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Legenden treten ab - Time to say "Goodbye"!

Der Motorsport verliert in den nächsten Wochen drei seiner Gallionsfiguren.

Michael Höller

Mit Michael Schumacher, Sebastien Loeb und Casey Stoner treten drei ganz Große von der internationalen PS-Bühne ab.

Siege, Rekorde und WM-Titel pflasterten ihren Weg, in den Annalen der wichtigsten Rennserien der Welt ist ihnen ihr Platz schon jetzt sicher.

Stoner bestreitet am kommenden Sonntag in Valencia sein letztes Rennen. Schumacher wird noch zweimal in der Startaufstellung der Formel 1 stehen.

Loeb fährt am Wochenende beim Saisonfinale der WRC zwar nicht seine letzte WM-Rallye, 2013 absolviert er aber nur noch ausgewählte Läufe und wird nicht mehr auf den Titel losgehen.

LAOLA1 verabschiedet sich von dem Trio mit einem Rückblick auf drei einzigartige Motorsport-Karrieren:

MICHAEL SCHUMACHER (43)

Zum zweiten Mal verlässt Michael Schumacher die Formel 1. Im Gegensatz zum ersten Rücktritt erfolgt der zweite aber durch die Hintertür. Auf 15 Jahre in Folge mit mindestens einem Saisonsieg folgten nach drei Jahren Pause drei Jahre mit leidglich einem Podestplatz.

In Erinnerung bleiben wird aber letztlich "Karriere eins". Jene Laufbahn, als er mit Benetton groß und bei Ferrari zum dominantesten Piloten in der F1-Geschichte wurde. Ein Rekord nach dem anderen fiel, Sieges-Serien ließen die Gegner reihenweise verzweifeln.

Gemeinsam mit Michael Jordan und Tiger Woods gehörte Schumacher um die Jahrtausendwende zu den bestbezahlten Sportlern der Welt. 2002 und 2004 wird er mit dem Laureus-Award zum "Weltsportler des Jahres" ausgezeichnet.

Zum Ende von "Karriere eins" trat Schumacher mit gleich vielen WM-Titeln und nur einem Sieg weniger ab, als - die bis zur "Ära Schumacher" erfolgreichsten beiden Piloten - Alain Prost und Ayrton Senna zusammen (!).

Doch Schumacher kann nicht ohne Rennsport, fungierte zunächst als Berater und Markenbotschafter bei Ferrari, später startete er in der IDM eine Motorrad-Karriere, die für den End-Dreißiger aber außer schmerzhaften Stürzen kaum etwas zu bieten hatte.

Als Mercedes ein millionenschweres Comeback in der Formel 1 feiert, witterte Schumacher erneut seine Chance. Sportchef Norbert Haug zögerte nicht lange und holte seinen Ziehsohn (Schumacher war Ende der Achtziger Mercedes-Junior) ins Boot. Ein letzter WM-Titel nach einem "Zwischen-Ruhestand" war das große Ziel der Kombo Mercedes-Schumacher.

Im Gegensatz zu Niki Lauda und Prost, deren Comebacks nach Auszeit von furiosen WM-Titeln gekrönt waren, konnte Schumacher mit über 40 Jahren die Krone nicht noch einmal erobern. Zu schwach war der Bolide der Stuttgarter, zu sehr hatten sich die Rahmenbedingungen der F1 seit Schumachers Rücktritt verändert. Seine Zukunft ist offen, dürfte - in nicht rennfahrender Funktion - aber wohl an der Rennstrecke liegen.

Starts Poles Siege Podest Punkte S.Rd. Titel
305 (2.) 68 (1.) 91 (1.) 155 (1.) 1.560 (1.) in 220 (1.) GPs 77 (1.) 7 (1.)

Danach konnte ihm aber niemand mehr das Wasser reichen, er demoralisierte eine ganze Generation an Rallye-Fahrern. Loeb war auf den Pisten so überlegen, dass sich der PS-Junkie anderweitig orientierte. Diese Orientierung gipfelte in einem zweiten Platz bei den "24 Stunden von Le Mans" und drei Testfahrten in der Formel 1. 2009 wollte Red Bull ihn bei Toro Rosso sogar den Grand Prix von Abu Dhabi bestreiten lassen, doch die FIA verweigerte Loeb die dafür nötige Superlizenz. Dass Loeb vielleicht sogar der begnadetste Motorsportler aller Zeiten ist, untermauern auch drei Siege beim "Race of Champions".

