Silverstone-Flashback: Make love, not war

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Der Große Preis von Großbritannien überraschte von Anfang an mit erfrischend viel Action, schon der Start bot mehr Ereignisse als einige der vorangegangen Rennen insgesamt.

Zwar winkten am Ende doch wieder drei alte Bekannte vom Stockerl, dennoch sahen 140.000 begeisterte Fans nicht nur einen Heimsieg ihres Lieblings Lewis Hamilton, sondern auch den spannendsten GP der aktuellen Saison.

Warum am Ende immer die Liebe siegt, der Schmerz einige von uns antreibt und McLaren weiter seinen Humor nicht verliert (immerhin konnte Fernando Alonso seinen ersten Punkt einfahren!), erzählt euch der LAOLA1-Flashback:

  • HOT AND NOT

Sebastian Vettel

Fahrerische Klasse ist das eine, taktisches Feingefühl das andere. Sebastian Vettel hatte in Silverstone beides und fuhr deshalb, obwohl er im Ferrari Mercedes und Williams unterlegen war, auf das Podest. "Dank an das britische Wetter. Das kommt sofort auf die Liste von Dingen, die ich an Großbritannien mag", scherzte der Heppenheimer. In der Schlussphase kam es auf die Wetterfühligkeit der Piloten an. Offensichtlich eine von Vettels Stärken. "Ich habe immer geschaut, woher der Regen kommt. In solchen Situationen kann das Team nicht entscheiden. Wenn es in zwei Kurven nass ist und sonst die Sonne scheint, muss der Fahrer eine Ansage machen", erklärte der vierfache Champion. Und diese ging voll auf. Chapeau!

Kimi Räikkönen

Es sah an diesem Wochenende richtig gut aus. Schneller in allen Trainings, schneller im Qualifying - Kimi Räikkönen hatte seinen Teamkollegen im Griff. Im Gegensatz zu Vettel war der Finne aber in der entscheidenden Phase zu ungeduldig. "Ich dachte, der Regen würde konstant weitergehen, aber das ist nicht passiert. Somit war ich vier Runden zu früh beim Stopp. Es war ein Fehler, aber es war eben mal ein Versuch", schilderte der "Iceman" zerknirscht. Jetzt hat ihn in der WM auch noch Bottas überholt, was Räikkönens Zukunft bei Ferrari wohl noch ungewisser machen dürfte.

  • NEWCOMER-CHECK:

Für unsere drei Rookies verlief das Rennen in Silverstone alles andere als nach Wunsch, für alle drei war der Arbeitstag vorzeitig beendet, keiner sah die Zielflagge.

Max Verstappen verabschiedete sich gleich nach dem Restart nach der Safety-Car-Phase in der dritten Runde. "Leider war es für mich ein sehr kurzes Rennen. Ich habe in Kurve 2 plötzlich das Heck verloren. Auch wenn ich mir lediglich den Front-Flügel ein wenig beschädigt habe, konnte ich nicht mehr ins Rennen zurückkehren", so ein zerknirschter Verstappen.

Für Toro-Rosso-Teamkollege Carlos Sainz Jr. lief es zunächst besser, er war auf Top-Ten-Kurs und lag auf Rang neun, als sich sein Bolide in Runde 31 plötzlich von selbst abstellte. "Es lief wirklich gut, doch plötzlich hat sich mein Auto ausgeschaltet und dann war es vorbei. Es ist sehr frustrierend, ein Rennen auf einem derart tollen Kurs wie Silverstone auf diese Art und Weise beenden zu müssen." Nach Sainz' Ausfall gab es von Runde 32 bis 35 zum zweiten Mal (nach Monaco) in dieser Saison eine virtuelle Safety-Car-Phase.

Noch kürzer als Verstappens Ausflug dauerte der von Felipe Nasr: Aufgrund von Getriebeproblemen musste der Sauber-Pilot seinen Boliden nach der Aufwärmphase in der Box stehen lassen. Für den bislang besten Rookie (WM-Rang 11 mit 16 Punkten) war das Rennen beendet, bevor es überhaupt begonnen hatte.

  • TEAMCHECK: Williams - Bottas vs. Massa

Mit einem Blitzstart machten die beiden Williams-Piloten in Silverstone von sich reden. Eine zwischenzeitliche Doppelführung ließ das Team von einem Sieg träumen, doch der Regen und taktische Fehler (Fehlender Mut wird bestraft) ließen letztendlich doch wieder das Mercedes-Duo vom Podest lachen, auch Sebastian Vettel konnte Felipe Massa und Valtteri Bottas noch den beinahe schon sicher geglaubten Podestplatz wegschnappen.

Zunächst ließ man den schnelleren Bottas nicht an Massa vorbeiziehen, um die Doppelführung nicht zu riskieren, dann wartete man, als der Regen einsetzte, zu lange mit dem Reifenwechsel.

"Es ist sehr frustrierend, hier nicht auf dem Podium zu stehen. Eine tolle Strecke und ein tolles Rennen. Das gesamte Team ist enttäuscht. Das Ergebnis heute war positiv, aber es hätte fantastisch sein können", so ein enttäuschter Massa.

