Ab in die Ferien - aber erst folgt die Zeugnisverteilung

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Das war eine große Show in Ungarn, meine Herren. Hut ab!

Dabei hatten viele die Befürchtung, am Anti-Überhol-Kurs Hungaroring steht uns die nächste Mercedes-Demonstration ins Haus. Schön, dass es nicht so gekommen ist.

Allerdings darf man nicht vergessen, dass ohne Regen und den damit einhergehenden Folgen die Chancen auf ein ereignisreiches Rennen bedeutend geringer gewesen wären.

Vielleicht packt Bernie Ecclestone ja bald wieder seine Idee der künstlichen Streckenbewässerung aus - wer weiß? Über die Show in der Formel 1 wird derzeit ja heiß diskutiert.

Ausgerechnet Flavio "Mister Crash-Gate" Briatore soll hier helfen. Ein Thema sollen auch Zusatzgewichte wie in der DTM sein. Lassen wir uns überraschen.

Vor der Sommerpause gibt es erst einmal von unserer Seite eine Benotung für alle Fahrer im Feld. Mehr als drei Piloten haben die Note eins nicht verdient - oder bist du anderer Meinung?

  • HOT AND NOT

Lewis Hamilton

Es gab ja viele Helden an diesem Rennsonntag, aber wenn man das gesamte Wochenende betrachtet, muss man Hamilton wirklich allerhöchsten Respekt zollen. Natürlich hat er immer noch das klar beste Auto im Feld, aber bei wechselhaften Bedingungen muss man an der verbissen kämpfenden Konkurrenz erst einmal so vorbeifahren. Zum echten Sieger macht den Briten auch die Tatsache, sich der vom Team verordneten Stallorder widersetzt zu haben. "Ich habe einfach nicht begriffen, warum ich ihn vorbeilassen sollte. Wir hatten einen Zweikampf und es geht hier um die Weltmeisterschaft", sagte er nach dem Rennen. Um es in seiner Landessprache zu sagen: Word.

Nico Rosberg

Es bleibt dabei - Ungarn ist einfach kein guter Boden für Nico Rosberg. Trotz bester Voraussetzungen schaffte es der Deutsche auch bei seinem neunten Grand Prix am Hungaroring nicht auf das Podest. Diesmal ist es besonders bitter. Vor allem weil der 21 Plätze hinter ihm gestartete Teamkollege am Ende vor ihm lag. Natürlich spielte die erste Safety-Car-Phase Rosberg nicht in die Karten, im Gegensatz zu Hamilton hatte er aber die wesentlich größeren Probleme, an der Konkurrenz von Toro Rosso, Red Bull oder Ferrari vorbeizukommen. Im Finish scheiterte auch der letzte Versuch gegen Hamilton. "Ich habe es nicht geschafft, Lewis zu packen, das nervt mich extrem", hat der Wiesbadener an der Niederlage zu knabbern. Immerhin spricht die Fahrer-Wertung immer noch für ihn.

  • NEWCOMER-CHECK

Die Rutschpartie am Hungaroring war ein echter Härtetest für die Rookies. Belohnt wurde keiner der drei mit Punkten, Marcus Ericsson muss sogar froh sein, ohne gesundheitliche Folgen in die Sommerpause gehen zu können.

Aber der Reihe nach:

Für Kevin Magnussen war das Rennen schon vor dem Start mehr oder weniger vorbei. Nach seinem Abflug im Qualifying musste er, wie Hamilton, aus der Box starten. Und es wurde nicht besser für den jungen Dänen. McLaren entschied sich während der Safety-Car-Phase nämlich dazu, weiterhin auf Intermediates zu setzen. Der erhoffte Regen blieb aber aus. Magnussen nahm es gelassen: "Ich glaube nicht, dass das Rennen mit einer anderen Strategie viel anders für uns gelaufen wäre", sagt er nach Platz zwölf.

Hart auf die Probe gestellt wurde auch das Können von Daniil Kvyat. Während alle anderen die Formationsrunde in Angriff nahmen, ging beim jungen Russen gar nichts mehr. Der Motor war plötzlich aus. Auch er startete also aus der Box. "Sowas ist mir zuvor noch nie passiert", konnte sich der 20-Jährige das Problem nicht erklären. Im Rennen selbst ging dann auch nicht viel - Überholen in Ungarn ist eben nicht die leichteste aller Übungen. "Es fiel mir schwer, auf die Reifen zu achten - besonders hinter anderen Autos", klagte Kvyat, der am Ende Platz 14 erreichte.

