Deutschland-Flashback: Achtung, Geisterfahrer!

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Kein Reifen-Frust, kein Chaos, einfach nur Racing.

Der Grand Prix von Deutschland war nach dem Desaster von Silverstone eine Wohltat für alle Formel-1-Fans.

Der Sonntag stand natürlich im Zeichen des (Fluch-Be)Siegers Sebastian Vettel und seiner ersten Triumphfahrt in der Heimat. Aber auch der Rest des Feldes machte auf sich aufmerksam.

Jules Bianchi zum Beispiel, der gar nicht mehr am Steuer seines Marussias saß, als sein Bolide wohl die bedeutendsten Meter in dieser Saison zurücklegte.

Oder Romain Grosjean, der sich nach zuletzt großen Enttäuschungen lautstark zurückmelden konnte. 

Richtig kurios wurde es auch abseits der Strecke dank Niki Lauda, der sich mit einem amerikanischen TV-Sender einen ungewöhnlichen Scherz erlaubte und so seine Art von Humor bewies.

Wagen wir also den Blick zurück auf die Tage am Nürburgring:

  • HOT AND NOT

  ROMAIN GROSJEAN

Er ist ein Grenzgänger, er ist umstritten, aber er ist auch verdammt schnell. Am Sonntag hat Romain Grosjean wieder über ein ganzes Rennen seinen Speed unter Beweis stellen können. Nach vier Rennen mit zwei Ausfällen und keinen Punkten raste der Franzose nach Platz drei in Bahrain zu seinem zweiten Podestplatz der Saison. In seiner Karriere stand er damit zum fünften Mal am Stockerl. Der 27-Jährige erwies sich als Reifenflüsterer und fuhr mit verbrauchten Pneus bessere Rundenzeiten als alle anderen.  Nach der Safety-Car-Phase kam sogar Hoffnung auf einen Sieg auf. „Ich dachte schon, ich hätte die Chance, Sebastian zu schlagen.“

  FELIPE MASSA

Konnte er zu Saisonbeginn noch mit Teamkollege Fernando Alonso mithalten, geht bei Felipe Massa derzeit gar nichts. Am Nürburgring war sein Rennen schon nach etwas mehr als drei Runden Geschichte. Nach einem Dreher rutschte der Brasilianer von der Piste. Zunächst hatten die Hinterreifen blockiert, dann blieb das Getriebe stecken. Technikdirektor Pat Fry bestätigte mittlerweile, dass es sich um einen Fehler des Fahrers handelte. Diskussionen um Massas Zukunft bei der Scuderia lassen sich somit nicht mehr vermeiden. „Ich habe immer gesagt, dass wir ihm vertrauen“, stärkt ihm Teamchef Stefano Domenicali den Rücken. Noch.

  • NEWCOMER-CHECK

Esteban Gutierrez kann diesmal das beste Rookie-Resultat als 14. einfahren. Valtteri Bottas im Williams enttäuscht als 16. und der Kampf gegen den letzten Platz entscheidet Caterham für sich. Giedo van der Garde zeigte sich über Platz 18 direkt euphorisch. „Das war mein bisher bestes Rennen“, freute sich der Niederländer darüber, die beiden Marussias hinter sich gelassen zu haben. In Jenson Button wird van der Garde aber keinen neuen Freund finden. Der Brite kämpfte gegen Lewis Hamilton um Platz fünf und gab den beiden Caterhams die Schuld, diesen nicht erreicht zu haben. „Sie haben unser Rennen zerstört. Wenn man blaue Flaggen bekommt, muss man den anderen einfach vorbei lassen“, fauchte der Routinier.


  • TEAM-CHECK: Hülkenberg vs. Gutierrez

Zwei Mal ging es für Nico Hülkenberg in Folge in die Punkteränge.  Auch wenn es zwei Mal nur der zehnte Platz war, ist das Balsam auf der finanzgeplagten Sauber-Seele. „Es war heute nicht mehr drin“, war der Deutsche bei seinem Heimspiel aber nicht zufrieden. Im Renn-Duell gegen Esteban Gutierrez stellte er damit auf 6:3. Im Qualifiying machte der Mexikaner noch gar keinen Stich. Für die kommende Saison müssen sich die Schweizer aber schon einmal einen anderen Fahrer suchen. Wegen anhaltender Finanzprobleme hat Hülkenberg, der alle sieben Sauber-Punkte in dieser Saison geholt hat, seinen Vertrag gekündigt.

