Die 24 Stunden von Le Mans in der Retrospektive

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Die "24 Stunden von Le Mans" in der Auflage von 2015 enden mit dem überraschenden Ende der Audi-Dominanz.

Rekordsieger Porsche feiert am Tag genau 45 Jahre nach dem Premierenerfolg und schon im zweiten Anlauf nach der Rückkehr in die LMP1 einen Doppelsieg. Die Rookies Nico Hülkenberg und Earl Bamber steuern das Auto #19 zusammen mit Nick Tandy nach 395 Runden auf das oberste Podest.

Timo Bernhard, Mark Webber und Brendon Hartley dürfen sich über Platz zwei freuen. Audi steckt mit allen drei Fahrzeugen immer wieder in Problemen technischer und rennbedingter Natur, der dritte Platz von Marcel Fässler, Andre Lotterer und Benoit Treluyer ist diesmal das höchste der Gefühle.

Toyota ist nur dritte Macht, das Auto #2 mit Alexander Wurz landet als bestes Fahrzeug der Japaner auf dem sechsten Endrang.

Lauda scheitert knapp und dramatisch

Aus österreichischer Sicht verläuft die finale Phase des Rennens bitter.

Erst verliert das Porsche-Dreiergespann mit Beteiligung von Richard Lietz durch eine lange Reparaturpause die Podestchancen in der GTE-Pro-Klasse, dann kommt es für rot-weiß-rot noch dicker.

Der Aston Martin #98, unter anderem gefahren von Mathias Lauda, verunfallt 48 Minuten vor Schluss ohne Fremdeinwirkung in Führung der GTE Am liegend aus dem Rennen.

Nutznießer dieses Zwischenfalls ist unter anderem Schauspieler Patrick Dempsey, der mit seinen Kollegen auf dem beachtlichen zweiten Rang in dieser Kategorie landet.

 

Die Schlüsselmomente der

"24 Stunden von Le Mans" zur Nachlese:

15:00 Uhr: Grand-Marshall Tom Kristensen gibt nach seiner letzten "Führungsrunde" das Rennen frei. Die 24-Stunden-Vollgas-Hatz ist eröffnet.

16:00 Uhr: Doppelter Vorfall: Der GT-Porsche#92 geht in Flammen auf. Gleichzeitig mit dem Motorschaden ein weiterer Vorfall. Imperatori im Rebellion #13 kommt sich mit einem LMP2 in die Quere und dreht sich in einer Schikane auf der Hunaudieres-Geraden. - Safety Car!

16:30 Uhr: Neuer Spitzenreiter! Andre Lotterer nützt Überrundungs-Manöver, schnappt sich auf der Start-Ziel-Gearden zuerst Jani und kurz darauf in der Dunlop-Schikane dann Bernhard. Damit führt erstmals ein Audi das Rennen an.

17:34 Uhr: Ein außerplanmäßiger Stopp bei Audi Audi#7. "Box this Lap - full Service" wird gefunkt. Lotterer muss nur zwei Runde nach seinem planmäßigen Stopp rein. Jetzt auch der Fahrerwechsel - Treluyer übernimmt von Lotterer. Ein Rückschlag für Audi - denn damit hat der Titelverteidiger nun einen Stopp mehr absolviert, als die Konkurrenz. Lotterer: „Es lief alles gut. In der zweiten Runde meines vierten Stints aber dann plötzlich ein kleines Loch im Reifen. Wir haben gemerkt, dass der Reifendruck weniger wird. Daher mussten wir den Stopp einlegen. Das ist natürlich ärgerlich.“

17:51 Uhr: Aufregung in der Audi-Box! Loic Duval fährt auf eine Gruppe auf, die bei Gelber Flagge verlangsamen. Er kann einen Auffahrunfall verhindern, indem er neben die Strecke ausweicht. Beim Zurückkommen auf die Strecke verliert er aber die Kontrolle und knallt in die Leitplanken. Marc Lieb im Porsche#18 hat Glück, denn er war in dieser Gruppe und kommt durch. Der Einschlag hat Folgen: Wegen Arbeiten an den Leitplanken die zweite Safety-Car-Phase, die mehr als eine halbe Stunde dauert.

19:57 Uhr: Der Toyota#1 ist rechts vorne beschädigt. Wenig später muss Anthony davidson an die Box. Die Erklärung von Toyota: Kontakt mit einem Auto und einer Mauer. Der Garagen-Aufenthalt dauert länger als erwartet, das Weltmeister-Auto kommt mit fünf Runden Rückstand zurück.

20:24 Uhr: Führungswechsel. Audi legt einen Vierfach-Stint ein, Porsche bleibt konservativ bei einem Dreifach-Stint. Dadurch fällt Porsche#17 hinter Audi#9 zurück.

21:00 Uhr: Mathias Lauda übergibt den Aston Martin #98 als Führender in der GTE-AM an Pedro Lamy.

22:45 Uhr: Dritte Safety-Car-Phase im Rennen nach Abflug von Paul Loup Chatin (LMP2/Signatech Alpine). Die Spitze schiebt sich dadurch extrem zusammen. Die ersten vier Autos sind in einem "Zug" - damit der Abstand zwischen Rast an der Spitze und Fässler auf Rang vier nur 10,7 Sekunden. Dazwischen die Porsches von Webber und Hülkenberg.

