Flashback: Rien ne va pneus

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Das Spielerparadies in Monaco sorgt Jahr für Jahr in der Formel 1 für fürstliche Unterhaltung. Dieses Jahr sollte es nicht anders sein, auch wenn das Rennen am Sonntag durchaus seine "Ruhephasen" hatte.

Das Dauerthema Reifen war an diesem Wochenende erneut zuverlässiger Lieferant für Hohn und Spott - wenn auch die Gummis im Rennen selbst vergleichsweise zuverlässig waren, was nicht zuletzt an der Strecke selbst lag.

Einen neuen Spin bekam die Sache dank Mercedes. Und das ausgerechnet am Tag des langersehnten Sieges der Silberpfeile. Dabei würde man sich doch so gerne auf pures Racing und einen spannenden WM-Kampf konzentrieren.

Frei nach Casino-Sprech kann man also sagen: "Rien ne va (sans) pneus". Nichts geht (ohne) Reifen.

LAOLA1 blickt nochmals auf die Action in Monaco zurück:

  • HOT AND NOT

  ADRIAN SUTIL

Dass man in Monaco nicht überholen kann, wurde von Adrian Sutil am Sonntag eindrucksvoll widerlegt. Von - aus Force-India-Sicht bereits erfreulichen - Platz acht ging der Deutsche ins Rennen und arbeitete sich bis zum fünften Platz nach vorne. Nur einmal (Monza 2009) war Sutil besser klassiert. In Monaco erwies er sich als Weltmeister-Jäger und ließ unter anderem Fernando Alonso und Jenson Button hinter sich. "Das sind unvergessliche Momente", lobte Teamchef Vijay Mallya seinen Schützling nach dem Rennen überschwänglich. Als nächstes Ziel hat der Inder einen Podiumsplatz vorgegeben.

 

  FERNANDO ALONSO

Der Spanier nahm den Mund nach seinem Heimsieg ganz schön voll und stichelte gegen Red Bull. Eigentlich kann Ferrari im Rennen zulegen, in Monaco war das Gegenteil der Fall. Mehrere Male musste er in der Haarnadelkurve Konkurrenten passieren lassen. Frustrierend für den temperamentvollen 31-Jährigen. Zusätzlich hatte er auch noch die Rennstewards gegen sich. Beim harten Manöver von Sergio Perez war Alonso gezwungen, abzukürzen und musste dann den Mexikaner auf Anweisung der Rennleitung passieren lassen. "Ich fuhr in der Schikane geradeaus, um eine Kollision mit ihm zu vermeiden", so Alonsos Erklärung.

  • NEWCOMER-CHECK

Fast im Gänsemarsch ging es für vier der fünf Rookies über die Ziellinie. Das beste Ergebnis gehörte diesmal Valtteri Bottas im Williams mit Platz 14. Damit konnte er seine Startposition halten. Immerhin. Seine Bilanz fiel aber ernüchternd aus: "Selbst als wir manchmal das Gefühl hatten, das Tempo dafür zu haben, gelang es uns nicht, die Manöver durchzuführen." Esteban Gutierrez startete als 19. mit geringer Aussicht auf WM-Punkte. Es sollte sich - wie erwartet - nicht ausgehen. Dem Mexikaner spielte auch der Rennverlauf nicht in die Karten: "Die erste Safety-Car-Phase passte überhaupt nicht zu unserer Strategie, aber wir haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen." Max Chiltons Rennen war vom Unfall mit Pastor Maldonado überschattet, der für die Rennunterbrechung sorgte. Platz 14 ist dennoch sein bestes Saisonergebnis. Gleiches gilt für Giedo van der Garde und Platz 15. Der Niederländer erhoffte sich mehr, doch dank einer unliebsamen Berührung mit Maldonado sowie einem KERS-Ausfall ab Runde 10 war nicht mehr zuholen. Chilton-Teamkollege Jules Bianchi krachte in die Streckenbegrenzung, die der Maldonado-Crash auf die Piste geworfen hatte und musste mit defekter Bremsscheibe aufgeben.

 

  • TEAM-CHECK: RÄIKKÖNEN VS. GROSJEAN

Romain Grosejan hat gegen seinen finnischen Teamkollegen im direkten Vergleich weiterhin nichts zu melden. 6:0 steht es im Renn-Head-to-Head, 5:1 beim Qualifying. Nur bei Red Bull Racing ist der Vergleich noch deutlicher. Die einen sagen, Grosjean fahre am Limit, die anderen, er sei ein Bruchpilot. "Es sah so aus, als hätte Ricciardo mit Graining zu kämpfen. Ich fuhr nahezu das ganze Rennen hinter ihm und nach dem Tunnelausgang hat er mich gezwungen, früher zu bremsen, doch da war nirgends Platz zum Ausweichen", erklärte er seinen Crash, der das Aus und eine saftige Strafe bedeutete. Kimi hatte auch seine liebe Not mit der Konkurrenz, rettete aber mit einer "epischen Final-Runde", wie Lotus es twitterte, noch ein Pünktchen.

