"Können nicht vs. Audi kämpfen"

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"Wir können nicht gegen Audi kämpfen"

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Ein Hilferuf? Ein politisches Manöver? Taktik-Spielchen?

Was immer dahinter steckt, Toyota sorgt im Vorfeld für die „24 Stunden von Le Mans“ jedenfalls für Aufsehen.

Die Japaner sehen sich nicht im Stande, bei den bestehenden Reglement-Bestimmungen gegen Audi zu kämpfen und fordern Änderungen.

„Balance of Performance“

In der FIA WEC treten Autos mit unterschiedlichen Antriebskonzepten gegeneinander an. Um für Chancen-Gleichheit zwischen Diesel- und Benzin-Autos zu sorgen gibt es das sogenannte „Balance of Performance“ (kurz: BoP).

Allerdings vermutet Toyota aufgrund der Erfahrungen der ersten beiden Rennen keine Ausgewogenheit und fordert nun Änderungen für die „24 Stunden von Le Mans“.

„Können nicht gegen Audi kämpfen“

„Wir sind mit der Situation nicht glücklich. Das liegt daran, dass wir wissen, dass wir nicht gegen Audi kämpfen können. Wenn es so bleibt, dann sind unsere Chancen in Le Mans sehr, sehr klein“, so Technik-Chef Pascal Vasselon.

Grund für die Toyota-Forderung ist weniger der Dreifachsieg von Audi in Spa-Francorchamps, sondern vielmehr die Stärke der Ingolstädter im Qualifying für den zweiten WEC-Lauf. Bei Toyota, das auf einen Benzin-Antrieb setzt, vermutet man einen Leistungs-Nachteil von 70 bis 80 PS gegenüber Audis Diesel.

Bei der Kompensation über das BoP müssen nicht die vollen 80 PS ausgeglichen werden.

„Es gibt eine Formel, nach der diese ausgleichenden Maßnahmen berechnet werden. Man sagt zum Beispiel, dass die 50 Kilogramm zusätzlich für den Dieselmotor ausgeglichen werden sollten über rund 20 PS mehr Leistung“, führt Vasselon aus.

„Also: Wenn unser Leistungsdefizit bei 50 PS liegt, dann müssten nur 30 PS über Einstufungen korrigiert werden. Da wir aber mittlerweile mehr als 50 PS Defizit haben, muss neu eingestuft werden.“

Anpassungen vorgesehen

Das Reglement sieht entsprechende Evaluierungen auch vor. Sollte in zwei Rennen der Unterschied bei den Rundenzeiten mehr als zwei Prozent betragen, würden FIA und ACO eingreifen.

„Zwei Prozent klingt nach wenig, ist aber viel. In Spa wären dies 2,4 Sekunden pro Runde, in Le Mans sogar rund fünf Sekunden. Soweit darf es nicht erst kommen“, erklärt Vasselon.

Den Einwand, dass speziell der überarbeitete Toyota im Rennen in Spa mit den Audis mithalten konnte, lässt der Franzose nicht wirklich gelten.

Ein Fehler im System?

„Unsere Erkenntnisse sind, dass Audi im Rennen das Tempo gedrosselt hat. Die Aussagen unserer Piloten sind eindeutig: Im Rennen hatten sie kaum Probleme, sich gegen die Audis zu wehren. In Beschleunigungsphasen konnten sie sogar an den Audis vorbeigehen. Das war in den Trainings ganz anders.“

Audi habe im Vergleich zum Vorjahr einen signifikanten Leistungsschub auf Kosten des Spritverbrauchs gemacht. „2012 fuhren sie drei oder vier Runden mehr als wir, in diesem Jahr zwei Runden weniger. Wir sprechen von einer Verbrauchssteigerung um 20 Prozent.“

Audi müsse zwar in dieser Saison mit kleineren Restriktoren auskommen, kompensiere den Nachteil aber über den Spritverbrauch.

Daher sieht er einen Fehler im Reglement: „Wir haben uns auf die Leistung konzentriert und den Spritverbrauch außer Acht gelassen. Wenn wir einen der beiden Faktoren offen lassen, dann kann das die Diesel-Technologie ausnützen.“

„Schwarzer Rauch“ als Indiz

Audi fahre ein fetteres Gemisch und könne somit auf mehr Leistung zurückgreifen. Speziell im Qualifying sei dies durch schwarzen Rauch, der beim Beschleunigen austrat, aufgefallen. Der ist zwar durch das Reglement grundsätzlich untersagt: „Aber es gibt kein Messgerät, das schwarzen Rauch messen kann. Dass ist nicht unkompliziert.“

Dazu käme noch ein normaler Entwicklungssprung, der von Jahr zu Jahr stattfindet. „Das alles zusammengenommen hat dazu geführt, dass die Balance zwischen Diesel und Benzinern nicht mehr passt - noch weniger passt als zuvor. Audi hat dermaßen an Power zugelegt, dass wir auf aktueller Grundlage nicht mithalten können.“

Audi versteht Aufregung nicht

Auf Audi-Seite versteht man die Aufregung bei Toyota nicht.

„Wie kann man im ersten Rennen ohne das neue Auto antreten und beim zweiten nur das halbe Rennen bestreiten (der neue Toyota fiel nach rund dreieinhalb Stunden mit einem Hybrid-Problem aus) und dann nach Änderungen im BoP fragen“, meint Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich. „Der neue Toyota, der sein erstes Rennen bestritt, war zumindest vergleichbar mit unserem Le-Mans-Auto (das auf Rang 3 landete).“

Vincent Beaumesnil, Manager bei Veranstalter ACO, erklärt dazu: „Der Prozess ist im Laufen. Wir analysieren immer alle Daten. Ich kann ihnen nicht mehr sagen, außer, dass es in allen Klassen der Fall ist.“

Man wird sehen, ob sich bis zum Vortest für Le Mans am Reglement noch etwas ändern wird.

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