Kubica kennt seine Fehler

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Langsame Kurven machen Kubica das Leben schwer

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Robert Kubica steht unter Druck. Seine Entwicklung in der WRC verläuft durchwachsen. Nach nur sieben WRC-2-Events im Vorjahr absolviert er 2014 ein volles Programm in einem World Rally Car.

Es waren fünf schwierige Monate. Mit seiner Vorgeschichte als Ex-Formel-1-Pilot und seinem Comeback nach schweren Hand- und Beinverletzungen, konnte er sich nicht den Luxus gönnen, sich abseits vom Schweinwerferlicht seine Rallye-Karriere aufzubauen. Sein Lernprozess wurde von unzähligen TV-Kameras eingefangen und von den kritischen Augen der Journalisten beobachtet.

Das ist der Weg eines Mannes, der einst F1-Champ werden wollte. Und nachdem er seinen Ford Fiesta RS auf den ersten vier Rallyes acht Mal crashte, erkannte der 29-jährige Pole, dass sich etwas ändern musste. Er zog die metaphorische Bremse an, opferte einen Teil seines unbestrittenen Speeds, legte seine Pacenotes langsamer an und konzentrierte sich, fehlerfrei durch die Argentinien-Rallye zu kommen.

Kubica will nicht durch die Rallyes cruisen

Am Ende stand der sechste Platz, aber zweifellos war es für Kubica schwer, sich selbst davon zu überzeugen, dass er diesen Rückschritt in seiner Entwicklung brauchte.

"Ich muss mir vor Augen halten, dass ich aus der Spitze des Rundkurs-Sports gekommen bin", sagt er. "Ich war dort konkurrenzfähig, so wie ich es seit meiner Jugend in jeder Kategorie war, daher macht es mir keinen Spaß, Rallyes zu fahren, nur um ins Ziel zu kommen. Ich genieße es nicht und es ist hart."

“Das Schwierige daran ist, dass viele Leute nicht verstehen, dass es davon abhängt, was deine Ziele sind. Wenn es dein Ziel ist, durch Rallyes zu cruisen und sie zu genießen, dann okay, aber das ist nicht mein Ziel. Ich will den höchsten Level erreichen, der möglich ist. Zu einer Rallye zu kommen und 2,5sec/km langsamer zu fahren, bringt mich nicht weiter, da ich schneller fahren will, wenn ich nach einem Jahr wieder dort bin.”

"Ich muss cleverer sein"

Kubica ist ein intelligenter Mann, der versteht, dass Erfahrung der Schlüssel für seine Zukunft in der WRC ist. Nicht nur die Erfahrung, die er beim Fahren von Wertungsprüfungen sammelt, auch die Art und Weise, wie er sich auf eine Rallye vorbereitet - das bedeutet, den Aufschrieb zu machen.

“Mit der geringen Erfahrung, die ich habe, versuche ich mich weiterzuentwickeln mit meinem Speed und der Art, wie ich den Aufschrieb mache. Vielleicht ist es aber auch zu früh dafür, sodass ich mich aufs Überleben konzentriere und auf meine Fehler, um diese nicht zu wiederholen."

“Ich muss wohl cleverer sein und verstehen, dass es, zumindest jetzt, wichtiger und produktiver ist, langsamer zu fahren und dass ich meine Art des Aufschriebs ändern muss."

“Bisher kannte ich nur Portugal aus dem letzten Jahr. Bei all den neuen Rallyes mit derart vielen unterschiedlichen Straßenbedingungen, mit all den neuen Dingen, muss ich mehr Rücksicht auf den Aufschrieb nehmen und mich selbst daran erinnern, dass da draußen jederzeit etwas passieren kann, das dich überrascht.”
Robert Kubicas erster WRC-Event in Portugal 2013

Ungewohnte Belastung in der WRC

Kubica hat die großen Unterschiede zwischen einem World Rallye Car und dem Citroen DS3 RRC, den er letztes Jahr pilotiert hat, erkannt, aber es ist der Kontrast zwischen Asphalt und Schotter, der ihn scheinbar am meisten tangiert hat.

“Ich schreibe Notizen, indem ich den Radius der Kurven benutze. Ich habe mein System auf Asphalt entwickelt und es funktioniert gut, weil ich einen guten Speed auf Asphalt habe, sogar, wenn ich die Wertungsprüfung davor nicht gefahren bin”, erklärt er.

“Das Problem ist der Schotter. Es gibt mehr Variationen verglichen zum Asphalt. Auf Asphalt hast du zehn Prozent der Vibrationen, die du auf Schotter hast. Ich muss daran denken, dass du auf Rundkursen weniger Anstiege und Abfahrten hast."

