Die Rückkehr des Meisters

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Bei der Monte heißt es: Wer ist der bessere Seb?

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Er ist zurück – "Super-Seb", das Original.

16 Monate nachdem Sebastien Loeb bei der Frankreich-Rallye 2013 seinen letzten Event in der World Rally Championship bestritt, kehrt der Rekord-Wweltmeister zurück. Bei der heute Donnerstag beginnenden Rallye Monte Carlo steht die Legende wieder am Start – und will natürlich gewinnen.

Da hat aber vor allem einer etwas dagegen: "Super-Seb", der Nachfolger! Sebastien Ogier. Der amtierende Doppel-Weltmeister peilt 2015 den Titel-Hattrick an und will sich den Saisonstart mit Sicherheit nicht von seinem alten Rivalen vermiesen lassen.

Eine Niederlage Ogiers gegen den WRC-"Pensionisten" würde der schwierigen gemeinsamen Geschichte ein weiteres Kapitel hinzufügen.

"Warum nicht?"

"Citroen hat mich gefragt, ob ich an der Monte teilnehmen möchte und ich dachte, warum nicht?‘", erklärt Loeb bei "RedBull.com" simpel, weshalb er trotz beendeter WRC-Karriere in den französischen Seealpen wieder mit von der Partie ist.

Ein Loeb, der 78 WRC-Siege vorzuweisen hat, tritt aber nirgendwo an, um einfach nur dabei zu sein. Daher stellt er auch klar: "Letztlich bin ich ein Wettkämpfer und versuche immer zu gewinnen – selbst wenn es in diesem Fall eine ziemlich große Herausforderung ist."

Für die Monte kommt es auch zur Wiedervereinigung mit Co-Pilot Daniel Elena. Der Lokalmatador kennt jede Kurve in Südfarnkreich und wird Loeb wie in guten alten Zeiten über die engen Straßen navigieren.

Trotz der langen Pause stimmte bei den Testfahrten die Chemie im Erfolgsduo erneut auf Anhieb. "Es war überraschend, wie schnell wir den Rhythmus wieder gefunden haben", verrät Loeb.

Der Shakedown am Mittwoch bestätigte dann auch, dass der Altmeister das Gefühl für den Citroen DS3 WRC nicht verloren hat. Er fuhr auf den 3,5 Kilometern die schnellste Zeit - und das gleich beim ersten von insgesamt fünf Runs. "Das war keine schlechte Rückkehr. Ich habe mich im Auto sofort wohlgefühlt", stellte Loeb fest.

Totale VW-Dominanz

Einem erfolgreichen Comeback steht also nichts entgegen. So sehr man die Fähigkeiten des siebenfachen Monte-Siegers, speziell auf schwierigen Asphaltstraßen, kennt, an einen Sieg aus dem Stand mag man dennoch nicht glauben. Zu dominant verliefen die letzten beiden Jahre für Volkswagen und Sebastien Ogier.

Einst Teamkollege von Loeb bei Citroen und stets im Schatten des französischen Nationalhelden, suchte Ogier 2012 im Groll das Weite und heuerte bei VW an. Ein Jahr entwickelte er mit dem deutschen Team den VW Polo R – akribische Arbeit die sich auszahlen sollte.

Zwar geht der Elsässer, wie bereits im Vorjahr, auch 2015 für Citroen in der Tourenwagen-WM (WTTC) auf Punktejagd, aber wenn die "Mutter aller Rallyes" die Monte ruft, kann auch Loeb nicht widerstehen.

"Es herrscht bei diesem WM-Lauf eine ganz eigene Atmosphäre, das ist einfach großartig", urteilt der mittlerweile 40-Jährige über das Flair der traditionsreichen Rallye.

Die mystischen Straßen hinauf auf den Col de Turini, die Fans, das Kribbeln, die Schwierigkeit der Herausforderung – das alles zieht die Piloten in ihren Bann und selbiges will auch Loeb bei seinem Kurzzeit-Comeback genießen.

Loeb will immer gewinnen

"Vor allem will ich Spaß haben", erklärt der Mann, der bereits 2002 zum ersten Mal bei der Monte auf Platz eins fuhr, wenngleich er den Sieg damals nachträglich wegen eines unerlaubten Reifenwechsels an Tommi Mäkinen verlor.

Loeb Ogier
WRC-Rallyes 168 84
Siege 78 24
Podestplätze 116 35
Sonderprüfungssiege 900 310
WM-Titel 9 2

2013 stieg VW in die WRC ein und gewann prompt die Marken-WM und durch Ogier auch den Fahrertitel. 2014 wiederholte man die beiden Triumphe, belegte in der Fahrer-Wertung mit Jari-Matti Latvala und Andreas Mikkelsen auch die Plätze zwei und drei.

Ogier rechnet mit Loeb

Von den 26 Rallyes der letzten beiden Saisonen gingen nur vier nicht an VW (Loeb startete dreimal und feierte zwei Siege), Ogier triumphierte in diesem Zeitraum 17 Mal.

VW und Ogier – das ist das neue Traum-Gespann und damit Nachfolger der Paarung Citreon/Loeb, auch wenn Ogier selbst solche Vergleiche nicht gerne hört. Er will nicht nur ein Nachfolger sein, er will seine eigene Geschichte und nach Möglichkeit eines Tages Loeb übertrumpfen.

Ein Duell um den WM-Titel gab es durch den Rücktritt Loebs nicht mehr, umso größer ist die Spannung jedes Mal, wenn die beiden bei einem Event aufeinander treffen.

Spannung, die der WRC in Zeiten, in denen VW nach Belieben dominiert und in einer eigenen Liga fährt, gut tut. Darum freut sich der ganze Rallye-Zirkus auf Loebs Intermezzo.

Naja, mit Ausnahme von Widersacher Ogier vielleicht. Der muss sich damit abfinden, dass sich eben alles um die Legende dreht, wenn Loeb sich die Ehre gibt.

 

Christoph Kristandl

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