MotoGP-Saisonvorschau: Es zählt nur der Sieg

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Yamaha kennt für 2015 nur ein Ziel: Der japanische Rennstall um die MotoGP-Superstars Valentino Rossi und Jorge Lorenzo will Honda und Marc Marquez die Weltmeistertitel bei Fahrern und Konstrukteuren entreißen.

Nach einer überragenden zweiten Saisonhälfte 2014 wähnte sich Yamaha - vor allem in Person von Lorenzo - bereits wieder auf Augenhöhe mit Marquez. Wie die Testfahrten vor Saisonstart jedoch aufdeckten, scheint das Paket Marquez-RC213V einmal mehr einen Schritt voraus.

Kommt es für Yamaha und Lorenzo zum Deja-vu? Bereits 2013 war der zweifache MotoGP-Weltmeister nach der Sommerpause die klare Nummer eins im WM-Zirkus, was Marquez jedoch nicht am Titelgewinn in seiner Rookie-Saison hinderte.

Auch der 2014 wiedererstarkte Vize-Weltmeister Rossi will im Titelkampf ein gewichtiges Wörtchen mitreden, hofft wie auch Lorenzo nicht zuletzt dank einiger technischer Weiterentwicklungen an der M1-YZR auf den ganz großen Wurf. Kann Yamaha die Honda-Marquez-Party crashen, oder fährt der WM-Zug einmal mehr bereits zu Saisonbeginn ab?

DIE FAHRER

#46 VALENTINO ROSSI

Der erfolgreichste und in den Augen vieler beste Motorrad-Pilot aller Zeiten erlebte im Vorjahr eine beeindruckende Renaissance und sicherte sich nach einer mit Podien und zwei Siegen gespickten Saison verdient WM-Platz zwei hinter Marquez. Noch 2013 schien Rossi mit der spanischen Armada der Superstars an der Spitze nicht mehr mithalten zu können, strafte jedoch sämtliche Kritiker Lügen.

So passte er die auf Lorenzo zugeschnittene Yamaha-Rennmaschine auf seine Stärken an, änderte zudem entscheidende Nuancen seines Fahrstils. Auch 2015 ist Rossi eine weitere Steigerung mehr als nur zuzutrauen, was eine wichtige Voraussetzung im Kampf mit Marquez wäre. Dass an der Spitze jedoch kein Stillstand herrscht, bewiesen die Testfahrten, bei denen Rossi weder auf eine schnelle Runde noch im Longrun mit den jeweils Besten mithalten konnte.

Bereits in Sepang schlug Rossi daher Alarm, forderte umgehend massive Besserungen von Yamaha. Kann das Team die Wünsche des Italieners erfüllen und die M1 niveau-technisch in die Nähe der RC213V bringen, darf Rossi alles zugetraut werden. Als einer der wenigen Fahrer im Feld legt der italienische Superstar im Rennen immer eine Schippe drauf, auch wenn dies gar nicht mehr möglich scheint. Rossi ist von Podien über Siege bis hin zu einem langen harten WM-Kampf gegen Marquez alles zuzutrauen.

#99 JORGE LORENZO

Der spanische Superstar ist ein Alleskönner, zeigte in der jüngsten Vergangenheit unter Druck (hauptsächlich von MM93) jedoch ungewohnte Schwächen. Der Weltmeister von 2010 und 2012 steht in der kommenden Saison definitiv im Kreuzfeuer. Nicht nur zwei WM-Niederlagen in Serie gegen Marquez zurren an Ego und der mentalen Stärke des Superstars - auch die teaminterne Pleite gegen Rossi in der Vorsaison darf sich aus Sicht Lorenzos auf keinen Fall wiederholen.

Vor allem mental muss sich der Katalane 2015 definitiv steigern, benötigt von Beginn an maximalen Fokus und seinen berühmt-berüchtigten eisernen Siegeswillen. 2014 erlegte sich Lorenzo durch eine Horror-Serie in der ersten Saisonhälfte bereits eine zu große Hypothek auf, war bereits im Sommer de facto aus dem WM-Kampf ausgeschieden.

Schafft er es jedoch, seine 'Rückrundenform' der vergangenen beiden Jahre konstant über die Saison zu bringen, ist er ohne Zweifel Marquez' ärgster Rivale und somit massiver Titelkandidat. Lorenzo hat allemal das Zeug zum Weltmeister, von Siegen und Podien ganz zu schweigen. Es liegt an ihm und der Entwicklungskurve seiner M1, ob und wann er Marquez ernsthaft gefährlich werden kann.

