Junge Fahrer, neue Reifen und ein Pay-Driver

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Silverstone, die Zweite.

Nach dem Rennwochenende im Juni mit einem knappen Sieg von Nico Rosberg, kehrt der Formel-1-Tross nach Großbritannien zurück. Diesmal geht es aber nicht um WM-Punkte, sondern um Testkilometer für den Nachwuchs und die veränderten Pirelli-Reifen.

Ursprünglich als Young-Driver-Test geplant, reagierte die FIA unmittelbar nach dem Desaster in Silverstone und gab die drei Tage für alle Fahrer frei.

Alle? Nicht ganz. Mercedes, ausgerechnet jenes Team, das zuletzt am Nürburgring wieder mit den Pneus zu kämpfen hatte, ist aufgrund der regelwidrigen Zusammenarbeit mit Pirelli zum Zuschauen verdammt.

Was passiert genau im British Home of Motorsport und welche Fahrer sind dabei? Hier sind die Antworten:

WARUM WIRD GETESTET?

Der sogenannte „Young Driver Test“ existiert, wie der Name schon sagt, um den Nachwuchs zu fördern und die Möglichkeit zu geben, Erfahrung in einem aktuellen Formel-1-Auto zu sammeln. Bislang war das aber nicht immer der Fall. Oft sah man finanziell unterstützte, sogenannte „Pay-Driver“ oder routinierte Testpiloten, die für die Teams neue Teile ausprobieren. Auch heuer hat sich ein Fahrer eine Probefahrt gekauft.

Besonders wird der diesjährige Test aber, weil die FIA Artikel 22.4h des sportlichen Reglements insofern außer Kraft gesetzt hat, dass auch Fahrer teilnehmen dürfen, die bereits zwei oder mehr Grand Prix bestritten haben. Jedoch nur zu dem Zweck, die veränderten Gummis kennenzulernen. Um dies zu gewährleisten, entsendet die FIA eigene Beobachter, welche die Programme sämtlicher Teams checken, sodass die Entwicklung der Fahrzeuge ausschließlich von den sogenannten „Young Drivers“ vorgenommen wird.

WELCHE REIFEN WERDEN GETESTET?

Die alten Hasen im Rennzirkus werden mit einer Mischung aus den 2012er-Reifen und der aktuellen Version auf Tuchfühlung gehen, wie Pirelli bekanntgab. Die Konstruktion ist jene des Vorjahres, die Laufflächen (Gummimischung) ist die der aktuellen Saison. "Wir erwarten nicht, dass sich der neue Reifen beim Fahren groß anders anfühlen wird, die allgemeine Charakteristik sollte ähnlich sein", prognostiziert Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery.

WER FÄHRT WO?

Abgesehen von Mercedes sind alle Teams für den Test zugelassen. Als überlegt wurde, den Test wegen der Reifen um einen Tag zu verlängern, hofften die Silberpfeile, sich doch noch in die Ausfahrten auf der Insel hinein reklamieren zu können, doch die FIA nahm Abstand von einer Verlängerung und schob damit den Wünschen von Mercedes einen Riegel vor.

Die restlichen Rennställe gaben nach und nach ihre Teilnehmer bekannt. Und es gab durchaus Überraschungen.

Red Bull Racing

Zum Beispiel bei Red Bull Racing. Neben Antonio Felix Da Costa, der bereits vergangenes Jahr in Abu Dhabi im Einsatz war, wird auch Carlos Sainz Junior, Sohn des zweifachen Rallye-Weltmeisters, ins Cockpit steigen.

Für große Augen sorgte aber die Information, dass auch Daniel Ricciardo am ersten Tag Runden im RB9 drehen wird. Der Australier darf sich seit dem Bekanntwerden des Rückzugs von Mark Webber Hoffnungen auf einen Platz bei Red Bull Racing machen. Die Chancen hierfür scheinen durch die Teilnahme am Test in Silverstone wesentlich gestiegen zu sein, zumal Toro-Rosso-Teamkollege Jean-Eric Vergne, ebenfalls ein Kandidat, vom Weltmeisterteam nicht berücksichtigt wurde. Ein Duell zwischen Ricciardo und Kimi Räikkönen, über dessen Präferenz jedoch öffentlich keine Klarheit herrscht, zeichnet sich also ab.

Ferrari

Während Sebastian Vettel erst am Freitag für seinen Arbeitgeber die Pneus Probe fährt, fehlt bei Konkurrent Ferrari mit Fernando Alonso die Nummer eins im Team völlig. Die Scuderia hat sich gegen einen Einsatz des Spaniers und für Felipe Massa und Davide Rigon entschieden. Letzterer ist seit 2011 Testpilot von Ferrari und war bisher vor allem im Simulator im Einsatz.

Lotus

Der erfolgreichste Reifenflüsterer und zweite Herausforderer von Vettel lässt sich die Chance nicht entgehen. Kimi Räikkönen wird für Lotus dem veränderten Fabrikat von Pirelli genauso auf den Zahn fühlen wie die Entwicklungsfahrer Nicolas Prost und Davide Valsecchi.

McLaren

Dass es auch ganz ohne Stammpersonal geht, zeigt McLaren. Für die Truppe aus Woking ist die Saison schon jetzt eher zum Vergessen. Deshalb dürfen sich die Youngster Kevin Magnussen (Formel Renault 3.5) und Oliver Turvey sowie Gary Paffett, der den Motorsport-Fans aus der DTM bekannt ist, hinter das Steuer setzen.

Sauber

Dass der Test, wie bereits erwähnt, nicht immer seiner ursprünglichen Bedeutung gerecht wird, beweist diesmal Sauber. Nico Hülkenberg, der kürzlich seinen Vertrag gekündigt haben soll, bekommt nämlich nur einen Kurzeinsatz. So bleibt Zeit und Platz, dass abgesehen von Testpilot Robin Frijns auch Kimiya Sato teilnehmen darf. Der Japaner hat zwar Erfahrung aus der Formel BMW und der Formel 3, saß aber noch nie in einem Formel-1-Boliden. Laut Informationen des „Blick“ hat sich der 24-Jährige dieses Privileg 250.000 Euro kosten lassen.

Williams

Bei Williams erfüllte sich der Wunsch nach Punkten bislang noch nicht, dafür wird der lang gehegte Traum der Susie Wolff Realität. Mit 30 Jahren darf die Ehefrau von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ihren ersten echten Test in einem Formel-1-Wagen absolvieren. Bisher war sie nur bei Straight-Line-Tests, einem Showrun und im Simulator im Einsatz. Begleitet wird Wolff von Pastor Maldonado und Daniel Juncadella (DTM).

 

Andreas Terler

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