Irres Japan

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Flashback: Irres Japan

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Japan. Land der aufgehenden Sonne und der untergehenden Honda-Boliden.

Mit Autos, so dominant, dass man sie gar nicht zeigen will.

Fans, die sich Heckspoiler auf den Schädel und Frontspoiler auf die Nase kleben.

Einem Fahrer, der so zuverlässig Fehler macht, dass man gar nicht glauben kann, dass er es diesmal nicht war.

Und einem Deutschen, der einfach nur witzig sein wollte.

Konichiwa, Flashback.

  • HOT AND NOT

 Nico Hülkenberg

Die Ausgangssituation vor dem Grand Prix in Japan war für Nico Hülkenberg alles andere als gut. Aufgrund seiner Kollision mit Felipe Massa in Singapur wurde der Deutsche in der Startaufstellung um drei Plätze zurückgereiht und nahm das Rennen von Platz 13 aus in Angriff. Gleich am Start machte der 28-Jährige aufgrund von Zwischenfällen vor ihm einige Plätze gut und schob sich schlussendlich bis auf Rang sechs nach vor. Damit stellte er sein bestes Saisonresultat ein und sorgte für das beste Ergebnis von Force India in Japan überhaupt. "Es war nahe am perfekten Rennen dran", war Hülkenberg mehr als zufrieden.

 Red Bull Racing

Red Bull Racing erlebte in Suzuka ein rabenschwarzes Wochenende. Nach guten Ergebnissen in den Trainings folgte der Schock nach dem schweren Crash von Kvyat im Qualifying. Der Russe, der zum Glück unverletzt blieb, musste aufgrund eines Chassis-Wechsels aus der Box starten, Daniel Ricciardo kam nicht über Startplatz sieben hinaus. Im Rennen lief es nicht viel besser: Der Australier schlitzte sich in der ersten Kurve den Reifen auf und beschädigte sich den Unterboden. Ricciardo beendet den GP auf Rang 15, Kvyat wurde 13. Damit stand zum ersten Mal seit 2006 kein Red-Bull-Pilot in Japan auf dem Podium, zudem blieb das Team erstmals in dieser Saison ohne Punkte.

  • NEWCOMER-CHECK:

Eine erfolgreiche Bilanz konnte Toro Rosso nach dem Rennen in Suzuka ziehen, beide Autos fuhren in die Punkte. Max Verstappen landete nach Rang acht in Singapur in Japan auf dem neunten Platz und platzierte sich damit in seiner ersten Formel-1-Saison bereits zum sechsten Mal in den Punkterängen. Der von Platz 17 aus gestartete Niederländer pflügte in bekannter Manier durchs Feld und überholte dabei unter anderem Fernando Alonso außen in Kurve eins in beeindruckender Art und Weise.

Auch Carlos Sainz Jr. wurde von seinem Teamkollegen Verstappen überholt, holte am Ende mit Rang zehn aber dennoch ein Pünktchen. Für den 21-Jährigen wäre aber durchaus mehr drin gewesen, wäre da nicht das Malheur beim zweiten Boxenstopp passiert. Sainz traf die Einfahrt in die Boxengasse nicht richtig und riss den aufgestellten Poller mit, wodurch er sich den Frontflügel beschädigte. "Bis zu meinem Fehler am Boxeneingang war es ein sehr gutes Rennen, ich würde sogar sagen, mein bestes Rennen des Jahres", zog der Spanier Bilanz.

Ein enttäuschendes Wochenende hat Felipe Nasr hinter sich. Nach Platz zehn in der Vorwoche musste der Sauber-Pilot seinen Boliden in Japan nach einigen guten Überholmanövern in der 49. Runde in der Box abstellen. "Plötzlich fühlte sich das Auto nicht mehr gut an. Deshalb entschieden wir knapp vor Schluss, in die Box zu fahren und das Rennen zu beenden", erklärte der enttäuschte Brasilianer.

An einer der spektakulärsten Szenen des Rennens war Alexander Rossi in seinem erst zweiten Rennen für Manor-Marussia beteiligt. Teamkollege Will Stevens legte in Runde 42 bei hohem Tempo einen Dreher hin, der direkt dahinter fahrende 23-jährige US-Amerikaner konnte nur hauchdünn einen Crash verhindern. Rossi fuhr an Stevens vorbei und beendete den Grand Prix als 18., womit er wie schon in Singapur bei seinem Debüt das teaminterne Duell für sich entschied.

  • TEAMCHECK: Lotus
Trotz der kritischen finanziellen Situation des Teams - man schuldet dem britischen Staat Steuern und Sozialabgaben - gab es bei Lotus in Japan dennoch Grund zum Feiern. Mit den Plätzen sieben (Grosjean) und acht (Maldonado) fuhr man das beste Teamresultat seit dem GP von Indien im Jahr 2013 ein. "Es war ein gutes Rennen für uns und wir haben das glückliche Ergebnis verdient", sagte Maldonado. Teamkollege Grosjean war hingegen nicht ganz zufrieden. "Wir haben versucht, gegen Nico Hülkenberg zu kämpfen, aber wir konnten es nicht. Ich hatte am Ende wirklich mit den Reifen zu kämpfen", haderte der Franzose. "Es scheint so, als ob uns die neuen Vorgaben von Pirelli mehr wehtun als unseren Rivalen. Wir müssen für das nächste Rennen daran arbeiten." Vor dem nächsten Grand Prix steht allerdings am Dienstag erst einmal ein Gerichtstermin an, bei dem sich die Zukunft des Teams entscheiden soll.

