Ein besonderes Nachspiel

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Flashback: "Best press conference ever"

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Mercedes ist Konstrukteursweltmeister - Und alle so: Yeah!

Nein, das ist natürlich hochverdient, keine Frage, aber vielleicht gerade deshalb eine ziemlich belanglose Neuigkeit.

Wirklich neu waren in Russland dafür andere Dinge. Die Kopfbedeckungen bei der Siegerehrung zum Beispiel, die Reparaturmaßnahmen auf der Strecke - und der weibliche Besuch bei den drei siegreichen Piloten.

Das war Sotschi.

Der Flashback:

  • HOT AND NOT

 Sergio Perez

Wenn sich zwei (Finnen) streiten, freut sich der Dritte! Sergio Perez holte mit Rang drei in Sotschi nicht nur sein bestes Saisonergebnis, er eroberte mit seinem insgesamt fünften F1-Podium auch den erst dritten Podestplatz für Force India in der Geschichte des Teams. Von Platz sieben gestartet kämpfte sich Perez auf Rang drei nach vorne, ehe er in der vorletzten Runde von Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen überholt wurde. "Da dachte ich, ok, wenn wir das Podium nicht kriegen, nehmen wir halt die Punkte", gab der Mexikaner zu. Der Kampf der beiden Finnen um Rang drei endete in der Schlussrunde aber in einer Kollision, womit Perez den Podestplatz wieder innehatte. "Wenn man sich meine Performance ansieht, ist das einer der besten Momente meiner Karriere. Ich hätte das Podium nie erwartet", freute sich der Dritte.

 

 Kimi Räikkönen

Des einen Freud, des anderen Leid. Während Sergio Perez über Platz drei jubelte, schoben sich Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen nach ihrer Kollision in der letzten Runde gegenseitig die Schuld zu. "Ich denke nicht, dass es ein Rennunfall war. Ich war vorne und dann hat er mich gerammt", kritisierte Bottas das etwas optimistische Manöver seines Landsmanns. "Das ist Teil des Rennsports, solche Dinge passieren. Ich würde nicht sagen, dass ich etwas total Dummes versucht habe", fiel Räikkönens Sichtweise naturgemäß anders aus. Die Stewards schlugen sich auf die Seite von Bottas und brummten dem "Iceman" eine 30-Sekunden-Strafe auf. Dadurch fiel er vom fünften auf den achten Platz zurück und bescherte Konkurrent Mercedes frühzeitig den Titel in der Konstrukteurs-WM.

  • NEWCOMER-CHECK:

Ein besonders turbulentes Wochenende in Russland hat Carlos Sainz Jr. hinter sich. Der Toro-Rosso-Pilot sorgte mit seinem schweren Crash im dritten freien Training am Samstag für eine Schrecksekunde. Zur Verwunderung aller stand der Spanier nach seinem heftigen Einschlag in die Streckenbegrenzung und anschließendem Krankenhausaufenthalt in der Startaufstellung. Von Zurückhaltung war beim 21-Jährigen aber keine Spur, er kämpfte sich vom Ende des Feldes bis auf Rang sieben nach vorne, ehe ihn ein Bremsdefekt in Runde 47 zum Aufgeben zwang. "Was für eine enttäuschende Art, ein so gutes Rennen so zu beenden. Aber ich bin froh, nach dem Unfall gestern überhaupt gefahren zu sein", sagte Sainz.

Bei Toro-Rosso-Teamkollege Max Verstappen überwog nach dem Rennen ebenfalls die Enttäuschung. Der Niederländer, seit 30. September volljährig und im Besitz eines Führerscheins, musste bereits früh in die Box, nachdem sein Hinterrad und Heck bei der Kollision von Niko Hülkenberg und Marcus Ericsson beschädigt wurden. Danach kämpfte sich der Rookie vom hinteren Teil des Feldes nach vorne, verpasste als Elfter die Punkte aber knapp. Am Ende durfte sich Verstappen dennoch über einen Punkt freuen, er profitierte von der nachträglichen Fünf-Sekunden-Strafe Alonsos.

Die beste Performance der drei Rookies lieferte Felipe Nasr ab. Nach einem soliden Qualifying mit Startplatz zwölf machte der Brasilianer gleich zu Beginn des Rennens einige Plätze gut und zog sich durch einen sehr langen ersten Stint, der von diversen Zwischenfällen geprägt war, gut aus der Affäre. Durch die Strafe von Kimi Räikkönen rückte er letztlich sogar noch auf Rang sechs nach vorne und fuhr nach Platz fünf in Australien sein zweitbestes Saison-Ergebnis ein.

  • TEAMCHECK: McLaren
Sein 250. Grad Prix endete für Fernando Alonso mit einer Enttäuschung. Bereits im Qualifying zog er gegen Teamkollege Jenson Button den Kürzeren (Qualifying-Duell Button - Alonso 6:8), danach kassierte der Spanier wegen des Wechsels diverser Motorteile insgesamt 35 Plätze Strafversetzung. Im Rennen schien sich das Blatt zu wenden, beide Piloten fuhren dank zahlreicher Ausfälle in die Punkteränge. Die Freude währte jedoch nicht lange - zumindest bei Fernando Alonso. Der Jubilar fasste wegen Nicht-Einhaltung der Streckenbegrenzungen eine Fünf-Sekunden-Strafe aus, die ihn von Platz zehn auf elf zurückwarf. "Beide Autos sind in die Punkte gefahren, auf einer Strecke, auf der wir nicht viel erwartet hatten. Das ist eine tolle Überraschung. Es ist schade, dass wir das Resultat nach dem Rennen verloren haben", sagte Alonso. Button durfte seine zwei Punkte für Rang neun zwar behalten, überschwängliche Freude löste das beim Briten aber nicht aus. "Wir haben keinen massiven Fortschritt gemacht, was die Performance des Autos angeht", analysierte er trocken.

