"Endlich einfach nur trainieren"

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Ochsenhofer: "Meine bisher schwierigste Saison"

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Wenn am Wochenende beim Chevrolet-Cup-Final-Four in Oberwart vier Teams um den Pokal kämpfen, stehen besonders die Gastgeber im Blickpunkt.

Die Redwell Gunners, Meister von 2011, haben turbulente Monate hinter sich.

Die Burgenländer schienen zunächst sogar Probleme zu haben, einen Playoff-Platz zu erreichen, als von den ersten elf Saisonspielen nur vier gewonnen werden konnten.

Das Management reagierte, von den drei zu Saisonbeginn im Kader stehenden Legionären blieb mit dem zuletzt verletzten Darnell Gant nur einer übrig.

Zwei Test-Kandidaten entsprachen nicht, seit Mitte Dezember sind mit Richard Chaney, Darnell Hinson und Seamus Boxley drei Top-Amerikaner an Bord.

Aufschwung in den letzten beiden Wochen

Nach einer 50:75-Schlappe beim Cup-Halbfinal-Gegner und ABL-Tabellenführer BC Zepter Vienna am Dreikönigstag scheinen die Gunners endlich ihren hohen Erwartungen gerecht zu werden:

Einer knappen Niederlage in Kapfenberg folgte ein Sieg gegen zuvor groß aufspielende Gmundner und ein Plus-52-Erfolg gegen Traiskirchen.

Mit einer 8:9-Bilanz haben die Oberwarter noch alle Chancen auf die Hauptrunde 1 der besten sechs Teams und - was noch wichtiger ist - rechtzeitig vor dem Heim-Final-Four ihre Form gefunden.

Was in vielen Ligen Europas längst Usus ist, wurde heuer auch in Österreich umgesetzt: Der Finalturnier-Veranstalter wird zu Saisonbeginn bestimmt und ist ohne Qualifikation für das Halbfinale gesetzt - davon profitierte bei der Premiere Oberwart.

Zu den wenigen Konstanten der bisherigen Gunners-Saison zählt Hannes Ochsenhofer.

Der 27-Jährige hat als einziger Kanonier alle 17 Saisonspiele bestritten.

Im LAOLA1-Interview lässt der Guard die schwierigen Monate Revue passieren. Für das Final Four sieht "Haxi" die Karten völlig neu gemischt.

Siegen die Oberwarter am Samstag gegen den BC, wartet am Sonntag der Sieger aus Meister Xion Dukes Klosterneuburg gegen WBC Raiffeisen Wels.

LAOLA1: Die Saison der Gunners verlief bislang ereignisreich. Wie würdest du sie zusammenfassen?

Hannes Ochsenhofer: Eine Achterbahnfahrt. Das ist die schwierigste Saison, die ich bis jetzt erlebt habe. Es hat mit zwei Siegen gut begonnen, danach ist es steil bergab gegangen. Es folgten Personal-Veränderungen, nach denen wir zunächst wieder sehr schlechte Figur gemacht haben. Jetzt hat man das Gefühl, dass langsam etwas Gutes entstehen kann. Das Wort "verrückt" trifft den bisherigen Verlauf ganz gut.

LAOLA1: Woran hat es zu Beginn gekrankt? Waren die Legionäre zu schwach?

Ochsenhofer: Das glaube ich nicht, es hat einfach irgendwie nicht gepasst. Mit Chris Gradnigo war es schwierig, es gab im Training dauernd Diskussionen, was zum Beispiel die Einstellung betrifft. Diese Ungereimtheiten fallen jetzt weg, da die jetzigen Legionäre erfahren sind. Es erleichtert die Situation ungemein, wenn du endlich ein Training hinter dich bringst, wo nichts vorfällt, wo einfach nur trainiert wird. Die Routine der jetzigen Spieler macht einen sehr großen Unterschied aus.

Halbfinal-Duell: Danek gegen Ochsenhofer

LAOLA1: Ihr habt zuletzt drei starke Partien in Folge abgeliefert. Es sieht so aus, als hätte sich das Team rechtzeitig vor dem Cup-Final-Four und auch rechtzeitig im Kampf um den sechsten Platz gefangen.