  • VORURTEIL DER WOCHE: Alle gegen Pastor

Das war ein klassischer Fall von Macht der Gewohnheit. Start zum Grand Prix von Japan, das Feld kommt gut weg - plötzlich schießt einer über die Strecke ins Kiesbett. Nicht schon wieder er! Nicht nur ein TV-Kommentator war sich sofort sicher: Pastor Maldonado hat sich einmal mehr ausgezeichnet. Aber Moment! Es ist ein Force India. Tja: Ist der Ruf erst ruiniert...

 

BBC commentator just assumed it was Maldonado who went off at turn one

Posted by WTF1 on Sunday, September 27, 2015

Romain Grosjean Pastor Maldonado
Endplatzierung 7 8
Rückstand auf 1. +1:12.298 +1:13.575
Topspeed Start/Ziel 268,5 km/h (1.) 265,2 km/h (9.)
Schnellste Runde 1:38.167 (6.) 1:38.136 (5.)
Reifenstrategie (Runden) Medium (11), Medium (22), Hard (20) Medium (12), Medium (24), Hard (17)

  • WITZ DER WOCHE: Gehen zwei Deutsche zur Pressekonferenz...

Vielleicht ist ja der Schampus am Podium wieder sehr schnell eingeschossen. Jedenfalls war Sebastian Vettel bei der Pressekonferenz nach dem Rennen richtig gut drauf. So gut, dass er in seinem Überschwang zu sticheln begann. Nico Rosberg erzählte gerade davon, keine Probleme mit dem Reifendruck zu haben, als Vettel unterbricht: "Warst du wieder drunter?" Stoisches Grinsen bei Rosberg. "Ich mache einen Spaß! Du kannst darüber lachen, es war nur ein Witz!" Lewis Hamilton hat gar nicht zugehört. Auch ein Lachanfall unter den Journalisten blieb aus. Macht nichts, Seb. Immer noch besser als die üblichen "Danke ans Team"-Stehsätze.

  • IGNORANZ DER WOCHE: Regie: Bernie Ecclestone

"Ich war mir gar nicht sicher wie das Rennen ausgegangen ist, weil ich unsere Autos nie gesehen habe", scherzte Toto Wolff im bei "SkySportsF1". Es war wirklich bizarr. Das ganze Wochenende über wurde seitens der FOM, die für die Produktion der TV-Bilder verantwortlich ist, Mercedes weitestgehend ignoriert. Am Samstag war die Pole-Runde von Rosberg nicht zu sehen, am Sonntag wurde es noch deutlicher. Dafür widmete man sich ausführlich den Duellen im Mittelfeld. Zufall? Mit Sicherheit nicht. "Am Ende gibt einer die endgültigen Regieanweisungen - und das ist Bernie Ecclestone", meint Experte Christian Danner bei "motorsport-magazin.com". Weil Mercedes sich weigert, Motoren an Red Bull zu liefern, dürfte Ecclestone die TV- und somit Sponsoren-Präsenz von Mercedes minimiert haben. Als Force India in Bahrain Zahlungsrückstände hatte, wurden sie ebenfalls nicht bzw. kaum gezeigt. Die Silberpfeile fordern nun Antworten. Eine Schlussfolgerung lässt sich jetzt schon ziehen: Dieser Sport ist manchmal wirklich lächerlich.

ZAHLENSPIELEREIEN:

3 - Lewis Hamilton hat den Grand Prix von Japan nun zum dritten Mal gewonnen, allerdings erst zum zweiten Mal in Suzuka. Den ersten Sieg hat er in Fuji 2007 gefeiert.

8 - Es war der achte Rennsieg für Hamilton in diesem Jahr. Damit fehlen ihm noch drei, um seinen Vorjahreswert von elf Saisonsiegen einzustellen.

48 - Der Brite hat nun einen dicken WM-Punkte-Polster von 48 Zählern auf seinen Teamkollegen Nico Rosberg. Seit Einführung des aktuellen Punktereglements 2010 hat kein Fahrer in den letzten fünf Rennen einen größeren Rückstand als 24 Punkte aufholen können.

6 - Rosberg, der ewige Zweite. Für den Deutschen war es heuer sein sechster zweiter Platz. In den vergangenen zwei Jahren war er nun 16 Mal der erste Verlierer - wie manche diesen Platz nennen. 1033 seiner 9697 gedrehten Rennrunden hat er auf der zweiten Position verbracht. Auf keiner anderen war er öfter zu finden.

289 - So einzementiert ist die Hackordnung in diesem Jahr: Sebastian Vettel war in dieser Saison 289 Runden lang auf Platz drei. Auf keinem anderen Platz länger.

7 - Vettel und Suzuka - das passt! In jedem Rennen auf dieser Strecke stand der Heppenheimer am Podest. Nur noch zwei Stockerlplätze fehlen ihm auf den Rekord von Michael Schumacher.

6 - Nico Hülkenberg hat sein bestes Saisonresultat mit Platz sechs eingestellt und liegt in der WM noch einen Punkt hinter seinem Teamkollegen Sergio Perez.

2 - Das Lotus-Duo Grosjean-Maldonado kam zum zweiten Mal in der Saison in die Punkteränge.

4 - Zu guter Letzt: Vier Jahre ist es her (GP von Europa 2011), dass zuletzt alle Fahrer in einem Grand Prix im Klassement standen. Felipe Nasr sah zwar nicht die karierte Flagge, absolvierte aber 90 Prozent des Rennens, weshalb er offiziell als 20. geführt wird.

 

Andreas Terler/Daniela Kulovits

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