  • ÜBERRASCHUNG DER WOCHE: "Best press conference ever"

Formel-1-Fahrer geben ja bisweilen wenig Preis. Sie sind stets bemüht, emotionslos ihrem Team zu danken und Verbesserungspotenzial zu orten. Noch schwieriger wurde es am Sonntag bei der Pressekonferenz der Top-3. Wo sich sonst eigentlich Journalisten aufhalten sollten - diesmal waren es ziemlich wenige - waren plötzlich jede Menge Grid Girls im Raum. Die Benzinbrüder Hamilton, Vettel und Perez waren da natürlich nicht mehr ganz bei der Sache.

"Moment...du hast mir gerade gesagt, dass du auf die Mädels wartest und sie ins Radisson Hotel, Zimmernummer 708 kommen sollen!", verwirrte Vettel den neben ihm sitzenden Rennsieger.

Für Perez, der ohnehin erst zum dritten Mal am Podium stand, eine noch ungewöhnlichere Situation. "Zunächst einmal sind wir glücklich, mit solch hübschen Girls hier zu sein", lautete seine erste Antwort auf die Frage nach dem Renngeschehen.

Hamilton fasste schließlich zusammen: "Beste Pressekonferenz aller Zeiten!"

Was danach passierte, ist nicht überliefert...

Das ganze Transkript der PK gibt es HIER.

Fernando Alonso Jenson Button
Endplatzierung 11 9
Rückstand auf 1. +1:31.210 +1:19.467
Topspeed Start/Ziel 310,5 km/h (13.) 303,9 km/h (17.)
Schnellste Runde 1:43.265 (15.) 1:43.068 (13.)
Reifenstrategie (Runden) Soft (13), Super soft (40) Super soft (12), Soft (41)

  • BILD DER WOCHE: Hut ab, Pirelli

Ob Vettel weiß, wie man in Österreich zu dieser Kopfbedeckung sagt?

  • REPARATUR DER WOCHE: S'wird scho halten

Die Formel 1. Die Zukunft des Automobils. Modernste Technik trifft Spitzensport. Hochkomplex, höchste Sicherheit garantiert. Möchte man meinen. In Russland war das dann doch nicht ganz so. Nach dem heftigen Einschlag von Romain Grosjean rückten die Streckenposten aus, um die Unfallstelle zu reparieren. Mit Gaffa-Tape. Ja, richtig. Der Baumarkt-Bestseller war gerade gut genug für die hochtechnisierte Königsklasse. Doppelt und dreifach. Formel 1 - Willkommen in der Zukunft.

  • HELD DES WOCHENENDES: Ein junger Russe

Streckenposten sind nicht nur hervorragende Handwerker (siehe oben), sondern auch oft mit sehr viel Mut ausgestattet. Sebastian Vettel hat das aus nächster Nähe miterleben "dürfen", als ein junger Russe einfach nur ein abgebrochenes Teil wegräumen wollte und der Deutsche ihn dabei fast über den Haufen fuhr.

ZAHLENSPIELEREIEN:

42 - Lewis Hamilton überholte mit seinem 42. Karriere-Erfolg sein Idol Ayrton Senna in der Bestenliste und zieht mit Sebastian Vettel auf Rang drei gleich.

8 - So viel Punkte kassierte Felipe Nasr für seinen sechsten Platz. Sauber holte in Russland damit - trotz des Ausfalls von Marcus Ericsson - mehr Punkte, als in den letzten acht Rennen zusammen.

283 - Fernando Alonso absolvierte in Sotschi seinen 250. Grand Prix. Nur ein aktiver Pilot hat mehr Starts als der Spanier. Teamkollege Jenson Button absolvierte am Sonntag sein 283. Rennen.

11 - Sebastian Vettel stand in Sotschi zum elften Mal in diesem Jahr am Podest und damit öfter als in zwei seiner vier Weltmeister-Saisonen. 2010 und 2012 schaffte er es "nur" zehn Mal aufs Treppchen.

7 - Pastor Maldonado stellte mit dem siebenten Rang sein bestes Saisonergebnis ein. Beim GP von Kanada und in Spielberg fuhr er dieselbe Platzierung ein. 

31 - Sergio Perez sorgte mit seinem dritten Platz für seinen  - und Force Indias - ersten Podestplatz seit 31 Rennen. Der Mexikaner punktete damit im vierten der letzten fünf Rennen.

3 - Toro-Rosso-Youngster Max Verstappen schaffte es nach Singapur und Japan zum dritten Mal hintereinander  - und zum siebenten Mal insgesamt - in die Punkteränge.

1 - Lewis Hamilton könnte der erste Britische Formel-1-Fahrer werden, der zwei Mal hintereinander Weltmeister wird. Will er schon in Austin alles klar machen, muss er dort neun Punkte mehr als Vettel und zwei Punkte mehr als Rosberg einheimsen.

 

Andreas Terler/Daniela Kulovits

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