DAS MOTORRAD

Die M1-YZR 2015 soll Yamaha zurück an die Spitze beider WM-Wertungen führen. Um der nun über Jahre hinweg technisch überlegenen Konkurrenz von Honda endlich ein Schnippchen zu schlagen, hat Yamaha weder Kosten noch Mühen gescheut. Gut eineinhalb Jahre nach der Einführung des semi-stufenlosen Getriebes brachte das Team von Rossi und Lorenzo bei Sepang II die neueste technische Errungenschaft an die Strecke.

Fortan können Die Yamaha-Piloten auch bei Abwärts-Schaltvorgängen ohne Zugunterbrechung die Gänge wechseln, was vor allem am Kurveneingang Stabilität und letztlich auch höhere Geschwindigkeiten ermöglichen soll. Die M1 ist im Gesamtpaket wahrlich ein Meisterwerk, jedoch haftet ihr ein wenig der Makel einer '1B' an. In Sachen Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit liegt sie hinter Ducatis Desmosedici zurück, auf Seiten der Elektronik, der Geometrie und beim Bremsverhalten gegenüber der RC213V.

Sollte Yamaha nun zumindest die Probleme am Kurveneingang besser in den Griff bekommen, wäre dies ein wichtiger Schritt im Kampf der Giganten an der Spitze des Feldes der MotoGP. Mit der besten Kurvengeschwindigkeit und guter Traktion aus den Knicks heraus könnte sich die M1 dann zumindest zum 'König der Kurven' aufschwingen. Wie die letzten Tests in Katar offenbarten, scheint Ducati definitiv einen großen Schritt auf Yamaha aufgeholt zu haben. Die M1 ist ein starkes Paket, bedarf aber weiter Verbesserungen in jedem Bereich, soll der große Wurf gelingen.

DAS TEAM

Die Infrastruktur Yamahas ist ebenso wie Chefetage, Personal und Entwicklungsabteilung vom Allerfeinsten. Die Voraussetzungen für Erfolg und auch weitere Weltmeistertitel sind in jeder Hinsicht mehr als gegeben. Durch ein massives Budget spielt Geld beim Vizeweltmeister keinerlei Rolle. Teamchef Lin Jarvis gilt als maximal erfolgsorientiert, hatte mit seiner Arbeit im Hintergrund großen Anteil an der Renaissance Yamahas zur Saisonmitte 2014. Kouji Tsuya leitet die Entwicklungsabteilung und hat mit dem komplett stufenlosen Getriebe ein potentielles Meisterwerk mitzuverantworten.

DIE KUNDENTEAMS

Tech 3: Mit Tech 3 verfügt Yamaha von den großen Herstellern über das stärkste und am meisten ernstzunehmende Satellitenteam. Vor der Einführung der Open-Klasse und der cleveren Schachzüge des Ducati-Werksteams entpuppte sich das Team von Herve Poncharal regelmäßig als dritte Kraft im Feld. Im Vorjahr musste Tech 3 die Position allerdings an Ducati abgeben, belegte jedoch lediglich mit geringen Rückstand nach vorne Platz vier. Mit dem Podium für Bradley Smith in Australien belohnte sich das Team für die großen Mühen. Abstauber und Überraschungen sind Pol Espargaro und Smith auch 2015 wieder zuzutrauen. Rang vier bei den Konstrukteuren scheint mehr als realistisch.

Forward: Das Open-Team rund um den Deutschen Stefan Bradl erlebte mit Aleix Espargaro 2014 eine Saison für die Geschichtsbücher - und möchte heuer mit aller Macht daran anknüpfen. Nach solidem Jahreseinstand bei Sepang I offenbarten Bradl und Teamkollege Loris Baz jedoch anhaltende und nicht zu leugnende Probleme, die das Team tunlichst ausmerzen muss. Zwar müssen Testergebnisse stets mit Vorsicht genossen werden, jedoch offenbarte vor allem Bradl ständig anwachsende Schwächen. Der Open-Titel für den Deutschen ist absolut möglich, jedoch müssen er sowie auch Forward schnellstens die Kurve kriegen. Auf Baz wartet ein Lehrjahr.

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