Flashback: "Das Beste, das ich je gesehen habe"

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Arriba! Arriba! Ándale! Ándale! - Auf! Auf! Los! Los!

Ähnlich wie Speedy Gonzales, der schnellsten Maus von Mexiko, flitzte auch Nico Rosberg durch die Kurven auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez und schlug nach seinem rennentscheidenden Patzer in Austin zurück.

Warum sich der Deutsche nach dem Rennen wie ein Rockstar fühlte, welche ungewöhnliche Maßnahme Red Bull auf der Suche nach einem Motorenpartner ergriff, warum die Fans besonders HOT waren und warum das Mexiko-Comeback für Niki Lauda "das Beste, das ich je im Leben gesehen habe" war, erfahrt ihr im Flashback: 

 

  • HOT AND NOT

Stimmung und Strecke

Nach 23 Jahren war die Formel 1 endlich wieder in Mexiko zu Gast und die Begeisterung kannte keine Grenzen. Insgesamt 134.850 Zuschauer jubelten den Fahrern und vor allem ihrem Liebling im Force India, Lokalmatador Sergio Perez, zu. Für den Mexikaner war es naturgemäß das Rennen des Jahres, am Ende reichte es zu Rang acht und das, obwohl er als einziger Fahrer eine Ein-Stopp-Strategie absolviert hatte und das Rennen auf total abgefahrenen Reifen zu Ende fahren musste. Auch die Strecke konnte insbesondere mit der spektakulären Durchfahrt eines Baseball-Stadions punkten. "Es ist wunderbar hier zu sein, ich habe so etwas noch nicht erlebt, es fühlt sich an wie ein Fußball-Spiel", schwärmte Weltmeister Hamilton nach dem Rennen. Niki Lauda ließ sich gar dazu hinreißen, zu sagen: "Das ist das Beste, das ich je im Leben gesehen habe - was die Organisation angeht und wie die Fans mitgegangen sind". Sieger Rosberg stimmte den Jubelchor ein: "Ich habe mich auf dem Podium wie ein Rockstar gefühlt. Warum das in Deutschland nicht so ist, weiß ich nicht." 

 

Ferrari

Kollision, Reifenschaden, Dreher, Crash – für Sebastian Vettel verlief das Rennen in Mexiko alles andere als optimal. "Es war heute der Wurm drinnen", sagte der Deutsche nach seinem ersten Ausfall seit Spielberg 2014. Auch Teamkollege Kimi Räikkönen blieb ohne Punkte. Der Finne legte sich wie in Sotschi mit Landsmann Valtteri Bottas an und musste seinen Boliden frühzeitig abstellen. Für die Scuderia war Mexiko also keine Reise wert. Das erste Mal seit Australien 2006 sahen beide Ferraris nicht das Ziel. Dem nicht genug fiel Vettel in der WM wieder hinter Sieger Rosberg auf Rang drei zurück, Räikkönen wurde von Valtteri Bottas auf Platz fünf verdrängt. 

  • NEWCOMER-CHECK:

Für Max Verstappen begann das Wochenende in Mexiko vielversprechend. Als jüngster Pilot in der Geschichte erzielte der 18-Jährige am Freitag eine Trainingsbeszeit. Die Bestmarke im ersten freien Training hatte jedoch einen Schönheitsfehler: Verstappen kürzte nach einem Verbremser eine Kurve ab. Nahezu fehlerfrei verlief für den Niederländer hingegen das Rennen. Von Startplatz acht kämpfte er sich dank eines guten Starts auf Rang sechs nach vorne, am Ende gab es nach Problemen mit dem Temperaturmanagement Platz neun. Verstappen punktete damit zum fünften Mal in Folge und etablierte sich in den Punkterängen.

Toro-Rosso-Teamkollege Carlos Sainz startete ähnlich gut wie Verstappen und schob sich vom elften auf den sieben Platz nach vorne. Nach dem Reifenwechsel in der Safety-Car-Phase verlor der 21-Jährige im letzten Stint aber aber viel Zeit und verpasste als Elfter die Punkteränge nur knapp. "Es ist schade, denn wir waren eigentlich recht schnell und konnten Konkurrenten wie Force India überholen", sagte Sainz.

Felipe Nasr und Sauber kämpften Mexiko mit Bremsproblemen. Der Brasilianer musste seinen Boliden in Runde 59 abstellen und hatte seinen dritten Saisonausfall zu beklagen. "Es war ein hartes Rennen. Ich gab mein Bestes in punkto Bremsen-Management, konnte aber den Ausfall nicht verhindern", erklärte der 23-Jährige.

"Ich kann schneller fahren als er", funkte Alexander Rossi und überholte kurz darauf seinen Teamkollegen Will Stevens. Der US-Amerikaner hielt den Briten in seinem vierten Rennen für Manor-Marussia erneut in Schach und beendete den Grand Prix einen Platz vor Stevens auf Rang 15.

  • TEAMCHECK: RED BULL RACING
Knapp daneben ist auch vorbei: Lange Zeit sah Daniil Kvyat wie der sichere Dritte aus, doch das Safety Car machte dem Russen einen Strich durch die Rechnung. Beim Re-Start schob sich Valtteri Bottas vor das Red-Bull-Duo, das so mit den Rängen vier und fünf den vierten Podestplatz der Saison verpasste. "Vielleicht hätten wir nicht beide dieselbe Strategie fahren sollen", zeigte sich Ricciardo kritisch, aber Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko betonte: "Das Safety Car hat uns das Podium genommen, aber alles in allem sind wir zufrieden. Wir haben alles richtig gemacht, Kvyat ist ein sensationelles Rennen gefahren." So sensationell, dass er - ebenso wie Ricciardo - sein Cockpit für 2016 wohl sicher hat. Vorausgesetzt, der Rennstall findet einen Motoren-Lieferanten. "Ricciardos Vertrag ist fixiert und bei Kvyat haben wir alle Optionen auf unserer Seite", verriet Teamchef Christian Horner.

