Feucht-Fröhliche Feierei

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Flashback: Feucht-Fröhliche Feierei

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Zahlreiche Führungswechsel und Überholmanöver, sintflutartige Regenfälle, spontane Tanzeinlagen, das "Cap-Gate" sowie ein erst in den letzten Runden entschiedener WM-Kampf.

Als Formel-1-Fan kann man sich wohl kaum mehr Action und Spannung von einem einzigen Wochenende erwarten.

Und trotzdem: Am Ende war das Ergebnis ein nur allzu bekanntes: Lewis Hamilton siegte vor Nico Rosberg und Sebastian Vettel.

Wir blicken dennoch mit Freude zurück auf einen großartigen GP der USA, gratulieren einem würdigen Weltmeister zur Titelverteidigung und wünschen: Prost, Lewis Hamilton.

Der Flashback aus Austin:

  • HOT AND NOT

Max Verstappen

Der 18-Jährige stellte auf der Power-Strecke in Texas mit Rang vier sein bestes Karriere-Ergebnis ein. "Das hat richtig Spaß gemacht", schwärmt der Toro-Rosso-Pilot hinterher. "Ein tolles Ergebnis und definitiv das Maximum, was sich herausholen ließ. Ich bin so glücklich." Der Niederländer hatte "einige gute Zweikämpfe", kämpfte tapfer gegen Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel, lag kurz gar auf Podestkurs, musste den vierfachen Weltmeister letztendlich aber ziehen lassen. Mit Rang vier ist Verstappen dennoch hochzufrieden. "Es war meine kompletteste Leistung im Saisonverlauf. Es hat alles gepasst. Ich habe keine Schnitzer eingebaut und das Team mit der Strategie einen perfekten Job abgeliefert."

 

Williams

Total-Ausfall bei den Briten: Sowohl Valtteri Bottas als auch Felipe Massa mussten aufgrund von Stoßdämpferdefekten das Rennen aufgeben. Bereits im Qualifying machte den Williams-Boliden der merkwürdige Fehler zu schaffen und Bottas musste eine Rückversetzung um fünf Plätze hinnehmen, weil sein Getriebe gewechselt wurde. "Der Stoßdämpfer war da schon defekt. Sie sitzen dort, also tauschen wir lieber gleich alles aus, als nur Einzelteile zu wechseln", verriet Chefingenieur Rob Smedley, der vermutete, dass die Randsteine auf dem Circuit of The Americas Schuld am Doppel-Ausfall seiner Piloten waren. "Es war einfach nicht mein Tag. Das fasst es wohl am besten zusammen", seufzte Bottas, für den der GP bereits nach fünf Runden beendet war. Kleines Trostpflaster: Rang drei in der Konstrukteurswertung blieb aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenz ungefährdet.

  • NEWCOMER-CHECK:

Max Verstappen lobten wir schon in der Kategorie "HOT" (siehe oben), der jüngste F1-Pilot aller Zeiten zeigte mit Rang vier einmal mehr, dass er eine Bereicherung für die Königsklasse ist. Bereits zum achten Mal fuhr er in die Punkteränge und belegt in der WM-Gesamtwertung derzeit Rang 10 - da er sowohl Nico Hülkenberg (Force India), als auch Lotus-Pilot Romain Grosjean überholte.

Nach seinem schweren Unfall in Sotschi erwischte es Carlos Sainz Jr. in Austin erneut: Der Toro-Rosso-Pilot, der im Training noch mit der sechstbesten Zeit glänzte, verließ auch auf der regennassen Fahrbahn im verschobenen Qualifying die Fahrbahn, blieb aber glücklicherweise unverletzt und durfte dennoch im Rennen an den Start gehen. Dort feierte er trotz einer Fünf-Sekunden-Strafe aufgrund zu hohen Tempos in der Boxengasse mit Rang 7 sein bestes Karriere-Ergebnis, hatte aber dennoch gegenüber Teamkollege Verstappen das Nachsehen.

Sauber-Pilot Felipe Nasr hielt die Fahnen seines Teams hoch: Nachdem er nur von Rang 15 startete, konnte er sich als Neunter noch den Punkterängen platzieren - zum bereits sechsten Mal in dieser Saison. Zu Beginn des 400. GP des Rennstalls sah es jedoch gar nicht gut für die Schweizer, krachte der Brasilianer doch mit Teamkollege Marcus Ericsson, der letztlich ausschied, zusammen und wurde sogar überrundet. Letztendlich profitierte er von den zahlreichen Safety-Car-Phasen, um doch noch nach vorne zu kommen.

Beinahe hätte es für Alexander Rossi im dritten Rennen für Manor-Marussia für einen Punkterang gereicht. Der erste Amerikaner seit Scott Speed 2007, der den USA-GP bestritt, war mit einem Stars-and-Stripes-Speziallack schnell unterwegs, profitierte nicht zuletzt von den vielen Ausfällen in Austin, und landete schließlich auf Rang zwölf. Damit stellte der 24-Jährige das beste Saison-Ergebnis seines Teams Manor-Marussia (Robert Merhi beim GP von Großbritannien) ein.

