicht überraschend. Dass der Senegal jedoch einen 77:75-Sieg gegen Kroatien einfuhr, kann getrost als Sensation bezeichnet werden. Center Gorgui Dieng von den Minnesota Timberwolves spielt mit 18,0 Punkten, 11,4 Rebounds und 1,8 Blocks bislang ein überragendes Turnier. Mit einer Effizienzstatistik von 22,8 führt der 24-Jährige sogar das gesamte Feld an. Im Achtelfinale gegen Spanien werden die Afrikaner wohl trotzdem chancenlos sein.

Mit Angola und Südkorea ließ Mexiko in Gruppe D zwar keine riesigen Kaliber hinter sich, die Qualifikation für die Playoffs bei der ersten Endrunden-Teilnahme seit 40 Jahren ist dennoch mehr als bemerkenswert. Nach dem sensationellen ersten Titel bei den Amerika-Meisterschaften im Vorjahr (die USA nahmen nicht teil) ist dies der nächste Meilenstein. Trotz der NBA-Spieler Jorge Gutierrez und Gustavo Ayón wird in der Runde der besten 16 gegen das US-Team Endstation sein.

Bitteres Aus: Finnland-Coach Henrik Dettmann

PECHVÖGEL

Die Begeisterung auf den Philippinen war groß, als sich das basketballverückte Land zum ersten Mal seit 1978 das Endrunden-Ticket sicherte. Die Einbürgerung von NBA-Star Andray Blatche machte die "Gilas Filipinas" zu einem äußerst gefährlichen Team. Eine Overtime-Niederlage gegen Kroatien, ein 81:85 gegen Argentinien und ein 73:77 gegen Puerto Rico zeigen, wie knapp der Inselstaat am Achtelfinale vorbeischrammte. Mit einem abschließenden 81:79 nach Overtime gegen den Senegal belohnte man sich für die herausragenden Leistungen in den Spielen zuvor.

Die Ukraine trotzte der schwierigen Lage in der Heimat und feierte Siege gegen die Achtelfinalisten Türkei und Dominikanische Republik. In der - abgesehen von den USA - äußerst ausgeglichenen Gruppe C reichte es trotzdem nicht zum Weiterkommen. Im Dreiervergleich mit der Dominikanischen Republik (1:1, +3) und Neuseeland (1:1, -1) zog man mit der Bilanz 1-1 und der Punktedifferenz von -2 haarscharf den Kürzeren.

Kaum zu glauben, aber Finnland ereilte ein noch bittereres Schicksal: Gegen die Türkei verspielten die Suomi einen 17-Punkte-Vorsprung. Sekunden vor Schluss der regulären Spielzeit vergab Petteri Koponen, bester Finne, bei drei Zählern Vorsprung zwei Freiwürfe. Im Gegenzug verabsäumte man es, ein taktisches Foul zu begehen. Noch dazu wurde Cenk Akyol hinter der Dreier-Linie frei gelassen - der Wurf saß, die Türken siegten nach Verlängerung. Dem nicht genug, hätte am Schlusstag ein Sieg gegen Neuseeland zum Aufstieg gereicht. Wieder vergab Koponen am Ende, das Spiel endete 65:67. Trotz des Ausscheidens rechtfertigten die von einer großen Fankolonie begleiteten Finnen bei ihrer ersten WM die ihnen zugestandene Wildcard.

Dass ein Team mit einer 4:1-Bilanz als Pechvogel der Vorrunde bezeichnet wird, klingt vielleicht abwegig, trifft auf Slowenien aber durchaus zu. 19 Viertel lang lag man in Gruppe D auf Platz-1-Kurs, ehe der Korb im letzten Abschnitt gegen Litauen wie zugenagelt schien. Neun Minuten lang gelang Goran Dragic und Co. kein einziger Punkt. Schließlich ging das Viertel 2:12 und das Spiel 64:67 verloren. Da Australien zum Abschluss seine Stars schonte und Angola unterlag, kam es auch zu keinem Dreiervergleich, womit für Slowenien Rang zwei hinter Litauen blieb. Dies hat große Auswirkungen: Statt erst im Halbfinale warten nun bereits im Viertelfinale die USA, was die Medaillenchancen drastisch verringert.

