Swans-Dukes: Das Final-Duell in der Detail-Analyse

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Betrachtet man den Saisonverlauf, ist es das Traumfinale: Ab Samstag kämpfen die Allianz Swans Gmunden und die Xion Dukes Klosterneuburg in einer Best-of-five-Serie um den Meistertitel in der Admiral Basketball Bundesliga.

Die beiden besten Teams dieser Saison stehen sich gegenüber: Die Niederösterreicher waren im Grunddurchgang top und nach der Hauptrunde hinter den Schwänen Zweite.

Gmunden steht zum neunten Mal in den letzten zehn Jahren im Finale, Klosterneuburg zum ersten Mal seit 22 Jahren.

Beides ist kein Zufall, bei beiden Vereinen wurde zuletzt im Hintergrund gut gearbeitet.

Die Swans haben den Generationswechsel ohne Leistungsabfall verkraftet - die Verpflichtung der beiden U20-Nationalspieler Friedrich und Novas Mateo für nächste Saison ist nur ein Beispiel, mit welcher Weitsicht am Traunsee Entscheidungen getroffen werden.

Klosterneuburg konnte sich durch Maßnahmen im Umfeld sanieren und durch kluge Personalpolitik auch ohne hohes Budget ein Spitzenteam formen.

Doch wer ist nun Favorit? Die Leistungen während des Spieljahres sollten für Gmunden sprechen, doch durch die Ausfälle zweier Starting-Five-Spieler (Richard Poiger und Reggie Arnold) sind die Swans vermeintlich etwas weniger tief besetzt.

LAOLA1 nimmt die einzelnen Positionen unter die Lupe und analysiert, wo die Stärken und Vorteile der beiden Teams liegen.

 

>> POINT GUARDS <<

MORITZ LANEGGER (Dukes)

SHARAUD CURRY (Swans)

Das Matchup auf der Eins könnte die Serie entscheiden. Momo Lanegger (8,9 Punkte, 4,6 Rebounds, 3,8 Assists) ist ein toller Athlet und ein sensationeller Rebounder für seine Position. Der Steirer wirft zwar nicht allzu viel von außen, doch in dieser Saison trifft er sehr hochprozentig - mit 45,3% vom Dreier ist er sogar die Nummer eins der Dukes. Doch gegen Gmunden werden vor allem die Verteidigungskünste des U20-B-Europameisters von 2010 auf dem Prüfstand stehen.

Denn Sharaud Curry ist DER Spieler der Playoffs: Nach den Ausfällen von Poiger und Arnold riss der US-Amerikaner das Spiel der Gmundner höchst erfolgreich an sich und kam auf Durchschnittswerte von 23,3 Punkten und 8,1 Assists. Kann sich der 1,78 m kleine ABL-Rookie so austoben wie im Halbfinale gegen Wels, hat Gmunden sehr gute Chancen, seinen fünften Meistertitel einzufahren.

Vorteil Swans - 1:0 Swans

 

>> SHOOTING GUARDS <<

FLORIAN SCHÖNINGER (Swans)

CHRISTOPH NAGLER (Dukes)

Das Duell auf der Zwei ähnelt dem auf der Point-Guard-Position, nur dass der offensive Impact hier auf Seiten der Klosterneuburger größer ist. Christoph Nagler, der zweite Steirer im Backcourt der Dukes, gehört seit Jahren zu den besten Österreichern der Liga. Der 28-Jährige ist ein Top-Shooter (41,4% vom Dreier), glänzt aber auch als explosiver Penetrierer, der unter dem Korb hochprozentig abschließt und oft an der Freiwurflinie steht (4,6 Mal pro Partie). Nagler erzielt 15,3 Punkte pro Spiel. Im Oberwart-Dress kam er auf vier Final-Einsätze, auf seinen ersten Meistertitel wartet er aber noch - wie alle anderen Klosterneuburger.

Florian Schöninger hat sich als junger Spieler durch seine Defense und seine Treffsicherheit aus der Distanz in die Rotation der Swans gespielt. Mittlerweile "darf" der Gmundner auch zum Korb ziehen und ist sogar eine Alternative im Ballvortrag. Seine größte Stärke ist die Routine: Bereits 33 ABL-Final-Partien hat der 30-Jährige vor den letzten drei bis fünf Liga-Spielen seiner Karriere in den Beinen!

Vorteil Dukes - 1:1

 

>> SMALL FORWARDS <<

ENIS MURATI (Swans)

CURTIS BOBB (Dukes)

Ein interessantes Aufeinandertreffen findet auf der Flügel-Position statt. Enis Murati, eigentlich ein Shooting Guard, muss wegen des Ausfalls der größeren Arnold und Poiger auf die Drei ausweichen. Und der 23-Jährige macht seine Sache ausgezeichnet. 18,4 Punkte erzielte der als harter Arbeiter bekannte Serbe in den Playoffs bislang - eine sensationelle Steigerung gegenüber seinen 9,3 in der Regular Season.

Während Murati sich dreifacher Meister nennen darf, wartet der um zehn Jahre ältere Curtis Bobb noch auf seinen ersten ABL-Titel. "CBo" ist der Freigeist im Team der Klosterneuburger, der Mann für die wilden Würfe. Mit 14,1 Punkten pro Spiel ist der US-Boy drittbester Scorer der Dukes. Eiskalt ist Bobb von der Freiwurflinie: 92,2%.

Angesichts der zuletzt gezeigten Leistungen: Kleiner Vorteil Swans - 1,5:1 Swans

 

>> POWER FORWARDS <<

JASON CHAPPELL (Dukes)

MATTHIAS MAYER (Swans)

Sehr physisch wird es unter den Körben zugehen: Beide Power Forwards spielen mit großem Einsatz und können problemlos auf die Center-Position ausweichen. Jason Chappell ist bester Rebounder der Dukes (6,8), auf seine 10,6 Punkte im Schnitt kommt der US-Amerikaner in erster Linie durch seine gute Beinarbeit mit dem Rücken zum Korb und durch Mitteldistanzwürfe.

Matthias Mayer ist trotz seiner körperlichen Spielweise kein Spieler, der mit Low-Post-Moves scort, der gebürtige Welser trifft dafür exzellent von jenseits der Dreier-Linie (41,2%). 8,7 Punkte im Schnitt scheinen nicht allzu beeindruckend, doch Mayer ist offensiv wie defensiv der vielleicht wichtigste Spieler im Gmundner Teamplay überhaupt: Mit 1,5 Steals führt er die Swans an, in Rebounds (6,5) und Assists (2,4) ist er die Nummer zwei seiner Mannschaft. Zudem ist Mayer gemeinsam mit Schöninger der Mann mit den meisten Finalspielen.

Kleiner Vorteil Swans - 2:1 Swans

 

>> CENTER <<

DAN OPPLAND (Swans)

RAMIZ SULJANOVIC (Dukes)

Hochklassig geht es auf der Center-Position zu: Dan Oppland ist mit 13,9 Punkten und 8,0 Rebounds ein ständiger Gefahrenherd unter dem Korb. Unermüdlicher Kampf um die Position und eine unheimlich konstante "linke Pranke" sind die Markenzeichen des Amerikaners, dessen Zwillingsbruder ebenfalls im Gmundner Kader steht.

Der offensiv ausgefeilteste Center der Liga heißt Ramiz Suljanovic. 60,9% seiner Zweipunkter versenkt der Bosnier im Korb, meist nach technisch sauberen Moves. Der 32-Jährige gilt wie Sharaud Curry als Mitanwärter auf den MVP-Titel in der ABL und ist effizientester Spieler der Klosterneuburger.

Kleiner Vorteil Dukes - 2:1,5 Swans

 

>> BANKSPIELER <<

DAMIR HAMIDOVIC (Dukes)

PETER HÜTTER (Swans)

Die Dukes verfügen mit Damir Zeleznik über den besten Backup-Point-Guard der Liga. Der 40-jährige Innenspieler Damir Hamidovic gehört in seiner 20. und letzten Saison für Klosterneuburg zu den solidesten großen Bankspielern der ABL. Dazu kommen mit Guard Lukas Sallomon, der allerdings wegen Knieproblemen fraglich ist, und Forward Matthew Rachar zwei weitere Akteure, die in der Standard-Rotation zum Einsatz kommen. Center Christoph Greimeister ist verletzt.

Durch die bereits angesprochenen Ausfälle von Richard Poiger und Reggie Arnold sowie dem langzeitverletzten Youngster Jozo Rados ist die Bank der Swans zwar kürzer als gewohnt, aber immer noch mit drei erfahrenen Spielern besetzt: Forward Peter Hütter und Point Guard Thomas Stelzer haben insgesamt bereits 56 Final-Partien absolviert und ihre zuletzt wieder größeren Rollen vor allem in der Defense gut ausgefüllt. Forward Mike Oppland ist zwar kein typischer Innenspieler, kann aber mit seinen 2,02 Metern unter dem Korb dagegenhalten.

Vorteil Dukes - 2,5:2 Dukes

 

>> COACHES <<

WERNER SALLOMON (Dukes)

MATHIAS FISCHER (Swans)

Die beiden Coaches sind gegensätzlich, haben aber auch Gemeinsamkeiten. Werner Sallomon tanzt auf vielen Hochzeiten: Schuldirektor, Vereins-Obmann, erfolgreicher U20-Nationaltrainer, Familienvater und Dukes-Coach. Als Teilzeit-Coach passt der Klosterneuburger perfekt zu seinem Team, das selbst kaum über Profis verfügt. Die Dukes konzentrieren sich auf das Wesentliche und Einfache und holen aus ihren Möglichkeiten heuer das Maximum heraus. Besonders erfreulich: Sie spielen auch einen schönen Basketball.

Gemeinsam haben die beiden Trainer, dass sie höchst emotional an der Seitenlinie aktiv sind, wobei man den Eindruck hat, dass Sallomon angesichts des Erfolgs ruhiger geworden ist - was man von Mathias Fischer nicht unbedingt behaupten kann. Der Deutsche kann als Profi mit seiner Profi-Truppe allein wegen der zeitlichen Ressourcen detaillierter und professioneller arbeiten und kitzelt heuer ebenfalls das Maximum aus seinem Team hervor.

Sallomons Bedeutung für den Verein ist immens, auf das Coaching reduziert aber Vorteil Swans - 3:2,5 Swans

 

>> "INTANGIBLES" <<

 

 

Die große Unbekannte: Wiegt die Final-Erfahrung der Gmundner mehr als die längere Bank der Klosterneuburger? Bleiben die Swans trotz der Ausfälle in den entscheidenden Momenten cooler als die Dukes, die nach ihrer langen Final-Absenz wiederum voller Enthusiasmus stecken und den zehnten Meistertitel der Vereinsgeschichte einfahren wollen? Ist die Volksbank Arena zu Gmunden mit über 2.500 Fans ein größerer Heimvorteil als das mit 1.000 Zuschauern platzende Happyland zu Klosterneuburg? Kommt der "Volcic-Faktor" (der Oberwarter führte seine Gunners im Vorjahr bei seinem Karriere-Ende zum ersten Titel) auch bei Damir Hamidovic zum Tragen?

Schwer vorauszusagender Punkt: Vorteil ???

 

LAOLA1-Prognose: Der Ausgang der Serie dürfte in erster Linie vom Point-Guard-Duell und von den "Intangibles" abhängen: Können die Dukes die Kreise von Curry einengen und schaffen sie es, ihre Euphorie positiv auf dem Parkett umzusetzen, könnten sie die Nase knapp vorne haben. Sollten die Gmundner ihre Final-Routine so eindrucksvoll zeigen können wie im Halbfinale und spielt Curry weiter groß auf, sind die Swans (wie auch für die Wettanbieter) Favorit. Intensive, spannende Spiele und wohl auch eine lange Serie dürfen erwartet werden.

 

Hubert Schmidt

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