  • LAUDA DER WOCHE: Niki beißt in sein "Ohr"

Kein Wochenende ohne unser aller Niki! 37 Jahre nach seinem schweren Crash auf der Nordschleife kehrte der 64-Jährige mit einem amerikanischen TV-Team für ein Interview an die Unfallstelle zurück und bewies seine ganz eigene Art von Humor. In einem unbeobachteten Moment schmiss Lauda einen mitgebrachten Keks auf den Boden. Während der Aufnahmen sagte er dann plötzlich: „Verzeihung, ich muss nur mein Ohr suchen, dass ich beim Unfall verloren habe.“ Also hob er den Keks wieder auf und biss herzhaft hinein. Die Reaktion des TV-Teams ist nicht überliefert.

  • AUSRITT DER WOCHE: Der fahrerlose Marussia

 

Ist ein fahrerloser Marussia wirklich schneller als Max Chilton? Fest steht, dass sich in Runde 22 am Nürburgring wohl etwas noch nie Dagewesenes ereignete. Als wäre der rauchende und brennende Bolide von Jules Bianchi nicht schon spektakulär genug, entwickelte das Auto, nachdem der Franzose das Cockpit verlassen hatte, eine Eigendynamik und rollte rückwärts quer über die Strecke. Bianchi selbst behauptet, nach Vorschrift gehandelt und den Leerlauf eingelegt zu haben. Glücklicherweise war der Ausritt nach wenigen Sekunden zu Ende und brachte keinen anderen Piloten in Gefahr.

 

  • LOB DER WOCHE: Pirelli

Unglaublich, aber wahr: Ein Formel-1-Rennen ohne Reifenkritik! Kevlar sei Dank erlebte Paul Hembery und seine Truppe ein ruhiges und nervenschonendes Wochenende. Durch die Bank gab es sogar Lob für die Italiener. „Pirelli hat an diesem Wochenende einen guten Job erledigt“, ließ Jenson Button ausrichten. Hinter dem Erfolg steckt eine Menge Arbeit. Nach dem Chaos-Rennen in Silverstone ließ Pirelli in seiner Fabrik in der Türkei innerhalb kürzester Zeit 1.000 frische Reifen produzieren. „Ich möchte unseren Mitarbeitern der Fabrik im türkischen Izmit danken, die nach Silverstone ohne Unterbrechung arbeiteten, um genug Reifen zu produzieren“, so ein erleichterter Hembery.

  • ZAHLENSPIELEREIEN:

30 - Der erste Heimsieg in der Karriere des Sebastian Vettel war auch ein Jubiläum. Es war nämlich der 30. seiner Laufbahn.

110 - Auf dem Weg zu diesen 30 Siegen hat Vettel 110 Starts benötigt. Nur einer hat für 30 Erfolge weniger Rennen gebraucht, nämlich Michael Schumacher mit 109. Zum Vergleich: Ayrton Senna brauchte 114 Starts.

230 - Eindrucksvoll: Vettel drehte in dieser Saison mehr als doppelt so viele Führungs-Runden wie jeder andere. Nico Rosberg hält als Zweiter bei 104.

29 - Lewis Hamilton erreichte in der Eifel die 29. Pole-Position seiner Karriere. Damit ist er in der Allzeit-Wertung Siebenter und zieht mit Juan Manuel Fangio gleich.

9 - Hamilton knallte am Samstag mit 1:29,398 Minuten eine echte Fabelzeit in den Asphalt des Nürburgrings. Es war die schnellste gezeitete Runde auf der aktuellen Version des Rings seit neun Jahren, als Takuma Sato 1:27,691 fuhr.

15 - Für Mercedes war es die 15. Pole-Position. Damit hat man gleich viele wie Benetton. Sieben Teams liegen in dieser Wertung noch vor den Silberpfeilen. Auf das nächste fehlen schon 24 Poles, nämlich Brabham.

11 - Dadurch, dass Hamilton seine Spitzenposition umgehend verlor, war ein Auto mit Mercedes-Motor keine einzige Runde lang in Führung. Das war zum letzten Mal vor elf WM-Läufen, also in Indien 2012, der Fall.

3 - Die Pole-Positions in diesem Jahr sind fair verteilt. Vettel, Rosberg und Hamilton entschieden jeweils drei Mal das Qualifying für sich.

13 - Romain Grosjean führte erstmals in dieser Saison ein Rennen an. Damit war er der 13. Fahrer, dem dies heuer gelang. Nur 2008 gab es insgesamt mehr Führende, nämlich 15. Die Autos von Williams, Toro Rosso, Marussia, Caterham und Sergio Perez im McLaren waren heuer am Sonntag noch nie ganz vorne.

442 - Der Pechvogel des Jahres heißt bisher Jean-Eric Vergne. Der Franzose konnte von allen Fahrern die wenigsten Runden beenden. Von möglichen 553 waren es 442. Top in dieser Rangliste: Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen mit 552.

26 - Apropos Räikkönen. Der "Iceman“ hat seine Rekord-Serie von Platzierungen in den Punkten mit Platz zwei wieder einmal verlängert. Nun sind es schon 26 Rennen.

 

Andreas Terler

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