Flashback: Putin, Pennen, Porno

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Da ist er wieder, der Flashback.

Nach dem tragischen Ende des GP von Japan war an Kuriositäten nicht zu denken. Daher fiel die Suzuka-Ausgabe aus.

In Russland war aber - trotz der vielen Gedanken, die an Jules Bianchi gingen - so einiges los, worüber es wert war, ein paar Zeilen zu verlieren.

Neues Land, neue Strecke, viel Aufregung - aber ein ziemlich einschläferndes Rennen (siehe: Schläfer der Woche).

Feiern durfte Mercedes, auch Williams war happy. Was die Formel 1 auf Twitter so treibt und warum Vladimir Putin eigentlich Rennfahrer ist, gibt es diesmal zu lesen.

P.S.: Bevor es losgeht - über Japan und seine Folgen wurde sehr viel geschrieben und diskutiert. Eine angenehm unaufgeregte Analyse der Situation lieferte Ex-Pilot Martin Brundle für "SkySportsF1" ab. Eine Video-Empfehlung.

  • HOT AND NOT

Nico Rosberg

Man muss Nico Rosberg für seinen schweren Verbremser - aus neutraler Sicht - dankbar sein. Der Deutsche schrieb mit seiner fulminanten Aufholjagd die Geschichte eines Rennens, das man - überspitzt formuliert - in einer Fußnote zusammenfassen kann. Nach einem eigentlich guten Start verpasste Rosberg den Bremspunkt völlig und musste unplanmäßig an die Box. Sein Rennen schien früh vorbei, aber dann ließ er die gesamte Konkurrenz, abgesehen von der im eigenen Team, hinter sich und brauchte dafür sogar nur einen Reifensatz. Und das für sagenhafte 52 Runden. Der Mercedes-Reifenspezialist in der Box hatte die Hoffnung zwischendurch längst aufgegeben. Rosberg selbst kann sich das Pneu-Wunder auch nicht ganz erklären, nur Toto Wolff hatte einen Ansatz: "Durch die neue Strecke und diesen öligen Belag ist der Reifen erst am Ende am 'Sweet Spot' gewesen und hat richtig Grip aufgebaut."

Daniil Kvyat

Es ist immer noch seine erste Saison, doch nach einem derart hervorragenden Startplatz (5.) durfte man sich vom Lokalmatador schon etwas mehr erwarten. Außerdem fährt der junge Mann im nächsten Jahr für Red Bull Racing. Am Ende wurde es in Sotschi Platz 14. Der Grund lag im Spritverbrauch. Dieser war bei beiden Toro-Rosso-Boliden vergleichsweise sehr hoch. Erklären kann sich das bei den Junior-Bullen niemand so recht. "Jetzt müssen wir untersuchen, wieso es dazu kam und verhindern, dass es nie wieder vorkommt", meinte Teamchef Franz Tost. Kvyat selbst konnte sich immerhin über die gute Unterstützung von den Rängen freuen: "Die Fans haben mich wirklich unterstützt. Vom Ergebnis abgesehen war es wirklich ein tolles Rennen mit einer sehr guten Organisation."

  • NEWCOMER-CHECK

Kvyats Heimspiel-Schicksal wurde bereits als "NOT" abgehandelt, wesentlich besser lief es für Kevin Magnussen. Der Däne, dessen Zukunft bei McLaren noch ungeklärt ist. machte mit einem starken fünften Platz auf sich aufmerksam, auch wenn er sich Teamkollege Jenson Button (4.) geschlagen geben musste. Allerdings musste der Youngster auch sein Getriebe tauschen und startete daher nur vom Platz elf. "Ich hatte eine tolle erste Runde und war schnell auf Position fünf. Dann musste ich aber sehr auf meinen Spritverbrauch achten, vor allem im zweiten Teil des Rennens", erklärte der 22-Jährige. Gemeinsam mit Button bläst Magnussen nun zum Angriff auf Ferrari. 45 Punkte fehlen derzeit auf den aktuell viertbesten Konstrukteur. "Ich weiß, dass das eine große Aufgabe ist, aber im letzten Rennen wird die doppelte Punktzahl vergeben. Wir können sie also noch herausfordern", sagte Button.

Marcus Ericsson beendete das Rennen. Damit hat er mehr erreicht als sein Teamkollege Kamui Kobayashi, der mit überhitzten Bremsen aufgeben musste. Der Schwede blieb trotz Platz 19 positiv: "Alles in allem war es ein starkes Wochenende. Wir verbessern uns kontinuierlich und haben bewieisen, dass wir mit Lotus und Sauber mithalten können."

  • TEAM-CHECK: Vettel vs. Ricciardo

Im Qualifying am Olympia-Gelände entschied Daniel Ricciardo das Stallduell gegen Sebastian Vettel zum zehnten Mal für sich. Damit liegt er in dieser Wertung uneinholbar für den vierfachen Weltmeister vorne. Das Rennduell war schon zuvor entschieden. Dort steht es nun 11:4 für den Aussie. In Russland machten dem dreifachen Saisonsieger die Reifen Probleme. "Sie waren schon zu Beginn porös, die müssen beim Qualifying etwas mitbekommen haben", seufzte Ricciardo. Vettel haderte indes einmal mehr mit der Strategie und äußerste Kritik am Team. "Mit einer anderen Strategie hätten wir vielleicht weiter vorne ankommen können, aber insgesamt war wohl nicht mehr drin", so der Heppenheimer. In Austin wird der frustrierte 27-Jährige auf das Qualifying verzichten, weil er aufgrund eines gesamten Tauschs der Power-Unit auf jeden Fall aus der Boxengasse starten muss.

