Bitte lächeln!

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Flashback: Bitte lächeln!

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"Wow!"

Das war alles, was aus Daniel Ricciardo nach seiner Zieldurchfahrt in Montreal herauskam.

Wer will es ihm verdenken. In seinem siebenten Rennen für Red Bull Racing holte der Australier seinen ersten Sieg. Und was für einen.

Alles war angerichtet für eine Mercedes-Triumphfahrt. Niemand hätte auf der Highspeed-Strecke in Kanada einem anderen Team den Sieg zugetraut. Nur eines ist spätestens seit diesem Wochenende klar: Die Silbernen sind überlegen, aber nicht unfehlbar.

Ricciardo war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, fuhr ein blitzsauberes Rennen und wies einmal mehr seinen grantigen Teamkollegen in die Schranken.

Der Kampf zwischen Mercedes und Red Bull geht indes außerhalb der Strecke weiter und treibt immer seltsamere Blüten. 

Es wäre sinnvoll, wie oben bebildert, sich einfach ein Beispiel am Sieger zu nehmen und zu lächeln. Das kostet nichts und ist viel wert.

  • HOT AND NOT

Nico Rosberg

Es ist eigentlich kaum vorstellbar. Da fehlen einem Auto 160 PS und trotzdem reicht es für das Podest. Trotz des Premierensieges von Daniel Ricciardo gehört Nico Rosberg für diese bärenstarke Leistung großer Respekt gezollt. Der Deutsche hat nach dem etwas bitteren Sieg in Monaco (Stichwort: Park-Gate) das Momentum im Kampf um die WM endgültig auf seiner Seite. "Das war weltmeisterlich, wie er mit diesem Handicap gefahren ist", überschüttet Niki Lauda seinen Schützling mit Lob. Rosberg selbst konnte gar nicht glauben, wie gut er unterwegs war. "Ich wusste gar nicht, dass ich in Führung lag und war mir auch im Ziel nicht bewusst, dass ich Zweiter war. Ich dachte, ich wäre auf Platz fünf oder sechs. Daher bin ich sehr zufrieden", so der 28-Jährige. Und das mehr als zurecht.

Fernando Alonso/Kimi Räikkönen

Mercedes, Red Bull Racing, Force India, Williams, McLaren - all diese Teams fuhren Ferrari in Montreal davon. Die Scuderia konnte von Glück reden, dass sich Sergio Perez und Felipe Massa in der letzten Runde abschossen, sonst wäre das Ergebnis noch verheerender ausgefallen. Während Kimi Räikkönen in seinem 200. Grand Prix vor lauter Problemen Pirouetten drehte, fehlte es Fernando Alonso trotz mehrerer Updates, die Ferrari nach Montreal mitbrachte, schlichtweg an Geschwindigkeit. "Ich war nicht glücklich mit der Balance und habe in jeder Kurve die Vorderreifen blockiert. Ich war einfach nicht schnell genug", fasst der Asturier zusammen. Auch keine ganz neue Erklärung mehr. Als nächstes kommt dann: "Wir konzentrieren uns auf 2015"...

  • NEWCOMER-CHECK

Erneut darf sich Kevin Magnussen als Neunter über Punkte freuen. Gerechnet hätte er damit nach Startplatz zwölf nicht unbedingt. "Vor dem Rennen habe ich gesagt, dass ich glücklich wäre, wenn ich Punkte holen könnte. Beide Autos in den Top 10 zu bekommen, ist großartig für das Team", so der Däne, der ein herausforderndes und frustrierendes Rennen erlebte. "Es ist hart, wenn man sich darauf konzentrieren muss, auf die Reifen aufzupassen. Ich bin am Ende des Rennens lange gegen Vergne gefahren, hatte aber einfach nicht die Pace um vorbeizugehen", erklärt der 21-Jährige.