  • DA CAPO DES WOCHENENDES: Synchron-Crashing mit Felipe

Wie die Bilder sich doch gleichen. Zwei Mal schmiss Felipe Massa in der St. Devote sein Auto weg. Zunächst beim Training am Samstag, was ihm schließlich die Möglichkeit nahm, am Qualifying teilzunehmen. Und dann auch noch im Rennen. Die Reifen des Brasilainers blockierten, bei Ferrari sprach man offiziell von einem Fahrfehler. Zum seinem Glück kam er mit Nackenschmerzen davon.

Der Mexikaner hätte diesmal alleine die HOT/NOT-Rubrik füllen können, so extrem verlief sein Rennen. Für den neutralen Beobachter war Sergio Perez definitiv der Mann des Rennens. Button, Alonso, Räikkönnen, usw. - sie alle hatten ihre liebe Not mit dem 23-Jährigen. Doch nicht nur einmal schlug Perez auch über die Stränge, womit er den Unumut der Konkurrenz auf sich zog. "Man sollte ihm am besten eine reinhauen, dann versteht er es", drückte sich Kimi Räikkönen am deutlichsten aus.

  • DOKUMENT DER WOCHE:
So sehr der Sieg von Mercedes strahlen sollte, er tat es nicht so richtig. Schuld sind Pirelli-Testfahrten in Barcelona. Vorläufiger Schlusspunkt der Causa ist ein Statement der FIA, dass die Silberpfeile noch vor gehörige Probleme stellen könnte. Entscheidender Punkt: Die FIA wurde weder näher über den Test informiert und noch wurde bestätigt, dass allen Teams von Pirelli die Möglichkeit zum Testen gegeben wurde. Derzeit wird noch über ein Strafmaß spekuliert. Das könnte noch bitter werden...

  • ZAHLENSPIELEREIEN:

2 - Nico Rosberg feierte den zweiten Sieg seiner Karriere. Und seine vierte Pole Position. Die eigentliche Premiere: Erstmals gewann ein Vater-Sohn-Gespann den Monaco Grand-Prix. Keke Rosberg 1983, Nico Rosberg 2013. Zweimal wurde dies verpasst. Graham Hill gewann fünf Mal im Fürstentum, Sohn Damon schaffte es nie. Gleiches gilt für Gilles und Jaques Villeneuve. Der Vater siegte, der Sohn nicht.

5 - Rosberg sorgte dafür, dass zum fünften Mal in Folge der Pole-Setter in Monte Carlo das Rennen gewinnt. 2008 verpasste Felipe Massa zuletzt von der Pole den Sieg und Lewis Hamilton triumphierte.

92 - In der Fahrer-WM liegt Rosberg auf Platz sechs, in Sachen Führungsrunden ist er der Leader. 92 Rennrunden lag er 2013 auf dem ersten Platz, dem Start-Ziel-Sieg in seiner Heimat sei Dank. Vor dem Wochenende waren es nämlich nur 14.

50 - Der eigentliche Gewinner des Rennens heißt Sebastian Vettel. Er konnte seine WM-Führung ausbauen und hatte zudem ein Jubiläum zu feiern: Es war der 50. Podiumsplatz für den Weltmeister.

18 - Noch einmal Vettel: Der Heppenheimer drehte die schnellste Rennrunde in Monaco. Es war die 18. seiner Karriere. Damit hat er dieses Kunststück so oft geschafft wie David Coulthard.

15 - Caterham jubelte im Qualifying über den besten Startplatz der Geschichte durch Giedo van der Garde. Bisher war es Heikki Kovalainen in Bahrain, Hockenheim und Valencia als 16.

97 - Einem Jubiläum nähert sich Mercedes als Motorenhersteller. Der Sieg Rosbergs war der 97. mit einem Aggregat von Mercedes. In der ewigen Motoren-Tabelle liegt man damit auf Platz vier. Der Dritte, Renault (154), ist aber noch außer Reichweite.

23 - Der "Iceman" blieb cool und fuhr trotz Problemen im Finish noch einen Zähler ein. Damit fuhr Kimi Räikkönen zum 23. Mal in die Punkteränge. Glückt ihm dies auch in Montreal, kann er den Rekord von Michael Schumacher egalisieren.

 

Andreas Terler

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