Mit "Glück" zum WM-Titel

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Marquez wird Weltmeister ... "wenn er Glück hat!"

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Marc Marquez sprach im Interview über seinen ersten Sieg, die Erfolge in der allerersten MotoGP-Halbzeit und seine Pläne für die Sommerpause.

Frage: Welches Rennen dieser Saison hat dir bisher am besten gefallen?

Marc Marquez: Es gibt verschiedene, aber Austin war besonders - der erste Sieg für mich. Ich mochte auch Laguna Seca. Die Strecke war neu für mich, ich bin zuvor dort noch nie gefahren und der Kurs ist wirklich speziell. Ich habe auch das Jerez-Rennen geliebt, denn ich habe dort zu 100 Prozent gepusht. Es gibt verschiedene Rennen, die ich hätte besser fahren können, einige schlechter, aber insgesamt bin ich glücklich - mit Ausnahme von Mugello, ein Wochenende mit Stürzen und einem Abflug im Rennen zwei Runden vor Ende, wobei ich wichtige Punkte verloren habe.

Frage: Wie fühlte sich das an, ein MotoGP Rennen zu gewinnen?

Marquez: Nach dem Austin-Test sah ich, dass es dort eine gute Möglichkeit geben würde, einen ersten Sieg einzufahren, aber man hat immer seine Zweifel - denn ein Test ist kein Grand-Prix-Wochenende. Im Rennen sieht es ganz anders aus. Als ich das Rennen gewonnen hatte, fühlte es sich zunächst einfach wie ein weiterer Sieg an. Aber als ich nach Hause kam, hatte ich das Gefühl, dass es nicht einfach ein Sieg ist, wenn man in der MotoGP gewinnt. Es ist etwas Besonderes und ich war begeistert. Ich erinnerte mich an alle Leute, die mir dabei geholfen hatten, das zu erreichen.

Frage: Denkst du, dass es normal ist, schon im zweiten jemals gefahrenen Rennen zu siegen?

Marquez: Nein, aber viel davon hängt von den Umständen ab. Wenn wir gewinnen, bedeutet es, dass wir irgendetwas richtig gemacht haben. Der Austin Circuit passte von Anfang an zu mir, aber wenn dieser Grand Prix erst am Ende der Meisterschaft stattgefunden hätte, wäre der Sieg vielleicht auch erst am Ende der Saison gekommen - man weiß es nie. Das war eine neue Strecke für alle und es hat mir sehr geholfen, dort vorher zu testen.

Frage: Früher sagte man, dass die 125er und die 250er die beste Vorbereitung auf die MotoGP waren. Was kannst du nach deiner Erfahrung in der Moto2 sagen?

Marquez: In Wirklichkeit kann ich die 250er nicht mit der Moto2 vergleichen, weil ich nie 250er gefahren bin. Aber vielleicht habe ich etwas größere Probleme gehabt, als ich von der 125er in die Moto2 kam als beim Wechsel in die MotoGP. Die Umstellung von Moto2 auf MotoGP ist nicht so groß wie die von der 250er, denn ich bin in der Moto2 schon einen Viertaktmotor gefahren und das Gewicht des Bikes ist dem der MotoGP-Maschine ähnlich. An die Elektronik muss man sich erst einmal gewöhnen, aber der Rest ist ziemlich ähnlich. Auch das Reifenprofil ist recht gleich. Es gibt positive Dinge und vielleicht auch ein paar negative. Ich habe in der Moto2 viele Dinge gelernt. In der 125er war das anders, denn man kann von Start bis Ziel reinhalten, aber in der Moto2 musst du lernen, wie man schonende mit den Reifen umgeht und dich an einen vollen oder leeren Tank gewöhnen, was ein Aspekt ist, den du bei den kleineren Bikes fast gar nicht mitbekommst. Es ist zudem auch eine hart umkämpfte Kategorie, wo du und dein Team einen Unterschied machen können. Wir haben viele Dinge gelernt und all diese Erfahrungen helfen uns jetzt in der MotoGP.

Frage: Hat es mehr Spaß gemacht als die MotoGP?