  • ZITAT DER WOCHE

"Das ist doch übles Kabarett. Alle haben sie Verstappen gejagt. Jetzt, wo er bei uns ist, ist die Aufschrei plötzlich groß."

DIETRICH MATESCHITZ IN DER KLEINEN ZEITUNG ÜBER DEN "JUGENDWAHN".

Sebastian Vettel

Daniel Ricciardo

Endplatzierung

8.

7.

Rückstand auf 1.

+1:06,185

+1:01,812

Topspeed

307,1 km/h (14.)

328,3 km/h (1.)

Schnellste Runde

1:42,630 (8.)

1:43,050 (13.)

Reifenstrategie (Runden)

Soft (30), Medium (23)

Soft (11), Medium (42)

  • FUNDSTÜCK DER WOCHE: Putin, der Russian-Racer

Er war überall und nirgendwo. Vladimir Putin. Der Gastgeber ließ sich erst gegen Ende des Rennens in Sotschi blicken, machte aber schon zuvor auf sich aufmerksam. Erst wurden die Medien ermahnt, ihm ja nicht zu nahe zu kommen, zudem wieß man darauf hin, den Funk der TV-Stationen möglicherweise zu stören, um das Risiko ferngezündeter Bomben zu minimieren. Dann forderte Putin via Bernie Ecclestone auch noch absolute Ruhe bei der russischen Hymne. Andere Länder, andere Sitten eben. Wer nicht genug von Vladmir Vladimirovič bekam, konnte sich ein Shirt mit dem Antlitz des russischen Rennfahrers (???) mit nach Hause nehmen. Wie viele von diesen Leibchen verkauft wurden, ist uns leider nicht bekannt.

  • DAS "WTF?!" DER WOCHE: Formel 1 folgt Pornostar

Die Formel 1 und Soziale Medien - nicht unbedingt eine Liebesbeziehung. Während die Teams Facebook, Twitter und Co. perfekt und teilweise hochamüsant bedienen, sträubte sich die Formel 1 selbst lange dagegen, tätig zu werden. Mittlerweile hat zwar eine gewisse Regelmäßigkeit Einzug gehalten, aber von einem gelungenen Auftritt kann noch keine Rede sein. Erst recht nicht nach dem Ausrutscher, den man sich auf Twitter geleistet hat. Der offizielle Twitteraccount @F1 folgte nämlich bis Samstag nicht nur allen Teams sondern auch - einem asiatischen Pornostar. Asa Akira beschreibt sich noch dazu selbst damit, ein "award-winning asshole" zu haben oder zu sein. Je nachdem. Sehr böse Zungen behaupteten sofort, die Dame würde mit dieser Trophäe ganz gut zu Herrn Ecclestone passen. Aber das ist eine andere Geschichte. Immerhin reagierte man schnell und entfolgte Frau Akira wieder. Ob der Twitter-Beauftragte der Formel 1 seinen Job noch besitzt, darf aber bezweifelt werden.

  • SCHLÄFER DER WOCHE: Ein Rennen zum Pennen

"Eine tolle Strecke!" "Macht richtig Spaß hier!" - Diese und weitere Sätze nahm man den Fahrern kaum ab. Routinier Jenson Button sprach es wenigstens offen an: "Ich weiß nicht, ob es Überholmanöver gab, ich persönlich habe keine gesehen." Schuld daran war unter anderem die sehr konservative Reifenwahl von Pirelli, auch das Benzinsparen aller Teams trug zur wenigen Action bei. Nicht zuletzt ist auch der Kurs an sich nicht sonderlich spektakulär. Designer Hermann Tilke bekam einiges zu lesen. Gerald Dirnbeck von "motorsport-total.com" twitterte unter anderem: "Eine der langweiligsten und charakterlosesten Strecken, die ich jemals gesehen habe. Eindeutig Tilkes Tiefpunkt." Mit dieser Meinung war er nicht allein. Ein wortloses Statement lieferte indes ein anderer F1-Journalist ab. Er schlief im Pressezentrum ein. Nuff said.

  • ZAHLENSPIELEREIEN

13 - Mercedes holte in Sotschi den 13. Sieg in dieser Saison, zum neunten Mal feierte man einen Doppelsieg. Der verdiente Lohn: Der vorzeitige Triumph in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Chapeau!

565 - Insgesamt haben die Silbernen nun 565 Zähler aus 16 Rennen geholt. Das sind nur 31 weniger als Vorjahres-Sieger Red Bull Racing im gesamten Jahr 2013 gesammelt hat.

35 - Mercedes-Motoren holten in dieser Saison sagenhafte 35 von 48 Podiumsplätzen. Das nennt man Dominanz.

1 - Valtteri Bottas im Williams fuhr zum ersten Mal in seiner Karriere die schnellste Rennrunde.

31 - Lewis Hamilton erzielte seinen 31. Sieg und zog mit Nigel Mansell gleich.

17 - Eines steht jetzt schon fest: Hamilton wird am Ende der Saison jener Fahrer mit den meisten Rennsiegen sein. Derzeit liegen 17 Punkte zwischen beiden Silber-Piloten, noch sind aber 100 Zähler zu erreichen.

4 - Bottas hat in der WM Sebastian Vettel überholt und ist nun Vierter. Der letzte Williams-Pilot in den Top-Vier am Ende einer Saison war Juan Pablo Montoya im Jahr 2003.

22 - Mit den Plätzen vier und fünf holte McLaren die größte Punkteausbeute seit dem Auftakt in Australien, wo Button und Magnussen 33 Zähler mitnehmen konnten.

16 - Die Horrorserie von Sauber geht weiter: Seit 16 Rennen warten die Schweizer schon auf Zähler, nur Caterham hat einen noch schlechteren Lauf

 

Andreas Terler

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