Flashback: Tage des Zorns

Aufmacherbild
 

Das seltsame Wochenende des Jenson Button

Aufmacherbild
 

"Es war fantastisch. Wir haben seit September auf den Moment hingearbeitet und erlebt, dass jeder glücklich war."

Dieser Satz stammt von Sheikh Salman bin Isa Al Chalifa. Seines Zeichens nicht nur Oberbefehlshaber der Streitkräfte von Bahrain, sondern nebenbei auch noch F1-Streckenchef.

Angesichts der andauernden Unruhen im Land ein ziemlich sonderbares Statement. Die Formel 1 setzt eben nicht nur in der Technik immer wieder Maßstäbe, sondern auch in puncto Scheinheiligkeit.

Abgesehen davon hat er unrecht. Jeder war glücklich? Wir kennen da einen ehemaligen Weltmeister, der nach einer irren Defekt-Serie nur mit Mühe die Fassung bewahren konnte.

Außerdem im Flashback: die Tricks des Valtteri Bottas, ein ausgezeichnet schmeckender Ersatzhelm und ein Weltmeister, der seinen Teamkollegen beinhart einfahren lässt:

  • HOT AND NOT

Kimi Räikkönen

Der Finne zeigte in Bahrain, dass man bei Ferrari nicht nur auf Vettel, sondern auch auf ihn zählen kann. Erstmals seit Korea 2013 durfte der 35-Jährige wieder aufs Podest klettern. Überschwängliche Freude darüber durfte man vom "Iceman" naturgemäß nicht erwarten: "Man ist niemals glücklich, wenn man auch Rang zwei landet. Aber nach meinem schwierigen Start in die Saison bin ich froh, ein vernünftiges Ergebnis eingefahren zu haben", blieb Räikkönen gewohnt ruhig.

Nico Hülkenberg

Während Force-India-Teamkollege Sergio Perez mit Rang acht Zähler sammelte, ging Nico Hülkenberg als 13. leer aus und das, obwohl er mit Startplatz acht eine gute Ausgangsposition erringen konnte. "Es war ein enttäuschendes Resultat für mich. Wir haben nicht denselben Grip gefunden, den wir im Qualifying hatten. Wir habe einige Battles bestritten, aber wir konnten einfach keinen Vorteil erringen, was schade ist", so der Deutsche. "Zudem hatten wir auch mehr Probleme mit dem Verschleiß der Reifen als die Autos rund um uns, das hat uns auch einige Positionen gekostet." Dem 27-Jährigen gelang es in der aktuellen Saison lediglich zum Auftakt in Australien, als er Siebenter wurde, WM-Punkte einzufahren.

  • NEWCOMER-CHECK

Die Pechsträhne bei Toro Rossos Max Verstappen hält an: Nach 34 Runden muss der 17-Jährige in Bahrain erneut seinen Boliden abstellen. "Es war kein wirklich guter Tag und ein hartes Rennen. Wir wissen nicht genau, was der Grund für das Ausscheiden war, aber es sieht nach einem technischem Defekt aus. So wollten wir das Wochenende natürlich nicht beenden", haderte der Niederländer mit dem Ausfall und gab zu: "Ich bin enttäuscht, aber wir werden weiter hart arbeiten, um in Barcelona umso stärker zurückzukommen. Wir gehören in die Punkteränge!"

Auch Teamkollege Carlos Sainz errreichte das Ziel nicht, der Spanier fiel nach 29 Runden aus und sorgte damit für den ersten Doppelausfall des Rennstalls seit Österreich 2014. "Ich bin total enttäuscht von uns allen, vor allem nach dem guten Qualifying. Ich weiß nicht, was mit meinem Auto passiert ist, ich hab nur gespürt, dass etwas nicht passt und ich es abstellen muss." Der 20-Jährige schaut aber ebenfalls bereits nach vorne, immerhin wartet das erste Rennen in Europa, der GP von Barcelona, in seinem Heimatland. "Das wird etwas ganz Besonderes für mich".

Als einziger Newcomer beendete Felipe Nasr das Rennen in Bahrain: Der Sauber-Pilot kam mit einer Runde Rückstand auf Sieger Hamilton als Zwölfter ins Ziel. Zufrieden wird der Brasilianer allerdings nicht sein, denn dieses bedeutet gemeinsam mit dem zwölften Rang in Malaysia sein schlechtes Resultat. Zweimal fuhr der 22-Jährige mit Rang fünf und acht bereits in die Punkte.

  • TEAM-CHECK: Bottas vs. Massa

Valtteri Bottas konnte in Bahrain nicht nur sein erstes Qualifying-Duell gegen Massa (1:3) gewinnen, sondern auch in puncto Rennduelle (2:2) zum Brasilianer aufschließen: Als Vierter konnte er den Zehnten klar hinter sich lassen. "Es war das bestmögliche Resultat mit unserem Auto", ist der Finne zufrieden, zumal er sich am Ende gegen den vierfachen Weltmeister Vettel durchsetzen konnte. "Es war ein schöner Kampf mit Sebastian. Ich kenne ein paar Tricks, die beim Verteidigen helfen können, und sie haben heute alle funktioniert." Massa hingegen musste aufgrund eines Sensorproblems aus der Boxengasse starten. "Ich bin als Letzter gestartet, habe ein paar Autos überholt, und nach ein paar Runden hat Maldonado hinter mir seinen Bremspunkt in Kurve 4 verpasst und ist mir in den Diffusor gefahren. Vielleicht ist dadurch etwas kaputtgegangen, weil ich Stabilität verloren habe. Von da an war das Rennen schwierig für mich", so der 33-Jährige, der nach Startproblemen spontan von einer Drei- auf eine Zweistopp-Strategie wechselte - allerdings ohne Erfolg. Am Ende waren es zu viele Runden für die Reifen und er verlor nochmal zwei Positionen. "Es ist ein Tag zum Vergessen, aber natürlich ist ein Punkt besser als nichts."

  • DAS SELTSAME WOCHENENDE DES JENSON BUTTON

Der Grand Prix von Bahrain - ein Drama voller Tiefpunkte für Jenson Button. Der McLaren-Pilot erlebte von Freitag bis Sonntag eine beispiellose Pech-Serie. Ein Zeitraffer:

Freitag (17 Runden): Vormittag in Bahrain. Eingestiegen, rausgefahren, stehengeblieben. Die MGU-K streikt. Nachmittag. Rausgefahren, kaum gefahren, reingefahren. "Ich glaube, ich musste noch nie zuvor in den Trainings zweimal aufhören", sagt Button, dem beinahe eine Sicherung durchgebrannt wäre: "Als ich beim zweiten Mal zurück an die Box kam, hätte ich beinahe einen Kommentar am Funk abgegeben." Doch der Gentleman frisst den Ärger in sich hinein, schweigt und hofft auf Besserung.

Samstag (3. Training: 14 Runden, Qualifying: drei Kurven): Gutes drittes Training. Aber dann in der Quali: Eingestiegen, rausgefahren, stehengeblieben. Gleiches Problem wie in FP1. "Alles stellt sich einfach ab und es gibt einen lauten Knall", erklärt der Brite und übt sich in Galgenhumor: "Wir haben immerhin noch eine Menge neuer Reifen, das ist positiv."

Sonntag (nicht am Start): Auto angelassen, Elektronikproblem festgestellt, nicht gestartet. Der Alptraum ist perfekt. "Während des Anlassens zeigten die Daten eine Störung, die der Ursprung seiner Elektronik-Probleme war", heißt es in einem Team-Statement. Bei aller Enttäuschung findet Button lobende Worte für sein Team: "Ihr Hingabe und ihr Teamspirit sind wirklich beeindruckend." Ein Gentleman eben. Was tut man, wenn man nicht fahren kann? Richtig: Twittern. Und das auch noch sehr amüsant. Danke Jenson. In Barcelona wird alles anders - hoffentlich.

Valtteri Bottas Felipe Massa
Endplatzierung 4. 10.
Rückstand auf 1. +42,957 +1 Runde
Topspeed 298,4 km/h (1.) 286,6 km/h (15.)
Schnellste Runde 1:38,095 (6.) 1:39,094 (14.)
Reifenstrategie (Runden) S (14), S (19), M (24) S (10), S (14), M (32)

  • GEBURTSTAG DER WOCHE: Frank Williams - Für immer jung

  • DAS DUELL IN EINEM GIF: Hamilton trollt Rosberg

Welche Dinge hat Lewis Hamilton in der Tasche? Handy, Geldbörse, Schlüssel... und Nico Rosberg! Das hat der Grand Prix von Bahrain jedenfalls einmal mehr bewiesen. Schon am Beginn des Wochenendes machte der Brite das klar. Dabei bediente er sich eines guten, alten Schmähs bei Stühlen mit verstellbarer Höhe. Gute Unterhaltung:

  • HELM DER WOCHE: Vettel beweist Humor

Den Heppenheimer hat die strenge Helm-Regel, wonach jeder Fahrer nur noch ein Design pro Saison haben darf, ja besonders hart getroffen. In Bahrain konnten es sich der Deutsche und Ferrari nicht verkneifen, einen besonderen Ersatzhelm vorzubereiten. Der Schutz ist infrage zu stellen, aber bei Hitze könnte er angenehm kühl sein.

  • FEUERWERK DER WOCHE: Daniel Ricciardo

"Daniel ist ein sauberes Rennen gefahren, sein Motor wollte anscheinend bei der Feuerwerk-Party am Ende dabei sein", kommentierte Red-Bull-Teamchef Christian Horner Platz sechs von Daniel Ricciardo - sowie die Explosion des Renault-Motors bei der Zieldurchfahrt zeitgleich zum offiziellen Feuerwerk an der Strecke - trocken.

  • ZAHLENSPIELEREIEN
3,9 - Sekunden fehlten Fernando Alonso als Elfter zum ersten WM-Punkt für McLaren-Honda in dieser Saison.
 
7 - Mal landete Kimi Räikkönen in Bahrain bereits auf dem Podium - das ist einsame Spitze. Lews Hamilton und Fernando Alonso schafften dies je vier Mal.

27 - Rennen blieb Räikkönen ohne Podestplatz, 25 davon hat er auch bestritten, zugleich war es der 27. Podestplatz des Finnen im Ferrari - sein erster seit seiner Rückkehr zur Scuderia 2014.
 
41 - Mal legte Räikkönen die schnellste Runde des Rennens auf die Strecke, damit zieht er auf der Ewigen Bestenliste gleich mit dem Zweiten Alain Prost.
 
2005 - Runden führte Hamilton in seiner Karriere ein Formel-1-Rennen an und ist damit erst der 6. Pilot, der die 2000er Marke knacken konnte. In dieser Wertung steht Michael Schumacher unangefochten mit 5111 Führungsrunden an der Spitze.
 
4 - Auch im vierten Rennen dieser Saison kam Nico Rosberg exakt auf jener Position ins Ziel, von der er gestartet ist.
 
14 - Zum zweiten Mal in vier Rennen können nicht beide McLaren an einem Start teilnehmen. Davor war das zuletzt beim GP von Frankreich 2001 bei Mika Häkkinen der Fall, also vor 14 Jahren.
 
1 - Jubel in Venezuela! Pastor Maldonado ist als 15. zum ersten Mal in dieser Saison ins Ziel gekommen.
 
 
Andreas Terler / Henriette Werner

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen