"Zu alt und erfahren für Euphorie"

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Der BC Zepter Vienna hat mit dem 3:2-Erfolg in der Halbfinalserie gegen Kapfenberg für das Ende einer historischen Durststrecke gesorgt.

Seit 20 Jahren steht erstmals wieder eine Wiener Mannschaft im ABL-Finale.

Gegner im "Best-of-five" sind ab Donnerstag die Redwell Gunners Oberwart, die ihre Serie gegen Klosterneuburg ebenfalls nach 1:2-Rückstand noch drehen konnten.

Für einen Akteur sind diese Begegnungen noch spezieller als für den Rest: Tomislav Gaspar.

Der 30-jährige Nationalspieler wuchs in Stinatz auf und lernte das Basketballspielen in Oberwart.

Dreimal stand der Power Forward mit den Gunners im Finale, auf seinen ersten Meistertitel wartet er noch.

Im LAOLA1-Interview spricht der in Wien für die Drecksarbeit zuständige Südburgenländer unter anderem über seine Gefühle vor den Spielen gegen seinen Stamm-Verein.

LAOLA1: Wie ist die Stimmungslage in Wien kurz vor dem ersten Finalspiel - eher euphorisch oder eher fokussiert?

Tomislav Gaspar: Ich würde sagen, wir sind eher fokussiert. Die Euphorie ist eher im Management geblieben, wenn man das so sagen darf. Die Spieler sind alt und erfahren genug, sodass es in der Mannschaft nicht zu euphorisch geworden ist.

LAOLA1: Die Halbfinalserie gegen Kapfenberg verlief kurios, mit vielen Aufs und Abs und Aufholjagden. Auch ein routiniertes Team wie eures wird aus so einer Serie durchaus Selbstvertrauen mitnehmen können.

Gaspar: Absolut! Jeder von uns weiß, dass die Serie auch 3:0 oder 0:3 ausgehen hätte können. Wir haben zwischen den Spielen viel mit einander geredet und mit dem Trainer an Kleinigkeiten getüftelt. Die Serie hat uns viel gebracht, das Endergebnis natürlich auch. Direkt nach dem fünften Spiel haben die meisten von uns gleich das Entscheidungsspiel von Oberwart in Klosterneuburg angeschaut - wir haben uns also quasi mehr vorbereitet als gefeiert. Ian Boylan, Benni Danek und ich haben an diesem Abend noch länger miteinander über mögliche Matchups usw. geredet.

Gaspar mit Coach Andrea Maghelli

LAOLA1: In den letzten Spielen war die Dominanz von Ryan Richards auffallend. Warum kommt er plötzlich so viel besser zur Geltung?

Gaspar: Ryan ist ein sehr junger Spieler, der - glaube ich - selbst noch nicht ganz weiß, wie viel Potenzial in ihm steckt, und der ein bisschen Zeit gebraucht hat, um sich in die Mannschaft zu integrieren. Wir haben schon eine Ahnung gehabt, wie wir ihn nützen können, aber er selbst wusste wohl lange nicht, was er für die Mannschaft abrufen kann. Durch die Verletzung von Maurice Pearson hat er anscheinend einen Anreiz bekommen zu zeigen, was wirklich in ihm steckt. Seine Leistungssteigerung hat uns immens geholfen.

LAOLA1: Was kann man sich von Pearson in der Finalserie erwarten?

Gaspar: Er versucht, so früh wie möglich zurück zu kommen, aber es macht keinen Sinn, es zu sehr zu forcieren.

LAOLA1: Wo siehst du die sportlichen Vor- und Nachteile gegen Oberwart?

Gaspar: Es wird eine sehr interessante Serie. Beide Teams können mit verschiedenen Formationen spielen. Ich traue mich keine genaue Prognose zu geben. Boxley war der dominierende Spieler der Saison und auch der Playoffs. Wir haben aber Spieler, die ihn einschränken können. Für uns wird entscheidend sein, wie wir mit ihm und Hinson zurecht kommen. Wir haben einen Größenvorteil auf den Außenpositionen, auf der anderen Seite kann Oberwart aggressiv und Full-Court-Pressing spielen. Falls Maurice Pearson fit ist, wird es für Oberwart schwer, das Inside-Duo mit ihm und Ryan Richards zu stoppen. Ich denke, es werden vier, fünf spannende Spiele.

LAOLA1: Die gesamte Saison brachte für euch viele positive Erfahrungen, aber auch Rückschläge. So habt ihr das Cup-Finale erreicht, es aber verloren, oder lange den ersten Platz inne gehabt, um ihn in der allerletzten Runde aus der Hand zu geben. Ihr scheint dies aber relativ locker weggesteckt zu haben.

Gaspar: Es ist nicht so leicht weggesteckt worden, wie das vielleicht am Spielfeld ausgesehen haben mag. Aber da stecken viel Arbeit im Training und viele Meetings dahinter. Wir haben zahlreiche Leader-Typen in der Mannschaft - das macht das Ganze auf der einen Seite schwerer, auf der anderen aber auch leichter, weil jeder Erfahrung mitbringt und ähnliche Situationen schon miterlebt hat. Wir haben die Antwort sportlich jedenfalls finden können. Im Endeffekt bin ich ganz froh, dass wir Zweiter geworden sind, auch wenn es der härtere Weg war.

LAOLA1: Unabhängig vom Saisonverlauf: Schon vor Saisonbeginn haben viele Experten gesagt, dass sich der BC Vienna nur selbst schlagen könne, weil es so viele starke Persönlichkeiten im Team gäbe. Bislang habt ihr das offenbar ganz gut gemeistert.

Gaspar: Ich muss offen zugeben, dass es wirklich so war: Größtenteils haben wir uns selbst geschlagen. Natürlich haben manche Mannschaften großartige Leistungen gebracht und waren gegen uns zusätzlich motiviert, aber oft ist es bei Niederlagen an uns selbst gelegen.

Gaspar gegen "best friend" David Jandl

LAOLA1: Für dich persönlich ist die Finalserie etwas ganz Besonderes, weil es gegen deinen Stamm-Verein geht.

Gaspar: Es ist sicher ein spezielles Gefühl. Ich war mit Oberwart dreimal im Finale und habe leider dreimal verloren. Interessant ist auch, dass David Jandl, einer meiner besten Freunde, wieder bei den Gunners spielt - einer von uns beiden wird zum ersten Mal Meister. Ich freue mich absolut auf die Partie(n) in Oberwart, die Fans haben mich immer sehr nett empfangen.

LAOLA1: Wie schwierig war es für dich, mit deinen schwankenden Einsatzzeiten während der Saison umzugehen?

Gaspar: Ich bin froh, dass ich heuer überhaupt noch spielen konnte. Die Verletzung, der Riss der Plantarfaszie, war nicht ohne. Außerdem ist es nie leicht, nach acht Wochen Pause während der Saison zurück zu kommen. In meinem Alter fällt es außerdem leichter, mit weniger Spielzeit umzugehen. Ich erfülle meine Aufgabe - harte Defense und Aggressivität in die Mannschaft bringen - als Starting-Five-Spieler genauso hundertprozentig, wie wenn ich zwei Minuten spiele. Natürlich wäre es etwas anders gelaufen, wenn ich die Saison ohne Verletzung überstanden hätte. Ich habe derzeit noch immer Probleme mit meinen Füßen.

Das Gespräch führte Hubert Schmidt

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