Das Jahr ohne "echte" Nummer eins

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Drei Klassen auf zwei Rädern ohne Nummer eins.

Am Sonntag fällt bei den Nachtrennen in Doha der Startschuss zur neuen Motorrad-WM und sie verspricht in allen drei Rennserien höchste Spannung.

Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf der MotoGP-Serie, in der Valentino Rossi zurück bei Yamaha ist, Ducati endlich wieder den Anschluss schaffen will und ein Rookie zur großen Überraschung werden könnte.

Favoriten gibt es in jeder Klasse viele, aber eines fehlt, nämlich die Nummer eins. Nachdem die Champs aus der Moto3 und Moto2 jeweils eine Klasse aufgestiegen ist und MotoGP-Weltmeister Jorge Lorenzo aus Aberglauben auf die eins verzichtet, sucht man diese Nummer auf den Bikes in dieser Saison vergeblich.

LAOLA1 mit dem Überblick vor dem großen Auftakt:

 


DIE FAVORITEN:

Ganz oben auf der Liste der WM-Anwärter steht der Titelverteidiger. Jorge Lorenzo scheint seine Form aus der Vorsaison über den Winter gehalten zu haben und konnte in der Vorbereitung, insbesondere bei den Abschlusstests in Jerez, überzeugen.

Die schärfste Konkurrenz kommt aus dem Hause Repsol Honda. Dani Pedrosa fehlten am Ende des letzten Jahres nur 18 Punkte auf den Titel. "Dani war in der zweiten Saisonhälfte 2012 in Topform. Riesenschritte sind da nicht mehr möglich, aber Platz für Verbesserungen gibt es immer", meint Pedrosas Cheftechniker Mike Leitner. Genauso heiß auf Erfolge ist Stoner-Ersatz Marc Marquez, der als Rookie und jüngster Fahrer im Feld im Vorfeld der Saison für viel Aufsehen sorgt. Nur für den 20-Jährigen wurde die Rookie-Regel (ein Newcomer darf in seinem ersten Jahr nicht in einem Werksteam fahren) geändert. In der Vorbereitung konnte er nicht nur mit Teamkollege Pedrosa mithalten, sondern teilweise auch die Yamaha-Konkurrenz übertreffen.

Apropos Yamaha. Einen Herrn muss man natürlich immer auf der Rechnung haben. Valentino Rossi hofft mit seiner Rückkehr zu seiner alten Liebe, mit der er vier WM-Titel erringen konnte, auf Besserung im Vergleich zu seiner vergleichsweise wenig berühmten Ducati-Ära. Die Tests waren gut, doch "The Doctor" gibt sich vor dem Auftaktrennen bescheiden: "Es wird in Katar schwierig für mich. Mit einem Podiumsplatz wäre ich zufrieden."

DAS FAHRERFELD:

Mit 24 Fahrern sind so viele wie noch nie in der Viertakt-Ära der MotoGP am Start. Insgesamt stehen neun Weltmeister mit 23 Titeln am Start. 16 der Piloten konnten schon Rennsiege feiern.

Natürlich blieben auch Wechsel nicht aus. So ersetzt etwa Andrea Dovizioso seinen Landsmann Rossi beim Ducati-Werksteam. Bei Pramac nehmen Ben Spies und Andrea Iannone die Saison in Angriff.

Insgesamt stehen sieben Fahrer vor ihrer ersten vollen Saison in der Moto-GP. Einer von ihnen, nämlich Michael Laverty, kommt als Quereinsteiger von der britischen Superbike-WM.

DIE NEUEN REGELN:

Größte Neuerung ist das an die Formel 1 angelehnte Qualifikationsformat um mehr Spannung zu erzeugen. Die ersten drei Trainings bleiben unverändert, allerdings sind die zehn Trainings-Besten automatisch im Q2 dabei. Alle anderen fahren die restlichen zwei Plätze für die zweite Runde aus, die am Samstagnachmittag 15 Minuten lang gefahren wird. Dort wird dann um die Top-12 gekämpft.