Montreal und Daniil Kvyat - das war keine Liebe auf den ersten Blick. Der Russe kam bei seinem ersten Ausritt auf der Highspeed-Piste nicht gut mit Strecke und Auto zurecht und musste seinen Toro Rosso vorzeitig abstellen, weil er plötzlich keine Leistung mehr hatte. "Es war ein enttäuschendes Ende eines schwierigen Wochenendes hier in Kanada", gibt der Rookie zerknirscht von sich.

Ein noch kürzeres Vergnügen als Kvjat hatte in Montreal Marcus Ericsson. Schon nach sieben Runden musste der Schwede sein Auto aufgrund einer kaputten Power Unit abstellen. In der Box wurde ein defekter Schlauch zum Turbo entdeckt. So wird man den letzten Platz in der Konstrukteurs-WM nur sehr schwer los...

 

  • TEAM-CHECK: Ricciardo vs. Vettel

Ob eingelegt in Essig, gegrillt oder gefüllt - aus Gurken kann man großartige Dinge machen. Auch ein Formel-1-Siegerauto. Das passende Rezept dafür hatte Sebastian Vettel an diesem Wochenende nicht parat. Dabei hatte er - siehe Topspeed - auf den Geraden sogar das schnellere Gemüse als Daniel Ricciardo unterm Hintern. Das personifizierte Gegenteil von Janne Ahonen machte im Gegensatz zum vierfachen Champion alles richtig - und das obwohl er lange hinter dem Force India von Sergio Perez festhing. Mit einem Klasse-Manöver in Kurve eins wurde erst der Mexikaner und in weiterer Folge auch der stumpfe Silberpfeil von Nico Rosberg überholt. Vettel musste neidlos zuschauen und anerkennen, dass der Australier einmal mehr den besseren Job gemacht hat. Wie gut beziehungsweise schlecht ihm das gelungen ist, kann man aus seinen Aussagen gut herauslesen. Während der Heppenheimer schmollt und grollt, macht Ricciardo das, was er am besten kann: Lächeln und im Moment leben. Ob er heuer noch einmal gewinnen kann? "Ich denke, ich werde nun erstmal den Moment auskosten, viel weiter denke ich nicht."

Aus einem gemeinsamen Früstück in Spielberg wird wohl nichts

  • STREIT DER WOCHE: Hotel, Hotel

"Guten Morgen, ich bring´ das Frühstück - Frischen Kuchen und frischen Aal - Schöne Mädchen lange Beine – Hotel, Hotel – international", trällerte Blödel-Barde Alf Poier anno 2005 und verpasste damit eine Reise zum europäischen Wettsingen nach Kiew. Zu gerne hätte Mercedes sein Frühstück - egal ob mit oder ohne Fischbeilage - beim Grand Prix von Österreich unweit des Red Bull Rings eingenommen. Doch daraus wird nichts. Was zunächst klingt wie ein kleines Missverständnis, ist nur der nächste Teil der unendlichen Serie: Mercedes gegen Red Bull Racing. "Wir sind rausgeschmissen worden! Die, die am meisten und härtesten am Auto arbeiten, müssen jetzt jeden Tag 70 Kilometer pendeln", klagte Motorsportchef Toto Wolff, der seiner Crew nun ein Quartier in Graz besorgte. Er selbst und die Piloten werden in Wohnmobilen untergebracht. So wenig Gastfreundlichkeit wollte sich Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko nicht vorwerfen lassen. "Wir hatten insgesamt nur eine Anfrage und die hat Mercedes selbst wieder storniert", so der 71-Jährige und bezeichnet die Aufregung als "unverständliches Theater". Von einer Stornierung wiederum will Niki Lauda nichts wissen. Wenn solche Kleinigkeiten schon ausarten, was wird dann erst in Spielberg auf der Strecke los sein?

Daniel Ricciardo Sebastian Vettel
Endplatzierung 1. 3.
Rückstand auf 1. - +5,247 sek.
Topspeed 328,8 km/h (13.) 334,5 km/h (7.)
Schnellste Runde 1:18,640 (4.) 1:19,171 (10.)
Reifenstrategie (Runden) Supersoft, Soft, Soft Supersoft, Soft, Soft

  • DAS ENDE DER WOCHE: Ach, Max...