21,2 Punkte pro Spiel: Pau Gasol

SOUVERÄNE FAVORITEN

Die USA hatten in der Vorrunde nur mit Vize-Weltmeister Türkei Probleme, gewannen aber auch dieses Spiel schließlich mit 21 Punkten Differenz. Vor allem Kenneth Faried und Anthony Davis stachen bislang hervor. Auf dem Weg ins Finale warten zwar Stolpersteine, aber auch Teams wie Slowenien, Litauen und die Türkei sind gegen die NBA-Stars doch krasse Außenseiter.

Noch beeindruckender präsentierte sich bislang Spanien. Der Gastgeber entschied fast alle Spiele schon vor der Pause. Selbst starke Nationen wie Brasilien (63:82), Frankreich (64:88) und Serbien (73:89) hatten keine Chance. Pau Gasol spielt auch mit 34 noch groß auf und ist bislang der vielleicht beste Spieler des Turniers. Vor dem erwarteten Traumfinale gegen die USA sind allerdings noch Kaliber wie Griechenland, Argentinien, Kroatien oder nochmals Brasilien, Frankreich oder Serbien mögliche Gegner.

Ungeschlagen blieb als dritte Mannschaft Griechenland. Auch ohne Vassilis Spanoulis, Kostas Koufos und Sofoklis Schortsanitis setzten sich die Hellenen gegen Argentinien und Kroatien durch. Bourousis, Calathes, Antetokounmpo und Co. müssen aber als "Belohnung" gleich im Achtelfinale gegen Serbien ran.

Nene, Brasilien: Über die Wildcard zur Medaille?

WEITERE MEDAILLENANWÄRTER

Slowenien ist im Bracket-Viertel der US-Boys, Frankreich (ohne Tony Parker, Joakim Noah, Nando de Colo, Kevin Seraphin, Alexis Ajinca) und Kroatien im Viertel der Spanier. Für diese ambitionierten Nationen, die sicher zum Kreis der Top-Nationen gehören, ist das Erreichen des Halbfinales ein äußerst schwieriges Unterfagen. Die Medaillenchancen sind daher geringer als das eigentliche Potenzial.

Aus dem Quartett Türkei, Australien, Litauen und Außenseiter Neuseeland schafft es ein Team in das Halbfinale. Die Türken lieferten ohne Turkoglu, Ilyasova und Kanter wechselhafte Leistungen ab, sind aber auf jeden Fall gefährlich. Australien (mit Aron Baynes, aber ohne Patty Mills) darf sich ebenso Chancen ausrechnen. Leichter Favorit in diesem Raster-Viertel ist wegen der Tiefe des Kaders Litauen um Jonas Valanciunas.

Der wohl ausgeglichenste Bracket-Zweig ist der mit Brasilien, Argentinien, Griechenland und Serbien. Brasilien, nur aufgrund einer Wildcard dabei, hat mit Stars wie Tiago Splitter, Nene, Anderson Varejao und Marcelinho Huertas das nominell stärkere Team als Argentinien, da Manu Ginobili und Carlos Delfino fehlen. Serbien mit Nemanja Bjelica und Milos Teodosic ist gegen Griechenland Außenseiter.


Hubert Schmidt

USA

Mexiko

Sa., 16 Uhr

Slowenien

Dom. Republik

Sa., 20 Uhr

Türkei

Australien

So., 20 Uhr

Litauen

Neuseeland

So., 16 Uhr

Spanien

Senegal

Sa., 22 Uhr

Kroatien

Frankreich

Sa., 18 Uhr

Brasilien

Argentinien

So., 22 Uhr

Griechenland

Serbien

So., 18 Uhr

Team

S

N

1.

Spanien

5

0

2.

Brasilien

4

1

3.

Frankreich

3

2

4.

Serbien

2

3

5.

Iran

1

4

6.

Ägypten

0

5

Team

S

N

1.

Griechenland

5

0

2.

Kroatien

3

2

3.

Argentinien

3

2

4.

Senegal

2

3

5.

Philippinen

1

4

6.

Puerto Rico

1

4

Team

S

N

1.

USA

5

0

2.

Türkei

3

2

3.

Dom. Republik

2

3

4.

Neuseeland

2

3

5.

Ukraine

2

3

6.

Finnland

1

4

Team

S

N

1.

Litauen

4

1

2.

Slowenien

4

1

3.

Australien

3

2

4.

Mexiko

2

3

5.

Angola

2

3

6.

Südkorea

0

5

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen