Flashback: Check Your Pressure

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Es war ein Wochenende der Musik.

Am Anfang war die neue Haarpracht von Lewis Hamilton - "Er wollte blond, wie eine Semmel sein. Blond, blonder als der Sonnenschein."

Dann ließ Max Verstappens Toro Rosso die Hüllen fallen. - Jö schau, so a Sau, Jössas na. Wos macht a Nackerter auf der Parabolica?"

Und schließlich war da ein fehlerhafter Reifendruck bei Mercedes und die große Aufregung danach. - "Pressure pushing down on me, Pressing down on you no man ask for."

Dazu erlaubte sich Michelin einen musicalreifen Seitenhieb auf Pirelli (siehe unten) und Musik wurde Hamilton vor dem Rennen zum Verhängnis (siehe noch weiter unten).

Tre, due, uno - Flashback:

  • HOT AND NOT

 Lewis Hamilton

Abgesehen von der Zitterpartie rund um den Reifendruck war der 40. Karriere-Erfolg von Lewis Hamilton ein souveräner. Der Weltmeister dominierte das Rennen vom Start bis ins Ziel, zudem gelang dem Briten erst zum zweiten Mal in seiner Formel-1-Laufbahn der Grand Slam. Der WM-Führende gewann in Monza jedes Training, holte sich die Pole Position und den Rennsieg und führte jede Runde des GP von Italien an. Ein perfektes Wochenende für Hamilton, der durch den Ausfall von Teamkollege Rosberg seine Führung in der WM obendrein auf 53 Punkte ausbauen konnte.

 

Lotus

"Der Motorsport hat uns seine grausame Seite gezeigt und uns mitten ins Gesicht geschlagen." Aus Lotus-Vize-Teamchef Federico Gastaldi sprach nach dem Rennen in Monza die pure Verzweiflung. Nach Melbourne und Silverstone schieden Pastor Maldonado und Romain Grosjean bereits zum dritten Mal in diesem Jahr gleich in der ersten Runde aus. Grosjean fiel einer übermütigen Aktion von Felipe Nasr zum Opfer, Maldonado zerstörte sich bei einer Berührung mit Hülkenberg die Vorderradaufhängung. Für den Venezolaner war es bereits der achte Ausfall im zwölften Saison-Rennen. "Es sind noch immer sieben Rennen zu fahren, wir haben also Zeit, das wiedergutzumachen", sagte Maldonado. Vorausgesetzt, sie kommen heil durch die erste Runde...

  • NEWCOMER-CHECK:

Nachdem Max Verstappen zuletzt zweimal hintereinander Punkte einfahren konnte, ging der Toro-Rosso-Pilot in Monza wieder leer aus. Nach einem Motorwechsel als Letzter ins Rennen gegangen, handelte sich Verstappen eine zusätzliche Durchfahrtsstrafe ein. Der Rookie zeigte in Folge aber ein beherztes Rennen und kämpfte sich nach spektakulären Überholmanövern gegen Button und Nasr zumindest auf Rang zwölf nach vorne.

Ähnlich chaotisch verlief das Rennen für Verstappens Toro-Rosso-Kollegen Carlos Sainz Jr. Der Spanier war von Startplatz 17 ins Rennen gegangen und fasste wegen Verlassens der Strecke eine Fünf-Sekunden-Strafe aus. Am Ende klassierte er sich einen Platz vor Verstappen auf Rang elf. "Immerhin bin ich nach vier Ausfällen in Folge mal wieder ins Ziel gekommen", zog Sainz dennoch eine positive Bilanz.

Auf Sainz und Verstappen folgte im Endklassement Felipe Nasr auf Rang 13. Der dritte Rookie im Bunde legte einen guten Start hin und kämpfte sich in die Top Ten nach vor, handelte sich in der ersten Schikane aber einen Reifenschaden ein. "Von dem Moment an war mein Rennen gelaufen", sagte der Brasilianer, der einmal mehr gegen Teamkollege Marcus Ericsson (9.) den Kürzeren zog.

  • TEAMCHECK: Force India

Force India lieferte in Italien ein weitgehend unspektakuläres Rennen ab. Ohne grobe Zwischenfälle belegten Sergio Perez und Nico Hülkenberg die Plätze sechs und sieben. "Ich bin sehr zufrieden mit unserer Performance über das gesamte Wochenende. Ich hatte eine starke Pace von Beginn des Rennens bis zum Ende", freute sich Perez. Hülkenberg hingegen haderte mit der Leistung des Autos. "Der siebte Platz bringt wichtige Punkte, aber ich habe das Rennen ein bisschen frustriert beendet, denn wir hatten nicht die Pace, die möglich gewesen wäre", so der Deutsche.

Betrachtet man die Trainingsergebnisse vom Freitag, wäre für das Duo zweifelsfrei mehr möglich gewesen. Nach den guten Leistungen zu Beginn des Wochenendes wurde man bei Force India aber übermütig und baute neue Teile ins Auto, die letztlich aber die Balance negativ beeinflussten. Im Qualifying am Samstag versaute zudem ein peinlicher Fauxpas Hülkenberg das Q3. Ihm war auf dem Weg in die Box schlichtweg das Benzin ausgegangen, woraufhin das Getriebe zwischen zwei Gängen hängen blieb. Dennoch: Am Ende reiste Force India mit 14 Punkten und WM-Platz fünf aus bella Italia ab.

Sergio Perez Nico Hülkenberg
Endplatzierung 6 7
Rückstand auf 1. +1:12,783 +1 Runde
Topspeed Start/Ziel 314,4 km/h (9.) 311,5 km/h (14.)
Schnellste Runde 1:28,140 (10.) 1:28,913(14.)
Reifenstrategie (Runden) S (23) - M (30) S (18) - M (34)

STRIPTEASE DES WOCHENENDES: Toro Rosso lässt die Hüllen fallen

Es war ein bezeichnenedes Bild für die aktuelle Situation bei Red Bull Racing respektive Toro Rosso: Aufgrund andauernder Motoren-Probleme musste die Crew des Juniorteams den Antrieb bei Max Verstappen vor Ablauf von Q1 noch einmal wechseln. Das gelang in kurzer Zeit überraschend schnell, allerdings ging es sich nicht mehr aus, die Verkleidung ordnungsgemäß zu befestigen. Wenige Meter nach der Boxenausfahrt verabschiedeten sich mehrere Teile am Heck und die Fans bekamen einen seltenen Einblick in ein F1-Auto. Die Mühe war letztlich umsonst. Verstappen kam auf keine gezeitete Runde und musste ohnehin noch 20 Startplätze zurück. Vielleicht waren diese und andere Szenen bzw. Strafen letztlich dafür verantwortlich, dass die Ehe zwischen Renault und Red Bull nun tatsächlich vorzeitig geschieden wird.

SEITENHIEB DES WOCHENENDES: Michelin verhöhnt Pirelli

Hohn und Spott war der Formel 1 nach diesem Rennsonntag sicher. Über zwei Stunden nachdem für Lewis Hamilton die karierte Flagge geschwenkt wurde, stand erst ein offizielles Ergebnis fest. Schuld daran: Schlechte Kommunikation zwischen der FIA und Reifenhersteller Pirelli aufgrund eines offensichtlich wieder einmal unpräzise formulierten Regulativs. Wie die Hyänen lauerten anscheinend die Social-Media-Beauftragten von Michelin auf erneute Probleme mit den aktuellen Pneus. Es ist ja kein Geheimnis, dass die Franzosen wieder die Königsklasse beliefern wollen. Jedenfalls twitterte Michelin eine hochamüsante Parodie auf den Queen-Klassiker "Under Pressure" mit dem Titel: "Check Your Pressure". Darin zu sehen sind tanzende KFZ-Mechaniker, die sich in Reifenstapeln, mit Messgeräten oder auf Hebebühnen rekeln. Prädikat: Sehr sehenswert! (HIER der Link). Aber, Michelin: Was war noch einmal in Indianapolis 2005?

"Du, wie geht das noch Mal beim Start?"

SCHULDFRAGE DES WOCHENENDES: Technik gegen Kimi

Mamma mia! Da ist Kimi Räikkönen so gut drauf wie schon lange nicht mehr, lächelt, scherzt, sticht seinen Teamkollegen im Qualifying aus, startet von Position zwei - und dann geht nichts mehr. Während sich das restliche Feld in Bewegung setzte, blieb das Auto des Finnen stehen. Erst ein paar Momente später konnte der "Iceman" seinen roten Renner in die Gänge bringen. Vom zweiten fiel er auf den letzen Platz zurück. Aber ist Räikkönen einfach nur ein Pechvogel oder hat er in diesem Fall selbst versagt? "Soweit ich weiß, habe ich alles richtig gemacht", sagte der 35-Jährige. "Es war alles normal, aber als ich die Kupplung kommen ließ, setzte die Antistall-Funktion ein und ich war plötzlich Letzter", schilderte er den rätselhaften Patzer. Sein Wagen habe also in den Leerlauf geschaltet. Vom Team selbst heißt es, dass die Kupplung stecken blieb. SkyUK-Experte Anthony Davidson meinte, dass es so aussah, als ob kein erster Gang eingelegt wurde. Das könne er sich aber nicht vorstellen. Auch Teamchef Maurizio Arrivabene kann kein Licht ins Dunkel bringen. "Ich halte es für ein technisches Problem. Es sieht so aus, als würde er mit dem Finger ein bisschen schludern." Was nun? Kimi oder die Technik? Wir werden es wohl nie erfahren.

FAUX-PAS DES WOCHENENDES: Hamilton hat die Kappe auf

Vor dem Rennen gedachte die Formel-1-Welt Justin Wilson, der vor zwei Wochen infolge eines Unfalls in der IndyCar-Serie verstorben ist. Alle Fahrer versammelten sich und standen Arm in Arm zusammen für eine Schweigeminute. Weltmeister Hamilton verspätete sich etwas, hörte Musik und hatte eine Kappe auf. Während andere aus Respekt ihre Kopfbedeckung abnahmen, sah sich der Brite nicht dazu veranlasst. Das sorgte für ziemlichen Unmut. Ex-Pilot und Sky-Experte Johnny Herbert twitterte: "Respektloser Lewis Hamilton nahm seine Kappe für Justin Wilsons Schweigeminute nicht ab" und bekam dafür viel Zuspruch. Hamilton selbst entschuldigte sich später auf seine Art und Weise. "Ich habe es ehrlich gesagt nicht gewusst, dass es eine Schweigeminute war. Ich dachte, wir machen ein Foto", schrieb er. Allen Kritikern legte er nach:

0 - Mit dem Ausfall von Nico Rosberg in der vorletzten Runde musste Mercedes zum ersten Mal in dieser Saison einen Nuller hinnehmen. Jetzt liegt er schon 53 Punkte hinter Hamilton in der WM.
 
168 - Die unfassbarste Zahl des Wochenendes: Insgesamt wurden an diesem Wochende 168 Strafplätze gegen sieben Fahrer verhängt. Liebe Formel 1: Das ist purer Irrsinn!
 
 
Andreas Terler/Daniela Kulovits

  • ZAHLENSPIELEREIEN:

40 - Lewis Hamilton gewann am Sonntag seinen 40. Grand Prix. Damit liegt er nur noch einen Sieg hinter Ayrton Senna.

2 - Zum zweiten Mal hat der Brite das Wochenende von Anfang bis Ende dominiert. Er fuhr Bestzeit in allen Trainingssessions und allen Quali-Teilen, dazu lag er jede Runde in Führung und fuhr die schnellste Rennrunde. Auch in Malaysia 2014 hat er diesen "Grand Slam" geschafft. Den Rekord in dieser Wertung hält übrigens Jim Clark mit acht Grand-Slams.

37 - Sebastian Vettel holte nicht nur seinen vierten Podestplatz in Italien, sondern ist nun auch der 37. Pilot, der für Ferrari beim Heimrennen auf das Podium fuhr.

27 - Williams holte mit den Rängen drei (Massa) und vier (Bottas) satte 27 Zähler - so viele wie sonst noch nie in einem Rennen.

14 - Auch Force India hat diesbezüglich einen Saisonbestwert aufgestellt. Mit Perez auf Rang sechs und Hülkenberg auf sieben kommen 14 Zähler aufs Konto.

8 - Beinahe hätte Marcus Ericssons im Sauber als Achter die beste Platzierung seiner Karriere eingestellt, doch auf den letzten Metern schnappte ihm Daniel Ricciardo den Platz weg.

131 - Trotz heftiger Strafen gelang es Ricciardo und Kvyat, eine Serie fortzuführen. Seit 131 Rennen schaffte es immer mindestens ein Auto mit Renault-Antrieb in die Punkte.

2 - Lotus schaffte Kurioses: Zum zweiten Mal in dieser Saison fielen beide Autos aus, bevor die zweite Runde überhaupt zu Ende war. Maldonado fiel nach Spa erneut aus. Von 96 möglichen ist er drei Runden gefahren.

14 - Ähnlich enttäuschend verläuft das Jahr für McLaren und Fernando Alonso. Der Spanier schied nun schon zum sechsten Mal aus. Das erlebte er zuletzt vor 14 Jahren 2001 im Minardi.

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