Fragen und Antworten vor dem Nacht-Spektakel

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Die Nachtfahrt in Singapur führt die Formel-1-Piloten an ihre Grenzen. Tropische Hitze und der Kampf gegen die innere Uhr auf einem Stadtkurs, der keinen Fehler verzeiht - das Rezept für ein schillerndes Spektakel.

"Das ist schon alles sehr speziell hier: die Stadt, die Nacht, die Strecke", sagt Rekordweltmeister Michael Schumacher. Die wichtigsten Fragen rund um das 14. Saisonrennen.

Warum wird überhaupt bei Dunkelheit gefahren?

Wichtigster Grund ist der europäische TV-Markt. Sechs Stunden beträgt die Zeitverschiebung zwischen Singapur und Mitteleuropa. Durch die späten Startzeiten können die Formel-1-Fans den Grand Prix jedoch zu den gewohnten Fernsehzeiten sehen. Grandioser Nebeneffekt: Die beleuchteten Straßen von Singapur mit dem Mix aus Moderne und kolonialer Architektur liefern spektakuläre Rennbilder.

Wie stellen sich die Fahrer auf die ungewohnten Arbeitszeiten ein?

"Wir bleiben alle in der europäischen Zeit, weil das Rennen erst um 20.00 Uhr Ortszeit anfängt. Viele Fahrer stehen so gegen 14.00 Uhr auf", erklärt Doppel-Weltmeister Sebastian Vettel. Mit heruntergelassenen Rollos in ihren Hotels simulieren die Fahrer tagsüber die Nacht, um den Schlaf zu verlängern. Der eine oder andere trainiert im Kampf gegen die innere Uhr noch mitten in der Nacht mit dem Fahrrad auf der Strecke wie Michael Schumacher, schaut lange Videos wie Vettel oder hockt bis in den frühen Morgen an der Hotelbar - bei alkoholfreien Getränken natürlich.

Wie schwierig ist das Rennfahren bei Dunkelheit?

Dank des Flutlichts ist die Strecke bestens ausgeleuchtet. Die Fahrer tragen Helme mit entspiegelten Visieren, um die Sicht zu verbessern. Die Auslaufzonen werden etwas weniger beleuchtet, um die Strecke noch besser abzugrenzen und Irritationen zu vermeiden. Riskant wird es, wenn Regen fällt, der auf der Strecke und auf den Helm-Visieren für ungewollte Licht-Reflexionen sorgt.

Wie groß ist der technische Aufwand für das Nachtrennen?

Rund 1.600 Scheinwerfer mit insgesamt 3,2 Millionen Watt Leistung lassen die Strecke taghell erstrahlen - viermal heller als jedes Fußballstadion bei einem Abendspiel. Zwölf riesige Generatoren liefern den Strom. 240 Stahlträger halten die Gestelle, an denen die Lichtprojektoren hängen. Mehr als 108 Kilometer Kabel wurden verlegt. Die Stromrechnung geht in die Millionen.

Wie bewerten die Fahrer die Herausforderung Singapur?

   Force-India-Pilot Nico Hülkenberg spricht für viele seiner Kollegen, wenn er sagt: "Singapur ist für mich das härteste Rennen des Jahres - physisch und mental." Zu den ungewohnten Startzeiten kommt die tropische Hitze und die extreme Luftfeuchtigkeit. Bis zu drei Kilo verlieren die Fahrer während des Rennens an Gewicht. Zudem lässt die holprige Stadtstrecke mit 23 Kurven keine Atempause zu. Fast zwei Stunden sitzen die Fahrer im Cockpit.

Was bringt das Rennen für die Gastgeber?

Singapur gilt seit seinem atemberaubenden Debüt 2008 als einer der Kronjuwelen im Formel-1-Kalender. Neben Monaco und Abu Dhabi werden hier angeblich die meisten Geschäfte am Streckenrand eingefädelt. Singapur zahlt deutlich mehr als 30 Millionen Euro Startgebühren an Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Der Grand Prix spült allerdings auch zusätzliche Umsätze von 80 bis 100 Millionen Euro pro Jahr in den Stadtstaat. "Singapur ist gut für die Formel 1, und die Formel 1 ist gut für Singapur", sagt Ecclestone.

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