"The Doctor" ist wieder heiß auf Erfolge

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Er ist wieder hier, in seinem Revier.

Valentino Rossi will zwei Jahre voller Frust und Enttäuschungen hinter sich lassen und greift bei seiner alten Liebe Yamaha wieder voll an.

Auch wenn die absoluten Titelfavoriten mit Weltmeister Jorge Lorenzo und Honda-Pilot Dani Pedrosa vermutlich andere sein mögen, ist die Rückkehr von „Vale“ zu den Japanern das dominierende Thema vor dem MotoGP-Auftakt in Doha am Sonntag.

Kann die Nummer 46 auf jener Maschine, an die er einst bei seinem Abschied einen Liebesbrief verfasst hat, wieder zu alter Stärke finden?

"Ich mag es, die M1 zu fahren und ich bin ziemlich schnell darauf. Ich bin mir sicher, dass das Niveau sehr hoch sein wird und die anderen drei Jungs mit Werksmotorrädern bei allen Bedingungen sehr schnell sind“, hat der 34-Jährige Lunte gerochen, weiß aber um die starke Konkurrenz.

Der Alptraum in rot

Vor nicht allzu langer Zeit war die Stimmungslage bei „The Doctor“ aber noch eine gänzlich andere.

Die vermeintliche Traumehe mit dem Traditonsrennstall Ducati kann nämlich im Nachhinein schlichtweg unter die Kategorie „Alptraum“ eingeordnet werden. Kein Sieg und nur drei Podestplätze in 35 Rennen waren eines neunfachen Champions einfach nicht würdig, genauso wenig wie die daraus resultierenden Endplatzierungen sieben und sechs.

Im August vergangenen Jahres setzte Rossi dem erfolglosen Treiben ein Ende und gab seinen Abschied von der Desmosedici bekannt. Bis zum Ende der Saison kam der erfolgsverwöhnte Lockenkopf nicht auf Touren.

Auch ein versöhnliches Saisonfinale in Valencia blieb aus. Im Gegenteil: Mit Aleix Espargaro (im Qualifying) und James Ellison (im Rennen) ließen sogar zwei CRT-Piloten - also Fahrer, die mit modifizierten Superbike-Motoren unterwegs waren - den Prototypen von Rossi hinter sich.

Schlussstrich und neue Hoffnung

„Für mich, für Ducati, für alle Fans und für alle Leute, die mit mir an diesem Projekt arbeiten, ist es schade“, konnte „Rossifumi“ seine Enttäuschung nicht verbergen und stand auch vor einem Rätsel: "Selbst ohne Siege habe ich es nicht geschafft, das Motorrad zu verbessern. Das ist mir nicht gelungen.“

2013 soll alles anders werden. Yamaha kennt ihn, er kennt Yamaha. "Ich wollte keine zwei schwierigen Jahre haben, aber vielleicht helfen sie, damit ich die kommenden Jahre mehr genieße“, ist er zuversichtlich, dass alte Liebe nicht rostet.

Denn auch wenn die Podiumsplätze zuletzt oft weit entfernt lagen, hat Rossi die Freude am Fahren noch lange nicht verloren. „Eigentlich möchte ich nie aufhören. Das habe ich in den vergangenen Jahren realisiert. Solange ich kann, möchte ich ein Racer bleiben.“

Lorenzo und Rossi: Endlich Freunde oder ist alles nur Show?

Schmeichelweicher Rossi lobt Lorenzo

Blüht der Motorsport-Welt nun erneut ein solches stallinternes Duell? Noch ist davon wenig zu spüren. Beide Alphatiere sind voll des Lobes füreinander. So sehr, dass es schon auffällig ist.

„Vor allem in den letzten beiden Jahren habe ich meine Meinung ihm gegenüber geändert. Ich hatte viele Probleme, aber Jorge war immer sehr freundlich zu mir. Auch als sich abzeichnete, dass ich zurück zu Yamaha komme, war er sehr glücklich. Ich denke, dass wir in den nächsten beiden Jahren ein sehr gutes Team sein werden“, schmeichelte Rossi dem Spanier im Interview bei „motorsport-total.com“.

Agostini: "Unmöglich für die beiden als Freunde zu fahren"

Die Glaubwürdigkeit seiner Worte sei dahingestellt. Motorrad-Legende Giacomo Agostini zweifelt jedenfalls daran. „Valentino und Jorge sind erwachsener im Vergleich zu ihrer ersten Zeit als Teamkollegen, aber es ist unmöglich für die beiden eine ganze Saison als Freunde zu fahren“, glaubt der Rekordweltmeister im Gespräch mit der „Gazetta dello Sport“.

Wie sich das Duell auf der Strecke präsentieren wird, bleibt abzuwarten. Für Spannung ist jedenfalls gesorgt. Und wenn man sich die Aussagen von Rossi zu Gemüte führt, ist schnell klar, dass er alles für den Erfolg tun wird.

„Siege sind wie eine Droge. Darum geht es im Rennsport. Leider hält das nicht lange an. Drei oder vier Stunden, vielleicht bis zum nächsten Tag. Man braucht immer mehr, das hört nie auf.“

Mögen die Rennen beginnen.

 

Andreas Terler

Der alte Feind im eigenen Team

Schnell wurde klar, dass er bei dem Team, mit dem er vier seiner neun Titel holen konnte, auch wieder ganz vorne mitmischen kann. „Es fühlt sich so an, als wäre ich nie weg gewesen“, weiß Rossi schon nach den ersten Testfahrten zu berichten, obwohl diese aufgrund von Regen alles andere als ideal verliefen.

Alles ist also alles eitel Wonne. Könnte man meinen.

Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass durch seine Rückkehr sein Teamkollege wieder Jorge Lorenzo heißt. Jener Fahrer, von dem sich der Italiener 2008 mittels einer mobilen Mauer in der Box trennte. Aus reifentechnischen Gründen, wie es damals offiziell hieß. Rossi fuhr Bridgestone,  Lorenzo Michelin.

Ein Jahr später folgten Einheitspneus von Bridgestone. Doch die Mauer blieb.

Wurden die beiden einmal auf die Strecke gelassen, kannte keiner ein Pardon. Das denkwürdigste Duell sollte 2009 in Barcelona stattfinden, als sich Rossi und Lorenzo einen Fight der Extraklasse lieferten, in dem sich „Vale“ in der allerletzten Kurve an seinem Rivalen vorbeischob, ihm den Heimsieg wegschnappte und in der Gesamtwertung gleichzog.

Am Ende des Jahres holte Rossi seinen bis dato letzten WM-Titel. Doch er wusste, dass diese Fahrerpaarung keine Zukunft hatte und stellte Yamaha ein Ultimatum. „Sie müssen sich zwischen mir und Jorge für 2011 entscheiden“, so seine klare Ansage.

Yamaha bestritt diese Aussage zwar, war am Ende aber doch über einen Wechsel Rossis zu Ducati froh. „Wir haben nicht nur gesehen, dass Jorge immer schneller wurde, sondern auch dass die Rivalität zwischen den beiden stets zunahm“, begründete Boss Lin Jarvis die Entscheidung im Herbst 2010.

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