Flashback: Days of (S)pain

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"Alles, was eine Kurve hat, ist schlecht für unser Auto", soll Michael Schumacher einmal gesagt haben.

Ein Satz, der derzeit aus mehreren Motorhomes stammen könnte.

Hat Niki Lauda nicht in Bahrain exklusiv angekündigt, dass durch neue Reifen in Barcelona alles besser wird? Hat er.

Hat Pirelli dann nicht auch die Reifen geändert? Ja, aber nur die härtere Mischung.

Und was änderte sich im Rennen? Nichts.

Die Formel 1 und ihr Dauerthema. Das zieht sich mittlerweile wie Gummi. Pirelli und die FIA werden beschimpft, die Fahrer sind frustriert und die Zuschauer verwirrt. Die Königsklasse des Motorsports hat in den ersten fünf Rennen ihr eigenes Kräfteverhältnis entwickelt.

Bei vielen Verlierern, gibt es aber auch Sieger. Und die heißen, wie schon in China, Fernando Alonso und Ferrari. Diesmal lässt sich der Heimsieg für den Spanier und seine Scuderia mit einem Wort beschreiben: Konsequenz. Ferrari wusste, dass auf die Boxencrew vier Mal pro Fahrer Arbeit zukommen wird – und nicht weniger.

Andere Topteams haben sich deutlich schwerer damit getan, sich mit vier Stopps anzufreunden und deshalb mitunter „ins Klo“ gegriffen, wie es Sebastian Vettel formulierte.

Lassen wir die „Days of Spain“ noch einmal Revue passieren.

Oder waren es doch eher „Days of pain“? (Oder gar „Days in vain“?)

  • HOT AND NOT

  ESTEBAN GUTIERREZ

Ja, der Mexikaner verpasste die Punkteränge knapp, aber dennoch lieferte er am Sonntag eine starke Performance ab. Immerhin steht der Rookie und aktuelle GP2-Champion mittlerweile unter Druck. Bis zum Rennen sah es eher nicht nach einem gelungenen Wochenende aus. Nach Behinderung von Kimi Räikkönen wurde er um drei Plätze strafversetzt und startete als 19. Doch dann ließ der Sauber-Pilot nicht nur seine ersten beiden Führungsrunden in einem Formel-1-Grand-Prix folgen, sondern knallte mit 1:26:217 auch noch die schnellste Rennrunde hin. 0,3 Sekunden fehlten auf den ersten Punkt seiner Karriere. Eine saubere Leistung.

 

  LEWIS HAMILTON

Die Fahrerlager-Akkreditierung für seinen Hund Roscoe hat ihm an diesem Wochenende, neben Startplatz zwei, wohl noch am meisten Freude bereitet. Als Zwölfter purzelte der Brite erstmals aus den Punkterängen. „Ich habe heute absolut alles gleich wie in Bahrain gemacht, aber ich hatte keinen Grip, konnte nicht pushen und wenn ich es tat, löste sich der Reifen sofort auf“, schimpfte Lewis nach dem Rennen. Wo liegt der Hund begraben? Er weiß es nicht. „Wir müssen zurück zum Reißbrett gehen und sehen, was wir machen können“, so seine Aufforderung an das Team. Frohes Schaffen!

  • NEWCOMER-CHECK

Die Leistung von Gutierrez wurde bereits gewürdigt, aber wie schlugen sich die restlichen Rookies? Nun ja, Valtteri Bottas hat nicht nur mit den Reifen, sondern mit seinem Boliden im Allgemeinen zu kämpfen. Williams ist weiter unter ferner liefen unterwegs, Platz 16 ist das schlechteste Ergebnis für den Finnen in diesem Jahr. Jules Bianchi im Marussia ist mit Platz 18 gar nicht unzufrieden. Der Kampf mit Bottas war durchaus möglich, hätte er sich nicht das Auto beschädigt. Teamkollege Max Chilton hatte Probleme in der Box und muss sich hinter Bianchi einreihen. Das bitterste Wochenende erlebte Giedo van der Garde. Mit Platz 19 im Qualifying holte er seinen bisher besten Startplatz des Jahres heraus, auch der Rennstart war verheißungsvoll. Nach einem Boxenstopp wurde aber sein linkes Hinterrad locker und er verabschiedete sich wenig später.

  • TEAM-CHECK: RICCIARDO VS. VERGNE

Bei Toro Rosso geht es ja nicht nur um die teaminterne Nummer eins, sondern möglicherweise auch um ein Cockpit beim großen Bruder Red Bull Racing im Jahr 2014. Derzeit dürfte da, wie auch diversen Gazetten zu entnehmen ist, Daniel Ricciardo die Nase vorne haben. Das spiegelt sich auch im Ergebnis von Spanien wider. Das liegt aber auch am Pech des Jean-Eric Vergne. Der Franzose musste sein Rennen in Folge einer Kollision mit Nico Hülkenberg vorzeitig beenden. Ricciardo rettete immerhin Platz zehn und ein Pünktchen ins Ziel. Wie wenig zwischen den beiden liegt, sah man im Qualifying. Ricciardo war als Elfter nur 39 Tausendstel schneller als Vergne. Im Qualifikations-Head-to-Head steht es damit 4:1 für den Aussie.

  • MAHLZEIT DER WOCHE: Ein Hut mit alles, bitte!

Man kann Sebastian Vettel nicht vorwerfen, dass er sich nicht genug Gedanken über seine Rennstrategie gemacht hätte. „Ich erwarte, dass wir nicht weniger als drei und nicht mehr als vier Mal an die Box müssen“, wurde er vor dem Rennen auf der offiziellen Formel-1-Website zitiert, mit dem Nachsatz: „Eine Zwei-Stopp-Strategie ist keinen einzigen Gedanken wert. Wenn das jemand macht, esse ich meinen Hut!“ Die schwer verdauliche Mahlzeit bleibt dem Weltmeister erspart, seine verpatzte Rennstrategie liegt dem siegeshungrigen Seb aber sicher genauso im Magen.

  • KIMI DER WOCHE:

Weil der zweite der erste Verlierer ist. Euer Kimi Räikkönen:

  • TWEETS DER WOCHE: Hembery und Häme

Paul Hemberey ist jetzt seit über 20 Jahren bei Pirelli aber so schwer wie jetzt hatte er es wohl noch nie. Nach dem Rennen und unzähligen Beschwerden (Hamilton: „Ich kann nicht langsamer fahren!“) entschuldigt sich der Motorsportdirektor des italienischen Herstellers via Twitter und kündigt weitere Veränderungen der Pneus an:

Wo Schelte, da ist auch Häme nicht weit und die folgte in diesem Falle von @TimJN1:

  • ZAHLENSPIELEREIEN:

10.000 - Caterham schwimmt bekanntlich nicht gerade im Geld, muss diese Summe in Euro aber nach dem Rennen an den gestrengen Bernie Ecclestone überweisen. Grund: "Unsafe release" von Giedo van der Garde, der sich nach einem Boxenstopp seines linken Hinterrades entledigte und so Zuschauer, Fahrer und sich selbst gefährdete.

33 - War es ein langsamer Grand-Prix? Naja. Die schnellste Rennrunde von Gutierrez heuer war gerade einmal 33 Tausendstel langsamer als jene von Romain Grosjean 2012. Bei der Gesamtzeit fehlten Fernando Alonso gut sieben Sekunden auf Pastor Maldonado aus dem Vorjahr.

2 - Was haben Fernando Alonso und Michael Schumacher gemeinsam? Seit Sonntag noch mehr! Der Spanier ist der erste Fahrer in Barcelona seit Schumi, der den Grand Prix gewinnen konnte, obwohl er nicht in der ersten Reihe startete. Dem Deutschen gelang das 1996 als Dritter. Alonso startete gar als Fünfter.

4 - Nach fünf Rennen eine interessante Bilanz: Nur vier Fahrer konnten bisher alle Rennrunden bestreiten. Vettel, Massa, Räikkönen - und? Richtig: Sergio Perez.

583 - Apropos Rennrunden. 586 davon gab es bisher. Kein Team hat alle bestritten. Die beste Quote hat, auch wenn sich der Erfolg bislang nicht in Punkten ablesen lässt, McLaren mit 583 Runden. Das sind 99,5%. Auf Platz zwei übrigens: Marussia!

222 - Die Scuderia marschiert weiterhin vorne weg, was Rennsiege betrifft. Ferrari feierte in Barcelona den 222. Erfolg.

82 - Langsam nähert sich die Formel 1 einem Rekord. Unglaubliche 82 Boxenstopps absolvierten die Teams am Circuit de Catalunya. Der Rekord liegt bei 85 (Ungarn, 2011).

16 - Begeben wir uns ins Land der Spekulationen: In 16 von 22 bisherigen Fällen hat jener Konstrukteur die WM gewonnen, der in Barcelona siegreich war. Ein gutes Omen für Ferrari?

 

Andreas Terler

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