23:33 Uhr: Schlechte Nachrichten für Porsche #17. Wegen Überholens unter Gelber Flagge gibt es eine Ein-Minuten-Stopp-and-Go-Strafe. Damit verabschiedet sich das Trio rund um Mark Webber vorerst mal aus dem Kampf um die Spitze - nach Strafe und folgendem Boxenstopp liegt der Porsche rund zwei Minuten zurück auf Rang 4. An der Spitze Nico Hülkenberg im Porsche#19 vor Rene Rast im Audi#9.

01:25 Uhr: Der Kran muss her! Neel Jani fliegt in seinem Porsche mit der Nummer 18 ab und muss aus dem Kiesbett befreit werden. Die Bergung geht schnell voran und der Schweizer fährt schon wieder.

03:00 Uhr: Halbzeit! Die ersten zwölf Stunden sind vorbei, es folgen nochmals zwölf Stunden. Porsche (Tandy/Bamber/Hülkenberg) führt weiterhin vor den beiden Audi-Teams.

03:55 Uhr: Bei dieser Szene stockt einem der Atem: Der JMW-Ferrari fängt beim Nachtanken Feuer. Mittlerweile ist das Auto aber wieder auf der Stecke.

07:45 Uhr:Safety-Car-Phase nach einem schweren Crash des Aston Martins mit der Nr. 96. Der Deutsche Roald Göthe schlägt nach einem Dreher mit knapp 200 km/h hart in die Mauer ein. Der 55-Jährige muss vom Krankenwagen geborgen werden.

Nico Hülkenberg führt mit dem Porsche (#19) eine Runde vor dem Audi mit Rene Rast (#9). Auf Rang drei liegt der Porsche mit Mark Webber (#17). Alexander Wurz und sein Toyota (#2) rangieren mit 6 Runden Rückstand auf Platz 7.

07:52 Uhr: Toyota #2 kommt während des neutralisierten Renngeschehens an die Box, Alexander Wurz übernimmt für seine Frühschicht. Die Japaner sind nicht die einzigen, die stoppen: Auch der führende Porsche #19 holt sich Sprit und mit Nick Tandy eine frische menschliche Komponente. Scheinbar müssen auch Reparturen vorgenommen werden, denn man war am Unfall unmittelbar beteiligt.

Hier könnt ihr eine Nacht-Runde an Bord des Porsches "mitfahren":

The current leader Porsche #19 Earl Bamber takes us for a lap of Le Mans just before 5 a.m. #LM24 #WEC

Posted by FIA WEC on Samstag, 13. Juni 2015

08:19 Uhr: Mittlerweile sehen wir eine Porsche-Doppelführung, denn Mark Webber hat sich nach dem Restart am Audi #9 von Rene Rast vorbeigemogelt.

10:18 Uhr: Dominik Kraihamer hat wieder das Steuer seines Rebellion #13 übernommen. Als Neunter in der LMP1 sind die Schweizer aktuell bestes Privatteam.

10:23 Uhr: Ein Ferrari in den Reifenstapeln, und es ist die #72 von Victor Shaytar, dem härtesten Verfolger des Lauda-Aston-Martin in der GTE Am. Das könnte die Siegchancen des Österreichers eklatant vergrößern.

10:38 Uhr: Richard Lietz übernimmt dein Porsche 911 #91 wieder und will die knapp 90 Sekunden Rückstand auf Rang zwei verkleinern.

Der zerdepperte Aston Martin von Roald Göthe

11:05 Uhr: Kein Bild, das wir sehen wollen. Der Lietz-Porsche #91 steht ohne Motorhaube in der Garage, das kostet viel Zeit. Scheinbar müssen die Stoßdämpfer, wie schon des nächtens einmal, überprüft werden. Verliert der Österreicher dadurch den Podestplatz in seiner Kategorie?

11:12 Uhr: Ein Update vom verunfallten Roald Göthe. Der Deutsche dürfte sich nur Prellungen zugezogen haben. Good News!

11:25 Uhr: Da ist der dritte Rang in der LM GTE Pro für Richard Lietz dahin. Der Porsche 911 steht nach wie vor.

11:32 Uhr: Audi #9 von Bonanomi steht in der Box und wird zerlegt. Es gibt Probleme mit dem Hybridsystem. Die Rundenzeiten sind zuletzt eklatant in den Keller gegangen - ist Rang drei in Gefahr?

11:46 Uhr: Andre Lotterer dreht in 3:17,475 Minuten die schnellste Rennrunde in der Le-Mans-Geschichte. An diesem Wochenende war nur die Pole-Zeit von Neel Jani schneller.

11:50 Uhr: Wieder wird bei Audi gebastelt, diesmal an der #8. Am Schwesterauto wurde zuvor wohl nur die Lenkung inspiziert. Positionstechnisch gibt das die Rolle rückwärts, die Neun zieht wieder vorbei auf Platz drei.

