Kimi siegt am Mäher

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Flashback: Kimi siegt am Mäher

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Nach einem in punkto Rennaction ziemlichen Langeweiler in Spielberg meldete sich die Formel 1 in Silverstone spektakulär zurück.

Schon nach ein paar Kurven flog Kimi Räikkönen ab und verletzte sich zum Glück kaum. Allerdings sorgte er anschließend für viele Diskussionen (siehe Teamcheck) - und eine lange Pause.

Man stelle sich vor, beim Österreich-GP hätte eine Stunde lang eine Leitplanke repariert werden müssen. Andreas Gabalier hätte unter Umständen noch weitere Strophen der Bundeshymne "singen" dürfen - sofern er sie mit acht Jahren gelernt hat.

Aber weg von den Horror-Szenarien und hin zu den schönen Geschichten des Wochenendes. Wie die von Jenson Button. Auch Kimi durfte jubeln. Er hat einen großen Sieg auf Rasen gefeiert.

Lords und Ladies: Der Flashback.

  • HOT AND NOT

Valtteri Bottas

"The Next Big Finn" hat schon wieder zugeschlagen! Nach seinem vielumjubelten dritten Platz in Spielberg legte Bottas in Silverstone noch eine Schippe drauf und toppte das beste Resultat seiner noch jungen F1-Karriere mit dem zweiten Rang. Nach einem völlig verpatzten Qualifying ging der Williams-Pilot nur von Platz 14 aus ins Rennen, konnte sich aber bis zum Restart schon auf Position neun nach vorne arbeiten. Danach folgte ein wilder Ritt durch das Feld, gepaart mit einer cleveren Ein-Stopp-Strategie. "Wir wussten, dass wir ein schnelles Auto haben und vielleicht hat es uns etwas überrascht, dass es so schnell war", konnte Bottas seinen Erfolg selbst kaum glauben. Williams-Chefingenieur Rob Smedley fehlten fast die Worte: "Valtteri war im gesamten Rennen richtig stark, er hatte durchwegs ein tolles Tempo. Mehr kann man von einem Fahrer nicht erwarten."

Esteban Gutierrez

Könnt ihr euch noch an Bahrain erinnern? Unser aller Pastor Maldonado wollte sich im Wüstenstaat den Unterboden eines Saubers genauer ansehen und hat zu diesem Zweck das Gefährt von Esteban Gutierrez elegant umgedreht. Eine hirnlose Aktion. In Silverstone war nun Payback-Time. In Kurve 16 stieß der Mexikaner den Lotus von Maldonado heftig zur Seite. Ein Überschlag gelang ihm zwar nicht, dafür erlebte der Venezolaner ein paar Momente Schwerelosigkeit. "Als ich ihn überholen wollte, fuhr er beim Anbremsen nach innen und ließ mir keinen Platz. Ich war direkt neben ihm und konnte somit eine Kollision nicht mehr verhindern", zeigte sich Gutierrez, wie Maldonado in Bahrain, uneinsichtig. Eine Strafe bekam er trotzdem. In Hockenheim geht es für ihn drei Startplätze nach hinten.

  • NEWCOMER-CHECK

Punkt für Punkt für Punkt holt Kevin Magnussen in dieser Saison. Mit Platz sieben wiederholte der Däne nicht nur sein Ergebnis vom Grand Prix in Österreich, sondern fuhr auch zum vierten Mal in Serie in die Top-Ten. Die Reifenwahl bereitete Magnussen aber Probleme. "Mit dem Option kam ich heute nicht gut zurecht, auf den Prime-Reifen war ich schneller. Es ist ein wenig frustrierend, aber dennoch kann ich mit Rang sieben leben. Ich bin zufrieden, weil es nach vorn geht. Gleichzeitig machen allerdings auch andere Teams Fortschritte. Wir müssen dabei eben schneller sein", weiß er um die Klasse von Force India, Williams und Ferrari, die mit McLaren wohl um Platz drei in der Konstrukteurs-WM rittern werden.

Nach vier Rennen ohne Zähler konnte auch Daniil Kvyat wieder anschreiben. Zuletzt noch vom Pech verfolgt, zeigte sich der junge Russe über Platz neun natürlich hochzufrieden: "Es war ein intensives Rennen. Am Ende habe ich alles gegeben, um Hülkenberg noch zu packen. Ich war schneller, kam sehr nahe, aber nicht mehr vorbei." Toro Rosso kann jedenfalls stolz sein. Zum ersten Mal seit Australien waren beide Autos in den Punkterängen.

Wieder nichts mit einer Zielankunft wurde es bei Marcus Ericsson. Dabei konnte der Caterham-Fahrer beim Start sechs Plätze gutmachen. In Runde elf rumpelte er aber etwas zu hart über einen Randstein. Die Folge: Aufhängung kaputt, Rennen vorbei.

  • TEAM-CHECK: Alonso vs. Räikkönen

Niederlagen in Qualifying und Rennen scheinen bei Ferrari zur Gewohnheit geworden zu sein, so gelassen nimmt man die alles andere als zufriedenstellenden Ergebnisse schon hin. Vielleicht ist den Verantwortlichen in Maranello aber auch einfach schon klar: Mit Siegen wird das wohl heuer nichts mehr. Deswegen hat man prompt zehn neue Techniker engagiert - am Geld mangelt es ja nicht. Mit Fernando Alonso hat man zumindest einen Fahrer, der auf Biegen und Brechen alles aus seiner "Gurke", wie Sebastian Vettel sagen würde, herausholt. Bei Kimi Räikkönen sieht das anders aus. 0:9 steht es aus Sicht des Finnen in Rennduellen. Der Qualifyingstand lautet 2:7. Der "Iceman" verspielt derzeit viel von seinem Kredit, daher ist es nicht verwunderlich, dass er zuletzt seinen Rücktritt aus dem F1-Zirkus mit Ende 2015 angekündigt hatte. Bei seinem Horror-Crash in Silverstone kam er glimpflich davon, beim nächsten Rennen in Deutschland soll er wieder am Start stehen. Auch wenn das nicht alle so wollen. "Als er die Strecke verließ, erhöhte er weiter seine Geschwindigkeit und kam mit Vollgas zurück. Er hatte keine Kontrolle über sein Auto", schrieb Will Buxton, langjähriger F1-Journalist für NBC. Er fordert, dass Räikkönen für ein Rennen gesperrt werden soll.

  • EMOTIONEN DER WOCHE: Pink for Papa

Bei all der Aufregung über Gezanke via Teamfunk oder spektakuläre Unfälle blieb auch noch genug Platz für große Emotionen. In Gedenken an seinen im Jänner verstorbenen Vater, der als Glücksbringer für seinen Sohn an Rennsonntagen immer ein rosa Hemd trug, tauchte Jenson Button die Formel-1-Familie ganz in pink. Extra angefertigte T-Shirts gingen am Silverstone Circuit weg wie die warmen Semmeln und als Button im Qualifying auch noch Platz drei einfuhr, zeigte er sich sehr bewegt. "Ich war schon Weltmeister, habe Rennen gewonnen und stand auf der Pole, aber der dritte Platz hier war doch sehr emotional. Leider kann mein Vater heute nicht dabei sein, aber er hat bestimmt von da oben auf mich herabgelächelt und er hätte dieses Qualifying geliebt", erzählte der Routinier.

  • MISSVERSTÄNDNIS DER WOCHE: Frauen an den Herd!?

