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Orange Offensive - KTM erweitert Engagement

KTM steigt in den kommenden beiden Jahren aufs Gas. Der oberösterreichische Motorrad-Hersteller wird sein Engagement im Motorsport gehörig ausweiten.

Die Expansions-Gebiete: Die neue Moto3-Klasse der Motorrad-WM, die Superbike-WM und die US-amerikanische Motocross-Szene.

„Denn Racing ist das Rückgrat unserer Firma“, wie Vorstandsvorsitzender Stefan Pierer im Rahmen eines Events im Salzburger Hangar-7 ausführt.

Sportdirektor und KTM-Legende Heinz Kinigadner konkretisiert im Gespräch mit LAOLA1: „Bei KTM heißt es: Winning on Sunday, selling on Monday. Wir leben von den rennangelehnten Motorrädern. Wenn wir nicht mehr gewinnen, bekommen wir Probleme, unsere Geräte zu verkaufen.“

Neben den harten Verkaufszahlen hat aber auch die Motorsport-Begeisterung in Mattighofen einen besonderen Stellenwert: „Unser Spruch lautet ‚Ready to Race‘ – und genau das leben wir auch. Es gibt weltweit keinen Hersteller, der so rennorientiert ist wie wir“, führt Kinigadner aus.

Wieder im WM-Geschäft

Das größte Projekt befindet sich gerade in den finalen Testläufen: Die Rückkehr in die Motorrad-WM. „Denn dort haben wir noch eine Rechnung offen“, wie CEO Pierer zugibt. Trotz eines Konstrukteurs-Titels (2005 in der 125cc-Klasse) konnte bislang noch nie ein KTM-Pilot die Fahrer-WM gewinnen. Unter anderem scheiterten Casey Stoner, Mika Kallio oder Hiroshi Aoyama an diesem Unterfangen.

Moto3 heißt das Zauberwort: 250cc-Viertakt-Motorräder, die kommende Saison die Achtelliterklasse ablösen werden. KTM wird neben Honda einer der großen Motoren-Lieferanten sein. „Denn wo Honda drin ist, sollte auch KTM mitmischen“, stellt Pierer klar.

Laut Angaben des CEOs könnten nächste Saison „bis zu zehn Piloten“ mit oberösterreichischer Power unterwegs sein. Mit dem bayrischen Chassis-Bauer Kalex konnte man bereits einen Motoren-Vertrag abschließen.

Umfangreiches Engagement

Aber auch ein klassisches Werksteam aus Mattighofen wird es 2012 wieder geben. Am Donnerstag wird die reinrassige KTM bereits für den Renneinsatz getestet.

„KTM hat Spaß daran, als reines Werksteam aufzutreten. Unsere Motorräder sind diesmal komplett in Mattighofen entwickelt und gefertigt. Das unterscheidet das Moto3-Projekt von früheren Versuchen in der WM. Da hatten wir immer auch externe Konstrukteure im Boot“, erklärt Motorsportmanager Pit Beirer im Gespräch mit LAOLA1.

Eine Konkurrenz zwischen den Kalex-KTMs und den reinen Werks-Motorrädern wird es aber nicht geben. „Wir wollen primär, dass eine KTM-getriebene Maschine nächstes Jahr Rennen gewinnt. Ob das eine Kalex oder eine von unseren ist, ist egal.“

Erfolg mit dem Superbike

2013 könnte zudem ein erstmaliger Einstieg in die Superbike-WM erfolgen. Bereits nächste Saison soll in einigen Wild-Card-Einsätzen die Konkurrenzfähigkeit der RC8 getestet werden. „Es ist aber noch überhaupt nicht definiert, wann, wo und wie. Wenn ein Motorrad in der IDM konkurrenzfähig ist, dann ist es mit einem guten WM-Bike aber nicht so weit her“, hofft Beirer.