Seiner Leidenschaft wird der Franzose auch in Zukunft frönen: Neben Rallye-Gastauftritten geht Loeb ab 2014 mit Citroen in der Tourenwagen-WM (WTCC) auf den nächsten offziellen FIA-WM-Titel los. Nebenher unterhält er seit dem Vorjahr auch einen eigenen Rennstall, mit dem er in Zukunft in Le Mans an den Start gehen will.

SEBASTIEN LOEB (38)

Es ist ein Rücktritt auf Raten, dennoch wird Sebastien Loeb 2013 nicht mehr Weltmeister werden. Vier bis fünf ausgewählte Läufe will der Franzose im kommenden Jahr zum Ausklang seiner einzigartigen Karriere noch bestreiten, dann soll endgültig Schluss mit der Rallye-Piste sein.

Diese war seit 2001 die feste Heimat des mittlerweile 38-Jährigen. Mit fünf Siegen in fünf Rennen Junioren-Weltmeister, ließ er 2002 den ersten Erfolg bei den "Großen" folgen - in Deutschland, wo er sich seither nur ein einziges Mal (2011 Sebastien Ogier) geschlagen geben musste.

2003 wurde er ins Werksteam von Citroen befördert, wo er mit drei Auto-Generationen (Xsara, C4, DS3) neun WM-Titel einfuhr und sämtliche Rekordwerte in der WRC in bis dahin ungeahnte Höhen katapultierte. Die einzige Delle in Loebs Statistik: In seinem Debütjahr bei Citroen verpasste er den Gesamtsieg um einen mickrigen Zähler.

Starts Siege Podest Punkte SP-Best Titel
163 (3.) 75 (1.) 112 (1.) 1.525 (1.) in 125 (2.) Rallyes 875 (1.) 9 (1.)

Zudem war er der einzige Fahrer, der die eigenwillige Ducati zu bändigen wusste - ein Kunststück, an dem selbst Valentino Rossi in den vergangenen beiden Jahren scheiterte. Von 31 Ducati-Siegen in der Geschichte der WM gehen 23 auf das Konto Stoners. 2007 schenkte er den Italienern den einzigen WM-Titel in ihrer Historie. Im Vorjahr zeigte er eindrucksvoll auf einer Honda, dass ein fitter Stoner zu den wohl besten Fahrern aller Zeiten gehört.

Er hätte sich vielleicht auch mit einem dritten WM-Titel verabschiedet, wenn "Rolling Stoner" sich in Indianapolis nicht den Knöchel gebrochen und in Folge drei Rennen verpasst hätte. In Zukunft widmet er sich seiner Familie, im Februar brachte Gattin Adriana eine Tochter zur Welt.

CASEY STONER (27)

Der Australier tritt - für viele seiner Fans viel zu früh - von der MotoGP-Bühne ab. Vor kurzem jubelten ihm in Phillip Island fast 60.000 Zuseher bei seinem sechsten Heimsieg in Folge zu und verabschiedeten ihr Idol in den Ruhestand.

Nur sieben Jahre (sechs davon als Werksfahrer auf siegfähigem Bike) war der Australier Teil der Königsklasse. Unterm Strich bleiben deshalb "nur" zwei WM-Titel. Allerdings: Mit 38 Siegen geht Stoner als die Nummer vier der ewigen Bestenliste der Königsklasse (hinter Rossi, Agostini und Doohan) in Pension. Auch bei Pole Positions, Podestplätzen, WM-Punkten und schnellsten Rennrunden liegt der Australier im absoluten Spitzenfeld (siehe Statistik unten).

Es wäre noch mehr drin gewesen, wenn "Rolling Stoner" öfter auf seinem Motorrad sitzen geblieben wäre. Verletzungsfrei überstand er nur vier Saisonen, von denen er zwei als Weltmeister und eine als Vize abschloss.

Starts Poles Siege Podest Punkte S.Rd. Titel
114 (16.) 39 (3.) 38 (4.) 68 (6.) 1.799 (5.) in 99 GPs 29 (6.) 2 (10.)
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