Flashback: Der Knall-Effekt

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Die Aufregung ist groß, die Bedenken sind mehr als berechtigt.

Langsam macht die Reifencausa in der Formel 1 wirklich keinen Spaß mehr. Besonders, wenn die Sicherheit der Fahrer auf dem Spiel steht.

Die Reifen-Platzer und besonders das plötzliche Aus von Sebastien Vettel haben aber für den neutralen Formel-1-Beobachter einen positiven Nebeneffekt. Die Spannung im Titelkampf ist wieder da.

Es ist genug passiert im Home of British Motor Racing.

Lotus verschenkt Plätze und Punkte, Mark Webber krönt den Auftakt seiner Abschiedstournee mit einer sehenswerten Aufholjagd und Mercedes pirscht sich in der Konstrukteurswertung langsam an Red Bull Racing heran.

Blicken wir noch einmal auf das Rennwochenende in Silverstone zurück.

  • HOT AND NOT

  MARK WEBBER

“Welch ein Tag!”, jubelte Mark Webber nach dem Rennen. Dass der Australier just drei Tage nach Bekanntgeben seines Abschieds aus der Formel 1 mit Ende der Saison auf dem Podium steht, war nach Rennbeginn nicht zu erwarten. Der Start des Australiers war nämlich aus der Kategorie Katastrophe. „Was zur Hölle ist bei meinem Start passiert?“, funkte der 36-Jährige während des Rennens in die Box. Seine Crew konnte ihm keine Erklärung liefern. Als er dann im Zweikampf mit Grosjean auch noch seinen Frontflügel beschädigte, schien alles den Bach runter zu gehen. Vom hinteren Mittelfeld aus startete Webber eine fulminante Aufholjagd und profitierte natürlich auch von den Einsätzen des Safety Cars. Im Finish wäre, dank eines frischen Reifensatzes, fast noch der Sieg möglich gewesen. „Ich hätte sehr gerne noch ein paar Runden mit Nico gehabt.“ Aber auch mit Platz zwei kann Webber mehr als zufrieden sein.

 

  ROMAIN GROSJEAN

Eigentlich begann das Wochenende für den Franzosen gut. Erstmals in der Saison stand er in der Startaufstellung vor Teamkollege Kimi Räikkönen. Am Ende steht aber der dritte Ausfall, auch wenn er offiziell als 19 gewertet wurde. Was war passiert? „Gegen Ende des Rennens verloren wir einen ziemlich großen Teil des Frontflügels“, so Grosjean. Daher entschied das Team, das Auto aus dem Rennen zu nehmen. Der Grund für den Defekt war nicht sofort auszumachen. Nach vier Rennen in den Punkten zu Saisonbeginn wartet Grosjean nun seit ebenso vielen WM-Läufen auf Zähler.

  • NEWCOMER-CHECK

Wieder heißt der beste Rookie des Rennens Valtteri Bottas. Der Finne konnte sich von Startplatz 16 aus immerhin noch um vier Positionen verbessern. Gleiches gelang auch Sauber-Pilot Esteban Gutierrez von Startposition 18 aus. Jules Bianchi kann im Marussia als 16. noch einigermaßen mit dem Mittelfeld mithalten, während Max Chilton gegen Giedo van der Garde das Duell gegen den letzten Platz der klassierten Fahrer gewinnt.


  • TEAM-CHECK: Vettel vs. Webber

Erstmals kann Mark Webber in dieser Saison im Head-to-Head gegen seinen Teamkollegen anschreiben. 8:0 steht es für Vettel im Qualifying, im Rennen nunmehr 7:1. Schuld daran ist ein technisches Gebrechen beim Weltmeister. "Ich wollte nach Stowe in den sechsten Gang nach oben schalten, als sich plötzlich der fünfte verabschiedete. Wenn sich einer verabschiedet, sind die anderen auch gleich alle weg", erklärte Vettel sein Aus. Zuletzt war Webber im Saisonfinale 2012 besser klassiert als sein Kollege.

  • NEBENDARSTELLER DES WOCHENENDES: Die Curbs

Die Schuldigen am Reifendilemma schienen schnell gefunden. Spitze Randsteine sollen die linken Hinterreifen von Hamilton, Massa, Vergne und Perez aufgeschlitzt haben. Die Teams riefen ihre Fahrer während des Rennens sogar dazu auf, die Curbs zu meiden – was gerade im Kampf um die Spitzenplätze kein leichtes Unterfangen darstellt. Nach dem Rennen wollte der Theorie rund um die Streckenbegrenzungen keiner so recht glauben. Fahrer und Experten sahen die Schuld nur bei den Gummis. Einen Beweis dafür liefern auch die Rennen der GP2 und GP3 an diesem Wochenende in Silverstone. Dort gab es nämlich keine Probleme mit den Curbs.

 

  • MEME DER WOCHE:

Ob es wirklich so aussieht, wenn Pirelli die Probleme nach dem Rennen analysiert?

 

 

  • LAUDA DES WOCHENENDES: "Sauf' nicht soviel, Kimi"

Auch Niki Lauda war nach dem Rennen in Silverstone in Fahrt. Nicht nur über die Reifenproblematik äußerte sich der 64-Jährige in gewohnt flapsiger Manier, auch in Bezug auf die Nachfolge von Mark Webber bei Red Bull Racing hat er gegenüber "Bild" eine klare Meinung: "Wenn Kimi nicht zu Red Bull geht, ist er ein Schlappschwanz. Die Frage ist, was er will: Freiheiten, wenig Geld und nichts leisten müssen? In diesem Paket sind aber eben auch ein paar mehr Arbeitstage enthalten. Muss er halt ein paar Mal weniger saufen gehen!", so der Aufsichtsratsvorsitzende von Mercedes - Prost, Niki!

  • FAIL DES WOCHENENDES: Die ahnungslose Lotus-Crew

Nach dem Aus von Sebastian Vettel kamen die Spitzenfahrer nach und nach an die Box, um die Safety-Car-Phase zu nützen. Alle? Nein! Das Team von Lotus verzichtete darauf, Kimi Räikkönen an die Box zu holen. Aus unerfindlichen Gründen. "Ich habe das Team gefragt, ob wir in die Box kommen sollten, um die Reifen nochmal zu wechseln, aber sie haben nein gesagt", schildert Kimi. So verschenkte Lotus einen Podiumsplatz und Räikkönen musste sich mit Platz fünf begnügen. Immerhin ist ihm der Rekord mit 25 aufeinanderfolgenden Punkte-Resultaten jetzt endgültig sicher.

  • ZAHLENSPIELEREIEN:

14 - Während Räikkönen eine Rekordmarke setzt, geht Sebastian Vettels Serie zu Ende. Immerhin 14 Rennen lang holte der Weltmeister Punkte, dann streikte in Silverstone die Gangschaltung.

492 - Durch das Aus von Vettel steht auch fest, dass kein Fahrer alle Rennrunden absolviert hat. Räikkönen und Hamilton kommen immerhin auf 492 von 493 Runden.

0 - Sebastian Vettel sollte sich lieber nicht die Statistik ansehen, sonst könnte ihm im Hinblick auf die kommenden beiden Rennen unwohl werden. Der Weltmeister konnte nämlich noch nie in seiner Karriere ein Rennen im Juli gewinnen.

3 - Nico Rosberg feierte den dritten Sieg in seiner Karriere. Das sind unter anderem gleich viele wie Landsmann Heinz-Harald Frentzen. Zwei Erfolge fehlen ihm noch, um seinen Vater Keke einzuholen.

28 - Lewis Hamilton holte die 28. Pole Position in seiner Karriere. Es war die zweite in Silverstone.

16 - Die schnellste Rennrunde fuhr Mark Webber. Sie war aber 2,6 Sekunden langsamer als die Rekord-Runde von Fernando Alonso 2010. Schon in Kanada zeigte der Australier mit der besten Runde seine Klasse, insgesamt gelang ihm dieses Kunststück zum 16. Mal.

600 - Williams feierte offiziell seinen 600. Rennstart. Allerdings blieb der Traditions-Rennstall erneut ohne Punkte.

250 - Auch Pirelli hatte etwas zu feiern. Oder auch nicht. Wie auch immer: Die Italiener lieferten zum 250. Mal die Reifen in einem Formel-1-Rennen.

 

Andreas Terler

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