Ochsenhofer: Vom Verein wurde seit der Vergabe des Final-Fours klar gemacht, dass das Hauptaugenmerk auf dem Cup liegt. Dass wir vom Timing her wirklich ausgerechnet jetzt augenscheinlich besser und attraktiver spielen, ist natürlich super. Noch bei der Klatsche in Wien hat man das ja gar nicht für möglich gehalten. Da wir jetzt gut drauf sind, wird das Halbfinale gegen Vienna sicher eine ganz andere Partie werden.

LAOLA1: Zur automatischen Qualifikation des Final-Four-Veranstalters gibt es geteilte Meinungen. War das Heim-Turnier in eurer schwierigen Situation zwischendurch insgeheim vielleicht sogar eine Last?

Ochsenhofer: Ich bin einfach nur froh, dass wir im Final Four sind. Diesen Modus haben ja nicht wir uns ausgedacht. Ich habe schon andere Cup-Spiele erlebt, wo wir im festen Glauben, das Turnier zu gewinnen, in das Halbfinale gegangen sind und dann von Fürstenfeld abgefertigt wurden. Beim Cup weiß man nie, was kommt.

LAOLA1: Seht ihr euch mit dem neuen Kader vom Personal her auf einem Level mit den Spitzenteams wie Wien?

Ochsenhofer: Ja, schon. Der Vorteil der Wiener ist, dass sie mit Spielern wie Shawn Ray und Ian Boylan Leute geholt haben, die die Liga kennen, die wissen, wie gepfiffen wird, und sich deshalb auch nicht schnell aus der Ruhe bringen lassen. Unseren Legionären muss man noch eine gewisse Eingewöhnungs- und Anpassungsphase zugestehen. Schön langsam wissen unsere Spieler aber schon, was sie erwartet. Einem super Spiel steht nichts im Wege.

LAOLA1: Ihr habt beide bisherigen Saisonduelle gegen den BC Vienna klar verloren. Tut ihr euch gerade gegen die Wiener besonder schwer?

Ochsenhofer: Ich denke nicht. Das erste Spiel haben wir ja noch mit der alten Mannschaft bestritten, das lässt sowieso keine Rückschlüsse zu. Im zweiten Spiel war einfach kein einziger von uns ready für die Partie. Es war fast peinlich, wie wir dort aufgetreten sind - ohne Energie und ohne Kampfgeist. Diese Partie kann man als Weckruf sehen. Das Auftreten wird am Samstag ein ganz anderes sein, das wird ein ganz neues Spiel. Ob wir es dann gewinnen oder nicht, das ist eine andere Sache.

LAOLA1: Wie schätzt du das zweite Halbfinale zwischen Klosterneuburg und Wels ein?

Ochsenhofer: Das ist wirklich sehr schwierig zu sagen, ich traue mich keine Prognose abzugeben. Beide Mannschaften haben ihre Stärken, beide können gewinnen.

LAOLA1: Du persönlich spielst an den Statistiken gemessen mit 7,8 Punkten, 2,6 Assists und guten Trefferquoten deine bisher beste ABL-Saison. Fühlst du dich auch so? Du bist auch der einzige Gunner, der in allen 17 ABL-Partien zum Einsatz kam.

Ochsenhofer: Eigentlich ist es für mich heuer eine große Umstellung, weil ich jetzt viel mehr als Shooting Guard spiele. Ich habe mir den Schritt ehrlich gesagt ein bisschen einfacher vorgestellt, bin aber zufrieden damit, dass ich mich relativ gut damit zurechtgefunden habe. Ich wäre natürlich zufriedener, wenn es mit der Mannschaft etwas besser rennen würde. Es ist nicht einfach, sich während der Saison ständig auf neue Mitspieler einzustellen.

LAOLA1: Hat sich der frühe Cut vom Nationalteam und damit die längere gemeinsame Vorbereitung beim Klub positiv für dich ausgewirkt?

Ochsenhofer: Ich denke schon. Gerade mit einem neuen Trainer und in der neuen Situation bin ich im Nachhinein ganz froh, von Anfang an dabei gewesen zu sein.

Das Gespräch führte Hubert Schmidt

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