Beschlossen ist der Einstieg in die SBK aber noch nicht, da es noch zu viele Unklarheiten gibt. „Wir wünschen uns ein stabiles Reglement, dann sind wir dabei. Was uns total nervt, sind Regelwerke, die sich jährlich ändern.“

In österreichischer Hand

Das Nachfolge-Modell der RC8, das ab 2013 in der Superbike-WM gefahren werden könnte, soll nach Renn-DNA aufgebaut werden: „Bei der RC8 waren wir stark limitiert, weil die Serienmaschine schon fertig war. Die Beim nächsten Modell lassen wir die Eckfaktoren des Racing-Reglements einfließen.“

Auch in SBK will man mit einem Werksteam antreten. Mastermind des Projekts soll der Niederösterreicher Martin Bauer werden, der KTM in der IDM heuer den ersten Titel im Superbike-Bereich bescherte. Auch die Test-Einsätze in der kommenden Saison wird wohl auch der 35-Jährige bestreiten.

Eroberung der USA

Im Motocross-Bereich wollen die Oberösterreicher endlich die USA erobern. „Denn dort sind wir im Moment quasi nicht vorhanden“, wie Kinigadner erklärt. „Wir sind dort zwar im Offroad-Bereich, also bei Rallyes und im Enduro, die Nummer 1, aber nicht im Motocross.“

Das soll sich 2012 ändern: Mit Ken Roczen bringt man den jüngsten MX2-Weltmeister aller Zeiten nach Übersee. Gemeinsam mit Vorjahres-Champion Marvin Musquin geht er auf den Titel in der kleinen Klasse der AMA-Supercross los.

In der Königsklasse konnte man mit Ryan Dungie den aktuellen Vizemeister und Champion von 2010 von Suzuki loseisen. Auch deshalb, weil man schon im Vorjahr mit dem Belgier Roger De Coster (fünffacher Weltmeister) den beliebtesten und erfolgreichsten Teamchef der Szene für KTM gewinnen konnte.

„Wir gehen davon aus, dass wir um beide Titel zumindest mitkämpfen können“, glaubt Kinigadner an die Eroberung des US-Marktes.

Dakar, Mission elf

Fest in der Hand hatten die Mattighofener zuletzt die Rallye Dakar, die man zehn Mal in Folge gewinnen konnte. Im Januar soll es den elften Streich setzen. Mit Marc Coma und Cyril Despres hat man wieder die zwei heißesten Eisen am Start.

„Ohne die besten Fahrer können wir bauen, was wir wollen, und werden nicht gewinnen. Andererseits bekommst du die besten Fahrer nicht, wenn du ihnen kein siegfähiges Motorrad zur Verfügung stellst“, ist Kinigadner stolz auf sein Dakar-Team.

Sieg Nummer elf scheint nur Formsache zu sein. „Auch wenn der Veranstalter seit Jahren alles versucht, um unsere Dominanz zu brechen“, meint der Tiroler im Hinblick auf die Regel-Streitigkeiten zwischen den Organisatoren und KTM. „Mittlerweile haben wir uns aber wieder zusammengerauft.“

Hoffnung auf heimische Fahrer

Seit jeher baut man in Mattighofen auch auf rot-weiß-rote Fahrer. Kinigadner zeichnete selbst einst für zwei Titel in der Motocross-WM verantwortlich und der letzte rot-weiß-rote Fahrer in der Motorrad-WM, Michael Ranseder, schaffte diesen Sprung über KTM.

Mit Pascal Rauchenecker setzt man zumindest im Motocross-Bereich wieder auf einen heimischen Piloten. Ob auch im Straßen-Sport eine Nachwuchshoffnung in Sicht ist?

„Aus dem Rookies Cup kommen immer wieder neue Talente nach, wo wir natürlich verstärkt auf die deutschsprachigen Talente schauen. Aber momentan ist leider noch keiner so weit, dass er in der WM schon in die Top-10 fahren könnte. Aber es ist unsere Pflicht und in unserem Interesse die österreichischen Talente verstärkt zu fördern“, wie Beirer erklärt.

Werden alle KTM-Erwartungen erfüllt, blickt der Hersteller einer goldenen Zukunft entgegen. Und zur beeindruckenden Sammlung von 203 Titeln in diversen Serien könnten sich einige dazu gesellen.

Michael Höller

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