  • TEAMCHECK:
Der GP der USA fügte dem Konkurrenz-Kampf zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg ein weiteres Kapitel hinzu: Zwar sah es bis kurz vor Schluss nicht danach aus, doch am Ende fuhr Hamilton (28 Führungsrunden) sowohl den Sieg als auch den Titel ein. Nico Rosberg (21) erwischte einen gebrauchten Tag, der Deutsche verschenkte durch einen Fehler, den er sich selbst nicht erklären konnte ("Ich verstehe es nicht, das ist mir noch nie passiert") neun Runden vor Rennende den Sieg und seinem Teamkollegen somit auch den Titel.
 
Verständlich, dass er im Nachhinein mehr als nur niedergeschlagen war. Zudem kritisierte er den neuen Weltmeister aufgrund seines Manövers zu Rennbeginn: "Was mich nervt, ist der Start. Ich habe ein Recht auf ein Stück Strecke. Wenn mein Teamkollege extra so weit geht, dass er versucht, in mich hineinzufahren, ist das ein Schritt zu weit."
 
Der alte und neue Weltmeister hingegen blieb cool und fuhr das Rennen schließlich trocken nach Hause. "Man darf niemals seine Träume aufgeben. Im Rennen gab es so viele Momente, in denen es nicht gut für mich aussah, aber ich habe nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass ich es schaffen kann", so der Brite nach seinem 10. Saisonsieg sowie dem 43. seiner Karriere. Der 30-Jährige beteuerte indes, "nicht absichtlich" in Rosberg hineingefahren zu sein und entschuldigte sich bereits während des Rennens über Funk.

  • AUFREGER DER WOCHE: CAP-GATE

Während Hamilton nach seinem Triumph den Kopf an einen Tisch lehnte und mit den Freudentränen kämpfte, kamen seinem Teamkollegen beinahe ebenfalls die Tränen - aber vor Enttäuschung. Als der neue Weltmeister dem Deutschen die Kappe für die Siegerehrung zuwarf, bahnte sich der Frust seinen Weg nach draußen - der Deutsche schleuderte die Kappe völlig entnervt zurück:

Lewis Hamilton Nico Rosberg
Endplatzierung 1 2
Rückstand auf 1. - +0:02.850
Topspeed Start/Ziel 208,2 km/h (3.) 207,6 km/h (4.)
Schnellste Runde 1:40.738 (2.) 1:40.666 (1.)
Reifenstrategie (Runden) Intermediate (18), Soft (25), Soft(13) Intermediate (19), Soft (19), Soft (18)

  • SPIELVERDERBER DER WOCHE: HURRICAN PATRICIA

Die Auswirkungen des Hurricanes Patricia waren in Austin deutlich zu spüren: Am Freitag fiel das zweite Training komplett aus, am Samstag sorgte der Dauerregen fünfmal für eine halbstündige Verschiebung und schließlich gar für die Verlegung des Qualifyings auf Sonntag, wo es dann nach Q2 abgebrochen werden musste. Im Rennen hingegen zeigte sich der Regen plötzlich schüchtern und ward nicht mehr gesehen...

  • SPRUCH DER WOCHE: THINK BEFORE YOU D(R)IVE

In Anlehnung daran, schrieb das Lotus-Team kurzerhand eine Warnung des F1-Bosses um:

  • FANS DER WOCHE:

Während man hierzulande (hoffentlich) trocken lediglich vor dem Fernseher vergeblich ausharrte, hatten es die Fans vor Ort am Samstag alles andere als leicht. Zum dritten Training wurden sie zu Beginn aus Sicherheitsgründen nicht an die Strecke gelassen, ein Qualifying war ihnen trotz eisernen Durchhaltevermögens letztendlich auch nicht vergönnt.

  • SHOWEINLAGE DER WOCHE: DANCING IN THE RAIN

Mit zahlreichen Showeinlagen gestalteten Teams und Fahrer die Wartezeit aber durchaus amüsant, unser Highlight war der Regentanz zwischen Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat vor der Red-Bull-Box. In die engere Auswahl kamen auch die Rudersimulation des Sauber-Teams, Hamiltons Regenschirm-Gruß an die tapferen Zuschauer, die Break-Dance-Einlage eines Force-India-Mechanikers und der Rollentausch der Väter von Max Verstappen und Carlos Sainz jr, die sich kurzerhand in Overall und Helm selbst ans Steuer der Toro-Rosso-Boliden setzten.

ZAHLENSPIELEREIEN:

8 - Jahre mussten die Amerikaner warten, um einen Landsmann beim Heimrennen anfeuern zu dürfen. (In vier gab es allerdings auch keinen USA-GP)

10 - Plätze machte Sebastian Vettel im Rennen gut - um ebensoviele wurde der Ferrari-Pilot aufgrund eines Motorwechsels nach hinten versetzt.

10 - Mit Hamiltons Titelverteidigung gelang es nun 10 Formel-1-Piloten in der Geschichte der Königsklasse, drei (oder mehr) Titel einzufahren.

43 - GP-Siege konnte der frischgebackene Dreifach-Weltmeister Hamilton bei 164 Starts bislang einfahren, der Triumph in Austin war bereits der 10. in dieser Saison

200 - Red Bull Racing hat in Austin einen Jubiläums-GP bestritten und das - in Teilbereichen - besser als erwartet: Daniel Ricciardo begann stark und führte das Rennen sogar einige Rennen lang an, doch am Ende reichte es nur für Rang 10., Daniil Kvyat schied nach einem Unfall in Runde 41 aus.

400 - Sauber holte beim Jubiläums-Grand-Prix immerhin noch zwei Punkte.

 

Henriette Werner

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