Marquez: Das kommt auf das Rennen an. Ich genieße die MotoGP am meisten, denn in der Moto2 hatte ich immer Chattering oder irgendwas und das Bike lief nie perfekt. Wir waren alle gleich und der Unterschied musste vom Fahrer gemacht werden. MotoGP ist die Klasse, die am meisten Spaß macht, aber vielleicht waren die lustigsten Rennen trotzdem in der Moto2. Nun habe ich noch immer auf jeder Rennstrecke etwas Chattering, aber im Vergleich zur Moto2 ist es fast nichts.

Frage: Wie überholst du mit diesem schweren Bike?

Marquez: In der MotoGP ist das Überholen schwer, denn das Bike wiegt viel und du musst sehr viel Vertrauen haben, wenn du vorbeigehst. Besonders beim Bremsen, denn mit den Karbonbremsscheiben findet das in der letzten Sekunde statt. Der Reifen erlaubt einem auch, sehr hart zu bremsen, also sehen wir wenige Überholmanöver. Wir sind sehr schnell und man muss das Manöver planen, allerdings kannst du deinen Plan auch etwas anpassen, wenn ein Rivale in Reichweite ist.

Frage: Marc Marquez wird Weltmeister 2013, wenn…

Marquez: Wenn er Glück hat! Ich will darüber nicht nachdenken, denn wir haben in den letzten beiden Rennen gesehen, dass in dieser Meisterschaft alles passieren kann. Die Hälfte der Saison ist noch immer offen und diese letzten beiden Rennen liefen ziemlich gut, aber wir müssen sehen, wie es unter realen Bedingungen aussieht - wenn Pedrosa und Lorenzo wieder komplett fit sind. Bis dahin holen wir diese Ergebnisse. Wir sind ziemlich weit vorne, also besteht eine Chance.

Frage: Du hast alle Rennen, die du beendet hast, auf dem Podium abgeschlossen. Wie kannst du dir das erklären?

Marquez: Das ist eine große Überraschung und eine gute Neuigkeit. Abgesehen von Mugello landete ich in jedem Rennen auf dem Podium. Konstanz ist viel Wert. Vielleicht ist das noch beeindruckender als die Siege. Aber dass ich in wirklich in jedem Rennen ums Podest kämpfen kann, ist gut.

Frage: Wie fühlt es sich an gegen Dani Pedrosa, Jorge Lorenzo und Valentino Rossi anzutreten?

Marquez: Man lernt viel. Das sind Fahrer, die nie das Handtuch geworfen haben - wie wir sehen. Man lernt viel, wenn man hinter oder neben ihnen fährt, man sieht, wie sie die Rennen angehen und ihre Strategien - was auch ein sehr wichtiger Aspekt ist. Man nimmt kleine Dinge mit und versucht sich diese dann selbst zu Nutzen zu machen.

Frage: Wie findest du die Leistung deines Bruders in dieser Saison?

Marquez: Er überrascht alle. In diesem Winter sah ich schon, dass er beim Motocross sehr stark aussah. Ich war überzeugt, dass er schnell war. Ich musste pushen, um vor ihm zu bleiben. Das Vorsaisontraining zu Hause hat sich ausgezahlt. Wir wollen zusammen das Maximum erreichen und das hilft uns, gut in Form zu bleiben, denn wenn wir nur zusammen trainieren, können wir einander schon helfen.

Frage: Hat er dich im Training jemals geschlagen?

Marquez: Der Altersunterschied von drei Jahren macht schon etwas aus, aber in Wirklichkeit ist er sehr schnell. Ich kann mich noch gegen ihn behaupten. Aber es wird die Zeit kommen, in der ich das nicht mehr länger kann, da bin ich mir sicher, denn ich war in seinem Alter körperlich nicht so stark wie er jetzt.

Frage: Wie sehen deine idealen Ferien aus? Hast du schon Pläne für diesen Sommer?

Marquez: Es gibt Pläne: Strand, Sonne und Freunde. Ich werde keine riesige Pause machen, aber in nur einer Woche, will ich einmal abschalten und dann weiter trainieren.

Frage: Wirst du uns das auf Twitter zeigen? Bist du ein Fan der Social-Media-Geschichten?

Marquez: Ich denke darüber nach, aber es ist auch gut, mal eine Woche von Twitter und Facebook abzuschalten.

 

Maria Pohlmann

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