12:15 Uhr: Positionsgewinn für den Toyota #2 von Alex Wurz, der aktuell von Mike Conway gesteuert wird. Nachdem Audi auch das dritte Fahrzeug zum Rundumcheck in die Box beordert, rutscht die #9 auf Rang sieben zurück.

12:45 Uhr: Bei Seriensieger Audi will es gegen Ende der diesjährigen Auflage der 24 Stunden von Le Mans einfach nicht rund laufen. Nur kurz nach dem Fahrerwechsel - Benoit Treluyer übernimmt von Andre Lotterer - steht die #7 schon wieder an der Box, diesmal wird etwas mehr rumgedoktert. Welchen Vier-Ringe-Boliden sehen wir am Ende auf Platz drei?

13:25 Uhr: Der letzte Fahrerwechsel bei den diesjährigen Siegern. Nico Hülkenberg übernimmt das Lenkrad (und den Rest) des Porsche #19. Etwa eine Grand-Prix-Distanz (bekanntes Gefühl) liegt noch zwischen dem Deutschen und dem Triumph (weniger bekanntes Gefühl).

Bequem zum größten Triumph der bisherigen Karriere

13:41 Uhr: Ein Nissan im Bilde, das war bisher selten. Jann Mardenborough muss den letzten verbliebenen Boliden mit dem neuartigen Frontantrieb-Konzept qualmend in einer Auslaufzone abstellen. Sieht nicht so aus, als könnte dieses Auto noch weiterfahren. Damit ein Totalausfall für die Neueinsteiger, bei denen man sich einiges anders vorgestellt hat.

14:12 Uhr: DAS DARF NICHT WAHR SEIN!!! Paul Dalla Lana, der den Aston Martin #98 von Mathias Lauda ins Ziel lenken sollte, rittert in der Zielschikane über die Curbs - und fährt danach kerzengerade in die Mauer. Dieses Auto scheint nicht mehr reparabel. Das war es mit dem Sieg in der GTE Am für den Österreicher. 48 Minuten vor dem Ende erleben wir eins der Dramen von Le Mans, jedoch ein verzichtbares.

Das Bild, das wir nicht sehen wollten

14:20 Uhr: Da sich der GTE-Am-Führende selbst rausgekegelt hat, fährt nun der Ferrari #72 von Victor Shaytar und Kollegen dem Sieg entgegen. Der Porsche #77 mit Patrick Dempsey liegt nun auf Rang zwei.

14:25 Uhr: Wurz fährt traditionell den Schluss-Stint seines Toyotas #2. Auf Rang sechs liegend lautet das Mini-Ziel, zumindest den dritten Audi hinter sich zu halten. Das teaminterne Duell scheint entschieden. Die Japaner haben sich insgesamt mehr ausgerechnet, aber die 24 Stunden waren nur ein Sinnbild dafür, dass man 2015 klar hinter der deutschen Konkurrenz liegt.

15:00 Uhr: Das war's! Die Zielflagge ist nach 395 Runden gefallen. Nico Hülkenberg und Earl Bamber (mit Nick Tandy) feiern gleich bei der Le-Mans-Premiere den größtmöglichen Triumph. Für Rekordsieger Porsche gibt es im zweiten Jahr nach der Rückkehr in die LMP1 einen Doppelsieg, denn Timo Bernhard, Mark Webber und Brendon Hartley fahren auf Platz zwei. Für Seriensieger Audi bleibt nur das kleinste Podium durchMarcel Fässler, Andre Lotterer und Benoit Treluyer. Auch Alexander Wurz hat schon bessere Auflagen erlebt und muss sich 2015 mit Platz sechs zufrieden geben.

Die Klassen-Ergebnisse im Überblick:

100Pos.

250Auto

150Distanz

1.

Porsche #19 (Hülkenberg/Tandy/Bamber)

395 Runden

2.

Porsche #17 (Bernhard/Webber/Hartley)

+1 Runde

3.

Audi#7 (Fässler/Lotterer/Treluyer)

+2 Runden

6.

Toyota #2 (Wurz/Conway/Sarrazin)

+8 Runden

9.

Rebellion #13 (Kraihamer/Imperatori/Abt)

+59 Runden

100Pos.

250Auto

150Distanz

1.

Oreca #47 (Howson/Bradley/Lapierre)

358 Runden

2.

Gibson #38 (Dolan/Turvey/Evans)

+48 Sekunden

3.

Ligier #26 (Rusinov/Canal/Bird)

+1:47 Minuten

100Pos.

250Auto

150Distanz

1.

Corvette #64 (Gavin/Milner/Taylor)

337 Runden

2.

Ferrari #71 (Rigon/Calado/Beretta)

+5 Runden

3.

Ferrari #51 (Bruno/Fisichella/Vilander)

+7 Runden

5.

Porsche #91 (Lietz/Christensen/Bergmeister)

+10 Runden

100Pos.

250Auto

150Distanz

1.

Ferrari #72 (Shaitar/Basov/Montermini)

332 Runden

2.

Porsche #77 (Dempsey/Long/Seefried)

+1 Runde

3.

Ferrari #62 (Sweedler/Bell/Segal)

+2 Runden

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