“In einer Rallye, speziell auf Schotter, hat es einen großen Einfluss, wenn du bergauf oder bergab fährst, speziell beim Bremsen. Wenn ich die Strecke erkunde, gibt es so viele Dinge, bei denen ich neige, sie zu vergessen, weil ich nicht gewohnt bin, mich darauf zu konzentrieren."

“Es klingt einfach, sich auf diese Sachen zu konzentrieren, aber die Strecke zu erkunden, nachdem man mehr als zwölf Stunden im Auto sitzt und nur eine 20-minütige Pause hatte, fällt nicht leicht. Wenn man das mit den Leuten vergleicht, die schon lange in der WRC fahren, dann sieht man, dass sie deutlich mehr Erfahrung haben und es für sie normal ist. Ich nehme kein größeres Risiko, aber das Risiko ist größer aufgrund der (fehlenden) Erfahrung und weil ich die meisten Rallyes zum ersten Mal bestreite.”

Langsame Kurven machen Probleme

Kubica ist es gewohnt, mit Highspeed Runde um Runde auf einem Formel-1-Ring abzuspulen. Und er hat keine Probleme, im fünften und sechsten Gang die Kurven einer Wertungsprüfung zu bewältigen. Aber langsame Kurven sind ein anderes Terrain und Kubica gibt zu, damit die meisten Probleme zu haben.

"90 Prozent meiner Fehler sind in langsamen Kurven passiert. Das war mein großes Problem, weil ich es 20 Jahre lang gewohnt war, offene Autos zu fahren, bei denen du den Speed deutlicher spürst. Auf Schotter passiert für meinen Geschmack alles ziemlich langsam, selbst im Vergleich zu Go-Karts", erklärt er.

"Wenn ich langsame Kurven fahre, denke ich mir, weil ich es nicht gewohnt bin, blockierende Räder bedeuten Zeitverlust, also willst du das vermeiden. Aber auf Schotter brauchst du genau das, um mehr Spielraum zu haben und darauf muss ich meinen Fokus legen. Aber es gibt so viele Dinge, auf die ich mich fokussieren muss, dass ich in langsamen Kurven dazu neige, es zu vergessen. Ich fahre zu sauber in die Kurven, ohne Toleranz für Fehler."

Kubicas Bereitschaft, seine Probleme zu erkennen und an ihnen zu arbeiten, zeigt, dass er keine Angst vor den bevorstehenden Herausforderungen hat. Die Probleme ähneln jenen, mit denen auch Kimi Räikkönen, der einzige andere Pilot der modernen Motorsportära, der von der Formel 1 in die WRC wechselte, zu kämpfen hatte. Die Erwähnung des Finnen entlockt Kubica ein Schmunzeln. 

Kubicas Fiesta RS muss nach einem Überschlag bei der Mexiko-Rallye wieder aufgerichtet werden

Räikkönen als Leidensgenosse

"Er ist der einzige Fahrer, der das gemacht hat, was ich mache und es ist nicht einfach. Ich wusste, dass dieses Jahr schwierig werden würde, vor allem am Beginn. Ich habe gehofft, das Auto nicht so oft zu crashen, aber ich habe in der ersten Phase der Saison zu viele Fehler gemacht. Aber ich habe keine Angst vor Fehlern, auch wenn manche Leute das glauben."

"Viele Leute vergessen, dass ich nahe an der Spitze der Motorsportwelt war, denn die F1 ist die höchste Kategorie in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit der Fahrer und Teams."

"Ich wusste, dass die Fehler früher oder später passieren würden, aber das Problem war, dass es eine Serie wurde! Es gibt kein Training wie beim Fußball oder Tennis, wo du jeden Tag üben kannst. Ich kann nur bei den Rallyes üben und sobald ich Fehler mache, weiß es jeder. Ich habe für sie einen hohen Preis gezahlt. Ich glaube immer noch, dass bessere Zeiten kommen werden und denke nicht, dass es so dramatisch ist, wie es aussieht. Aber natürlich bin ich nicht glücklich", sagt Kubica.

Er gibt zu, dass er am Ende der letzten Saison dachte, 2014 eine zweite Saiscon in der WRC 2 anzuhängen.

"Dann habe ich mit zwei, drei Fahrern gesprochen und die haben mir gesagt, dass wieder alles anders ist, wenn du in die WRC wechselst. Daher habe ich gesagt 'OK, worin läge der Sinn, in der WRC 2 zu bleiben?'"

Nennt es fehlende Geduld, nennt es Entschlossenheit, nennt es, wie ihr wollt. Aber Robert Kubica mag es nicht, auf der Stelle zu treten und während er damit beschäftigt ist, die Gegenwart zu meistern, blickt er schon wieder in die Zukunft.

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