Eine ungewollte Hauptrolle nahm Marcus Ericsson bei diesem verrückten Rennen ein, löste er doch mit einem bösen Crash die erste Safety-Car-Phase aus. "Ich hatte einen tollen Kampf mit Maldonado und Chilton, war dann aber in Kurve drei zu optimistisch mit dem Gaspedal. Das Heck ist ausgebrochen und ich konnte das Auto nicht mehr abfangen", schilderte der Schwede den Unfallhergang. 20 g wirkten beim Einschlag auf ihn ein, passiert ist aber zum Glück nichts.

  • TEAM-CHECK: Massa vs. Bottas

Es war absehbar, dass der Hungaroring keine Williams-Piste sein wird. Dennoch haben Felipe Massa und Valtteri Bottas erneut wertvolle Punkte mitnehmen können. "Die Pace des Autos war nicht fantastisch, was wir auf so einem engen und kurvenreichen Kurs akzeptieren können", meinte Rob Smedley, Leiter der Fahrzeug-Performance. Nur daran lag es aber nicht, dass Williams nicht weiter vorne zu finden war. Die Boxen-Strategie war nämlich alles andere als gelungen. Die Prime-Reifen sollten es richten, obwohl Massa das gar nicht recht war. Das teilte er sogar via Funk seinem Team mit. Dort hatte man aber Angst, es auf den weichen Reifen nicht bis ins Ziel zu schaffen. "Unser Hauptproblem heute war, dass das Aufwärmen der Reifen ewig dauerte. Es wurde zwar mit jeder Runde besser, aber als die Reifen dann mal arbeiteten, war es schon zu spät", sagte der Finne, dessen Podiums-Serie riss. Dennoch liegt er teamintern weiterhin vor Massa. Sowohl im Qualifying- als auch im Rennduell steht es 7:4 für Bottas.

DAS SOMMERZEUGNIS

Sommerpause! Für einen Monat schweigen die Formel-1-Motoren, ehe es in Spa weiter geht. Zeit, um eine kleine Fahrer-Bilanz zu ziehen. Wer hat seine Hausaufgaben gemacht, wer muss nachsitzen?

Anmerkung: Jeder der Fahrer soll hier in Anbetracht seiner zur Verfügung gestellten Möglichkeiten bewertet werden.

SEHR GUT:

Nico Rosberg - Als WM-Leader muss man natürlich einiges richtig gemacht haben. Natürlich hat Rosberg ein Spitzenauto, für ihn spricht aber auch die Konstanz - und der fehlende Technik-Teufel. Im Vergleich zu Hamilton strahlt der frisch gebackene Ehemann viel Ruhe aus. Das kann bei einem hochspannenden Zweikampf sehr wichtig werden.

Lewis Hamilton - Der Fighter hat dem Kampf um die WM alles untergeordnet. Gassi-Gehen mit Roscoe im Paddock und Ein- und Ausschalten der On-Off-Beziehung mit Nicole Scherzinger sind Vergangenheit. Lewis ist hochkonzentriert und geht mit breiter Brust in die zweite Saisonhälfte, fuhr er doch zuletzt zwei Mal von ganz hinten noch auf das Podest. Das ist der Wille eines möglichen Weltmeisters.

Daniel Ricciardo - DER Überraschungsmann. War sein Start bei Red Bull mit dem aberkannten Podiumsplatz in Australien noch richtig bitter, drehte er ab Bahrain richtig auf und wies den vierfachen Weltmeister Sebastian Vettel eindrucksvoll in die Schranken. Zwei Saisonsiege nach elf Rennen - dazu drei dritte Plätze. Einfach sensationell.

GUT:

Valtteri Bottas - Der zweite Überraschungsmann. Talent attestiert man dem Finnen ja schon länger, heuer kann er es auch in viele Punkte ummünzen. Nur in Monaco holte er keine Zähler, dazu gelang ihm in Spielberg (3.), Silverstone (2.) und Hockenheim (2.) drei Mal in Folge der Sprung auf das Podest. Davon kann Felipe Massa nur träumen.