Er ist der "Unsung Hero" der Formel 1, doch nun ist er seine Serie los. Max Chilton, der Mann, der auch drei Runden Rückstand noch als Erfolg verbuchen kann, ist zum ersten Mal in seiner Karriere nicht ins Ziel gekommen. Sagenhafte 25 Rennen lang (F1-Rekord!) war kein Grand Prix vorbei, ehe der Brite im Marussia die Ziellinie überquerte. Diesmal ging alles ganz schnell. In der ersten Schikane verlor er die Kontrolle über sein Auto und drehte sich ausgerechnet in den Boliden seines Teamkollegen Jules Bianchi. Danach war für beide Herren der Arbeitstag beendet. "Der Unfall war sehr unglücklich für uns beide. Nach einem denkwürdigen Rennen in Monaco war das hier eines zum Vergessen, aber wir werden weiter dranbleiben und das Auto weiterentwickeln", gibt Chilton nicht auf.

 

  • PHOTOBOMB DER WOCHE: Wer zuletzt lacht...

  • SPIELBERG COUNTDOWN + GEWINNSPIEL

Unaufhaltsam rückt er näher, der Grand Prix von Österreich.

In wengiger als zwei Wochen dröhnen am Red Bull Ring die Motoren und das Mercedes-Duell wird in die nächste Runde gehen - oder gibt es, beflügelt durch den Triumph in Montreal - gar einen "Heimsieg" in Spielberg durch Red Bull Racing?

Bevor es soweit ist, werfen wir wieder einen Blick zurück. Anno 2001, also vor 13 Jahren, stand Ferrari im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Michael Schumacher kämpfte erneut um die Weltmeisterschaft und startete von der Pole Position. Im Rennen fiel der Deutsche aber zurück. Im Finish folgte der Skandal. Per Funkspruch hielt Ferrari-Teamchef Jean Todt den Zweitplatzierten Rubens Barrichello an, seinen Teamkollegen vorbeizulassen. Der Satz "Let Michael pass for the championship" ging in die Formel-1-Geschichte ein. Schumacher wurde also Zweiter - nur wer gewann das Rennen eigentlich?

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Die Preise:

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  • ZAHLENSPIELEREIEN:

105 - Daniel Ricciardo ist der 105. Fahrer in der Geschichte der Formel 1, der ein Rennen für sich entscheiden konnte.

4 - Aus seiner Heimat Australien gab es vor ihm drei Rennsieger: Der kürzlich verstorbene Jack Brabham, Alan Jones und Mark Webber.

42 - Den letzten Premieren-Sieger gab es mit Pastor Maldonado beim Grand Prix von Spanien 2012. Das war vor 42 Rennen.

46 - Noch eine Premiere gab es heuer in Montreal. Als die Probleme bei Mercedes größer wurden, übernahm mit Felipe Massa in Runde 46 erstmals ein Pilot die Rennführung, der nicht im Silberpfeil unterwegs war.

413 - Somit lag Mercedes in dieser Saison 413 Runden lang in Folge in Führung. Das ist die längste Serie seit 1993, als Williams in Kanada, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Ungarn und Italien immer in Führung lag - und zwar 419 Runden lang.

477 - Nur ein einziges Team schaffte es, eine noch längere Führungs-Serie aufzustellen. Nämlich McLaren (Alain Prost und Ayrton Senna) 1988 mit 477 Runden in Front.

7 - Während es Mercedes verpasste in sechs Rennen hintereinander einen Doppelsieg einzufahren und damit Geschichte zu schreiben, gelang Nico Rosberg immerhin die siebente Pole Position seiner Karriere. Er zieht in dieser Statistik mit dem Franzosen Jacques Laffite gleich.

2011 - Felipe Massa kann sich immerhin mit der schnellsten Rennrunde trösten. Es war die erste für ihn seit dem Grand Prix von Ungarn 2011. Der letzte Williams-Pilot mit der schnellsten Rennrunde war übrigens Bruno Senna beim Rennen in Belgien vor zwei Jahren.

 

Andreas Terler

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