Dennoch: Der Pfeil zeigt nach oben, die Ansprüche im Team steigen. "Unsere Fortschritte sind sichtbar und messbar. Wir kommen immer weiter voran. Wir haben noch längst nicht alle Bereiche optimiert, aber gehen sie Schritt für Schritt an. Wir wollen auf Platz zwei in der Meisterschaft. Das ist unser Ziel", sagt Williams-Chefingenieur Rob Smedley.

  • LIEBESGESCHICHTE DES WOCHENENDES: Die Wolffs

Die Beziehung von Toto und Susie Wolff wurde in Silverstone auf eine harte Probe gestellt. Es hat sich zu Beginn nicht abgezeichnet, aber als beide Williams-Piloten am Start an den Silberpfeilen vorbeigingen, war Schluss mit lustig. Der Mercedes-Teamchef und die Williams-Testfahrerin waren Gegner. Das führte zu einer spannenden SMS-Korrespondenz. Als die Silbernen in Runde 14 die Mechaniker kurz für einen Boxenstopp in Position brachten, um das Führungsduo zu verunsichern, fragte Susie ihren Liebsten: "Ihr denkt, ihr könnt uns reinlegen, oder was? Ha ha ha." Toto erklärte später: "Ich glaube, ich muss heute alleine zu Abend essen." Falsch gedacht, lieber Torger Christian. Am Ende siegt die Liebe. In diesem Sinne: Einen fröhlichen Tag des Kusses.

Valtteri Bottas

Felipe Massa

Endplatzierung

5

4

Rückstand auf 1.

+1:03.194

+0:36.839

<span style=\'text-align: -webkit-right;\'>Topspeed Start/Ziel

240,8 km/h (5.)

242,0 km/h (2.)

Schnellste Runde

1:37.513 (5.)

1:37.466 (3.)

Reifenstrategie (Runden)

M (21) - H (23) - I (8)

M (20) - H (24) - I (8)

  • TOPSPEED DER WOCHE: Mercedes knackt den Tausender

Jetzt sind die Silberpfeile endgültig in einer anderen Liga angelangt. Im Qualifying schockte dieses fragwürdige Insert die Konkurrenz. Bewundernswert, dass Hamilton mit Tempo 1025 noch so gut um die Kurve gekommen ist.

  • ZITAT DES WOCHENENDES:

"We have to use pain as a motivating force."

- Ron Dennis. Masochist.

  • HUMOR DES WOCHENENDES: Fernando, alter Scherzbold
McLaren-Honda leidet. Das heißt aber nicht, dass man den Humor verloren hat. Als Fernando Alonso kurzzeitig im 3. Training Erster war, forderte er sein Team auf, ein Foto von der Zeitentafel zu machen. Nach Rennende musste die Crew wieder den Fotoapparat auspacken, denn Alonso hat den ersten Punkt der Saison geholt. "Wir sind jetzt nicht total zufrieden, aber für die Moral im Team ist das wichtig nach Monaten harter Arbeit", meinte der Doppelweltmeister. Platz zehn hat er übrigens schon im Minardi 2001 erreicht. Aber gut, jedes Team muss klein anfangen. Auch wenn es Großes vor hat.
 

Fernando banter

Posted by WTF1 on Saturday, July 4, 2015

  • ZAHLENSPIELEREIEN:

18 - Beim 49. Grand Prix von Großbritannien gab es zum 18. Mal einen Heimsieg. Diesmal durch Lewis Hamilton.

3 - Lewis Hamilton ist neben Jim Clark und Nigel Mansell der einzige Brite, der sein Heimrennen drei Mal gewinnen konnte. Nur Alain Prost (5) hat in Silverstone öfter siegen können.

15 - Hamilton ist der erste Fahrer seit David Coulthard, der in zwei aufeinanderfolgenden Jahren in Silverstone gewinnen kann. Dem Schotten gelang dies 1999 und 2000, also vor 15 Jahren.

18 - Dem aktuellen Champion gehört ein weiterer Rekord ganz alleine. Seit Sonntag ist er jener Fahrer, der die meisten Rennen hintereinander zumindest phasenweise in Führung lag. Nämlich 18.

6 - Zum sechsen Mal im neunten Rennen der Saison bestand das Podium aus den Herren Hamilton, Rosberg und Vettel.

20 - Vettel ist nun schon zum 20. Mal in Folge in die Punkte gefahren. Damit kann er langsam aber sicher Räikkönens Rekord (27) ins Visier nehmen.

13 - Vor so vielen Jahren lag Williams zuletzt in Silverstone in Führung. Erst zum dritten Mal seit 2004 führte man überhaupt ein Rennen an. Wären Massa und Bottas aufs Podium gefahren, wäre das für Williams zum erstan Mal seit 1992 der Fall gewesen.

2 - Bei Force India beginnt es, zu laufen. Im überarbeiteten VJM08s kamen erneut beide Fahrer in den Punkten an. Zum zweiten Mal in Folge und zum dritten Mal in der Saison.

 

Andreas Terler / Henriette Werner

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