Fernando Alonso - Ferrari gebührt diese Note nicht, dem zweifachen Weltmeister sehr wohl. Als einziger (!) im Fahrerfeld holte Alonso in jedem Rennen Punkte, zwei Mal fuhr er in der schwer zu bändigenden Roten Göttin auf das Podest. Große Sprünge kann man von den Roten nicht mehr erwarten, am Kampfgeist des Spaniers mangelt es aber zu keiner Zeit.

Nico Hülkenberg - Mit Abstrichen kann man auch dem Deutschen zu einer gelungenen Saison bis zur Sommerpause gratulieren. "Hülk" gilt als Mister Zuverlässig - erst in Ungarn riss seine Punktesträhne. Dazu ist das teaminterne Duell bei Force India so eindeutig wie kaum woanders (Qualifying: 9:2, Rennen: 7:3). Die Rufe nach einem Topauto für den 26-Jährigen, sie werden nicht verklingen.

BEFRIEDIGEND:

Kevin Magnussen - Sein Auftakt mit Platz zwei in Melbourne war phänomenal. Ganz so stark ging es nicht weiter, dennoch schaffte es der dänische Rookie sechs weitere Male in die Punkte. Dennoch könnte er nach dieser Saison bei McLaren schon wieder abgelöst werden. Das wäre schade.

Jenson Button - So lala könnte man die Leistung des Routiniers nennen. Für ganz vorne reichte es bei McLaren nicht. Mit einem dritten und zwei vierten Plätzen war er aber immerhin mehrmals nah dran.

Felipe Massa - Der Brasilianer avancierte zum Pechvogel. Sowohl in Silverstone, als auch in Hockenheim schied er aufgrund von Fehlern der Konkurrenz aus, dazu kam der heikle Crash in Montreal mit Sergio Perez. Legt er den schwarzen Peter ab, ist noch viel drin.

Sergio Perez - Mit 29 Punkten hat der Mexikaner heuer nach elf Rennen schon deutlich mehr Zähler am Konto als noch im Vorjahr bei McLaren. Sein Highlight: Platz drei in Bahrain - das erste Podest für seinen neuen Arbeitgeber.

Daniil Kvyat - Vier Mal konnte sich der junge Russe über Punkte freuen. Des Öfteren konnte er zeigen, dass er auf der Strecke nicht nur schnell ist, sondern auch ein unangenehmer Gegner sein kann. In Rennduellen führt er sogar gegen seinen wesentlich erfahreneren Teamkollegen Jean-Eric Vergne.

Jules Bianchi - Marussia wird dem Franzosen am Ende des Jahres sehr dankbar sein. Platz neun in Monaco bedeuteten nicht nur die allerersten Punkte in der Geschichte des Rennstalls, sondern sollten - wenn nichts Außergewöhnliches passiert - Platz zehn (oder vielleicht sogar neun) bei den Konstrukteuren und damit eine schöne Stange Geld sichern. Letzter Fingerzeig des Ferrari-Youngsters: In Ungarn schmiss er Kimi Räikkönen in letzter Sekunde aus Q2. Saubere Arbeit.

GENÜGEND:

Sebastian Vettel - Klar, der Renault-Motor kann mit Mercedes nicht mithalten. Doch Vettel musste zusehen, wie Teamkollege Ricciardo dennoch zwei Mal zum Sieg fuhr. 43 Punkte liegt er hinter dem Australier - das ist deutlich und eines vierfachen Champions alles andere als würdig. Wer weiß, vielleicht würde ihn ja ein Tapetenwechsel zurück zu alter Stärke führen.

Jean-Eric Vergne - Im dritten Jahr Formel 1 tritt sich der Franzose auf der Stelle. Haderte er im Vorjahr noch damit, nicht das Red-Bull-Cockpit bekommen zu haben, kam er bislang nicht über zwei achte Plätze hinaus.

Romain Grosjean - Im Vorjahr noch auf dem Podium, hat er heuer gerade einmal acht Punkte gesammelt. Auch Grosjean konnte das Sorgenkind Lotus kaum retten. Er kann wesentlich mehr, deshalb sieht er sich auch schon nach Alternativen für 2015 um.

