Darum wird _______ Meister!

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Die ABL-Playoffs 2013 verwöhnen die Fans fast über die Maßen.

Gingen schon beide Semifinal-Paarungen über fünf Partien, so ist nun die Finalserie zwischen dem BC Zepter Vienna und den Redwell Gunners Oberwart schon Kult.

Ein Buzzer-Beater von Darnell Hinson in Spiel 2, der doch keiner war. Eine unglaubliche Aufholjagd Oberwarts in Spiel 4, die nach einem 0:2-Rückstand eine fünfte Partie erzwang.

Die Belegung der Stadthalle B, die den BC zum Umzug in Österreichs mit Abstand schönste Basketball-Halle nach Schwechat veranlasste.

Ab 19.30 Uhr wird im Multiversum entschieden, ob der ABL-Titel zum ersten Mal seit 20 Jahren nach Wien geht oder zum zweiten Mal insgesamt in das Südburgenland.

LAOLA1 listet die Punkte auf, die für die beiden Mannschaften sprechen.

 

-- SPIEL 4 --

Die Gunners waren in der vierten Finalpartie über weite Strecken die schlechtere Mannschaft, hatten die Meisterschaft praktisch schon verloren und haben nach einem 14-Punkte-Rückstand 3:40 Minuten vor Schluss dennoch gewonnen und die Serie auf 2:2 ausgeglichen. Das Bewusstsein, gegen die Wiener so eine Partie drehen zu können, gibt Kraft. Die Hauptstädter dagegen hatten Stoff nachzudenken, wie sie diese Partie noch aus der Hand geben konnten.

 

-- SPIEL 4 --

Vor fremder Kulisse ein Spiel eindeutig zu dominieren, spricht für den BC Zepter. Die Maghelli-Truppe hat sich nach der klaren Niederlage in Spiel 3 gut angepasst und gesehen, was gegen Oberwart funktioniert - und vor allem auch, was nicht. Schafft man es, daraus die Lehren zu ziehen, stehen die Chancen für die Wiener im fünften Finale recht gut. Bei Oberwart besteht die leichte Gefahr, nach dem überragenden Finish in der vierten Partie - wenn auch unbewusst - zu sehr auf die Euphorie zu vertrauen.

 

-- STJEPAN STAZIC --

Der Wille, ein Spiel an sich zu reißen, klingt wie eine überaus positive Eigenschaft. Im Falle des BC-Vorstandsmitglieds ist sehr oft das Gegenteil der Fall, wie die kuriose Endphase des vierten Spiels zeigte. Obwohl der 34-Jährige starke Mitspieler hat, wirft er in der Crunch Time schon mal lieber aus acht Metern über einen Verteidiger hinweg, anstatt zu einem besser postierten Teamkollegen zu passen oder den Zug zum Korb zu suchen. In der Defense ist der Routinier die Schwachstelle des Wiener Teams. Wie schon Raoul Korner im Podcast "The BBall Theory" ausführte, ist der Kapitän der Wiener der einzige Spieler, der in allen vier Spielen eine negative Plus/Minus-Statistik aufwies.

 

-- STJEPAN STAZIC --

Eines der größten Basketball-Talente Österreichs aller Zeiten könnte aber auch zum Trumpf-Ass im Entscheidungsspiel werden. Einen Spieler wie Stazic haben die Gunners trotz ihres starken Kaders nicht. Was der 1,98-Meter-Mann immer noch drauf hat, hat er auch in Phasen der Finalserie bewiesen. Der Gamewinner in Spiel 2 zum Beispiel, aber noch mehr seine Leistung in den ersten dreieinhalb Vierteln in Spiel 4. Stazic kann schwierigste Würfe versenken, traumhafte Pässe spielen. Stellt er sein Ego unter das Wohl des Teams, steigen die Chancen des BC enorm.

 

-- "HEIMVORTEIL" --

In der Wiener Stadthalle B hätten die Gunners zwar auch die lautstärkeren Fans gehabt, doch die eigentliche Heimstätte des BC unterscheidet sich so stark von allen anderen österreichischen Hallen, dass der Heimvorteil ein beträchtlicher gewesen wäre. Die Umsiedlung in das Schwechater Multiversum verschaffte dem "Spiel der Spiele" nicht nur einen tollen Rahmen, sondern den Oberwarter Fans die Gelegenheit, die Partie zu einem Heimspiel zu machen. An die 1.000 (!!) Anhänger der Südburgenländer werden nach Schwechat pilgern.

 

-- INDIVIDUELLE KLASSE --

Auch die Redwell Gunners haben mit Seamus Boxley, Darnell Hinson oder Richard Chaney hervorragende Spieler. Der Gegner kann jedoch nicht nur mit in Österreich etablierten Leuten wie Stazic, Ian Boylan, Shawn Ray oder Benedikt Danek dagegen halten, sondern hat vor allem unter dem Korb mit Ryan Richards und Maurice Pearson Akteure, die auf ABL-Niveau dominieren können, wenn man sie richtig einsetzt. Der Größenvorteil ist nicht nur auf den Innen-, sondern auch auf den Außenpositionen gegeben. So kamen die Wiener durch Post-ups von Ian Boylan oder Shawn Ray oft zu sehr einfachen Körben bzw. weit offenen Dreier-Versuchen.

 

-- TEAMGEFÜGE UND ROLLENVERTEILUNG --

Kurios: Obwohl die Burgenländer mitten in der Saison ihre halbe Mannschaft umgestellt haben, hat mittlerweile längst jeder Spieler seinen Platz gefunden. Das liegt einerseits an der Routine der einzelnen Spieler, besonders die Einheimischen haben besonders schnell ihre Nischen an der Seite des neu verpflichteten Top-Trios gefunden. Andererseits muss man auch Coach Tom Johnson zu diesem gelungenen Turnaround gratulieren. Anders ist die Situation in Wien: Zwar gibt es auch dort erfahrene bzw. energievolle Österreicher wie Benedikt Danek, Tomislav Gaspar und Florian Trmal, die sich der Mannschaft unterordnen. Dennoch verbleiben so viele Stars, dass Ballkontakte, Rollen und vor allem auch Einsatzzeiten von Spiel zu Spiel teils extrem variieren - was einerseits von außen oft kaum nachvollziehbar ist und andererseits für die betroffenen Spieler nicht leicht zu handeln ist. So war die Rotation in der letzten Partie überraschender Weise um einiges enger als die der Gunners.

 

-- AUSDAUER/FITNESS --

Beim BC Vienna sind mit Richards, Stazic, Pearson, Boylan, Ray und Gaspar sechs Spieler leicht angeschlagen. Mehr wiegt aber eine von der ABL aufgezeigte Statistik: Über alle Playoff-Spiele hinweg weisen die Wiener eine Bilanz von -13, die Oberwarter eine von +34 auf! In der Summe der letzten drei Final-Begegnungen endeten die vier Schlussminuten der regulären Spielzeit mit einem Gesamtscore von 32:8 für die Gunners. Ob dies nun mit der Fitness, der kurzen Rotation der Wiener oder größerer Nervenstärke der Burgenländer zusammenhängt, sei dahingestellt.


Hubert Schmidt

 

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