Zollner: "Ich will den perfekten Basketball"

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"Ich ziehe alle Hüte dieser Welt. Sie sind vom Überraschungsmeister zu einem Team geworden, das mit jedem Gegner mithalten kann."

"Sky"-Experte Stefan Weissenböck, langjähriger Assistenz-Trainer bei den Brose Bakets Bamberg in der deutschen Basketball-Bundesliga, trifft den Nagel auf dem Kopf, wenn er die Entwicklung der Güssing Knights skizziert.

So wie niemand den Südburgenländern vor einem Jahr den ABL-Titel zutraute, so rechnete auch niemand damit, dass das Team in der EuroChallenge, dem drittwichtigsten europäischen Vereinspokal, bestehen würde.

Doch die vom deutschen Headcoach Matthias Zollner betreuten Knights, bewiesen jeweils das Gegentei, überstanden die erste Gruppenphase und haben vor dem bevorstehenden Aufeinandertreffen mit Le Mans (Dienstag, 20:30 Uhr) nach wie vor alle Chancen das Viertelfinale zu erreichen. Dazu muss gegen das besten Defensiv-Team im Bewerb – die Franzosen lassen weniger als 70 Gegenpunkte pro Spiel zu – jedoch ein Auswärtssieg her.

Mit der Aufgabe gewachsen

Zwar gewann man das erste Aufeinandertreffen mit dem Tabellenführer der Gruppe J überraschend klar 82:65, doch hatte man anschließend gegen Usak Sportif (77:79) und Nanterre (86:89) jeweils denkbar knapp das Nachsehen.

Eine Niederlage beim Gastspiel in Frankreich würde für die Güssinger somit wohl das Aus bedeuten. Zumindest wären sie in den verbleibenden beiden Spielen dann auf fremde Hilfe angewesen.

Doch soweit denkt im Lager der Burgenländer niemand, denn der amtierende ABL-Titelträger fühlt sich auf internationalem Parkett pudelwohl. Der Grund? "Es hat mit dem großen Selbstvertrauen zu tun, das wir klarerweise haben. Wir sind schließlich unter den besten 16 Teams", weiß Coach Zollner, dass die große Herausforderung seine Spieler zusätzlich antreibt.

Aber nicht nur. Außerdem komme der "andere" Basketball, der in der EuroChallenge gespielt werde, Güssing nicht ungelegen. "Die Spieler sind paradoxerweise kleiner und weniger athletisch", meint Zollner. Auch seine Akteure würden eben nicht durch extreme Physis oder übermäßige Athletik glänzen.

Himmelweiter Unterschied

Trotz allem beschreibt Zollner das Spiel in der EuroChallenge als "härter". "Es wird auch anders gepfiffen", erklärt der amtierende "ÖBL Coach des Jahres", dass die Umstellung von nationalen auf internationalen Betrieb auch deshalb nicht immer leicht fällt. Die "höhere individuelle Klasse der Gegner, vor allem die technischen und individualtaktischen Fähigkeiten", sind dabei nur eine weitere Nebenerscheinung.

Travis Taylor (10,8) ist bester Rebounder der EuroChallenge

Auch wenn sich der ABL-Champion unter den besten 16 der EuroChallenge sportlich keineswegs verstecken muss, bekommt der Verein gerade beim Trip nach Frankreich die Unterschiede zwischen ABL und europäischem Top-Niveau aufgezeigt.

"Le Mans hat 17 hauptamtliche Mitarbeiter im nicht-sportlichen Bereich. Also ohne Trainerstab, Sportdirektor und Spieler", schwärmt Zollner von der Professionalität des Gegners. "In der ABL ist das meiste diesbezüglich wahrscheinlich zwei oder drei", macht er keinen Hehl daraus, dass die heimische Liga Aufholbedarf hat.

Die Suche nach dem "perfekten Basketball"

Trotzdem fühlt sich der erst 33-Jährige ("es ist keine Frage des Alters, sondern der Qualität der Arbeit") im südlichen Burgenland gut aufgehoben. "Wir haben viel vor, versuchen in eine professionellere Richtung zu gehen. Aber bei 17 sind wir noch nicht", schmunzelt der Coach.

Und es ist gleichzeitig ein Weg, der auch zu seinem naturell passt. "Ich sehe mich als einen Trainer, der etwas aufbaut und nicht als einen, der ein Jahr dort und ein Jahr da ist."

Ob es ihm auch weiterhin gelingt, ist Zukunftsmusik. Die Gegenwart heißt Le Mans, das Motto: Siegen oder womöglich fliegen. Wobei Zollner den Einzug ins Viertelfinale nicht direkt als nächstes Ziel der Güssinger ausgibt, sondern einen besonderen Fokus legt. "Wir wollen in jedem Spiel den perfekten Basketball zeigen, dann werden wir ohnehin Erfolg haben", ist der Trainer zuversichtlich.

Wie die Wunschvorstellung des Weggefährten von einem der erfolgreichsten Trainer Europas, Svetislav Pesic ("er ist mein Mentor"), aussieht? "Wir wollen eine exzellente Verteidigung spielen und dem Gegner unser Spiel aufdrücken."

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