NICHT GENÜGEND:

Kimi Räikkönen - Die Rückkehr zu jenem Team, bei dem der "Iceman" 2007 Weltmeister wurde, verläuft bislang katastrophal. Kein einziges Mal war er im Rennen besser platziert als Alonso, dazu kamen Harakiri-Aktionen wie in Silverstone. Kimi, restart your engine!

Pastor Maldonado - Fad wird den F1-Zuschauern nie, wenn der Venezolaner zur Attacke ansetzt - nur gefährdet er damit sich selbst und die Konkurrenz. Aufgrund von sprudelnden Geldreserven seiner Sponsoren hält Lotus an ihm fest. Sportliche Gründe für die Vertragsverlängerung kann es keine geben.

Adrian Sutil - Der Routinier wird sich ärgern, Force India nach fünf Jahren verlassen zu haben. Im Sauber funktioniert nämlich nichts nach Wunsch. Zwei Mal war er als Elfter knapp an Punkten dran.

Esteban Gutierrez - Auch beim Mexikaner ist keine Steigerung zu erkennen. Dafür stehen schon fünf Ausfälle zu Buche. Das sind bereits um drei mehr als im gesamten letzten Jahr.

Marcus Ericsson - Platz elf in Monaco war sein Highlight. Sonst lief beim jungen Schweden, wie generell bei Caterham, nicht viel zusammen.

Max Chilton - Jetzt ist die Nachzügler-Kultfigur auch noch seinen Marathon-Rekord los. 25 Rennen lang kam er immer ins Ziel, in Montreal war es vorbei.

Kamui Kobayashi - Seine Routine sollte Caterham helfen, jetzt steht er vor dem Rauswurf. Die neue Teamführung scheint alles andere als angetan von den Diensten des Japaners zu sein. Gut möglich, dass es auch an fehlenden Sponsorengeldern liegt.

Felipe Massa Valtteri Bottas
Endplatzierung 5. 8.
Rückstand auf 1. 29,841 sek. 41,344 sek.
Topspeed 306,3 km/h (8.) 315,6 km/h (1.)
Schnellste Runde 1:28,229 (7.) 1:26,850 (3.)
Reifenstrategie (Runden) Inter (8), S (15), M (22), M (25) Inter (9), S (14), M (36), S (11)

  • DIE TRÄUME DER STARS

 

  • ZAHLENSPIELEREIEN:

73 - Daniel Ricciardo ist der 73. Pilot der F1-Geschichte, der mehr als ein Rennen gewinnen konnte. Zweifache GP-Sieger sind unter anderem Graf Wolfgang Berghe von Trips, Patrick Depailler, Jean-Pierre Jabouille und Elio de Angelis.

3.000 - Jubiläum für Red Bull Racing: Auf dem Weg zum Sieg fuhr Ricciardo die 3.000. Führungsrunde für das Team aus Milton Keynes. Im Allzeit-Ranking bedeutet das Platz fünf.

5 - Der Australier ist der fünfte Fahrer in 29 Ungarn-Rennen, der diesen Grand Prix mit einer schlechteren Startposition als Platz drei gewann. Hamilton gewann zuletzt 2009 ebenfalls als Vierter nach dem Qualifying.

19 - Lewis Hamilton hat seinen eigenen Rekord von im Rennen überholten Gegnern noch einmal getoppt. In Deutschland waren es 17, diesmal ließ er 19 hinter sich. Der F1-Rekord ist für Hamilton aufgrund des kleinen Fahrerfeldes unerreichbar: Roberto Mieres ließ 1954 beim Grand Prix von Großbritannien 26 Autos hinter sich.

100 - Hamilton konnte Mercedes mit Platz drei ein Jubiläum retten, war es doch der 100. Grand Prix für das Werksteam.

50 - Insgesamt war es Podestplatz Nummer 50 für die Silberpfeile. Sie haben damit gleich viele wie Ligier.

10 - Nico Rosberg erreichte seine zehnte Pole Position. Er holte damit Jochen Rindt ein.

8 - Jenson Button war der achte Fahrer, der in dieser Saison ein Rennen anführte.

 

Andreas Terler

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