Aufmacherbild

Frühes Weihnachtsgeschenk für Motorsportfans

Das Jahr 2014 neigt sich dem Ende zu, die Motorsportwelt befindet sich im Winterschlaf.

Personalentscheidungen werden gefällt und Vorbereitungen auf die nächste Saison getroffen, die Motoren bleiben weitestgehend stumm. Doch der Dezember hat für die Fans trotz der „Offseason“ nicht nur winterliche Tristesse zu bieten.

Am Wochenende steht ein Comeback an, wenn das Race of Champions nach einem Jahr Pause wieder zum Kräftemessen von Vertretern der verschiedensten Klassen bittet.

LAOLA1 hat die wichtigsten Infos rund um das letzte Highlight der Motorsportsaison.

 

Die Teilnahme am Race of Champions ist keine lästige Aufgabe, denn sie lässt sich perfekt mit einem anschließenden Urlaub verbinden. Es gibt sicher Unangenehmeres, als auf Barbados vor den Fans seine Runden zu drehen.

Damit geht das Event vorsichtshalber den Weg auf die andere Seite des Erdballs. Im vergangenen Jahr fiel die Veranstaltung der schwierigen politischen Lage in Thailand zum Opfer.

Der auf der karibischen Insel beheimatete „Bushy Park“ ist eine permanente Motorsport-Spielwiese, die erst im Frühjahr modernisiert wurde und nun einen 2,2 Kilometer langen asphaltierten Rundkurs, der je nach Bedarf in eine RallyCross-Strecke, eine Kartbahn und eine Dragster-Gerade umgemodelt werden kann, besitzt. Beste Voraussetzungen also, um sich in allen motorsportlichen Teildisziplinen zu messen.

Bei Nostalgikern wird der neue Austragungsort Erinnerungen wecken. Denn das Race of Champions war in den Neunzigern auf Gran Canaria beheimatet, bevor man dazu überging, den Show-Charakter stärker herauszustreichen und in Metropolen mit großen Stadien zu ziehen. Mit der Rückkehr in exotische Gefilde soll ein ursprüngliches Element wiederbelebt werden.

 

Michael Schumacher, Marcus Grönholm oder die drei großen „Sebs“ Vettel, Loeb und Ogier – einen absoluten Topstar, wie es in der Vergangenheit immer der Fall war, kann das Race of Champions diesmal nicht aufweisen. Es lebt mehr denn je von der Mischung.

Die größten Erfolge der namhaftesten Teilnehmer 2014 liegen schon zurück: Die Legenden David Coulthard und Mick Doohan sind die Zugpferde. Auch Tom Kristensen darf man, obwohl vor wenigen Tagen noch in der WEC unterwegs, nach seinem Karriereende schon zur alten Garde zählen.

Mit RallyCross-Weltmeister Petter Solberg, der vor kurzem mit neuem Interesse an einer WRC-Rückkehr aufhorchen ließ, und dem US-Amerikaner Robby Gordon, nach einer langen NASCAR-Karriere mittlerweile bevorzugt auf unbefestigtem Terrain unterwegs, hat somit ein gutes Drittel der Fahrer den 40. Geburtstag schon (lange) hinter sich.

Das Gegengewicht stellen drei Jungspunde dar: Esteban Ocon (18 Jahre, Formel-3-Champ), Jolyon Palmer (23, GP2-Gesamtsieger) und Pascal Wehrlein (20, DTM-Pilot und Mercedes-F1-Ersatzfahrer). Neben Letzterem ist die Königsklasse „nur“ mit Williams-Testdame Susie Wolff, der ersten Frau bei diesem Event, und Romain Grosjean, dem RoC-Titelverteidiger von 2012, vertreten.

Abgerundet wird das Line-Up durch José Maria López, dem Überraschungsweltmeister der WTCC, Indy500-Sieger Ryan Hunter-Reay, Jamie Whincup, Seriendominator der australischen V8 Supercars und Kurt Busch, NASCAR-Champ von 2004.

Um auf vier Vorrundengruppen à vier Fahrer zu kommen, hat man sich etwas Spezielles einfallen lassen. In einer Vorausscheidung dürfen karibische Fahrer die Besten unter sich ausmachen, der schnellste Mann aus Barbados und ein weiterer Kollege aus Jamaika, Guyana oder Trinidad und Tobago komplettieren das Feld.

 

Den besonderen Reiz beim Race of Champions macht seit jeher die Chancengleichheit aus. Technische Vorteile fallen als siegbringender Faktor weg, denn allen Teilnehmern steht der gleiche Untersatz zur Verfügung.

2014 umfasst der Fuhrpark neben dem typischen leichtgewichtigen RoC-Buggy und dem Ariel Atom, einem karosserielosen Straßenrenner, auch leistungsstärkere Fahrzeuge.

Der Audi R8 LMS, der NASCAR-Wagen aus der europäischen Klasse und der Downsize-Monstertruck bringen jeweils über 500 Pferdestärken auf die Straße, während die schlammaffinen Piloten besondere Freundschaft mit dem VW Polo RX aus der RallyCross-Szene schließen werden.

Auch ein österreichischer Beitrag lässt sich ausmachen, denn KTM bekommt eine Bühne für sein einziges vierrädriges Produkt, den X-Bow.

 

Das Prinzip ist simpel und mit den Super Special Stages der Rallye-Weltmeisterschaft verwandt. Zwei Kontrahenten fahren im direkten Duell gegeneinander, Fahrzeuge werden zwischen den einzelnen Runden (es gilt das „Best of Three“-Prinzip) gewechselt. Nach der Gruppenphase, die in vier Vierergruppen ausgetragen wird, geht es im Viertelfinale nach dem K.o.-Prinzip weiter.

Bevor es am Sonntag (ab 17:00 Uhr MEZ) darum geht, den schnellsten Einzelmann (oder -frau) auszumachen, finden sich tags zuvor zur gleichen Zeit noch Zweierpärchen zusammen, um den „Nations Cup“ nach ähnlichem Muster, aber in nur zwei Vorrundengruppen auszufechten.

Dabei wird auf jeden Fall eine Serie brechen. Von 2007 bis 2012 ging dieser Bewerb stets an das deutsche Team – geformt aus niemand geringerem als Michael Schumacher und Sebastian Vettel.

Denn während Frankreich, Australien, Schottland und die USA naheliegende Paarungen formen können, Kristensen und Solberg als „Team Nordic“ starten, Gordon und López für den amerikanischen Gesamtkontinent fahren und Barbados ein Duo stellen darf, wird sich Pascal Wehrlein als einziger Deutscher mit Jolyon Palmer zum „Team Young Stars“ zusammentun.

 

Johannes Bauer

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»