Rossi: "Auf einmal war er neben mir"

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Was für ein Kampf, was für ein Triumph: Valentino Rossi genoss das Gefühl seines 111. Sieges als wäre es sein erster.

Je härter man kämpfen muss, umso größer ist die Befriedigung. "Es ist immer speziell, gegen Marc zu kämpfen", lobte er seinen Rivalen auf der Pressekonferenz.

Im Mittelpunkt stand natürlich die letzte Kurve. "Ich habe die Schikane am absoluten Limit angebremst, aber auf einmal war er neben mir", erklärte der neunfache Weltmeister den Vorfall aus seiner Sicht. Marquez attackierte ihn auf der innersten Innenbahn, nachdem Rossi schon leicht geblockt hatte. Es kam zur Berührung.

Vollgas durch den Kies

Der Doktor beschrieb, was geschah: "Ich war schon in die Schikane eingebogen, dann kam es zur Berührung." Rossi fuhr daraufhin in den Kies, während Marquez selber kämpfte, die Schikane zu erwischen. Beide blieben artistisch sitzen.

"Ich musste cutten, sonst wäre ich gestürzt", rechtfertigte Rossi seine Vorgehensweise, die ihm den Sieg durch das Abkürzen der Schikane einbrachte. Er hob das Vorderrad leicht an, um sich nicht im Kies einzugraben. "Ich konnte das Motorrad zum Glück kontrollieren, sonst wäre ich im Kiesbett zu Sturz gekommen. Ich habe dann gemerkt, dass ich es halten kann, dann war der Sieg sicher."

Am Ende siegte er mit einem Vorsprung von 1,2 Sekunden, nachdem er das gesamte Rennen über nicht mehr als eine Sekunde Vorsprung hatte.

Gespräche mit Marquez

Honda sah darin zunächst eine Vorteilnahme seitens Rossi. Dieser rechtfertigte sich: "Ich musste da Vollgas durchfahren; wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre ich vielleicht steckengeblieben oder gestürzt. Ich wusste ja nicht, wie tief das Kiesbett ist. Ich hätte keine Chance gehabt."

Während Rossi sich darauf bezog, dass er als Führender in die Kurve einbog, verwies Marquez darauf, dass er die Innenbahn hatte. "Ich werde mit Marc in Ruhe reden", kündigte Rossi eine Aussprache an.

Im Parc Ferme hatten beide bereits über das Manöver gescherzt. Rossi weiter: "Wir sollten zusammen das Video schauen und aufarbeiten; ich denke, ich war vorne und hatte die bessere Position. Ich bin am Maximum gewesen und hatte schon fast eingelenkt, als seine Berührung erfolgte. Diese hat mich von der Linie weggedrängt."

Die Schikane unter diesen Voraussetzungen noch korrekt zu durchfahren sei nicht möglich gewesen, fügte er hinzu. Bereits Marquez hatte deutliche Schwierigkeiten, auf dem Asphalt zu bleiben.

Lorenzo abgeschüttelt, Marquez wie eine Klette

Wichtig war es für Rossi, den Siegeslauf von Jorge Lorenzo unterbrochen zu haben. "Ich wusste, dass ich hier eine gute Chance im Rennen hatte", sagte der 36-Jährige.

"Es lief schon das ganze Wochenende und so etwas ist wichtig im Kampf gegen einen harten Gegner wie Jorge. Wenn das Bike vom ersten Training an perfekt ist und die Strecke dir liegt, dann musst du pushen und das Maximum herausholen."

Genau das ist Rossi mit seinem neunten Triumph bei der Dutch TT gelungen. "Es ist einfach eine meiner Lieblingsstrecke, genauso wie in Mugello habe ich jetzt hier neunmal gewonnen."

"Das Rennen lief von Anfang an gut"

Das gesamte Rennen über hatten sich Rossi und Marquez beschnuppert und Lorenzo zum Statisten abgestempelt. Dabei sah es erst so aus, als könnte es durchaus einen Dreikampf geben.

"Das Rennen lief von Anfang an gut; von der Pole ist mir ein guter Start gelungen und ich habe gleich gut gepusht", berichtete Rossi, der seinem Teamkollegen großen Respekt zollte: "Ich habe gesehen, dass Jorge gleich hinter mir war. Das war eine hervorragende erste Runde von ihm."

Schnell war jedoch klar, dass der Mallorquiner keine Rolle spielen würde und Rossi sich voll und ganz auf Marquez konzentrieren würde.

"Pokerspiel" geht auf

"Ich hatte einen guten Speed, aber leider konnte ich mich nicht von Marc absetzen", beschrieb der Italiener den Rennverlauf. Es folgte ein Pokerspiel, in dem keiner seine Stärken und Schwächen preisgeben wollte.

"Marc ist dann tatsächlich vorbeigegangen. Er fuhr sehr schnell, aber ich wusste, dass ich noch schneller kann." Auf eine Entscheidung in der letzten Kurve wollte er es eigentlich nicht ankommen lassen und wagte deshalb den Ausreißversuch kurz vor Schluss.

"Es war eine gut vorletzte Runde, aber ich konnte die letzte nicht mehr auf dem gleichen Niveau fahren. Deshalb habe ich mehr gehofft, dass er nicht mehr aufholen würde. Aber er hat es geschafft und so kam es zu der Situation in der letzten Schikane."

Fortschritte im Qualifying machen Mut

Mit seinem dritten Saisonsieg hat er den Vorsprung in der WM-Tabelle wieder auf zehn Zähler vergrößert. "Es war wichtig, vor Jorge zu bleiben, weil er die letzten vier Rennen perfekt gefahren ist und 30 Punkte aufgeholt hat."

Angesichts noch zehn zu fahrender Rennen wollte das aber nicht überbewerten. Viel wichtiger sei für ihn, dass er an diesem Wochenende von Anfang an konkurrenzfähig war und seinen Qualifying-Fluch brechen konnte.

"Das ist ein Fortschritt; ich habe gemerkt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Ab jetzt bin ich gegenüber Jorge hoffentlich nicht mehr unterlegen."

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