  • ANNONCE DER WOCHE: Einsamer RB12 sucht
Red Bull Racing nimmt die bisher erfolglose Suche nach einem Motorenpartner mit Galgenhumor. Der Rennstall postet auf Twitter eine virtuelle Zeitungsannonce. "Einsamer RB12 hat dem richtigen Partner (oder irgendeinem anderen) einiges zu bieten. Interessiert an diversen Auswärtswochenenden. Energiegeladener Nichtraucher bevorzugt." Ob die Annonce den gewünschten Erfolg gebracht hat, ist noch nicht bekannt. Die von Dietrich Mateschitz ausgegebene Deadline, bis zu der ein neuer Motorenlieferant für die Saison 2016 gefunden werden musste, endete jedenfalls am Samstag. Zur Not bliebe noch ein Auftritt bei "Liebesg’schichten und Heiratssachen"…

Daniil Kvyat Daniel Ricciardo
Endplatzierung 4 5
Rückstand auf 1. +0:16.572 +0:19.682
Topspeed Start/Ziel 250,8 km/h (12.) 251,8 km/h (11.)
Schnellste Runde 1:21.549 (3.) 1:21.625 (5.)
Reifenstrategie (Runden) Soft (21), Medium (31), Soft (19) Soft (24), Medium (28), Soft (19)

  • SHOWEINLAGE DER WOCHE: Multitalent Hamilton

Dass Weltmeister Lewis Hamilton sein Metier als Rennfahrer beherrscht, wissen wir nicht erst seit seinem dritten WM-Titel. An diesem Wochenende zeigte der Brite auch außerhalb der Rennstrecke auf – und zwar bei einer Wrestling-Show. Zunächst waren lediglich ein paar ganz einfache Moves geplant, doch das war dem Draufgänger nicht genug. "Ich wollte es richtig machen", erklärte der Mercedes-Star. "Hoffentlich wart ihr von meinen Wrestling-Aktionen beeindruckt." Hier könnt ihr euch selbst davon überzeugen, ob Hamilton auch im Wrestling weltmeisterlich ist:

  • SPRUCH DER WOCHE: SEBASTIAN VETTEL

"I did a shit job today." - "Ich habe heute einen Scheiß-Job gemacht", funkte der Deutsche nach seinem Ausfall zerknirscht.

  • MEXIKANER DER WOCHE: ROSCOE

  • DEJA-VU DER WOCHE: Sotschi 2.0

Runde 22: Valtteri Bottas versuchte sich in Kurve fünf an Kimi Räikkönen vorbeizuquetschen, die Lücke war aber zu eng und es knallte. Kommt dir bekannt vor? It’s Räikkönen and Bottas again… Zwischen den beiden Finnen, die schon beim GP von Russland vor drei Wochen aneinandergerieten, krachte es in Mexiko erneut. Während Räikkönen in Sotschi mit einer nachträglichen Zeitstrafe zum Schuldigen erklärt wurde, bewerteten die Stewards die Aktion in Mexiko als Rennunfall. Das schlechtere Ende hatte abermals der Ferrari-Pilot: Er schied aus, während Bottas das Rennen auf Rang drei beendete und den „Iceman“ damit in der WM überholte. Schäme sich, wer jetzt an eine Retourkutsche des Williams-Piloten denkt…

ZAHLENSPIELEREIEN:

1 - Zum erstem Mal in seiner Karriere gelang Rosberg das Triple aus Sieg, Pole und schnellste Rennrunde

2 - Mal schaffte es Bottas heuer aufs Podest, ebenso oft fiel Vettel aus.

10 - Mercedes-Doppelsiege erlebte die Königsklasse in Mexiko. Zum vierten Mal hatte Rosberg die Nase gegenüber Hamilton vorne.

20 - Mal war Nico Rosberg in seiner Karriere im Qualifying der Schnellste, damit sichert sich der Deutsche einen wenig schmeichelhaften Titel: Er ist der Pilot mit den meisten Poles, der nicht Weltmeister geworden ist.

183 - Rennen ist es her, dass keiner der beiden Ferraris das Ziel sah. Zum letzten Mal war das vor neun Jahren beim GP von Australien der Fall.

3 - Die Scuderia ist in Mexiko generell nicht vom Glück verfolgt, bereits zum dritten Mal gab es auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez eine Doppelnull für die Italiener.

9 - Max Verstappen fuhr mit Platz 9 zum 9. Mal in dieser Saison in die Punkte.

2 - Mit seinem achten Platz gelang es Sergio Perez als erst zweitem Mexikaner nach Pedro Rodriguez (1970) bei seinem Heimrennen in die Punkte zu fahren.

5 - Perez und Nico Hülkenberg (7) sorgten zum fünften Mal in dieser Saison für doppelte Punkte. Force India punktete damit in sechs der letzten sieben Rennen.

366,4 - Pastor Maldonado verpasste als Elfter das Podest um lediglich 0,6 Sekunden, dafür durfte sich der Lotus-Pilot über Platz 1 beim Topspeed freuen. Mit sagenhaften 366,4 km/h stellte er einen Geschwindigkeitsrekord in dieser Saison auf. 


Daniela Kulovits / Henriette Werner

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