Neu sind auch Strafpunkte, die es für regelwidriges Verhalten gibt. Bei vier Strafpunkten muss der Fahrer beim kommenden Rennen als Letzter starten, bei sieben aus der Boxengasse. Nach zehn Punkten wird der Pilot für das kommende Rennen gesperrt und das Strafkonto sinkt auf Null.

DIE FAVORITEN: 

Durch die Abgänge von Champion Marc Marquez und Andrea Iannone kamen der Serie zwei Stars der letzten Saison abhanden. Mit Bradley Smith schaffte auch ein dritter Fahrer den Sprung in die Königsklasse, wodurch der Weg für Pol Espargaro frei scheint. In seiner zweiten Moto2-Saison wurde der Katalane Vizeweltmeister. Verletzungsbedingt fehlt mit dem Schweizer Thomas Lüthi ein Mitfavorit nach einem Sturz und schweren Verletzungen an Arm, Ellbogen und Schulter. Das Feld der potenziellen Sieganwärter ist aber groß. "Man kann hier fast jeden in der Startaufstellung nennen", glaubt sogar Aspar-Pilot Nico Terol.

DIE KONSTANTE:

Honda liefert seit jeher die Motoren für die Moto2. Das Monopol dürfte bis auf weiteres auch bestehen bleiben. "Motorcycle-News" berichtet, dass der derzeit bis 2014 laufende Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert werden soll.

DIE NEUEN REGELN:

Ab sofort gilt für Fahrer und Maschine ein Mindestgewicht von 215 Kilo. Damit soll ein Vorteil von leichteren Fahrern verhindert werden. Zudem wurde eine Änderung des Reifenkontingents beschlossen. Jeder Fahrer erhält maximal acht Vorderreifen und neun Hinterreifen der beiden Standardspezifikationen von Alleinausrüster Dunlop.

DIE FAVORITEN:

Nach dem Aufstieg von Weltmeister Sandro Cortese in die Moto2-Serie ist sein Vize Luis Salom heuer wohl der größte Favorit auf den Titel. Der Spanier feierte in der vergangenen Saison nur zwei Erfolge, erreichte den zweiten Gesamtrang aber über konstante Fahrten in die Punkteränge. Wie auch in den anderen beiden Klassen haben die Spanier das Sagen. Mit Maverick Vinales und Alex Rins stehen zwei weitere Iberer auf der Liste der Sieganwärter. Der Herausforderer der Übermacht kommt aus Deutschland. Jonas Folger will in seiner fünften Saison angreifen, auch wenn er noch nicht vom Titel reden will.

DIE SUCHE NACH DEM NEUEN ROSSI:

Egal, ob in der MotoGP, der Moto2 oder der Moto3 - Spanien hat in allen Klassen die Vormachtstellung. Valentino Rossi ist zwar immer noch ein großes Aushängeschild, aber der Nachwuchs geht den Italienern ab. Abhilfe soll das Team Italia schaffen, das vom italienischen Motorsportverband unterstützt wird. Für die kommende Saison wurde das Budget erhöht. Romano Fenati, der 2012 in Jerez gewinnen konnte, sowie Francesco Bagnaia lautet die Fahrerpaarung. Darüber hinaus werden sieben weitere Fahrer unterstützt, um in Zukunft den Spaniern den Kampf ansagen zu können.

DER ÖSTERREICH-ANTEIL:

Zwar kann Rot-Weiß-Rot auf keinen Fahrer blicken, dafür vertrauen gleich 16 von 33 Fahrern auf ein Bike aus dem Hause KTM. Damit konnte man die Anzahl im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppeln. Unter anderem fahren die Titel-Favoriten Salom, Vinales oder Folger mit einer KTM. Der Rest des Fahrerfeldes vertraut auf Honda- beziehungsweise Mahindra-Motorräder.

 

Andreas Terler

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