Die Rechnung ging auf

Sein erstes Rennen außerhalb Äthiopiens absolvierte er 2009 ausgerechnet in Wien. Also in jenem Jahr, in dem sich Konrad und Co. dafür entschieden, nur Marathon-Debütanten für das Elite-Feld einzuladen.

„Damals haben uns alle für verrückt gehalten. Aus heutiger Sicht hat sich das aber bezahlt gemacht“, verweist der OK-Chef auf die besondere Bindung Felekes zur Donau-Metropole, in welche er heuer sehr gerne zurückkehrte.

„Bevor ich 2009 hier das erste Mal lief, dachte ich, dass alle Länder auf der Welt wie Äthiopien wären. Dann habe ich aber gesehen, dass es hier sauberer und der Lebensstandard höher ist“, erinnert sich der damalige Siebtplatzierte (2:11:42).

Von Äpfeln und LKWs

Während Feleke nun zurück in seine Heimat reist, ziehen die Veranstalter Bilanz. Und diese fällt sehr zufriedenstellend aus. Mit knapp 42.000 Anmeldungen verteilt auf zwei Tage stieß man in neue Sphären vor. Etwas, das man eigentlich gar nicht vorhatte. „Die 42.000 sind uns passiert. Wir wollten bei 36.000 abriegeln. Doch dann sind über Angebote von Reisebüros und Geschäftspartner noch zusätzliche Anmeldungen dazugekommen, die dann diese Zahl ergeben haben“, erklärt Konrad, dem bei solch großen Zahlen ohnehin ein wenig mulmig wird.

„Als ich in den 80er-Jahren mit der Organisation des Vienna City Marathon angefangen habe, sind wir nach Berlin gefahren, um uns deren Rennen anzusehen. Als ich hörte, dass sie 25.000 Nennungen haben, habe ich gesagt: Oh Gott, so viele möchte ich nie haben“, schmunzelt er.

Ein weiteres Ausbauen des Starterfeldes halte er aus heutiger Sicht nur über den Kids-Run am Samstag für sinnvoll. „Denn am Sonntag stoßen wir an unsere Kapazitäts-Grenzen.“ Damit meint er aber nicht die Breite der Straßen, sondern viel mehr die Logistik. Schon jetzt ergibt der Transport der rund 35.000 Startsackerl eine 3,2 km lange LKW-Schlange, die es kostengünstig zu organisieren sowie unterzubringen gilt.

„Außerdem haben wir heuer die Ausgabe von Äpfeln diskutiert. Die Obst-Wirtschaft gab uns aber zu verstehen, dass die erforderlichen 36.000 Stück im Augenblick gar nicht so einfach zu organisieren wären“, führt Konrad aus.

„Ein Sechser mit Zusatzzahl“

Ein weiteres Wachstum halte Konrad ohnedies für nicht dringend erforderlich, schließlich bewege man sich mit den aktuellen Zahlen bereits in einer internationalen Top-Liga. Darum möchte er vielmehr dazu übergehen, dem Vienna City Marathon seinen ganz eigenen Charakter zu verleihen. Dies sei unter dem diesjährigen Motto „Alles Walzer“ bestens gelungen.

„Ich kenne keinen Marathon-Veranstalter auf der ganzen Welt, der es besser versteht, eine derartige Idee besser aufzugreifen und herauszuarbeiteen. Das macht uns aus, das macht uns stark. Das ist unser Markenzeichen!“

Als dann die deutsche Siegerin Anna Hahner nach dem Zieldurchlauf einen Walzer hinlegte, ging dem Veranstaltungs-Team das Herz auf. „Das war die perfekte Verbindung von Sport und der Idee. Aber so eine spontane Aktion kannst du nicht planen. Das passiert. Das war wie ein Lotto-Sechser mit Zusatzzahl.“

Unter welchem Motto der Marathon im nächsten Jahr stehen wird, ist noch ungewiss. Fest steht mit dem 12. April 2015 hingegen schon der Termin. Konrad: „Mit dem Startschuss des diesjährigen Rennens ist zeitgleich auch die Anmeldung für die 32. Auflage möglich. Und in den ersten knapp 26 Stunden sind bereits an die 600 Meldungen eingetrudelt. Der Point of no return ist also schon erreicht.“

Reinhold Pühringer

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