Wenn man sich als Fahrer über Frauen in der Formel 1 äußert, wird es immer besonders heikel. Das wurde an diesem Wochenende Sergio Perez klar. Als er am Freitag im Zuge der Trainings-Premiere von Susie Wolff bei Williams von einem Journalisten gefragt wurde, ob er sich eine Frau als Teamkollegin vorstellen könnte, meinte der Mexikaner: "Nein, stell dir vor die ist besser als ich, das wäre wirklich schlimm. Es wäre besser, sie in der Küche zu haben." Der "Aufreger" war perfekt. Die Worte von Perez davor, als er Wolff als tolle Fahrerin lobte, die bewiesen hätte, wie man sich in der Formel 1 durchsetzen kann, waren flugs vergessen. Es bedurfte einer Twitter-Botschaft von Perez, um die Sache für alle zu klären. "Ich habe nie etwas Böses Richtung Susie gemeint. Ich bewundere dich dafür, dass du hier bist", schrieb Perez. Wolff selbst nahm die Sache sehr locker und mit einer gehörigen Portion Humor: "Seine Kommentare waren völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Meine Familie wird dir aber bestätigen, dass ich besser Autofahre als koche."

  • SELFIE DER WOCHE: Legenden-Parade. 200 km/h. Respekt!

  • ZITAT DER WOCHE: Niki Lauda über Vettel vs. Alonso

"Die sollen lieber Auto fahren, anstatt sich zu beschweren. Sie zerstören das Bild zweier Toppiloten, die sich bekämpfen. Das wollen wir sehen, aber sie sind wie kleine Kinder."

  • RENNEN DER WOCHE: Sieg für Kimi!

Im Rennen am Sonntag lief es zwar gar nicht gut für den "Iceman", dafür gab er davor ordentlich Gas. Für "Sky Sports F1" nahm der sonst so medienscheue Räikkönen an einem Traktor-Grand-Prix teil und verblies seine Gegner Johnny Herbert, Martin Brundle und Anthony Davidson so richtig. Vielleicht ja DIE Idee für eine neue Rennserie nach der F1-Karriere.

  • ZAHLENSPIELEREIEN:

22 - Zum 22. Mal wurde ein Grand Prix von Großbritannien von einem Briten gewonnen.

27 - Hamilton feierte seinen 27. Rennsieg und zog mit Jackie Stewart gleich. Außerdem hat er jetzt gleich viele Saisonsiege wie 2008, als er Weltmeister wurde. Nämlich fünf.

2 - Erst zum zweitem Mal wurde der GP von Großbritannien an einem 6. Juli ausgetragen. 2008 und 2014. Beide Male hieß der Sieger Lewis Hamilton. Im Jahr 2025 fällt der 6. Juli wieder auf einen Sonntag. Hamilton wäre dann 40 Jahre alt.

59 - Hamilton ist der erste Fahrer seit Stirling Moss vor 59 Jahren, der auf der Insel in einem Mercedes gewann.

39 - Vor 39 Jahren war es zuletzt der Fall, dass ein Fahrer den britischen Grand Prix gewann, obwohl er außerhalb der Top-Fünf gestartet war. Emerson Fittipaldi fuhr 1975 von Position sieben los.

4 - Weiterhin dem Podium in seiner Heimat hinterher fuhr indes Jenson Button. Nach 2004 und 2010 wurde der McLaren-Pilot nun schon zum dritten Mal Vierter.

17 - Ein bitteres Ende nahm eine ganz besondere Serie für Nico Rosberg. Bis zu seinem Getriebe-Defekt am Sonntag fuhr der WM-Leader in 17 Rennen in Folge in die Punkteränge.

2 - Damit gibt es aktuell nur noch zwei Fahrer, die heuer in jedem Rennen Zählbares mitgenommen haben: Fernando Alonso und Nico Hülkenberg.

299 - Williams steht kurz vor einem Jubiläum. Valtteri Bottas sorgte für den 299. Podestplatz der Teamgeschichte. Außerdem stand erstmals seit 2005 (Nick Heidfeld) ein Williams-Fahrer in zwei Rennen in Folge am Stockerl.

 

Andreas Terler

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